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Irakische
Truppen desertieren in Scharen |
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(Quelle: Hamburger Abendblatt vom 28.3.2005) Gegenwind
im Irak
Sicherheit: Soldaten der irakischen Truppen desertieren in Scharen, die Lage bleibt unbeherrschbar. Bagdad/Hamburg - Die Probleme im Irak sind offenbar nicht in den Griff zu bekommen. Wenn auch gestern mit dreiwöchiger Verspätung ein Kabinett zusammengezimmert wurde, so desertierten doch die Soldaten der irakischen Armee, die diese Regierung schützen sollen, in Scharen. Und die "Koalition der Willigen" bröckelt weiter. Spanien, Norwegen, Holland, Thailand und einige lateinamerikanische Länder begründen den Abzug ihrer Truppen damit, daß der Irak nun selbst für seine Sicherheit sorgen könne. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wiederholt ständig, daß die Ausbildung und Rekrutierung der irakischen Streitkräfte Fortschritte mache. In Wirklichkeit kann man vom genauen Gegenteil sprechen. In einem 21seitigen internen Bericht des "US Government Accountability Office" steht, daß man von den gestellten Zielen beim Aufbau der irakischen Sicherheitskräfte weit entfernt sei. Die USA wollen, daß bis Juli 2006 Polizei und Militärverbände 270 000 Mann stark sind. Heute soll es bereits 82 000 Polizisten geben und 60 000 Soldaten. Das sind 47 Prozent der Zielvorgabe. Soweit die Theorie. Der US-Bericht sagt, daß diese Zahlen übertrieben sind. Nach Schätzungen kommt rund ein Drittel der Polizisten gar nicht zum Dienst. Und bei der Armee sieht es ähnlich aus. Daß im Irak neben dem Terrorismus auch die "normale" Kriminalität über alle Maße wuchert, wird dabei völlig übergangen. In Bagdad gibt es täglich über 100 Entführungen, die Gerichtsmedizin arbeitet bei täglich durchschnittlich 70 Leichen rund um die Uhr. Die Einwohner der Millionenstadt Bagdad verlassen ihre Häuser nur noch, wenn es unbedingt notwendig ist. Dadurch haben sich die Lebenshaltungskosten im letzten Jahr mehr als verdoppelt. Benzin und Wasser sind nur noch auf dem Schwarzmarkt zu bekommen. In dem US-Bericht weist auch das US-Oberkommando Centcom in Doha besonders darauf hin, daß Befehlskette und Kommandostruktur bei den irakischen Sicherheitskräften äußerst mangelhaft sind. Bei Einsätzen gibt es oft nur Chaos. Zudem hemmt der permanente Streit um Zuständigkeit den gesamten Sicherheitsapparat. Betont wird auch, daß "eine unbekannte Zahl" von irakischen Sicherheitskräften mit dem Widerstand kooperiert. Darum wollen US-Streitkräfte bei entscheidenden Militäraktionen nur handverlesene Soldaten dabeihaben. Mitarbeiter des irakischen Verteidigungsministeriums berichten von Korruption in einem "nicht vorstellbaren Ausmaß". Ganze Fahrzeugparks verschwinden. Der scheidende Verteidigungsminister hat in seinen letzten Amtstagen noch über hundert Verwandten und Parteifreunden hohe Posten besorgt. Der Londoner "Daily Telegraph" berichtete, daß irakische Einheiten desertieren oder sich spätestens im Gefecht davonmachen. So bestehe ein irakisches Bataillon von einst mehr als 400 Mann nur noch aus ein paar Dutzend Mann, die sich in einem Phosphatwerk verschanzt hätten. Aber auch die Koalitionstruppen haben große Schwierigkeiten. Wie der "Telegraph" meldete, sah sich die E-Kompanie der 1. Marines Division dazu gezwungen, aus Personalmangel Pappkameraden aufzustellen, um die Rebellen über die tatsächliche Stärke zu täuschen. Von 185 Soldaten wurde innerhalb von sechs Monaten in Ramadi westlich von Falludscha ein Drittel getötet oder verwundet. Die Marines waren 26 Gefechten, 90 Mörserangriffen und 100 Bombenanschlägen ausgesetzt. Der Bericht des "US Government Accountability Office" bilanziert: "Ohne die notwendige Ausrüstung und Ausbildung der irakischen Sicherheitskräfte wird das Pentagon Schwierigkeiten haben, seine Strategie des Truppenabbaus im Irak umzusetzen." |
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