Zurück



Organisierter Widerstand im Irak


Das der Widerstand im Irak organisiert ist, hatten wir schon lange vermutet.  Dies wird auch nun in den Medien immer mehr bestätigt.  Es darf daran erinnert werden, daß nach dem Einmarsch der Amerikaner in Bagdad die "schwarzen Garden" einfach in den Untergrund verschwunden sind. 

die WFG-Schriftleitung




(Quelle: www.jungle-world.com vom 22.9.2004 in Auszügen wiedergegeben)

Fortgesetzter Krieg

Auf der Gründungskonferenz des Irak-Komitees im Juli konnte Dr. Aziz Alkazaz dank seines Hintergrundwissens aus dem Nähkästchen plaudern und die Anwesenden beruhigen, dass der Widerstand gegen die Besatzer und die irakische Regierung und Bevölkerung noch lange andauern wird. "Der bewaffnete Widerstand sei durch die irakische Regierung systematisch über Jahre hinweg vorbereitet worden und verfüge über ausreichende Bewaffnung und militärisch geschulte Kämpfer", liest man im Protokoll der Veranstaltung über den Vortrag Alkazaz. Und weiter: "Dieser Widerstand könne im Durchschnitt bis zu 40 Operationen pro Tag durchführen."

Eine Aussage, die von einem Reporter der Asia Times Online bestätigt wird, der im Sommer im Irak unterwegs war und dort mit führenden Kadern des irakischen Widerstands zusammenkam. Der Journalist traf unter konspirativen Umständen zwei ehemalige Generäle und einen Oberst des früheren irakischen Militärs, die ihm erklärten: "Die Amerikaner haben
den Krieg vorbereitet, wir haben die Nachkriegszeit vorbereitet."  Sie seien, als die Amerikaner eingerückt seien, "nicht desertiert", sondern hätten den Befehl erhalten, sich zu zerstreuen. Vor dem Krieg seien landesweit Verstecke angelegt worden, darin befinden sich angeblich Katjuschas, Mörser, Antipanzerminen, Raketenwerfer, Lenkgeschosse,
Kalaschnikows und umfangreiche Reserven an Munition. Über eine Zusammenarbeit mit dem schiitischen Islamisten Muqtada al-Sadr gaben die Baath-Leute keine direkte Auskunft, erklärten jedoch, sie unterstützten ihn "in taktischer und logistischer Hinsicht". Auch Awni al-Kalemji von der IPA erklärte im August in einem Interview in der jungen Welt: "Die Baath-Partei hatte sich schon lange auf einen Guerillakrieg vorbereitet und die materiellen Voraussetzungen dafür
geschaffen."






(Quelle: www.freace.de vom 4.1.2005)

240 000 Widerstandskämpfer im Irak?

Wie AFP am Montag berichtete, hat der Leiter des "irakischen Geheimdienstes", General Muhammad Abd Allah Shahwani gegenüber Journalisten die Zahl der Widerstandskämpfer im Irak auf insgesamt 240.000 geschätzt, 40.000 von ihnen "Vollzeit".

Diejenigen, die nur "Teilzeit" als Widerstandskämpfer aktiv sind, stellen seiner Vermutung zufolge außerdem notwendige Unterstützung wie Informationen, Logistik und Unterkunft zur Verfügung.

"Ich glaube, der Widerstand ist größer als das US-Militär im Irak. Ich glaube, der Widerstand umfaßt über 200.000 Menschen", so Shahwani.

Insbesondere in den Provinzen Baghdad, Salah al-Din, Diyala, Nineveh und Tamin der insgesamt 18 irakischen Provinzen erhalte der Widerstand breite Unterstützung, sagte er, wobei er bei dieser Aufzählung aus welchem Grund auch immer die Provinz al-Anbar, in der auch die Stadt Fallujah liegt, ausließ.

"Die Menschen haben nach zwei Jahren ohne Fortschritt die Schnauze voll. Die Menschen haben die Schnauze voll von keiner Sicherheit, keinem Strom, die Menschen haben das Gefühl, sie müßten etwas unternehmen", sagte er. "Hunderttausende waren in der Armee. Man würde erwarten, daß einige Veteranen sich mit ihren Angehörigen, jeder hat Söhne und Brüder, [dem Widerstand] anschließen."

Shahwanis Aussage zufolge sind nicht nur mehrere Stadtteile und kleinere Orte überall im Irak für US-Soldaten nicht betretbar, er nannte auch Gebiete in der Hauptstadt Baghdad selbst, in denen verschiedene Gruppen praktisch unantastbar geworden sind.

