Zurück

10-fache Schallgeschwindigkeit mit einem Flugzeug


Unsere neue Technik entwickelt sich in unserer heutigen Zeit immer schneller.
Alles läuft schneller, fährt schneller, die Zeit geht schneller usw. 
Nun soll das Fliegen mit dem Flugzeug auch schneller werden.  Dazu der folgende Bericht, der uns zugesandt wurde.  Vielen Dank dafür!


die WFG-Schriftleitung






(Quelle: TELEPOLIS: In 45 Minuten von München nach New York , vom 24.04.2001 von Harald Zaun)

Neuartiger Antrieb wird Anfang Mai getestet.  Er soll das Flugzeug der Zukunft auf 10-fache Schallgeschwindigkeit beschleunigen.

Lassen Sie den Science-Fiction-Film einmal vor Ihren Augen ablaufen:
Sie stehen morgens auf, eilen zum Flughafen, der in Köln, Berlin, München oder London sein könnte und fliegen mal eben kurz zum Shopping nach New York und am selben Tag zurück.
Kurz und kurzweilig könnte die Reise dann sein.  Für solch ein Abenteuer bräuchten Sie nur das nötige Kleingeld, aber nicht viel Zeit.  Denn geht es nach den Plänen der NASA, dann könnte in 15 Jahren ein neuer Flugzeugantrieb dafür sorgen, daß diese Strecke in nur 40 bis 50 Minuten bewältigt wird.

Mit Sicherheit werden spätere Historiker einmal das 20. Jahrhundert als das Jahrhundert der "Quantensprünge", als Ära der Entdeckungen und Erfindungen bezeichnen, in dem viele Grundsteine für technischen und wissenschaftlichen Fortschritt einer Gegenwart gelegt wurden, die für uns derzeit noch entfernte Zukunft ist.  Wer aber hier und heute die letzten 100 Jahre Revue passieren läßt, sieht sich natürlich ebenfalls einem bunten Kaleidoskop von Ideen und Entwicklungen gegenüber, die ihren Ursprung allesamt menschlicher Kreativität verdanken.  Insbesondere auf dem Gebiet der Luft- und Raumfahrt zeigt sich, wie irrwitzig progressiv und effizient die letzten zehn Dekaden wirklich gewesen waren.  Gerade mal 101 Jahre ist es her, seitdem der "verrückte" Graf Zeppelin in Friedrichshafen am Bodensee die erste Versuchsfahrt mit seinem lenkbaren Starrluftschiff LZ 1 unternommen hat (was allerdings noch im letzten Jahrhundert war).  Und nur ein Jahr später, am 14. August 1901, erhob sich zum ersten Mal ein Mensch vor mehr als 20 Augenzeugen mit Hilfe von Motorkraft in die Luft.  Dem gelernten amerikanischen Schlosser und Matrosen deutscher Herkunft Gustav Whitehead ( Gustav Weißkopf) und nicht den Gebrüdern Wright gebührt sehr wahrscheinlich der Ruhm, der erste Motorflieger der Weltgeschichte gewesen zu sein.
Obwohl die quellenmäßig nicht hundertprozentig belegt werden kann, hat Whitehead vermutlich in 15 Meter Flughöhe eine Strecke von 850 Metern zurückgelegt.

