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Der Herero- und
Namaaufstand in Deutsch-Südwestafrika |
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Hintergrundinformationen - Ereignisse und Begebenheiten, die zu dieser Zeit in Deutsch-Südwestafrika stattfanden. Kapitelübersicht: Warum kam es zu dem Hereroaufstand von 1904 Einzelne Ereignisse die zum Hereroaufstand führten Die wichtigsten Geschehnisse in der Aufstandszeit von 1903 bis Ende 1906 Die Schlacht am Großen und Kleinen Waterberg Der Namaaufstand |
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Warum kam es zu dem Hereroaufstand von 1904? (Dazu eine kurze Zusammenfassung aus dem Buch "Das alte Swakopmund", herausgegeben von Dr. A.Weber, ehemals Kurator des Swakopmunder Museums im Oktober 1967) Als im Oktober 1903 die
Bondelswarts im äußersten
Süden des Schutzgebietes sich mit der Registrierung der Waffen
nicht abfanden und widersetzlich wurden, reiste Gouverneur Leutwein,
Kommandeur der Schutztruppe, im Dezember selbst nach dem Süden und
zog einen Teil der Schutztruppe dorthin, auch die 2. Kompanie Franke
von Omaruru. Der Norden war also ziemlich leer von Truppen.
Seit langem war Unzufriedenheit unter den Hereros spürbar. Ein Grund war die Landabgabe Mahareros (Oberhäuptling der Ovaherero) an die Regierung. Die Hereros sahen ihre Freizügigkeit beschnitten, die Rinderpest hatte in den vergangenen Jahren das Vieh dezimiert. Sie waren nicht geneigt, ihre Lebensweise auf das mit Geld geregelte Arbeitssystem der Europäer umzustellen, wollten aber vielfach auf inzwischen angenehm gewordene Handesartikel auch nicht verzichten. Seit langem hatte sich ein sehr ungesundes Handels- und Kreditsystem entwickelt. Hier und da waren Händler zu unvernünftiger, unverantwortlicher Kreditgewährung bereit, um sich dadurch Zugriff auf die Ochsen der Kunden zu sichern, andrerseits bedrängten die Hereros die Kaufleute manchmal auch derartig zur Hergabe bestimmter Waren, daß diese nicht umhin konnten, Kredit zu geben, der später mit Vieh abgelöst werden sollte. Wollten die Kaufleute dann ihre Schulden auf dem Gerichtsweg eintreiben, mußte das zu Mißstimmungen führen. Gouverneur Leutwein trat bereits 1899 dafür ein, daß eine durchgreifende Verordnung diesem Zustand, der ständig böses Blut verursachte, ein Ende machen sollte. Er dachte an das Verbot für Händler, Kredit an Eingeborene zu gewähren und an ein Verbot, solche Kredite einzuklagen. Mit diesem Vorschlag, mit dem er die Zustände ein für allemal zu sanieren hoffte, konnte Leutwein sich im Kolonialrat nicht durchsetzen. Statt dessen kam es zu einem Kompromiß durch die Kreditverordnung vom 23. Juli 1903, wonach "Verbindlichkeiten Eingeborener aus Rechtsgeschäften mit Nichteingeborenen innerhalb eines Jahres nach Abschluß der Rechtsgeschäfte erlöschen". Paul Leutwein ist in dem 1929 über seinen Vater geschriebenen Buch der Ansicht, sein Vater, der Gouverneur, hätte die üblen Folgen dieser Verordnung voraussehen und sein Amt zur Verfügung stellen müssen. Das hat er jedoch nicht getan. Jedenfalls fingen manche Händler auf Grund der Kreditverordnung an, rigoros ihre Schulden einzutreiben, um sich vor Verlusten zu bewahren. Dies erhöhte den Widerstand. Anderes kam hinzu. Als ein betrunkener Weißer die Tochter eines Häuptlings versehentlich erschoß, sprachen ihn zunächst die weißen Beisitzer frei. Nach Berufung des Staatsanwalts wurde er zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Dieses Vorkommnis rief große Erbitterung unter den Hereros hervor. Leutwein versuchte zwar auf einer persönlichen Reise beruhigend mit den Hereros über diesen Fall zu sprechen, auf dessen gerichtliche Behandlung er keinen Einfluß nehmen konnte. Aber das nutzte nichts. In die gleiche Zeit fiel der Tod des viehreichen Häuptlings Kambazembi vom Waterberg, der sein Erbe an verschuldete Söhne hinterließ. Die Kreditverordnung richtete sich natürlich in erster Linie gegen die Methoden solcher Händler, die direkt mit den viehbesitzenden Herero zu tun hatten, und nicht gegen die Swakopmunder Kaufleute. So ist es ganz verständlich, daß später, als die Kreditverordnung zum Sündenbock gemacht und der Südwester Kaufmannschaft in Zeitungen in Deutschland die Mitverantwortung für den Ausbruch des Krieges zugeschoben wurde, eine Protestversammlung von Swakopmunder Bürgern stattfand, um sich in einem Protestschreiben an die Frankfurter Zeitung gegen den Angriff auf den Handelsstand in Südwest zu wehren. Mitte Januar 1904 erhoben sich die Herero (ohne daß die Verwaltung auf eine derart geschlossene Aktion vorbereitet war oder sie für möglich gehalten hätte). Einzelne Ereignisse die zum Hereroaufstand führten (Aus dem Buch "Chronik von Deutsch-Südwestafrika", Autor H. E. Lenssen) 1884 -
In Walvis
Bay traf Vogelsang den über Land gereisten, in
Minenangelegenheiten tätigen, aber auch mit Lüderitzschen
Vollmachten zum Abschluß von Verträgen ausgerüsteten
Bergingenieur Dr. Höpfner und seine Begleiter Dr. Belck, August
Lüderitz und S. Israel. Dr. Höpfner berichtete
über seine erfolglosen Versuche, mit dem Oberhäuptling der
Ovaherero, Maharero in Okahandja, einen Schutz- und
Freundschaftsvertrag abzuschließen. Als Folge der
Tätigkeit des Engländers Palgrave sei Höpfner sogar 10
Tage lang Gefangener des Häuptlings gewesen.
Trotz Warnungen, daß Maharero ihm nicht wohlgesinnt sei (wohl wegen seiner freundschaftlichen Beziehungen zu den Nama des Südens, die auch nicht Freunde der Herero waren), und auch er keinen Erfolg haben werde, reiste Vogelsang im Dezember von Walvis Bay aus über Otjimbingwe und Barmen nach Okahandja. Er wurde von dem dort tätigen Rheinischen Missionar Diehl freundlichst empfangen und ihm dessen Vermittlung bei den Verhandlungen mit dem Hererohäuptling zugesagt. Obgleich sich der Häuptling nach nicht immer leichten Besprechungen bereit erklärte, die früher abgemachten Beziehungen zum Deutschen Reiche, die er infolge des deutschfeindlichen Wirkens Palgraves inzwischen rückgängig gemacht hatte, wieder zu erneuern, war er aber noch nicht zum Abschluß eines Freundschafts- und Schutzvertrages zu bewegen. 1885 - Kurz nach Beginn des Jahres erhielt Heinrich Vogelsang, wie einem eigenen Bericht zu entnehmen ist, einen Brief des Ober häuptlings der Ovaherero Maharero aus Okahandja, in welchem dieser ihn um seinen wiederholten Besuch bat zwecks Abschlusses eines Freundschafts- und Schutzvertrages. Daraus folgerte Vogelsang, daß der Häuptling und seine Ratsmänner inzwischen zu der Erkenntnis gelangt sein mußten, daß die vor kurzem stattgefundenen Verhandlungen mit dem Engländer Palgrave doch nicht vorteilhaft für den Stamm seien. Vogelsang erwiderte dem Häuptling, daß er bereit sein werde, nochmals nach Okahandja zu reisen, um die kurz vor dem Ende des vergangenen Jahres erfolglos abgebrochenen Verhandlungen wieder aufzunehmen. Am 3. Februar rief die Kapregierung ihren Vertreter Palgrave aus Südwest zurück, da sie zu der Einsicht gekommen war, daß nach der vor 7 Monaten erfolgten Anerkennung der deutschen Souveränität die weitere Tätigkeit ihres Agenten nicht gutzuheißen sei. Noch nach Palgraves Abreise hielt sich der Kapengländer Lewis in Südwest auf und führte die Hetze weiter. Am Waterberg und bei Otavi versuchte er, die dort ansässigen Buren zu veranlassen, das angeblich den Herero gehörige Gebiet zu verlassen. Im August kam der bereits in früherer Zeit in Südwest tätig gewesene Kapengländer Lewis nochmals ins deutsche Land und versuchte wieder, den Oberhäuptling der Ovaherero in Okahandja zu überreden, bei der Kapregierung erneut um Anerkennung des zwischen Palgrave und Maharero geschlossenen Schutzvertrages nachzusuchen. Nachdem Lewis in das Ovamboland weitergereist war, erreichte ein Schreiben des Gouverneurs vom Kapland den Oberhäuptling, in welchem ihm mitgeteilt wurde, daß die Kapregierung sich mit dem Deutschen Reich über gewisse Gebiete in Südwestafrika verständigt habe. Am 21. Oktober konnte Reichskommissar Dr. Göring, nachdem ihm der Konsul Heinrich Vogelsang sämtliche Akten über bisherige Verhandlungen mit den Ovaherero übergeben hatte, in Okahandja in gutem Einvernehmen mit dem Häuptling und seinen Beratern einen Schutz- und Freundschaftsvertrag abschließen. Das geschah im Hause des Rheinischen Missionars Diehl, der als Dolmetscher wertvolle Hilfe geleistet hatte. Außer Dr. Göring und Missionar Diehl werden als Unterzeichner dieses Vertrages genannt: der Sekretär Nels, Pastor Büttner, August Lüderitz, die aus der Häuptlingsfamilie stammenden Herero Wilhelm, Josaphat und Katjamuaha, sowie die nur mit ihren Handzeichen unterschreibenden Vorleute Kavezeri, Riarua, Martin, Nikodemus, Zemuundja, Samuel, Daniel, Johannes, Barnabas, Mavekopo. Es hieß, daß die von den in Okahandja anwesenden deutschen Männern geleistete Krankenhilfe an den vielen Verwundeten aus dem vor wenigen Tagen stattgefundenen schweren Kampf gegen die Nama einen tiefen Eindruck auf die Herero gemacht und die Verhandlungen ganz erheblich erleichtert habe. Am 24. Oktober erteilte Häuptling Maharero dem Vertreter der Deutschen Kolonial-Gesellschaft August Lüderitz das Recht, im ganzen Gebiet der Ovaherero Minen zu bearbeiten. Vertragszeuge war Missionar Diehl. Am 3. November schloß Dr. Göring einen Sondervertrag mit dem Hererohäuptling Manasse Tjiseseta in Omaruru. Einige andere Hererohäuptlinge im Norden, Osten und Westen waren vorläufig noch für Vertragsabschlüsse mit dem Deutschen Reich nicht zugänglich. Gegen Ende des Jahres teilte Maharero dem deutschen Reichskommissar mit, daß er als Folge des am 21. Oktober abgeschlossenen Vertrages die Festlegung seiner Gebietsgrenzen wie folgt erwarte: Land nach Süden bis an den Fischfluß, nach Osten bis Rietfontein; im Norden beanspruche er das ganze Kaokofeld und fordere die Ausweisung der Nama aus letztgenannten Gebiet, das er ihnen 1882 zugeteilt hatte. 1886 - Die Ovaherero verkauften dem Kapholländer Gerhardus Struys als erstem eine Farm: Goabeb bei Usakos. 1888 - Der bereits vor Jahren im Lande tätig gewesene englische Händler Lewis machte sich seit Mitte des Jahres wieder bemerkbar in derselben Absicht, die Ovaherero gegen das Deutschtum zu beeinflussen. Er war unermüdlich tätig, den Oberhäuptling in Okahandja zur Vertreibung aller Mitglieder der deutschen Regierung zu bestimmen; sein persönliches Interesse ging dahin, die Bemühungen des Reichskommissars zur Verhinderung der Einfuhr und des Verkaufs von Waffen und Munition an die Eingeborenen zu unterbinden, um seine lohnenden Geschäfte weiter betreiben zu können. Als Folge dieser Hetze fand eine amtliche Versammlung in Okahandja statt, auf welcher anwesend waren: Dr. Göring mit seinen beiden Beamten, der Bevollmächtigte der Kolonial-Gesellschaft Francken, der Führer der deutschen Soldaten, Leutnant von Quitzow, und die deutschen Missionare Diehl und Eich; von der Gegenseite neben dem Händler Robert Lewis noch sieben andere englische Händler. Der Oberhäuptling der Ovaherero, Maharero, sagte sich von dem vor drei Jahren mit dem Vertreter des Deutschen Reiches abgeschlossenen Schutz- und Freundschaftsverträge los, entzog der Kolonial-Gesellschaft und allen Einzeldeutschen die ihren verliehenen Berggerechtsame und bestätigte dagegen die am 9. September an Lewis erteilten Minenkonzessionen. Am 31. Oktober wurden Dr. Göring, Leutnant von Quitzow und Francken aus Okahandja vertrieben. Sie flüchteten nach Otjimbingwe, räumten dort den Sitz der Deutschen Regierung und siedelten damit nach Walvis Bay um. Alle deutschen Beamten segelten mit dem englischen Schiff "Louis Alfred" in 17tägiger Fahrt nach Kapstadt, berichteten von dort nach Berlin und warteten weitere Anordnungen ab. Reichskanzler Fürst Bismarck lehnte vorläufig weiteren Schutz ab wegen der erwiesenen Unfähigkeit der Kolonial-Gesellschaft, die ihr anfänglich zugestandenen Hoheitsrechte wirksam auszuüben. 