Auch wenn er nicht direkt sagen wollte, daß die Widerstandskämpfer derzeit dabei sind, das Land unter ihre Kontrolle zu bringen, so kam er dem doch schon ziemlich nahe, als er sagte: "Ich würde sagen, daß sie nicht verlieren."

Die Einschätzungen Shahwanis werden von mehreren US-Experten bestätigt. So sagte Bruce Hoffman, der für den Think-Tank Rand Corporation arbeitet und zuvor als Berater der US-Besatzer im Irak tätig war, er glaube der Schätzung Shahwanis.

Anthony Cordesman, ein Analyst des Centre for Strategic and International Studies (CSIC), sagte: "Die irakischen Zahlen erkennen die Wirklichkeit an, daß der Aufstand im Irak breite Unterstützung in sunnitischen Gebieten hat, während die US-Zahlen dies bis zum Punkt des Verleugnens herunterspielen."

Auch wenn Shawanis Motivation für seine Aussage gegenüber den Journalisten nicht klar ist und die ihm zustimmenden "Experten" den Eindruck zweifellos noch verstärken, daß diese "Schätzung" zumindest mit Billigung des Pentagons erfolgte, so scheint sie doch deutlich dichter an der Wirklichkeit zu sein, als die bisherigen offiziellen Schätzungen von 5.000 bis 20.000 Widerstandskämpfern.







(Quelle: Hamburger Abendblatt vom 11.1.2005)

Pentagon überdenkt Militärstrategie im Irak
Hilferuf: US-Kommandeur schlägt Alarm. Rumsfeld: Lage ist "dramatisch".

Von Erwin Decker

Kirkuk - Jeden Tag sterben US-Soldaten im Irak. Gestern kamen zwei GIs beim Angriff auf ihren Abrams-Panzer ums Leben. Das US-Verteidigungsministerium bezeichnet die Situation dort inzwischen als "sehr dramatisch". Angesichts der unkontrollierbaren Sicherheitslage schickt Donald Rumsfeld den pensionierten vier Sterne General Gary Luck zur Überprüfung der gesamten Militärstrategie nach Bagdad.

Luck soll alle Bereiche des Einsatzes von der US-Truppenpräsenz bis hin zu Strategien zur Niederschlagung des Aufstandes untersuchen. Der Ex-Oberbefehlshaber der US-Armee in Südkorea und Berater von General Thommy Franks während des Irakfeldzuges wird sich vor allem den Ausbildungsstand der neuen irakischen Armee und der Polizei ansehen. Und da gibt es nicht viel Erfreuliches zu berichten.

Und er wird mit Sicherheit sehr schnell feststellen, daß die Stimmung unter den US-Soldaten auf dem Tiefpunkt ist. Rund 1300 US-Soldaten wurden bislang getötet, mehr als 10 000 GIs verletzt. Es gibt keinen Ort im Irak, wo die US-Soldaten noch sicher sind. "Viele schreiben einen Abschiedsbrief bevor sie auf Patrouille gehen. Noch nie war es so gefährlich wie jetzt", sagt Sergant OLeary aus Mossul.

Der Kommandeur der Heeresreserve, James Helmly, schlug in einem Memorandum Alarm: Die Streitkräfte seien wegen verfehlter Maßnahmen des Pentagon total überlastet und stünden vor dem Zusammenbruch. Drastisch verlängerte Einsätze, kurzfristige Einberufungen und Ausrüstungsmängel hätten die Reserve derart stark strapaziert, daß die Gefahr bestehe, künftige Missionen nicht mehr erfüllen zu können. Heeresreservisten und Nationalgardisten stellen 40 Prozent der 150 000 US-Soldaten im Irak. Zwar sei die Zahl der Anschläge auf 60 pro Tag zurückgegangen, dafür sei aber nun die Sprengkraft der Bomben höher, berichtete US-Brigadegeneral David Rodriguez.

Die neue irakische Armee, die "National Guard" ("NG"), sollte nach und nach Sicherheitsaufgaben übernehmen. Sie ist aber bei Einsätzen wie in Falludscha nur als Alibi dabei. Ausbildung und Einsatzbereitschaft sind noch lange nicht so weit. Und es gibt konkrete Hinweise, daß "NG" und Polizei stark von den Aufständischen unterwandert sind.

Iraks Geheimdienstchef General Mohammed Abdullah Schahwani sagte vor wenigen Tagen, welche riesige Streitmacht im Widerstand steht: "Wir haben Erkenntnisse, daß es mehr als 200 000 Mann sind." Bisher ging man in Bagdad von etwa
20 000 Kämpfern aus.