Feuertaufe im Windkanal bereits bestanden

Derweil haben wir uns an das Bild von zeppelingroßen "Luftschiffen" wie den Jumbo oder pfeilschnellen Raketen gewöhnt.  Doch manchmal reißen uns spektakuläre, neue Fluggeräte aus unserer "technischen" Lethargie - wie vor einigen Jahren der Tarnkappenbomber Stealth, der mittlerweile aber aufgrund seiner Effektivität, die er in diversen Kampfeinsätzen auf fatale Weise bewiesen hat, alles andere als länger faszinierend ist.  Spektakulär und keineswegs vor militärischem Mißbrauch sicher sein wird auch ein Flugantrieb, den die NASA am Mittwoch vorgestellt hat.  Er könnte frühestens in 15 Jahren das Gesicht der Luftfahrt radikal verändern.
Dabei handelt es sich um einen Triebwerkstyp, der die zehnfache Schallgeschwindigkeit erreicht und seine Feuertaufe im Windkanal-Test bereits bestanden hat.  Er wurde von der NASA zusammen mit Boeing und dem US-Unternehmen Micro Craft entwickelt.  Bereits Anfang Mai soll der erste Testflug über die Bühne gehen, bei dem eine Endgeschwindigkeit von Mach 10 (zehnfache Schallgeschwindigkeit) erreicht werden soll.  Zwei weitere sollen nach NASA-Angaben erst Ende 2002 folgen.

"Wir bringen das, was wir in unserem Hyper-X-Program in den letzten 40 Jahren in Windkanälen erarbeitet haben, jetzt erstmals zum Fliegen", erläutert Vince Rausch, seines Zeichen Manager für das Hyperschall-Forschungsprogramm im Langley-Forschungszentrum der NASA in Hampton, Virginia.

Noch sind jedoch viele Schwierigkeiten zu meistern.  Sowohl Design, Materialien und Gewicht der späteren Flugzeuge müssen höchsten Ansprüchen genügen.  Vor allem aber der Antrieb muß dergestalt optimiert werden, daß der Treibstoff in den Brennkammern wenn dort die Luft mit Hyperschallgeschwindigkeit durchjagt, auch ungestört verbrennen kann.  Und nicht zuletzt wird der Erfolg eines solches Triebwerks von dem "Verbrauch" abhängen.  In dieser Hinsicht dürfte die Concorde wohl kaum ein Vorbild sein.


Zündung nur 10 Sekunden lang

Als Testflugzeug dient der nur 3,6 Meter lange Prototyp X-43A - auch Hyper-X genannt-, der zum ersten Mal in der Fluggeschichte an einem achtmotorigen B-52-Atombomber befestigt wird.  Erreicht der betagte Bomber eine Höhe von 6.800 Metern, löst sich der unbemannte X-43A und seine zusätzlich installierte Booster-Rakete zündet.  Aber erst in über 30 Kilometer Höhe beschleunigt die Rakete die X43A auf siebenfache Schallgeschwindigkeit.  Dann wird die Start-Rakete abgeworfen und der neu entwickelte Motor gezündet.  Zum ersten Mal in der Geschichte der Luftfahrt soll dann ein Scramjet-Antrieb, der wie ein herkömmliches Fluzeugtriebwerk funktioniert, getestet werden.
Allerdings wird der Antrieb nur für zehn Sekunden gezündet.  Gleichwohl wird in dieser kurzen Zeit die Hyper-X insgesamt 27 Kilometer zurücklegen und sich somit noch schneller bewegen, als es bisher mit konventionellen Raketen-Antrieben an Flugzeugen gelungen ist.
Anschließend wird das kleine Versuchsflugzeug im Pazifik versinken.

Erreicht der Hyper-X die erhoffte Höchstgeschwindigkeit, würde erstmals ein Flugzeug in eine Geschwindigkeitsdimension vorstoßen, die bislang ausschließlich "echten" Raketen vorbehalten gewesen war.  Ausgestattet mit solch einem Antrieb, könnte ein Verkehrsflugzeug viermal so schnell wie die ausrangierte Concorde fliegen.  Für die Strecke München-New York benötigte es gerade mal 45 Minuten.

Sofern die Testreihe erfolgreich verläuft, wird der neue Antrieb später laut Auskunft des NASA-Sprechers Jim Cast mit größeren Maschinen und Piloten wiederholt.  Bis jedoch das neuartige Triebwerk sowohl militärische als auch zivile Maschinen mit zehnfacher Schallgeschwindigkeit "beflügelt" und auch in der Raumfahrt zum Einsatz kommt, werden noch einige Jahre durchs Land ziehen.  "An eine Kommerzialisierung ist vor dem Jahr 2016 nicht zu denken", so Cast.