1889 - Aus Deutschlands jungem Koloniallande wurde im März dem Reichskanzler Fürst Bismarck von einem sachkundigen Beurteiler des Zustandes übermittelt, daß Verträge mit Eingeborenen einzig papierenen Wert hätten, solange die Reichsregierung sich nicht entschließe, die Wirkung und Durchführung solcher Abmachungen zu sichern durch Aussendung einer ausreichenden Anzahl von Schutztruppen-Soldaten, deren Anwesenheit dem Reichskommissar sichtbar kraftvolle Stütze geben müsse. Es wurde sogar dringend vorgeschlagen, die Stärke einer solchen Schutztruppe auf 400 Mann zu bemessen und sie auch mit Artillerie zu versehen. Am 16. April sandte die Kolonial-Gesellschaft eine aus 8 aktiven Soldaten aus dem Heer und 13 Freiwilligen aus dem Beurlaubtenstande zusammengestellte Truppe auf dem englischen Frachtschiff "Clan Gordon" nach Walvis Bay, um mit diesen 21 Mann ihre bisher so kleine "Schutztruppe" zu verstärken. Führer dieser Soldaten von Deutschland aus war Leutnant Hugo von Francois, dem sich seine Gattin zur Ausreise angeschlossen hatte. In Teneriffa traf dieser Transport mit dem seit 1887 in Kamerun und Togo mit Forschungs- und Vermessungsarbeiten beschäftigt gewesenen Bruder des Leutnants, dem Hauptmann Curt von Francois zusammen, der von der Kolonial-Gesellschaft den Auftrag erhalten und angenommen hatte, als Befehlshaber dieses kleinen Schutztruppen- Transportes nach Deutsch-Südwest zu reisen. Die Neuankömmlinge wurden am Strande von dem nach Südwest zurückgekehrten Reichskommissar Dr. Göring begrüßt und von seinem Beamten Nels und von Golgammer, ferner von den Herren Francken, als dem Vertreter der Kolonial-Gesellschaft, Heinrich Vogelsang, Landungsagent L. Koch, Schlimm und Sichel. Am 8. Juli marschierten die Soldaten des Hauptmannes von Francois in den Ort Otjimbingwe ein, wo acht deutsche Familien und die Missionare Brincker, Viehe und Meyer sowie einige englische Händler wohnten. Von Francois ließ eine mitgebrachte Kabinettsorder öffentlich anschlagen, durch welche seine Rechtsbefugnisse geregelt wurden. Am folgenden Tage nahm der Hererogroßmann Josua die Bekanntmachung ab und zerriß sie. Am 7. August, nach der Räumung von Otjimbingwe seitens der kriegerischen Eingeborenen, errichtete die Schutztruppe von Francois in Tsaobis eine befestigte Station, die nach ihrer Vollendung im Oktober den Namen "Wilhelmsfeste" erhielt. Von dieser Station aus sollten der Verkehr auf dem Frachtfahrer-Transportwege Swakopmund-Windhoek (damals Bayweg genannt) kontrolliert und die angeordnete Einfuhrsperre für Waffen und Munition streng überwacht und durchgeführt werden. Diese feste Stationsbesetzung bedeutet in der Geschichte der Deutschen Schutztruppe den Anfang eines bewaffneten Fußfassens. Am 8. August sandte von Francois einen dringenden Antrag nach Berlin ab, die Schutztruppe auf 50 Mann zu vergrößern. Reichskanzler Bismarck teilte am 3. November die Bewilligung mit. Im November hob die Reichsregierung das vom Hauptmann von Francois erlassene Sperrgesetz betreffend Waffen- und Munitionseinfuhr über Walvis Bay und die englischen Grenzen auf. 1890 - Am 25. März erließ Regierungskommissar Dr. Göring eine Verordnung über den Handel mit Waffen, Munition und Alkohol, sowie die Erteilung von Minenkonzessionen. Auf einer großen Herero-Versammlung in Okahandja im Mai wurde einstimmig beschlossen, nun doch den früheren Freundschafts- und Schutzvertrag mit dem deutschen Reiche endgültig anzuerkennen. Hauptmann Curt von Francois ritt nach dem Osten des Landes in Begleitung weniger Soldaten, darunter Feldwebel Heller, Kallweit, Zimmermann und Hellberg. Es wurden Schutzverträge mit Hererohäuptlingen abgeschlossen und Aufnahmen für Landkarten über die durchreiste Gegend gemacht. Hendrik Witbooi (Anführer der Nama) wurde in einem persönlichen Zusammentreffen mit dem Reichskommissar Dr. Göring ermahnt, seine Angriffe gegen die unter deutschem Schutz stehenden Herero zu unterlassen. Am 7. Oktober starb in Okahandja der Oberhäuptling der Ovaherero, Maharero. Sein rechtmäßiger Nachfolger wäre der im Kampf gegen Jan Jonker bei Otjikango (Barmen bei Okahandja) gefallene Wilhelm Maharero gewesen, der als sehr fähiger und zuverlässiger Mann ein geeigneter Oberhäuptling geworden wäre. Der nächste Erbberechtigte, der älteste Sohn der ältesten Schwester Mahareros, Tjetjo, soll jedoch beim Oberhäuptling unbeliebt gewesen sein; daher wurde er ausgeschaltet und an seiner Stelle Samuel Maharero eingesetzt. Dieser war der Sohn von Katare, einer der 40 Frauen des alten Häuptlings. Samuel soll in seiner neuen Würde nur von den Ovaherero in Okahandja und einen Teil der Omaruruer anerkannt worden sein, während der einflußreiche Kambazembi vom Waterberg und die im Osten herrschenden Häuptlinge Nikodemus, Tjetjo und Kahimemua ihn ablehnten. Der alte Maharero hatte in Verhandlungen mit dem Landeshauptmann Curt von Francois im Mai 1890 die Zustimmung gegeben, daß die deutschen Soldaten in dem zur Zeit unbewohnten Windhoek eine Niederlassung errichten durften. Diese Abmachung versuchte der neue Oberhäuptling Samuel rückgängig zu machen oder für ungültig zu erklären. Der Landeshauptmann jedoch erklärte ihm, daß seine Abmachungen mit dem alten Oberhäuptling Gültigkeit behalten müßten, und traf entsprechende Vorbereitungen. Zur Vermeidung von Reibungen mit den unter der Herrschaft des neuen Oberhäuptlings Samuel Maharero stehenden Herero benutzte die deutsche Schutztruppe nicht den großen Fahrweg zur Küste über Otjiseva - Otjikango/Barmen und Otjimbingwe, sondern verlegte ihren Hauptverkehr durch das unbewohnte Landstück zwischen den Gebieten der Ovaherero und der Nama, also durch das Khomashochland, über das mit einer kleinen Besatzung gesicherte Heusis. 1892 - Bekanntmachung einer Verordnung vom 1. August betreffend ein Verbot der Abgabe von Alkohol an Eingeborene. Hendrik Witbooi (Anführer der Nama im Süden) verließ seinen Stammsitz in Gibeon und setzte sich, voraussichtlich für die Zeit seiner nächsten Kriegs- und Raubzüge, in Hornkranz fest. In den dort erbauten starken Schanzen schloß er mit den Herero ein Freundschaftsbündnis gegen die weißen Eindringlinge. 1894 - Die ziemlich unruhige Lage im Lande forderte gleich nach der Rückkehr der Schutztruppe (aus dem Süden) in ihre Garnison Windhoek, daß der Landeshauptmann mit elf Soldaten nach Okahandja reiten mußte, um mit dem Oberhäuptling Samuel Maharero zu verhandeln, der im Verdacht stand, sich mit den Witbooi-Hottentotten (Nama) gegen die Weißen verbünden zu wollen. Bei seiner Heimkehr nach Windhoek fand von Francois seinen inzwischen aus Deutschland eingetroffenen Nachfolger Major Theodor Leutwein vor.
![]() Linkes Bild: das Denkmal von Curt von
Francois in Windhoek.
Rechtes Bild: der Nachfolger Major Leutwein Zur ausreichenden Sicherung des
Fahrweges von der Küste nach
Windhoek gegen die häufigen Beraubungen seitens der Eingeborenen
wurde die Ortschaft Otjimbingwe mit einer Besatzung unter Führung
des Leutnants Schwabe versehen; auch Swakopmund erhielt eine solche
unter Lt. Eggers. In der Namib wurden zur Beobachtung und
Hinderung des vom englischen Walvis Bay aus betriebenen Waffen- und
Munitionsschmuggels die drei Stationen Husab, Haigamkab und Ururas mit
reitfähigen Mannschaften besetzt.
Wie groß, räumlich weitreichend und dadurch schwierig die Aufgaben der immer noch so geringzählig zur Verfügung des Landeshauptmanns stehenden Schutztruppe im fast unendlich ausgedehnten Raume gewesen sind, ist aus der Schilderung eines der ältesten Veteranen zu entnehmen. Eine vier Mann starke Patrouille war zum Absperrdienst an der Ostgrenze ausgesandt worden, wo seitens der Ostherero ein schwunghafter Handel mit den Betschuanen (aus dem englischen Gebiet Betschuanaland) im Schmuggel von Waffen und Munition getrieben wurde. In Erledigung ihres Auftrages nahmen die Soldaten den zum Rückmarsch über die Grenze bereiten Betschuanen die eingehandelten hundert Ochsen als Pfand ab. Die in größerer Anzahl dagegen auftretenden schwarzen Händler bedrohten die vier Soldaten ernstlich, so daß sie sich hart wehren mußten. Als sie schließlich am Ende ihrer Kräfte standen und ein wahrscheinlich grausames Ermorden vor Augen sahen, erschien im letzten Augenblick unerwartete Rettung in Gestalt einer auf Kamelen berittenen Patrouille unter Führung des Lt. Lampe. Dem hartnäckigen Drängen des Oberhäuptlings der Herero, der sich durch die dauernd unzufriedenen Großleute belästigt fühlte, nachgebend, ritt Major Leutwein am 25. Juni mit größerer Mannschaft nach Okahandja. Auf Wunsch Samuel Mahareros besetzte der Kommandeur den Ort mit einer Militärstation unter Prlt. Eggers, der mit seiner Truppe vorläufige Unterkunft im Anwesen der Firma Wecke & Voigts fand. Am 26. November zwangen Vorkommnisse in Omaruru den Major Leutwein zu einem Ritt dorthin. Er nahm seinen Reiseweg über Otjimbingwe, um von da den Hererohäuptling Zacharias, den er für einen der klügsten der Hererovormänner hielt, zur Unterstützung bei den vermutlich schwierig werdenden Verhandlungen mitzunehmen. Der in Omaruru herrschende Hererohäuptling Manasse Tjiseseta war zwar der Mächtigste neben dem Oberhäuptling, aber der Einfluß des Zacharias schien dem Major vielversprechend, was sich auch als Tatsache erwies. In Omaruru war ein englischer Händler Christie von Hereroleuten ermordet worden, dessen Schwager Tatlow seit langem in Omaruru als Kaufmann wohnte. Von einem Kriegsgericht unter dem Vorsitz des Assessors von Lindequist wurde der Mörder zum Tode verurteilt. Es war gute Gelegenheit, nun dem Orte eine Militärbesatzung zu geben. 26 Soldaten unter der Führung des Premierleutnants Richard Volkmann gründeten eine Station und wurden mit einem Geschütz ausgerüstet. Auch Grenzfragen waren zu erledigen. Nach schwierigen Verhandlungen wurde dem lange schon ausgesprochenen Wunsche der Damara in Okombahe Wirklichkeit verliehen und ihnen mit Zustimmung der Ovaherero ein Stück Land von weiter Ausdehnung als Reservat übergeben. Zwecks weiterer Befriedung der Damara wurde der durch gewaltsame Übergriffe lästig und unbeliebt gewordene Hererovormann Daniel Kariko nach Omaruru zurückberufen. Nach amtlichen Schätzungen betrug die Gesamtzahl der Ovaherero rund 80 000 Seelen. 1895 - In den letzten Tagen vor Jahresschluß hatte Major Leutwein wieder in den Osten reiten müssen, gezwungen durch die andauernde Unruhe bei den widerspenstigen und weiterräubernden Kauas-Nama. Nach vorher eingeholter Zustimmung der Deutschen Reichsregierung wurden mit Major Leutwein die ersten Landverkäufe seitens der Ovaherero an deutsche Farmer abgeschlossen. Der Hererohäuptling Zacharias Zeraua von Otjimbingwe verkaufte an die Familie Hälbich die Farm Karibib in der Größe von rund 24 000 ha. Zum Ende der Regenzeit mußte Major Leutwein wiederum nach dem sorgvollen Osten reiten. Als Begleiter fanden sich ungefähr 50 Okahandja-Herero unter Führung ihres Oberhäuptlings Samuel ein. Beim Durchmarsch durch das östliche Hererogebiet erhöhte sich die Zahl dieser freiwilligen Begleiter auf rund 200 Mann. Samuels Mithilfe war sehr erwünscht, da die unter den Ostherero bestehenden Streitigkeiten wegen Häuptlingsschaft und Weidelandgrenzen nicht alleine vom Landeshauptmann geschlichtet werden sollten. Beide im Osten bestehenden Parteien beugten sich vorläufig dem Schiedsspruch der obersten Richter. An der Grenze wurde die Station Oas angelegt und besetzt, auf dem Rückmarsch eine gleiche in Seeis. Am 28. Mai wurde Leutnant Lampe als Distriktchef in Gobabis eingesetzt, einem umfangreichen Verwaltungsgebiet. Am 26. Juli schloß Major Leutwein mit den Bastards in Rehoboth ein Abkommen, nach welchem diese dem Kommando der Schutztruppe regelmäßig eine Anzahl junger, brauchbarer Bastards zur Verwendung für Hilfsdienste stellen sollten. Zum Zwecke des gründlichen Kennenlernens der in den nördlichen Gebieten des Landes wohnenden Herero unternahm der Landeshauptmann Mitte des Jahres einen mehrmonatigen Ritt, auch dieses Mal wieder begleitet von dem Oberhäuptling Samuel Maharero, dem sich befehlsgemäß 50 berittene Herero angeschlossen hatten. 1896 - Da es dem Landeshauptmann notwendig erschien, auch die große Masse des Ovaherero-Volkes über die mit seinem Oberhäuptling getroffenen Vereinbarungen betreffs der Grenzen seines Weidelandes eingehender aufzuklären, ritt Major Leutwein am 20. Januar mit 30 Soldaten nach Okahandja, wo er in einer sehr stark besuchten öffentlichen Versammlung alle Weidefragen der Ovaherero klar auseinandersetzte und deren Zustimmung erhielt. Ende März überbrachte ein Eilbote dem Landeshauptmann eine Alarmbotschaft des Distriktchefs von Gobabis, Leutnant Lampe, daß der Ort und die südlicher liegende kleine Station Aais von aufsässigen Ostherero gemeinsam mit Kauas-Nama vollkommen eingeschlossen und belagert sei, die unter Bruch der Friedensvereinbarungen außer anderen Gewalttaten auch die Ermordung einer deutschen Patrouille verbrochen hätten. Die in Windhoek garnisonierenden Truppen, als welche z.Zt. nur die erste Kompanie des Hauptmanns von Estorff bestand, rückte eiligst zu einer Strafexpedition aus; ihr schloß sich Assessor von Lindequist als Reserveoffizier an. Die entlassenen und bereits an der Küste zur Heimfahrt befindlichen Soldaten wurden auf Befehl des Truppenkommandeurs zurückberufen. Mit ihnen und einberufenen Reservemännern wurde eine Kompanie in der Stärke von 60 Gewehren zusammengestellt. Sie wurde auf ihrem Marsch nach Osten von einer Abteilung freiwilliger Herero unter ihrem Oberhäuptling Samuel Maharero sowie auch von einer Abteilung Bastards begleitet. Die gesamte Expedition wurde am 6. April westlich des schwarzen Nosob bei Gobabis angegriffen, und zwar durch eine Bande von 150 bewaffneten Kauas-Nama, die sich mit 300 Kriegern der aufständischen Ostherero (genannt Mbanderu), geführt von den Häuptlingen Kahimemua und Nikodemus, vereinigt hatten. Bei einer schneidig gerittenen Attacke gegen eine größere Anzahl der Herero fiel der Distriktchef von Gobabis, Leutnant Lampe, mit allen seinen Reitern. Die deutsche Truppe erhielt Verstärkung durch eine vom Premierleutnant von Perbandt in Windhoek neu zusammengestellte 3. Kompanie von 60 Reitern, bei der sich auch Leutnant der Reserve von Ziethen befand. Weiter traf am 1. Mai der in Gibeon als Distriktchef waltende Premierleutnant von Burgsdorff mit 22 Mann seiner Stationsbesatzung sowie 70 freiwilligen Witbooi-Nama und Bastards und 120 freiwilligen Herero in Gobabis beim Major Leutwein ein. Die nur eine geringe Anzahl von Gewehren in den heißen Kampf stellende Schutztruppe hatte einen sehr schweren Stand gegen die gewaltige Übermacht der Aufständischen, die mit zahlreichen Waffen und ausreichender Munition versehen waren. Zur Entscheidung der schwierig werdenden Lage hatte Hauptmann von Estorff wesentlich beigetragen durch eine mutige Attacke mit nur wenigen Reitern. Der feind fühlte sich überrannt und in die Flucht geschlagen. Die Lage war gerettet. Nach den ersten Kämpfen befreite die Kompanie von Estorff die hart an der Grenze liegende, stark gefährdete kleine Station Olifantskloof und kam am 18. April mit Nama und Herero aus dem Osten bei Siegfeld ins Gefecht. Am 6. Mai hatte die Truppe gegen schwarze und gelbe Feinde bei Otjunda schwer zu kämpfen. Die außerordentlich reiche Beute nach diesem Kampfe betrug, außer vielen Gewehren verschiedenster Herkunft nebst Munition, sechs beladene Ochsenwagen und rund 3 000 Rinder; es war ein harter Schlag für die Aufständischen, die eine große Anzahl von Frauen und Kindern zurückgelassen hatten, für welche nun die Truppe sorgen mußte. Am 14. Mai ergab sich in Kalkfontein der eine der aufständischen Häuptlinge, Kahimemua, mit einigen seiner Krieger, ebenfalls der Namahäuptling Simon Koper mit 120 Kriegern. Der andere Hererohäuptling Nikodemus stellte sich bald danach in Okahandja. Beide an Friedensbruch, Raub und Mord beteiligten Hereroführer wurden von einem aus Weißen und Herero zusammengestellten Kriegsgericht am 13. Juni zum Tode durch Erschießen verurteilt. ![]() Nikodemus
der Urheber vom Kriege 1896
In Otjimbingwe hatte sich in
der Zeit der Abwesenheit des
größten Teils der Schutztruppe ein kleiner Aufruhr von 30
betrunkenen Herero ereignet. Die Untersuchung ergab, daß
der Händler Wallace nach Ausgabe großer Alkoholmengen den
Zustand der betrunkenen Herero benutzte, diese den Händen des
zuverlässigen, besonnenen Unterhäuptlings Zacharias zu
entreißen und sie gegen die Deutschen aufzuhetzen. Mit
unbeugsamer Energie erledigte der Premierleutnant der Reserve Schmidt
(Zoll) diese Angelegenheit.
In Südafrika wütete seit mehreren Monaten eine verheerende Rinderpest, welche außerordentlich hohe Verluste unter den Rindviehbeständen verursachte. Ganze zwei Akademiker standen dem deutschen Lande für Beachtung der Gegenmaßnahmen zur Verfügung. Ende des Jahres näherte sich die Gefahr den Grenzen von Südwestafrika; die Patrouillen mußten dort mit dem Durchimpfen der Rindviehbestände beginnen. Es kamen vorerst nur die Herden der Eingeborenen in Betracht. Manche einsichtsvollen Viehbesitzer unter den Ovaherero gaben dazu gern ihr Einverständnis und freuten sich der schönen Erfolge. Aber es gab auch störrische, abergläubische Leute, die an keinen Erfolg solcher ihnen unbekannten Methoden glauben wollten und sich energisch sträubten: sie verloren natürlich sehr viel mehr an Rindviehbeständen. 1897 - Am 29. März wurden Verordnungen über die Führung von Grundbüchern bei den Gerichten erlassen, ferner über einzuführende Steuern und Zölle sowie den Handel mit Feuerwaffen und Munition. Die im Besitz der Eingeborenen befindlichen Gewehre Henry Martini und Shider wurden von der Regierung eingezogen und umgetauscht gegen deutsche 71er. Damit sollte erreicht werden, daß der weitere Schmuggel englischer Munition über die Ostgrenze ausgeschaltet wurde. 1899 - Die in Windhoek stationierte Schutztruppe marschierte am 25. August unter der Führung des Gouverneurs nach dem Osten ab. Außer den Truppenführern begleitete der Adjutant Böttlin die Truppe, der sich auch diesmal wieder der Herero-Oberhäuptling Samuel mit 40 freiwilligen Reitern seines Stammes aus Okahandja angeschlossen hatte. Der Distriktschef von Gobabis, Leutnant Reiss, hatte mit Schwierigkeiten zu kämpfen durch den Widerstand der Ostherero unter Führung ihres kriegerischen Unterhäuptlings Tjetjo gegen die zum Zweck der Kontrolle geforderte Registrierung und Abstempelung ihrer Waffen. 1900 - Gouverneur und Kommandeur der Schutztruppe Major Leutwein unternahm am 3. Oktober einen bis in den Norden ausgedehnten Manövermarsch. Von der Windhoeker Garnison war beteiligt die 1. Feldbatterie des Hauptmanns Joachim von Heydebreck. In Okahandja schloß sich auf Verabredung mit dem Kommandeur der Oberhäuptling Samuel Maharero mit einer Schar freiwilliger Reiter von 50 Herero der Truppe an. Am nächsten bedeutenderen Platz, Waterberg, herrschte noch der nun gänzlich erblindete Kambazembi. Leutwein berichtete von seiner Wahrnehmung, daß unter den "Vornehmen" bereits jetzt ein beunruhigender Einfluß der erwarteten Häuptlingsnachfolge nach dem wohl bald eintretenden Tode des Alten bemerkbar gewesen sei. 1901 - Die wachsende Besorgnis der Herero um die langsam aber stetig weiter sich ausdehnende Niederlassung deutscher Farmer äußerte sich in einem an den Gouverneur gerichteten Schreiben, das der Rheinische Missionar Lang auf Wunsch der Häuptlinge der Gegend von Otjihaenena im August 1901 vermittelt hatte. In dem Beschwerdebrief waren Einzelfälle vn Farmverkäufen aufgezählt und die Bitte angefügt, eine stärkere Berücksichtigung ihrer Einwände walten zu lassen. 1903 - Erneut wurde durch eine Verordnung die Abstempelung aller Waffen in Händen der Eingeborenen gefordert. Eine andere Verordnung verbot das Kreditgeben an Eingeborene und regelte ihre Rechtsverhältnisse. Im August starb der wegen seines Rinderreichtums einflußreiche Unterhäuptling vom Waterberg, Kambazembi. Nach althergebrachter Hererositte wäre der älteste Sohn der ältesten Schwester des Häuptlings der rechtmäßige Erbe der Häuptlingsschaft gewesen; das war Salatiel. Jedoch erfolgte durch Einfluß des Oberhäuptlings von Okahandja die Einsetzung des am Waterberg beliebteren David Kaonjonia. Dadurch entstand natürlich sehr bedeutender Streit, der sich in bedenklichen Unruhen bis in die Aufstandszeit hinzog. Kurz vor Beginn der Aufstände betrug die Stärke der Schutztruppe im ganzen 770 Mann; davon waren 270 Mann zur Polizei abkommandiert. Es war festgestellt worden, daß im Kriegsfalle dieselbe Anzahl Reservisten verfügbar sein werde. Die Anzahl der waffenfähigen Herero wurde geschätzt auf 7 000 - 8 000 Kriegern mit ungefähr 2 500 Gewehren. ![]() Patrouille
der Schutztruppe im Felde
Die zwecks Aufrechterhaltung
einer dauernden Kontrolle über die in
den Händen der Eingeborenen befindlichen Waffen erlassene
Verordnung, in der eine Wiederholung der Abstempelung und Registrierung
angeordnet wurde, fand vielfachen Widerstand. Die Bondelswarts im
südlichen Bezirk Warmbad weigerten sich energisch und setzten dem
in der Sache sich bemühenden Distriktschef Leutnant Jobst
großen Widerstand entgegen. Der genannte Offizier war in
Begleitung des aktiven Sergeanten Snay und zwei aktiven Reitern, ferner
zwei sich freiwillig anschließenden Ansiedlern zur Werft des
Nama-Häuptlings Willem Christian gegangen, um die Abstempelung
vorzunehmen. In Fortsetzung des Widerstandes kam es zum
Handgemenge und offenen Kampf. Am 25. Oktober fielen Leutnant
Jobst, Sergeant Snay und der Ansiedler Kuhn diesem Kampfe zum Opfer,
aber auch der Kapitän und mehrere seiner Vorleute wurden
getötet. Die dem gewaltsamen Tode entkommenen Weißen
konnten in die Station zurückflüchten, in der 12 Soldaten
unter dem Befehl des Leutnants a.D. von dem Bussche verblieben waren.
Die wichtigsten Geschehnisse in der Aufstandszeit von Ende 1903 bis Ende 1906 1903 - Damit
war
der Anfang eines offenen Aufstandes gegeben, der anscheinend von den
Gelben vorbereitet war. Unter Führung des neuen
Bondelskapitän Johannes Christian wurde die Station belagert und
beschossen. Viele Farmer und einzeln Wohnende im Bezirk wurden
ermordet. Darunter befanden sich: Landmesser Gärtner und
sein Gehilfe Junga, die Farmer Kleudgen, Walter, Hittcher, Hupfeld,
Smeer, G. Kohn, Wieprecht und Mähler. Ein tapferer, treuer
Eingeborener brachte die Alarmkunde von Warmbad im Eilmarsch nach
Keetmanshoop, wo er nach der Großleistung 298 zurückgelegter
Kilometer am 29. Oktober eintraf.
Die in Keetmanshoop stationierte dritte Kompanie des Hauptmanns von Koppy war nur teilweise in der Garnison anwesend, denn der größte Teil war nach den Großen Karasbergen abgerückt, um dortige Unruhen zu beseitigen. Nach Weitergabe der Warmbader Botschaft durch die glücklicherweise noch bestehenden Heliographen-Stationen nach Windhoek brach Hauptmann von Koppy mit seinem restlichen Kompanieteil von im ganzen vier Unteroffizieren und 14 Reitern auf zum Marsch nach Warmbad und sandte von dort der an den Karasbergen befindlichen Abteilung den Befehl zur Rückkehr nach Warmbad. Am 1. November stieß er auf die Nama, welche die Station umlagerten und vertrieb sie nach heftigem Gefecht. Eine unter dem Befehl des Oberleutnants Graf Kageneck stehende Abteilung Witbooi-Nama war eine sehr willkommene Verstärkung. Die Unruhen an den Karasbergen wurden mit Hilfe der Bastardabteilung des herbeigeeilten Oberleutnants von Burgsdorff bereinigt. Man schätzte die Stärke aller gegen uns auftretenden Namakrieger auf eine Zahl zwischen 300 und möglicherweise 700. Die Truppen der Windhoeker Garnison wurden sofort alarmiert und zum eiligen Abmarsch nach dem Süden kommandiert. Die erste Kompanie des Hauptmanns Graf Stillfried in Stärke von 100 Gewehren und die von Hauptmann von Heydebreck befehligte Gebirgsbatterie erhielten auf ihrem Marsch eine Verstärkung durch die Bastardabteilung des Oberleutnants Böttlin. Alle diese Truppen wurden unter das Kommando des Hauptmanns von Fiedler gestellt, der zum stellvertretenden Kommandeur des Südens ernannt worden war. ![]() Die Alte Feste in Windhoek.
Diese wurde durch Curt von Francois und seinen Männer errichtet. Am 20. November kämpfte
die nun vereinigte 3. Kompanie unter ihrem
Hauptmann von Koppy bei Sandfontein gegen die Bondelswarts, vertrieb
die Besiegten nach Süden zu und erbeutete von ihrem Vieh einen
großen Teil. Eine Patrouille der Kompanie fand die kleine
Grenzstation Uhabis zerstört und die aus zwei Mann bestehende
Besatzung ermordet.
Am 10. Dezember verjagte die Witbooiabteilung des Oberleutnants von Burgsdorff die wieder am Südrande der Großen Karasberge sitzenden Nama. Der Gouverneur und Truppenkommandeur Oberstleutnant Leutwein begab sich Mitte Dezember selbst nach dem unruhigen Süden. Er versuchte bald, Verhandlungen anzubahnen mit den Aufständischen, die unter dem Kapitän Claas Matroos in den Karasbergen saßen und Befestigungen anlegten. Zu den Verhandlungen erschienen aber die Führer der anderen mit den Bondels verbündeten Gelben nicht, der Bastardherero Morenga und die Morris-Brüder; sie endeten deshalb erfolglos. Am 12. Dezember drängte nach hartem Kampf die nur aus fünf Weißen und 20 Bastards bestehende Abteilung Böttlin die Nama bei Hartebeestmund über den Oranjefluß ins englische Gebiet hinüber. Der Führer selber wurde in diesem Kampf schwer verwundet. Am 20. Dezember schlug die Abteilung von Fiedler die Gelben empfindlich bei Homdrif. Nach dem für seine Leute verlustreichen Gefecht entschloß sich der neue Häuptling der Bondelswarts, Johannes Christian, am 27. Dezember in Verhandlungen einzutreten über einen vorläufigen Waffenstillstand. Die dabei vorgesehene Abgabe von Waffen war jedoch absolut unbefriedigend. Die Ausdehnung des Aufstandes im Süden überschritt bei weitem das vorausgeschätzte Ausmaß. Der Gouverneur fühlte sich gezwungen, auch von den Truppen des mittleren Nordens noch eine Kompanie nach dem stark bedrohten Süden heranzuziehen, um den Aufstand schneller beendigen zu können. Es kam nur die in Omaruru stehende Kompanie des vor kurzem zum Hauptmann beförderten Chefs Franke in Betracht. Diese, die 2. Feldkompanie, rückte am 30. Dezember zum Marsch über Okahandja und Windhoek nach dem Süden ab, wo sie bitter gebraucht wurde. Durch diese, im Vertrauen auf die scheinbar unzweifelhafte Sicherheit im Norden, unternommene Maßnahme war der ohnehin schon gering besetzte nördliche Landesteil im Truppenbestande noch mehr geschwächt. Es verblieben in dem weit ausgedehnten Gebiet nur die auch nicht ganz vollzählige Kompanie in Outjo und zwei kleinere Ortsbesatzungen in Otavifontein und Grootfontein. Dieser Zustand erforderte von allen Weißen angespannte Wachsamkeit gegenüber den Farbigen. 1904 - Das Jahr 1904 stand vom Anfang bis Ende unter dem Zeichen der blutigen Ereignisse des Aufstandes fast aller Eingeborenen. In den ersten Tagen des Januar hatte der stellvertretende Gouverneur, Oberrichter Richter, in Windhoek beunruhigende Nachrichten vom Distriktschef in Gobabis, Oberleutnant Streitwolf, erhalten, daß von den Ovaherero in der Umgebung Viehdiebstähle in der frechsten Weise vorgenommen worden seien und daß ein Wiedereinbringen der Diebesbeute unmöglich gemacht werde durch die Frechheit der die Station umschwärmenden Massen der Eingeborenen. Auch aus Okahandja und Karibib wurden viele Fälle von Widersetzlichkeit der Herero gemeldet. Am 11. Januar traf beim Distriktschef in Okahandja, Leutnant der Reserve Zürn, eine Meldung des Stationsältesten der Polizeistation Waterberg, Sergeant Rademacher, ein, in der er von auffallendem Verhalten der dortigen Ovaherero berichtete. In allen Geschäften des Ortes hätten die Herero unter Anführung ihrer Vorleute sämtliche Vorräte an Sachen aufgekauft, welche für Kriegszwecke verwendbar seien: Sättel, Decken und alles andere, ohne nach den Preisen zu fragen und natürlich ohne Bezahlung. Offensichtlich seien auch an der großen Wasserstelle Otjikururume auf dem Wege Waterberg-Okahandja stark besuchte Versammlungen der Herero abgehalten worden. In der Nacht zum 11. Januar meldete der Distriktschef von Okahandja nach Windhoek, daß ihm von einem aus dem Felde heimgekehrten Händler berichtet worden sei, daß er beobachtet habe, wie eine große Anzahl berittener Herero, mindestens 200 bis 300 Mann, in derselben Nach durch den Ort geritten sei in südlicher Richtung und bei Osona ein Lager bezogen hätte. Dort hauste der einflußreiche und auch herrschsüchtige Unterhäuptling Uandja, von dem die kriegslustigen jungen Herero bedenklich aufgehetzt wurden. In Erkennung einer bevorstehenden schwierigen Lage ordnete der Gouverneur an, daß im ganzen Lande die Reserven und Landwehrleute zum Kriegsdienst einberufen werden sollten. Der Bezirksmann von Windhoek, Bergrat Duft, fuhr auf der Bahn mit einer kleinen Abteilung von einem Offizier, 6 Unteroffizieren und 11 Reitern aus der Windhoeker Besatzung nach Okahandja, um die im überwiegend von Herero besiedelten und daher wohl am stärksten gefährdeten Ort vorhandene, nur geringe militärische Besatzung für etwaige Ereignisse zu verstärken. Verhandlungen mit dem Oberhäuptling der Herero, Samuel, waren unmöglich, weil er nach Angabe seiner anwesenden Vorleute aus dem Ort verschwunden sei. Wie später festgestellt worden ist, hatte der in Katjapia siedelnde Unterhäuptling Kajata sich nach Osona begeben, um von hier aus die Okahandjaleute anzufeuern. Angeblich soll der Oberhäuptling Samuel Maharero noch unentschlossen zum Aufstand gewesen sein. Dem Kajata wird der stärkste Einfluß, überhaupt die heftigste Hetze zum Aufstand zugeschrieben. 12. Januar: Vom frühen Vormittage an wurde in Okahandja die Feste von Unmengen bewaffneter Ovaherero belagert und beschossen. Wer von den Orteinwohnern es nicht geschafft hatte, sich in den Schutz der Militärstation zu begeben, wurde in seinem Hause oder auf offener Straße von den wild gewordenen Eingeborenen erschlagen; alle von Weißen bewohnten Gebäude wurden geplündert und nachher in Brand gesteckt, überall wurde in sinnloser Weise zerstört, was den Weißen gehörte und für die Eingeborenen kaum verwendbar war. Verlockt durch hörbares Maschinengewehrfeuer aus der Richtung Windhoek, unternahm der Kommandant der Station mit 21 Mann einen Ausfall aus dem Stationsgebäude, mußte aber, um nicht alle zu gefährden, wegen der allzugroßen Masse der bewaffneten Herero, welche den Trupp zu umzingeln drohten, den Rückzug antreten. Es handelte sich bei der Wahrnehmung der von außen hörbaren Schüsse um die von Windhoek aus unternommenen Befreiungsversuche, wie später berichtet wird. Am folgenden Tage geschah dasselbe. Vergebens wartete die Besatzung auf die Rückkehr der am Abend vorher ausgesandten Spähpatrouille des aktiven Feldwebels Kühnel, die tapfer hinausgeritten war zur Erkundung der Zustände in der nächsten Umgebung bei den Herero. Die Braven kehrten nicht zurück, denn wie später bekannt geworden ist, sind alle an diesem Tage des gemeinsamen Aufstandes von großen Massen der Wilden überwältigt und ermordet worden. Dasselbe Schicksal erreichte fast alle im Felde oder auf einsamen Farmen befindlichen deutschen Männer; zum größten Teil sind sie feige, hinterlistig überfallen und bestialisch ermordet worden. Im ganzen Lande betrug die Zahl der Ermordeten 123 Männer; auch einige Frauen erlitten dasselbe Leid eines grausamen Todes. Entgegen den Anordnungen der Häuptlinge sind sogar mehrere Buren mit ihren Frauen ermordet worden. Die kleinen Außenstationen wurden hinterrücks überfallen, die wenigen Soldaten erschlagen. Östlich Okahandja, in Onjati z.B., starb der Sergeant Placzek eines grausamen Todes und auf der Station Otjiseva der Gefreite Tröltzsch. Die Mannschaftsstärke der Station Okahandja war durch Verstärkungen auf 71 Gewehre angewachsen. Ihnen standen alleine aus dem Okahandjabezirk mindestens eintausend Gewehre in Händen der Herero gegenüber. Von den kleinen, zur Errettung noch außerhalb befindlicher Weißer ausgesandten Patrouillen fielen noch die Gefreiten Bergmann und Stähle den Mördern in die blutigen Hände. ![]() Geschäftshaus in Okahandja nach der
Zerstörung durch die
Hereros
Außer den an gefangenen
weißen Frauen zahlreich begangenen
Vergewaltigungen soll hier nur ein Fall schwerster Bestialitäten
der wildgewordenen Mordbanden an wehrlosen Weißen erwähnt
werden: Vier Tage nach der vor ihren und der Kinder Augen geschehenen
Ermordung ihres Mannes und dessen Bruders vor ihrem Hause in Sneyrivier
am Swakop erreichte Frau Lange mit zweien ihrer Kinder im Abenddunkel
die Feste Okahandja, alle mit Spuren wüstester
Mißhandlungen, sichtbar durch Blut und Eiterwunden am Kopfe und
anderen Körperteilen. In ungeheuer beschwerlichem
Fußmarsch, ohne Verpflegung, in regenreichen Nächten ohne
Decken, waren die Mißhandelten gewandert, ungewiß, ob ihr
Ziel Okahandja überhaupt noch bestehe. Das kleinste der
Kinder hatte beim Abmarsch von der Mordstätte wie tot dagelegen,
nachdem es von den Wildgewordenen entsetzlich grauenhaft gegen die Wand
geschleudert worden war.
Es ist nach Wochen durch eine alte Hererofrau zu seiner Mutter gebracht worden. Noch vor der Zerstörung der Telegraphenlinie war es möglich gewesen, die Alarmnachrichten zur Küste zu senden. Alle in Swakopmund zum Kriegsdienst versammelten Reserven und Landwehrmänner wurden in aller Eile zu einer Entsatzabteilung unter dem Oberleutnant von Zülow zusammengezogen, einige Eisenbahnwagen durch Wellblech und Sandsäcke in Panzerwagen umgestaltet und mit Proviant und Wasser reichlich versehen. Als Arzt schloß sich Dr. Jacobs an, ferner der Bezirksrichter Osswald als Reserveoffizier, sowie der dort anwesende Oberveterinär Rieckmann und rund 60 Soldaten. In Karibib verstärkte Leutnant der Reserve Schluckwerder mit 30 Mann den Entsatzzug. Auf der Fahrt fanden sie die Bahnstation Johann-Albrechtshöhe zerstört vor und noch Spuren von wilder Räuberei an dem Bahnzuge, der einige Wagen mitgeführt hatte, voll beladen mit Ausrüstungsstücken für die Schutztruppe, die dort stationiert gewesen war. Diese wunderschöne Beute war den Räubern höchst willkommen. Die weiteren Stationen der Bahnlinie fanden die Soldaten ebenfalls in wüstem Zustande vor: Wilhelmstal und auch Okasise. Die Stationsleute auf Waldau hatten Verstärkung bekommen durch Streckenarbeiter und Farmer, so daß sie sich gegen die Anstürme der Herero halten konnten und nun befreit wurden. In den Gegenden bis hierher waren auch fast alle Farmer ermordet worden. Je näher nun der Entsatzzug nach Okahandja kam, desto mehr Instandsetzungsarbeiten am auseinandergerissenen Geleise und an zerstörten Brücken mußten vorgenommen werden, die aber sehr gestört wurden durch Beschuß seitens der im Busche liegenden Herero. Bei diesen Kämpfen mit den Wegelagerern sind gefallen: der Landwehrmann Schliepen, der Reserve-Unteroffizier Rock und bei Kavaterusane zwei freiwillige Italiener, Fossati und Gillios. Am 15. Januar langte diese Entsatzabteilung kämpfend in Okahandja an, konnte die Besatzung verstärken und gegen die ständig belagernden Herero mitkämpfen. In Windhoek waren aus Flüchtlingen und Reserven rund 230 Mann zusammengezogen. In den ersten Tagen des Aufstandes wurden mehrere Versuche unternommen, die hart bedrängte Besatzung von Okahandja zu unterstützen. Am 13. Januar ging eine Patrouille von 20 Reservemännern unter Führung des Leutnants der Landwehr Gustav Voigts und unter Teilnahme des jungen Leutnants der Reserve Raimund Boysen auf einem kleinen Eisenbahnzuge, bestehend aus einer Lokomotive mit zwei gepanzerten Wagen, bis Osona vor, wurde dort schon in ein heftiges Gefecht verwickelt und zum Umkehren gezwungen. Es mußten ihr junges Leben lassen der Leutnant Boysen, der Lokomotivführer Fackert, die Landwehrmänner Paech, Rudolph, Zülott und Gerwinsky. Täglich wurden mehrere Reiterpatrouillen in die Umgebung der Hauptstadt ausgesandt, um an deutschen Menschen zu retten, was immer noch lebte. Es waren nicht viele, die eine Station erreicht hatten. Leutnant der Reserve Alfred Maul und der Regierungstierarzt Rassau ritten in östliche Richtung hinaus mit 30 Soldaten und konnten noch manchen retten. Auf einer anderen Patrouille fielen am 13. Januar der Regierungstierarzt Kämpny und der Reiter Weiss. Bei dem Kampf um die belagerte Station Witvlei fiel Unteroffizier Gass, und bei Oas Reiter Nordbruch. Die Patrouille des Lt. d. R. von Niewitecki befreite mit nur 10 Reitern die bedrängten, eingeschlossenen Stationen Seeis und Hohewarte, in denen sich mehrere Deutsche mit Familien versammelt hatten, ferner die von Feldwebel Kiep mit vier Soldaten tapfer verteidigte kleine Station Hatsamas. Diese Patrouille befreite auch nach Westen zu Gefährdete. Die Kriegslage im Osten war ebenfalls für die geringen Besatzungen sehr schwer. Oberleutnant Streitwolf mit 27 Soldaten in Gobabis brachte den die so weit abgelegene Station belagernden Herero, die von dem in seinen Fähigkeiten nicht zu unterschätzenden Feldhauptmann Tjetjo geführt wurden, schwere Verluste in Patrouillengefechten bei. Streifenpatrouillen bis weit nördlich Epukiro beobachteten vielfach die starke Bewaffnung der Feinde. Man schätzte bei den Ostherero mehr als 500 Gewehre. Trotzdem entschlossen sie sich Ende Januar, sich der Großmacht Oberhäuptling Samuels bei Okahandja anzuschließen. Swakopmund wurde von den Aufständischen kaum belästigt. Die beim Bahnbau beschäftigten 600 Herero, welche als entfernt Abwesende wohl nichts von den Kriegsplänen ihrer Stammesgenossen gewußt hatten, wurden vorsichtshalber auf einen vor der Reede liegenden Dampfer gebracht. Dauernde Sicherung erhielt Swakopmund durch die demnächst aus der Heimat eintreffenden Transporte von Hilfstruppen. Lt. d. R. Laubschat verstärkte mit 31 Swakopmunder Kriegsfreiwilligen die geringe Besatzung von Karibib. Bevor diese für Karibib so notwendige Verstärkung und am 23. Januar die Matrosen vom Kriegsschiff "Habicht" eingetroffen waren, hatten die wenigen Männer des Ortes hart zu tun, um die mord- und raubgierigen Horden abzuwehren. Jede ausgesandte Kundschafterpatrouille wurde heftig beschossen und mußte sich wegen der geringen Anzahl der Gewehre zurückziehen, um ihre Beobachtungen zu melden. Von einer solchen kleinen Patrouille in Stärke von nur zwei Mann fiel der Unteroffizier d.R. Schröder. Der zweite, ein Bürger Karibibs, konnte sich nach erhaltener schwerer Verwundung in qualvollem Heimritt nach Karibib retten. Diesem braven Kämpfer, Gustav Rösemann, mußte der so schwer zerschossene rechte Arm abgenommen werden. Auch bis zu dem an der Staatsbahn gelegenen Kubas waren die Herero vorgedrungen, hatten während ununterbrochener Beschießung der kleinen Verteidigungsbesatzung deren ganzen Viehbestand abgetrieben, um sich mit dem immer knappen Kriegsproviant zu versorgen. Dank dem Erhalten der seit einem Jahr eingerichteten Verbindung der Ortschaften durch Heliographenstationen bis in den Süden war es möglich, dem Führer der 2. Feldkompanie aus Omaruru, Hauptmann Franke, die Schreckensnachricht von dem unerwartet eingetretenen großen Unglück im Norden zu übermitteln. Wie Ende 1903 berichtet, war er mit seiner Kompanie befehlsmäßig nach dem Süden ausgerückt, um bei der Niederwerfung der Nama-Aufstände zu helfen. Am 15. Januar erreichte die Alarmnachricht die Kompanie in Gibeon. Nach Einholung der Erlaubnis von dem weit unten im Süden weilenden Gouverneur und Truppenkommandeur Oberst Leutwein, kehrte die Kompanie sofort um. In einem Gewaltmarsch sondergleichen, mit Hafer für die Pferde und wenig Proviant für die Reiter in den Packtaschen jedes Pferdes, behindert oft durch schwere Regen, hat die Kompanie in 4 1/2 Tagen die Strecke von 380 km bis Windhoek zurückgelegt. Es war eine Leistung ersten Ranges. Bei Aris (südlich der Hauptstadt Windhoek) in den Auasbergen wurden die ersten angriffslustigen Hererobanden im Sturm in die Berge zurückgejagt. Die Kompanie rückte am 19. Januar in Windhoek ein, begeistert begrüßt von allen Einwohnern. Während zweier Ruhetage wurde sie aus dem Mannschaftsbestande der Garnison aufgefüllt, so daß sie am 21. mit 6 Offizieren, 6 Ärzten und 137 Mann den Weitermarsch antreten konnte in Richtung auf Okahandja. Bahngleise, Telegraphenleitungen und Stationsgebäude waren zum großen Teil zerstört und wurden von nachfolgenden Instandsetzungsgruppen wieder repariert. Bei Teufelsbach traf die marschierende Truppe auf eine Abteilung reitender Herero, die den dort günstigen Übergang über das Bahngleise benutzten, um die hier zugänglichen Berge mit ihrem Viehtreck zu erreichen. Die Banden stellten sich erst zum Gefecht, flohen dann aber in die Berge. Nahe Okahandja stand die Kompanie vor dem reißenden Fluß, der sie zwei Tage am Überschreiten hinderte. Bei den mehrfachen Versuchen, eine Übergangsstelle ausfindig zu machen, geriet der mutige junge Leutnant von Wöllwarth im Ringen mit den stark flutenden Wassern in Lebensgefahr; der ihm nachspringende Hauptmann Franke errettete ihn, ebenfalls unter der Gefahr des Ertrinkens, aus den Fluten und brachte den anscheinend bereits Leblosen an das Ufer zurück. Am 27. Januar rückte die Kompanie, erst gegen wenig Widerstand, in Okahandja ein, und als sich die Soldaten mit den Besatzungsleuten zu einer Kaiser-Geburtstagsfeier zusammenfinden wollten, erhielten sie überraschend heftiges Feuer von heranstürmenden Feinden. Abwehr und Vertreibung der Herero wurden in einem der deutschen Truppe würdigen Gegenschlag erledigt. Von dem nahen Kaiser-Wilhelms-Berge aus, der von den Herero stark verschanzt worden war, wurde die Feste dauernd beschossen. Das gab dem Hauptmann Franke Veranlassung, am nächsten Tage die Feinde anzugreifen; in sechsstündigem heißem Kampfe wurden der 1 675 m hohe, wild zerklüftete Berg erobert und im Sturmangriff die Banden in östlicher Richtung hinausgetrieben. Sie erlitten schwere Verluste. Abmarsch von Okahandja am 31. Januar, Ankunft in Karibib am 2. Februar, das wenig gefährdet und durch ausreichende Besatzung gesichert war. Der Abmarsch von Karibib in Richtung auf Omaruru erfolgte in der Frühe des 3. Februar. Karibib mußte noch einige Reservemänner aus seiner Besatzung an die Kompanie Franke abgeben. Omaruru hatte nächst Okahandja die schwerste Bedrängnis auszuhalten. Bis zum 15. Januar war es den Bemühungen des dort das Kommando führenden Stabsarztes Dr. Ph. Kuhn gelungen, die Ovaherero in verhältnismäßiger Ruhe zu halten; währenddessen wurde die Zivilbevölkerung in die Feste hereingeholt, und mit Hilfe der Landwehrmänner wurden die drei zusammenhängenden Gebäude der Militärstation durch Sandsäcke, Wellblech usw. verschanzt und alle Vorbereitungen für eine etwaige Belagerung und Verteidigung mit Bedacht getroffen. Die einige Kilometer entfernte Heliographen-Station wurde hereingeholt, da für die Mannschaften eine sehr große Gefahr der Überwältigung bestand. Damit war der Ort von der Außenwelt, von Karibib und auch Outjo, abgeschnitten. Zu Beginn der Belagerung erreichte die in Etiro wohnhafte Frau Joost mit ihren Kindern den Ort, nachdem ihr Mann am Farmhause ermordet und auch der mit ihr nach Omaruru fahrende Händler Schneidewind von den Herero vom Wagen heruntergerissen und wie ein Stück Vieh abgeschlachtet worden war. Mehrere außen wohnende Farmer und reisende Deutsche erlitten einen grausamen Tod. Der gar nicht für kriegerische Unternehmungen gegen Weiße eintretende Hererohäuptling Michael konnte in Vereinbarung mit dem deutschen Kommandanten die jungen kriegslustigen Herero bis zum 17. hinhalten, aber dann begann das Anstürmen und die Beschießung der Station. Bei einem Ausfall aus der Station nach dem nördlichen Flußufer fiel Reservesoldat Obermayr. Nach einem Augenzeugenbericht ist Obermayr von Hereroweibern bestialisch abgeschlachtet worden. Am 4. Februar in der Frühe erreichte die Kompanie Franke das südlich des Ortes liegende Feld, in welchem die für Omaruru charakteristische, mit gewaltigen Klippenblöcken übersäte Landschaft beginnt. Von da an erhielt auch sie dauernd heftiges Feuer von den hinter den Felsblöcken sich versteckenden Herero. Der heiße Kampf wurde langsam zum Ort hin vorgetragen gegen eine zahlreiche, bewaffnete Übermacht der Farbigen. An waffenfähigen Kriegern sollen dort der nur 100 Mann zählenden Kompanie rund 3 000 Mann gegenübergestanden haben, die verwegen kämpften. Als man auf der Station Geschütz- und Gewehrfeuer vernahm, sandte der Kommandant eine Abteilung bewährter Männer der kämpfenden Kompanie entgegen. Stabarzt Kuhn kam um Mittag der kämpfenden Truppe mit wenigen Männern entgegen. Kurz nach Mittag nahm die brave Kompanie im Sturm den letzten Rest des Geländes bis zur Station. Dabei fielen 8 Männer. Die Herero flüchteten nach einem Verlust von über 100 Mann nach Osten zu. Die Ovaherero in Otjimbingwe zögerten mit ihrem Eintritt in den Aufstand bis zum 23. Januar. Der gute Einfluß des dortigen Missionars Johannes Olpp und das ruhige Überlegen der älteren Hereromänner hatten den Erfolg gehabt, die jüngeren, kriegslustigen Herero bisher noch vom Kriege gegen Weiße abzuhalten. Der Distrikts- und Stationschef Leutnant der Reserve von Frankenberg hatte die 35 Deutschen in einem von Bürgern zur Verfügung gestellten, sicheren Gebäude versammelt. Es waren zwar auch in diesem Distrikt Deutsche ermordet worden, darunter der Kaufmann Kronewitter, aber sonst ging der Aufruhr nicht in dem wilden Maße vor sich wie anderswo. Im südlichen angrenzenden Bezirk Rehoboth herrschte Ruhe. Die Bastards überlegten es sich doch, was es wohl hieße, gegen deutsche Soldaten in den Krieg zu ziehen. Besonders wurde vom Gouvernement Wert darauf gelegt, das mit edlen Pferden besetzte Gestüt Nauchas zu schützen, wobei geflüchtete Farmer und auch Bastards halfen. Die Zustände im Norden waren folgendermaßen: In Grootfontein, dem äußersten Nordosten, war die Station von ungefähr 20 Mann unter den Befehl des bewährten Oberleutnants Volkmann besetzt. Einige Tage vor dem offenen Ausbruch des allgemeinen Aufstandes hatte der etwa 20 km südlich wohnende Farmer Joubert, ein südafrikanischer Bur, im Geheimen durch einen mutigen Boten die Warnung geschickt, daß nach seiner Kenntnis der im Bezirk hausende Hererovormann Mbandona die Absicht habe, die Station zu überfallen. Unter Führung des deutschen Offiziers ritt eine Abteilung, in der auch mehrere deutschfreundliche Buren als Freiwillige mitmachten, unter Führung ihres Vormannes Wessel Britz, in die Gegend des genannten Farmers hinaus, begegnete unterwegs einem Ochsenwagen mit allen Familienmitgliedern des Buren als Flüchtlinge und traf auf die anmarschierenden Hererobanden, die in einem harten Gefecht am 18. Januar empfindlich unter großen Verlusten an Toten geschlagen wurden, unter denen sich auch der Unterhäuptling befand. Auf deutscher Seite fiel ein Unteroffizier. Die Übermacht der Herero wurde auf rund 500 bewaffnete Krieger geschätzt. Beim Überfall auf die kleine Außenstation Otjituwo wurde die aus zwei Reitern bestehende Besatzung überrascht und niedergemacht: Gefreiter Kollberg und Reiter Piepho; zu ihnen hatte sich noch ein Deutscher Wittmer, als Kriegsfreiwilliger in die Station gerettet. Sehr hart ging es am Waterberg her. Es floß am 14. Januar viel deutsches Blut. Die Besatzung der dortigen Polizeistation, Sergeant Rademacher, Unteroffizier Kottler und die drei Reiter Domschke, Hischer und Rakete, wurde in dem Polizeigebäude ermordet; die dort ansässigen Kaufleute Debald, Reinecke und Sonnenberg fielen den Banden zum Opfer, ebenso die durchreisenden Beamten Watermeyer, Dr. Höpner, deren Begleiter Graf Dohna, von Estorff und Genzell, zusammen 13 Deutsche. Der Kaufmann Sonnenberg wurde vor den Augen seiner hilflosen Frau und des Kindes erschlagen. Frau Sonnenberg mit ihrem kleinen Kind und die bei ihnen befindliche Schwester Marianne wurden von älteren Herero in das Haus des Missionars Eich gebracht. Alle Insassen dieses Hauses sind beim Abmarsch der Hererokrieger nach Okahandja auf einem Ochsenwagen mitgeführt und als Gefangene behandelt worden, bis sie nach sechs Wochen beim Herannahen der deutschen Truppen zu diesen hinübergehen konnten; sie langten am 9. April in Okahandja an. Ebenso wie der Waterberger Missionarsfamilie Eich erging es der in Okahandjas Umgebung wohnhaft gewesenen Familie des jungen Missionars Kuhlmann. Auch dieses Ehepaar mit kleinen Kindern mußte ihre Missionsstation verlassen; es wurde von den Hererokriegern verschleppt und mitgeführt in ihrer Ochsenkarre, sieben lange und strapaziöse Wochen lang. Erst Ende Februar wurden diese freigegeben und konnten den Ort Okahandja erreichen, wo ihnen Gelegenheit gegeben wurde, sich bei guter Ernährung zu erholen. - Noch manche andere Missetat der Herero wurde bekannt; in dieser Blutzeit hatten sie alle Wohltaten der Missionare von sich geworfen und vergessen, dafür ihre alten Heidensitten und Brutalitäten angewendet, um sich auf bestialische Art der Weißen zu entledigen. Diese beschriebenen Beispiele sind nur einige vom Erleben weißer Familien. ![]() Die
Heliographenstationen spielten während der Aufstandszeit eine
sehr wichtige Rolle
Die in Outjo stationierte 4.
Kompanie war mit ihrem Hauptmann Kliefoth
gemäß dem auf heliographischem Weg erhaltenen Befehl aus
Windhoek in der Stärke von 50 Gewehren in östlicher Richtung
ausgerückt, begleitet von einem Geschütz. Diese
Lichtsignalnachricht war der letzte Dienst der auf den Stationen
Etaneno und Okowakuatjivi befindlichen Soldaten, die bereits den Befehl
erhalten hatten, schleunigst nach Outjo abzumarschieren und sich in
Sicherheit zu bringen. Damit war auch Outjo vollständig von
der Außenwelt abgeschnitten. Am 16. kam die Kompanie auf
dem Regen durchweichtem Wege an die Hererowerft Okandjande heran und
wurde aus dichtem Busch von versteckten Hererokriegern scharf
beschossen, wobei der Feldwebel Glatzel schwer verwundet wurde.
Nach eineinhalbstündigem Gefecht wurde die auf einer Anhöhe
liegende Werft gestürmt und die Herero in die Flucht gejagt.
Der ausdrücklich einen Weitermarsch bis Waterberg verbietende
Befehl, der die Überzeugung des Kommandeurs von einer sehr
großen Ansammlung von Hereromassen am Waterberg verriet, und eine
der Kompanie nachgesandte Nachricht von beunruhigendem Inhalt aus dem
Ovambolande, veranlaßten den Hauptmann Kliefoth, den Rückzug
nach Outjo anzutreten. Während einer Rast an der
Wasserstelle Ekotoveni bemerkte der Posten auf einer Anhöhe sich
etwas bewegen. Die Nachsuche ergab, daß dort zwei
Weiße in elendem Zustande lagen, die nach ihrer Erzählung am
Vormittag des 12. von einer Menge Herero in Omarassa fast zu Tode
geschlagen und, nachdem sie sich tot gestellt hatten, liegengelassen
worden waren, aber, als sie sich nachts wieder bewegt hatten, zum
zweiten Male "totgeschlagen" worden seien. In der folgenden Nacht
jedoch vermochten sie sich sozusagen "auf allen Vieren" über die
mehr als 30 km weite Fläche bis hierher zu schleppen, sich von
Gras und Regenwasser nährend. Diese, Klussmann und
Weschkalnis, wurden mit nach Outjo genommen und im Lazarett in
wochenlanger guter Behandlung gesund gepflegt. Ein dritter
Leidensgenosse, Böttcher, habe sich nicht tot gestellt und sei
gleich bei der ersten Mordszene gänzlich totgeschlagen worden, so
berichteten sie.
In täglichen Suchpatrouillen eines feldkundigen Landwehrsoldaten wurden mit geringer Begleitung in Abwesenheit der aktiven Truppe einige kleine Gefechte geliefert und von Hererotrupps etwas Vieh erbeutet, die vom Kaokofeld her zu den sich im östlichen Felde sammelnden größeren Massen der Herero ziehen wollten. Als sich herausgestellt hatte, daß die Umgebung von Outjo von Banden ziemlich frei sei, wurde ein Plan, eine Verbindung mit Omaruru zu suchen, in Erwägung gezogen. Am 27. Januar, Kaisers Geburtstag, wurde bei versammelter Kompanie in feldmarschmäßiger Ausrüstung eine kleine kurze Feier mit markiger Ansprache des Hauptmanns abgehalten, und gleich danach stieg der größte Teil der Kompanie in den Sattel, um nach Süden zu marschieren mit dem Endziel Omaruru. Am 29. stieß der Trupp in der Nähe von Etaneno auf eine größere Masse Hererokrieger, welche die Kompanie angriffen. Auch sie wurden geschlagen und in die Flucht getrieben. Unter dem Befehl des Oberleutnants von Schönau-Wehr kam die Kompanie nach Outjo zurück, bezüglich der Befreiung Omarurus mit geänderten Plänen. ![]() Station Namutoni an der Nordostecke der
Etoshapfanne
Die Lage im Ovambolande schien
nach Berichten der Missionare nicht ganz
klar. Die an sich ruhigen Häuptlinge Kambonde und Nande
widerstanden fest den Kriegsplänen der jüngeren, unter denen
sich der Nebenhäuptling Nehale hervortat mit Angriffsgedanken
gegen die ihm noch unbekannten deutschen Soldaten. Mit rund
eintausend bewaffneten Kriegern fühlte er sich so stark, daß
er einen Angriff auf die mit wenigen Soldaten besetzte Station Namutoni
unternahm.
Auch am 27. fanden sich die vier aktiven Soldaten der kleinen Station an der Nordostecke der Etoshapfanne, eben verstärkt durch geflohene Farmer, Karl Hartmann aus dem nahen Nagusib, Franz Becker aus Sandhup und Jakob Basedowsky, umringt von einer Unmasse von Ovambokriegern; ihr Angriff wurde blutig abgewehrt. Aber in Beratungen der Besatzung, dem aktiven Sergeanten Fritz Grossmann, dem Sanitätssergeanten Bruno Lassmann, dem Gefreiten Richard Lemke und dem Gefreiten Albert Lier, war man sich einig, daß die vorhandene Menge an Munition höchstens noch einen Tag ausreichen werde und die Sieben lieber den Fußmarsch nach der nächsten, 120 km entfernten Polizeistation Tsumeb antreten wollten. Ein treuer Herero war bei Beginn des Angriffs auf dem Weg ostwärts entschlüpft und hatte die Meldung vom Geschehenen auf der genannten Polizeistation abgegeben. Die sieben Mann traten in der Nacht den Marsch an, nachdem sie im Kampfe eine große Anzahl der Angreifer erschossen hatten; die Berichte darüber nennen die Zahlen zwischen 100 und 300 Toten. Nehale soll nach diesem Aderlaß jeglichen Mut zu weiterem Anbinden mit deutschen Soldaten verloren haben. Nach dieser (ausführlichen) Schilderung der traurigen Ereignisse in den ersten Tagen und Wochen der Aufstandszeit soll hier, bevor zu einer kürzeren Aufzählung der Begebenheiten übergegangen wird, noch etwas über die vermuteten Ursachen und Gründe für das gefährliche Unternehmen eines Aufstandes gesagt werden. Die Eingeborenen haben sich gewiß keine Vorstellungen gemacht über die Fähigkeit Deutschlands, mit vielen Soldaten, Waffen und sonstiger Versorgung größerer Truppenmengen in der Kolonie aufzutreten. Die Behörden, die Bevölkerung und die Missionare sind vollkommen überrascht worden vom so plötzlichen Ausbruch der Unruhe und staunten über das gewahrte Geheimnis. Die nach Zeit und Art überraschenden Vorgänge begannen beinahe gleichmäßig am Vormittag des 12. Januars 1904. Sie zeugten von einer doch vorhandenen Disziplin der wildgewordenen Eingeborenen, die eigentlich niemand erwartet hatte. Das Hin- und Herraten über die Ursachen des Aufstandes verengte sich schließlich zu der Auffassung, daß in der Hauptsache die Furcht der Herero vor dem verhältnismäßig schnellen Fortgang der Besiedlung durch die Weißen und ihr dadurch entstandener Mangel an gutem Land, dazu die streng durchgeführten Beschränkungen der Einfuhr von Waffen, die vornehmlich über die englische Grenze geschah, den Ausschlag gaben. Amtliche Statistiken zeigten, daß in den Jahren 1883 bis 1893 die Anzahl von 2 586 Gewehren ins Land gekommen war; was außerdem nicht registriert worden ist an Einfuhr, ließ das Gouvernement vermuten, daß im ganzen weit mehr als 20 000 Gewehre und die dazu gehörige Munition in Händen der Eingeborenen sein mußten. Alleine bei den Ovaherero wurden rund 10 000 Gewehre geschätzt, zum weitaus größten Teile nicht-deutscher Herkunft, was auch die nach Kriegsschluß abgegebenen Gewehre bewiesen. Wenige vorgekommene Übergriffe einzelner Deutscher mögen kleine Mißstimmungen hervorgerufen haben, können aber nicht die behauptete große Verärgerung der Eingeborenen erklären. Eine große Verlockung zum Angriff aber gaben die Entziehung von Truppen aus dem wenig geschützten Norden und ferner die so außerordentlich schöne Regenzeit, die die kriegerischen Unternehmungen der mit ihrem Vieh hin- und herziehenden Herero sehr begünstigte. Was die viel erwähnte Landbesitzfrage anbelangt, so darf gesagt werden, daß die Herero wohl das von ihnen bewohnte Land als "ihr Eigentum" betrachteten. Aber was heißt in ihrem Fall Eigentum? Sie sind noch nicht ganze 200 Jahre hier ansässig gewesen, kamen aus dem Betschuanalande, dem von ihnen sogenannten "Schilflande der vielen Elefanten", nach Südwest, vertrieben die Ureinwohner, Buschleute und Damara, und ließen sich in freier Wahl dort nieder, wo sie Wasser und Weide für ihre geliebten Rinder vorfanden. Ob es bei dieser Landnahme immer unblutig hergegangen sein wird, scheint bei der damaligen Lebensart der Herero zweifelhaft. Am 18. Januar traf der aus Kapstadt herbeigerufene Kreuzer "Habicht" vor Swakopmund ein. Der Kommandant, Kapitän zur See Gudewill, ordnete sofort an, daß der Kapitänleutnant Gygas mit 52 Matrosen und 2 Revolverkanonen und einem Maschinengewehr an Land gehen und sich dem Oberkommando in Südwest zur Verfügung stellten sollte. Diese Abteilung wurde am folgenden Tage mit der Bahn nach Karibib befördert; es befand sich auch ein Marinearzt dabei. Einige Tage später landete vom genannten Schiff der Leutnant zur See Eckholdt mit weiteren 28 Matrosen und einer Revolverkanone und einem Maschinengewehr. Der Schiffkommandant übernahm das Kommando in Swakopmund und forderte vom Gouvernement in Kamerun die eilige Entsendung von Mannschaften, Waffen und Munition an; diese trafen mit dem Dampfer "Emilie Woermann" am 31. Januar vor Swakopmund ein, man brachte sogar zwei kleine Geschütze mit. Zur Zeit des Aufstandsbeginn befand sich ein Ablösungstransport für die Schutztruppe in Stärke von 4 Offizieren, einem Arzt und 226 Unteroffizieren und Reitern auf der Seereise. Diese willkommenen Verstärkungen unter der Führung des bereits hier gewesenen Oberleutnants von Winkler trafen am 3. Februar vor Swakopmund ein und wurden eiligst mit der Bahn ins Innere befördert. Sofort nach Eintreffen der Nachrichten vom Aufstand befahl der Kaiser die eiligste Aufstellung eines Expeditionskorps, das hauptsächlich aus dem Seebataillon bestand und außerdem 60 Mann der Eisenbahntruppen unter dem Befehl des Oberleutnants Ritter enthielt. Ferner wurde eine Maschinenkanonen-Abteilung der Marine angeschlossen. Zusammen waren es 23 Offiziere, 8 Ärzte und Beamte und rund 600 Mann, die dem Oberbefehl des dem Seebataillon angehörenden Majors von Glasenapp unterstellt wurden. Der Dampfer "Darmstadt" verließ Wilhelmshaven am 21. Januar und ging nach außergewöhnlich schneller Fahrt am 9. Februar in Swakopmund vor Anker. Der am 27. Dezember 1903 vom Hauptmann von Fiedler mit dem sich ergebenden Bondelswart-Kapitän Johannes Christian abgeschlossene Waffenstillstandsvertrag wurde nach vernichtendem Kampf mit diesem Nama am 27. Januar 1904 in Kalkfontein durch einen Friedensvertrag ersetzt, in welchem die Abgabe von 289 Gewehren festgelegt wurde. Die Hauptführer, Morenga und die Brüder Jakob und Eduard Morris entzogen sich den Verhandlungen durch ihre Flucht über den Oranje ins englische Gebiet. Major von Estorff marschierte mit der 3. Kompanie des Seebataillons unter Führung des Hauptmanns Haering von Karibib am 11. Februar nach Omaruru, wo er vereint mit der Kompanie Franke eine für den Norden bestimmte Abteilung zusammenstellte, die den Marsch in nördlicher Richtung antrat, am 20. Februar. Die mit der Absicht, Omaruru zu befreien, in südlicher Richtung marschierende 4. Outjoer Kompanie unter dem Befehl des Oberleutnants von Schönau-Wehr und die in entgegengesetzter Richtung auf das eingeschlossene Outjo marschierende Abteilung von Estorff begegneten sich am 23. Februar an der Wasserstelle Okowakuatjivi, von wo aus die nun zusammengeschlossenen Truppen östliche Marschrichtung nahmen und am 25. gegen die in den Etjobergen verschanzten zahlreichen Herero einen eintägigen heißen Kampf um die Wasserstelle Otjihinamaparero mit einem Siege ausfochten. Es sollen uns hier rund 1 000 Gewehre der Herero gegenübergestanden haben; der riesenhafte Kommandeur der Feinde (der Herero) war in deutscher Offiziersuniform, komplett mit Säbel und Straußenfedern am Truppenhut, gekleidet und gab seine Kommandos in Deutsch. Die Herero hatten sehr große Verluste, und zudem ließen sie 660 Rinder und 1 600 Stück Kleinvieh in unseren Händen. Nach dem um Sonnenuntergang erfolgten Sturm verließen sie fluchtartig unter dem Geschrei der Weiber ihre Stellungen und machten sich auf den Marsch nach Waterberg und Okahandja. Unsere Outjoer Kompanie verlor zwei beliebte Soldaten: den Oberleutant Otto Schultze und den Gefreiten Emil Fehr. Viele Verwundete der Kompanie schieden aus und wurden nach Omaruru gebracht. Nach Besprechungen des Majors von Estorff mit dem in Karibib weilenden Oberst Leutwein marschierte die Abteilung unter ständigem Vorsichhertreiben der flüchtenden Herero nach Okahandja. Unterwegs waren zwei Gefechte zu bestehen, am 16. März eins nördlich der Omatakoberge am Erindi-Omusema-Okatjembo. ![]() Schutztruppe
im Kampf gegen die Aufständischen
Weitere Verstärkungs- und
Hilfstruppen verließen die Heimat
am 30. Januar unter Führung des Hauptmanns Puder und am 2. Februar
unter Hauptmann von Bagensky, zusammen 22 Offiziere und 516 Mann, die
am 23. und 24. Februar in Swakopmund eintrafen und eiligst nach Karibib
geschafft wurden.
In dem zum Sammelpunkt der gegen die Herero kämpfenden Truppen bestimmten Okahandja vereinigten sich alle Truppen des Nordens. Oberst Leutwein teilte alle Truppen in neue Abteilungen ein für die bevorstehenden Kämpfe gegen die östlich Okahandjas stehenden großen Massen der Herero unter Führung des Oberhäuptlings Samuel Maharero. Am 13. März erlitt die Truppe einen schmerzlichen Verlust von sieben Offizieren und 19 Reitern, die in einer Erkundungspatrouille des Führers der Ostabteilung, Majors von Glasenapp, die Wasserstelle Owikokorero passierten und aus dichtem Busch von großen Massen der Herero beschossen wurden. Oberst Leutwein stellte in Berlin den dringenden Antrag um Verstärkung der Truppe um 800 Reiter und 2 Batterien, die alle mit Pferden versehen werden möchten. Dieser am 9. März nach Deutschland abgesandte Antrag wurde bald erfüllt. Die für die Kämpfe gegen die Herero im Osten angesetzte Abteilung des Seebataillons unter Major von Glasenapp stand am 3. April großen Hereromassen gegenüber, mit denen sie bei Okaharui in ein Gefecht kamen. Beide Teile erlitten große Verluste. Es wurde geschätzt, daß der deutschen Truppe rund 1 000 feindliche Gewehre gegenübergestanden hatten. Die Hauptabteilung der Ovaherero unter dem Kommando des Oberhäuptlings Samuel Maharero hatte sich in der Gegend von Onganjira und Oviumbo versammelt. Mit der Masse hatte unsere Hauptabteilung unter Leutweins Befehl hart zu kämpfen. Am 9. April fand das schwere Gefecht bei Onganjira statt, in welchem die deutsche Truppe auch schwere Verluste hatte (unter ihnen der Bruder Otto des Majors von Estorff). Es wurde festgestellt, daß hier die Waterberger Herero und die von Omaruru und Otjimbingwe den Haupttrupp der Herero verstärkt hatten, so daß die aktiven Kämpfer ca. 3 000 Gewehre zählten. Doch sie wurden von den deutschen Soldaten geschlagen und zogen sich auf der ganzen Linie zurück. Der allerschwerste Kampf wurde am 13. April 1904 ausgefochten von der Hauptabteilung unter Oberst Leutwein gegen rund 5 000 bewaffnete Herero bei Oviumbo. Diese Zahl der Feinde war durch Zuzug aus dem Khomashochland, wo noch große Mengen sich aufhielten und dort ihr Vieh gut ernähren konnten, erreicht worden. Nach mehr als zehnstündigem heißen Kampfe in dichtestem Dornbusch trennten sich im Dunkel der Nacht die beiden Parteien. Leutwein mußte unbedingt die kommenden Verstärkungen abwarten, um gegen die enorme Übermacht weitere Kämpfe annehmen zu können. Seit Anfang April herrschte unter den Angehörigen des Seebataillons im Osten viel Typhus, dem bereits viele Soldaten erlegen waren. Diese als Ostabteilung im Feld gewesene Truppe, wurde nach Otjihaenena zusammengezogen und für längere Zeit unter Quarantäne gestellt. Mit dem 6. Mai wurde diese Ostabteilung gänzlich aufgelöst. Im Norden machten sich die im Okahandja-Felde trotz ihres hartnäckigen Widerstandes gegen die weit weniger Soldaten zählende Schutztruppe doch empfindlich geschlagenen Herero wieder am großen Omuramba-Omatako und in der Grootfonteiner Gegend bemerkbar. Der Kommandeur der Truppe, Oberst Leutwein, hatte bald nach den schweren Kämpfen klarblickend und richtig vermutet, daß sich von der übergroßen Masse viele dort und am Waterberge sammeln würden, um hier für ihr immer mehr zusammenbrechendes Dasein einen letzten Verzweiflungskampf auszufechten. Es wurde daher notwendig, die nur 35 Mann starke Besatzung von Grootfontein baldigst zu verstärken, da das Feld ihrer Betätigung immer größer wurde. Eine in Karibib neu aufgestellte 8. Feldkompanie unter Führung des Oberleutnants von Zülow wurde in der Mannschaftsstärke von 176 Soldaten, ausgerüstet mit einem Maschinengewehr und zwei Geschützen, nach dem Norden entsandt und vereinigte sich befehlsgemäß in Otavi mit der nun insgesamt unter den Befehl des Oberleutnants Volkmann tretenden ganzen Abteilung, welche nun von dort aus nach Osten zu die Omurambagegend beherrschen konnte. Von Westen her also wurde in der Hauptsache bei Coblenz der Marsch der Herero nach Nordosten gehemmt, während von der Ostseite die am Sandfeldrande operierende Abteilung des Majors von Estorff in verstärkter Mannschaftszahl den Fliehenden energisch zu Leibe ging. Von dem als Hauptstützpunkt gewählten wasserreichen Okamatangara aus ließ der felderfahrene Führer starke Patrouillen in Richtung Omuramba und Waterberg reiten. Nicht weit vom genannten Platz hatte die Bastardabteilung des Oberleutnants Böttlin ein Gefecht mit wandernden Herero, am 6. Mai die erste Kompanie ein ebensolches bei Otjikuoko, und am 24. Mai kämpfte ein großer Teil der Abteilung gegen starke Massen der Wanderer bei Otjomaso und Otjisasu. Auf vielen Märschen wurden Patrouillen überrascht von vergiftetem Wasser und mußten durstig weiterziehen. In der Hauptsache leistete der bekannte Feldhauptmann Tjetjo hier Widerstand. ![]() Der Franke-Turm in Omaruru
Was von den Wanderern nicht
nach dem unweit gelegenen Waterberg
flüchten konnte, mußte die Verfolgung ins Sandfeld
aushalten, dem sicheren Dursttode entgegen. Nicht vielen ist es
gelungen, mit der letzten kärglichen Habe, ohne das geliebte Vieh,
nordöstlich in das englische Betschuanaland (woher sie vor langer
Zeit gekommen sind) zu gelangen. Es wurde nach und nach klar,
daß unter den am wasserreichen Omuramba und sogar auch unter den
am Waterberg sitzenden Herero eine Kriegsmüdigkeit verbreitet war,
verursacht durch schwere Verluste an Menschen und dem zur
Ernährung notwendigen Vieh. Verständlich somit,
daß der Drang zu einer Flucht nach außerhalb sich mehr und
mehr durchsetzte.
Daß es auch einigen erwünscht erschienen war, zu ihren Brüdern im Kaokofeld, den Tjimba-Herero und Himba, zu ziehen, dafür gaben einige gewagte Überfälle auf zwei nur gering besetzte Stationen südlich Outjos Zeugnis. Der Zug der Fliehenden machte auch im Osten den kleinen Besatzungen von Gobabis, unter dem Oberleutnant Streitwolf, und der noch geringer besetzten Grenzstation Rietfontein unter dem Befehl des Leutnants Eymael unausgesetzt Sorge. Der immer noch im Felde stehende Hauptmann Franke erhielt einen Auftrag, mit der neu formierten 12. Kompanie unter Freiherrn von Welck nach Omaruru zu marschieren, um in Okombahe dem Damarakapitän Cornelius eingeimpfte Aufstandsgelüste auszutreiben. Oberst Leutwein zog am 18. Juni eine neu aufgestellte Hauptabteilung in Owikokorero zusammen, mit der er nach einem neuen Plan beabsichtigte, die im Marsch nach dem Norden begriffene Hauptmasse der Herero in der Gegend am großen Omuramba anzugreifen und in Zusammenarbeit mit der bereits an der Sandfeldgrenze tätigen Abteilung von Estorff die Herero empfindlich zu schlagen. Ein Zusammenstoß der unter Führung des Leutnants Müller-Berneck befriedigend tätigen Witbooi-Abteilung bei Otjikuara bewies, welche Massen der Herero in Bewegung waren. Diese Absichten des Gouverneurs kamen jedoch nicht zur Ausführung; sie wurden durch eine Anordnung der Regierung in Berlin verhindert, in welcher Nachricht gegeben wurde, daß zur Führung der immer zahlreicher werdenden Truppen ein höherer Offizier ausersehen sei und daß bis zu dessen Ankunft in Südwest und der Übernahme des Oberbefehls, womit bedeutende Verstärkungen verbunden sein würden, keinerlei Kriegshandlungen vorgenommen werden sollten. Als Folge solcher höchster Anordnungen bestimmte Oberst Leutwein, daß nur einzelne, nicht zu vermeidende kleine Gefechte durchgeführt würden; sonst sollte der größte Teil der Feldtruppen in den augenblicklichen Ruhestellungen verbleiben. Um diese Zeit betrug die Gesamtstärke der Schutztruppe 275 Offiziere, 60 Sanitätsoffiziere, 7 073 Unteroffiziere und Reiter mit 5 216 Pferden. Der am 20. Mai von Hamburg abgereiste Nachfolger unseres hochgeschätzten Truppenkommandeurs Oberst Leutwein, Generalleutnant von Trotha, traf am 11. Juni 1904 in Swakopmund ein, begleitet von einem großen Gefolge, das aus mehreren höheren Stabsoffizieren und Verwaltungsbeamten, sowie einer Stabswache von 20 Mann bestand. Mit demselben Schiff kam ein neuer Verstärkungstransport an, der 73 Offiziere, Ärzte, Beamte und 496 Soldaten umfaßte, denen 420 Pferde anvertraut waren. Diesem Transport gehörte auch Oberleutnant von Lettow-Vorbeck an. Bald nach seiner Ankunft in Okahandja übernahm General von Trotha den Oberbefehl über die Südwester Truppen. Chef des Generalstabes war Oberstleutnant Chales de Beaulieu. Oberst Leutwein widmete sich in Windhoek einzig den Geschäften des Gouverneurs. Der Befehl über die Truppen im Süden wurde dem Obersten Deimling übertragen. Weitere Verstärkungstransporte trafen ein im Laufe des Monats Juni: - der Stab des neu aufgestellten 2. Feldregiments, sowie dessen 1. Kompanie mit 13 Offizieren, Ärzten und Beamten, 192 Soldaten und 289 Pferden; - ab Hamburg am 7. Juni der Stab des 1. Bataillons, die 2. und 3. Kompanie des 2. Feldregiments, sowie der Stab und die 1. Feldartillerie-Abteilung mit 19 Offiziere, Ärzten und Beamten, 341 Soldaten und 494 Pferden; - ab Hamburg am 17. Juni der Stab des 2. Bataillons mit der 4., 5. und 6. Kompanie des 2. Feldregiments mit 38 Offizieren, Ärzten und Militärbeamten, 671 Soldaten und 923 Pferden. Am 1. Juli landete in Lüderitzbucht ein Transport unter Major von Lengerke mit dem Stabe des 3. Bataillons, der 7. und 8. Kompanie und einer Batterie mit 26 Offizieren, Ärzten und Beamten, 485 Soldaten. Ferner trafen hier 600 Pferde und Maultiere aus der Kapkolonie ein, sowie 220 000 Liter Trinkwasser zur Verwendung in den Trockengebieten des Südens. Das befohlene Stilliegen war natürlich gar nicht nach dem Sinn der kampffreudigen Feldtruppen. Im Einvernehmen mit dem neuen Kommandeur, dessen Absichten sich auf den Waterberg richteten, hielten es die Abteilungsführer für ratsam, den sich am Waterberge sammelnden Hereromassen - wie jetzt zur Genüge festgestellt - auf den Fersen zu bleiben. Tonangebend dafür war für die jüngeren Führer das Vorgehen des weitaus erfahrensten aller Führer, Major von Estorff, der sich ab 22. Juni in Richtung Omuramba-Omatako und Waterberg mit seiner verstärkten Sandfeldabteilung auf den Vormarsch setzte. Die 500 Soldaten und 700 Pferde zählende Abteilung mußte einen überaus schwierigen Marsch in wasserlosem Gebiet überstehen, bis sie endlich den Omuramba erreichte und an der ergiebigen Wasserstelle Okarupuka Menschen und Tiere vom quälenden Durst erlösen konnte. Nach wohltuenden Ruhetagen marschierte von Estorff weiter zum Nordende des langen Berges und setzte sich in Okatjingenge fest. Die ebenfalls verstärkte Abteilung des auch an Kriegserfahrungen reichen Oberleutnants Volkmann bewegte sich von Otavi und Grootfontein aus in Richtung auf den bedeutsamen Bezug; an der Wasserstelle Otjenga machte sie Halt um abzuwarten, was geschehen solle. Die beiden neu formierten Regimenter, von denen das zweite unter Befehl des kürzlich nach Südwest gekommenen Obersten Deimling eigentlich für Verwendung im Süden bestimmt war, wurden erst zur Beteiligung an den bevorstehenden Kämpfen gegen die Herero befohlen. Dem Stabe des 2. Feldregimentes wurde der landes- und kampferfahrene Hauptmann Franke als beratendes Mitglied beigegeben. Auf dem Marsch nach Norden, der zwischen den Omatakobergen und dem Etjo durchgeführt wurde, geriet die 2. Kompanie bei Okateitei am 2. August 1904 mit umherstreifenden Hererobanden ins Gefecht. Eine zur Abteilung von Fiedler gehörende Patrouille des Leutnants von Arnim und des Leutnants von Salzmann erkundete unter wirksamer Hilfe des landeskundigen Gustav Melchior das südlich und westlich des Waterberges liegende Feld und konnte ebenfalls beobachten, daß große Mengen der Herero an den wasserreichen Schluchten des Waterberges sich fest niedergelassen hatten. Ein trauriges Schicksal erfuhr eine aus derselben Abteilung stammende Patrouille unter dem Leutnant von Bodenhausen; die aus dem Führer und 10 Reitern bestehende Truppe ist im Felde zwischen dem Waterberge und Osondjahe in dichtestem Busch nachts von überwältigend zahlreichen Hererobanden überfallen und in bestialischer Weise ermordet worden; die Leichen waren grausam verstümmelt. Das erst kürzlich zusammengestellte 1. Feldregiment unter dem Befehl des Oberstleutnants Müller hatte ebenso den Marschbefehl nach Norden zu befolgen. Die Bestimmung dieser Abteilungen war, angelehnt an den bereits eingenommenen Stand der Abteilung von Estorff, die Stellung östlich des Waterberges. In der hiermit vorläufig begonnenen Einschließung der am Waterberg versammelten Ovaherero wurde noch einiges geändert durch den am 30. Juli bei der südöstlich des kleinen Waterberges stehenden Regimentsabteilung des Oberstleutnants Müller eingetroffenen Generalleutnant von Trotha mit seinem Stabe. Am 4. August 1904 gab er ausführliche Befehle für den bevorstehenden Angriff an die einzelnen Abteilungen, jedoch noch ohne Zeitangabe. Die Schlacht am Großen und Kleinen Waterberg Man rechnete mit der
Anwesenheit von 50 000 bis 60 000
Herero, einschließlich Weibern und Kindern, im
zusammengedrängten Raume des Waterberges; darunter sollten sich
rund 6 000 mit modernen Waffen ausgerüstete Hererokrieger
befinden, außerdem einige tausend mit irgendwelchen anderen
Waffen; diese gingen auch mit in die Front und waren bereit, für
Gefallene mit deren Waffe einzutreten. An deutschen Truppen waren
hier versammelt:
1 488 Gewehre, 30 Geschütze und 12 Maschinengewehre. Ein nicht hoch genug zu schätzender Vorteil für die deutsche Führung wurde durch einen tapferen kleinen Trupp geschaffen, der unter Führung des Leutnants von Auer oben auf dem Berge eine Lichtsignalstation errichtete. Mit Apparaten und Geräten schwer beladen, ohne Hilfe von Tragtieren, beim Aufstieg heftige Gegenwehr leistend gegen eigenartigerweise nur schwache Banden, trugen die Soldaten alles den steilen Abhang hinauf und überraschten am Abend des 10. August alle Truppen mit ihren wertvollen Signalen, Befehle und Anordnungen hin- und hergebend. Mit Sonnenaufgang des 11. August begannen die Kämpfe rund um den Großen und Kleinen Waterberg. Heiße und verlustreiche Kämpfe wurden ausgetragen von unglaublich tapferen deutschen Soldaten gegen die für ihr Leben und Dasein kämpfenden, an Zahl mehrfach überlegenen Herero, die ebenfalls mit vorher nicht gesehener Tapferkeit fochten. Vernichtende, harte Schläge wurden ihnen aber zugefügt, so daß die Reste am 12. August in südöstlicher Richtung, die bei Hamakari stehende sehr schwache Abteilung von der Heyde fast vernichtend überrennend, in die Flucht zum Sandfeld übergingen, teils Frauen und Kinder, bestimmt Alte, zurücklassend. Dieser Entscheidungskampf am Waterberg hatte der Truppe schwere Verluste gebracht, an Toten 5 Offiziere und 21 Soldaten, an Verwundeten 7 Offiziere und 53 Mann. Die Widerstandskraft der Herero war vollkommen gebrochen; in wilder Flucht eilten sie ins Sandfeld, wo sehr viele den furchtbaren Durst- und Hungertod erlitten. Nicht viele sind in das englische Gebiet gelangt, darunter auch der Oberhäuptling Samuel. Am nächsten Tage, dem 13. August, wurde die Verfolgung der Flüchtlinge aufgenommen. Es war das Bestreben der Truppen, die Flucht der Herero nach Südosten in das besiedelte Gebiet des Landes abzulenken und andererseits deren Marsch nach Nordosten zu verhindern. Die Flüchtenden mußten also den wasserlosen Weg in das Sandfeld nehmen, was ihnen zum Verhängnis wurde. Wachsam war man auch darauf bedacht, die Festsetzung der Hereroreste in den noch unbekannten Bergen Erongo, Paresis, Auas usw. zu verhindern, vor allem auch, daß sie sich wieder in dem von ihnen bis vor kurzem besetzten wilden Khomashochland niederließen. Auch der anscheinend gänzlich verlassene Waterberg wurde überwacht. Im September hatten die Truppen das ganze Sandfeld umspannt und abgeriegelt von dem im Osten liegenden Epukiro bis über Owinaua-Naua hinaus zum großen Omuramba-Omatako. Die Abteilungen von Estorff, Volkmann und Mühlenfels hatten noch Zusammenstöße weit im Osten am Epukiro, wo sich noch eine Abteilung der Herero verteidigte. Auch der Oberbefehlshaber war bis in die Gegend von Epata mitmarschiert, um selbst die letzten Kämpfe gegen den dem Verderben entgegengehenden Herero zu führen. Mehrere Einzelabteilungen des Deimling-Regiments hatten unter sehr großen Schwierigkeiten durch Wassermangel einige Zusammenstöße mit Banden bei Otjimanangombe, weit im Osten, verjagten die Reste aber und erbeuteten viel Vieh. Das Gefechtsfeld, auf dem die ins Sandfeld vertriebenen Herero den letzten Widerstand geleistet und mit übriggebliebenen Waffen gekämpft hatten, wurden von den Soldaten mit dem treffenden Namen Orlogsende (Kriegsende) benannt. Es ist später über das grausame Schicksal des einst so stolzen Volkes der Ovaherero bekannt geworden, daß keine große Anzahl Flüchtlinge den Hunger- und Durstmarsch durch das Sandfeld überstanden hat. Warum flüchteten die Ovaherero durchs Sandfeld nach Betschuanaland? Man hat nach Jahrzehnten erfahren, daß die Herero-Führer vor dem Aufstand Verbindung mit der britischen Kolonialmacht hatten, die den Aufstand begrüßte und durch englische Waffenhändler die Herero unterstützte. Die britische Kolonialmacht hatte den Herero für den Fall einer Niederlage angeboten, sich dann ins Britisch-Betschuanaland niederzulassen. Dorthin zogen nun die Herero, auch wenn Tausende von ihnen im Sandfeld ihr Leben verloren. Der Oberhäuptling, Samuel Maharero soll mit einigen seiner Vorleute, er selbst auf einem Reitochsen als seiner allerletzten Habe, den Ngamisee unter vielen Beschwerden und Entbehrungen erreicht haben. Nach dem Ovambolande waren rund 400 kriegsmüde Herero entkommen und hatten gern Unterkunft bei dem kriegerisch gesinnten Nebenhäuptling Nehale, gefunden, der nördlich der Etoschapfanne hauste. Angeblich soll er sich mehr versprochen haben vom Zuwachs an Waffen, die von einigen Herero mitgebracht worden waren. Dieser geringe Rest jedoch hatte ihn derart enttäuscht, daß er die Ankömmlinge nicht mehr als willkommene Gäste behandelte und diese sich nach und nach in das Kaokofeld verzogen. Auch dort ist nach einer Ruhepause nur ein kleiner Teil der Flüchtlinge geblieben; die meisten sind weiter nördlich gewandert über den Kunene hinaus ins Angolagebiet, wo sie Aufnahme gefunden haben bei den Portugiesen. In den Reiseberichten eines im allgemeinen als zuverlässig angesehenen Reisenden und Jägers heißt es, er habe auf dem bekannten Hochland von Humpata eine größere Anzahl von Herero gesehen und mit ihnen gesprochen. Diese hatten unter Führung ihres Waterberger Häuptlings Salatiel dort Zuflucht gefunden und sich für dauernd niedergelassen. Der Berichterstatter hatte bei diesen Herero erfahren, daß Salatiel mit seinem Anhang auf der Flucht vom Waterberge aus ins Sandfeld angesichts des sicheren Dursttodes seine Marschrichtung geändert und in weit nach Norden ausholendem Bogen in beschwerlichem Hungermarsch das Ovamboland erreicht habe. Großes Wehklagen und Jammern über ihr törichtes Aufstandsbeginnen und den daraus folgenden Verlust ihrer Waterberger Heimat habe, wie der Reisende sagte, stets den Hauptinhalt der Gespräche und Unterhaltungen gebildet. - Einige hundert am Waterberg entkommene Herero hatten sich auf Umwegen nach dem Süden durchwinden können und sich den kämpfenden Nama angeschlossen. Nach dem Zusammenbruch des Aufstandes wurden 24 000 Herero als Gefangene in Lagern zeltend oder als Flüchtlinge in Britisch-Betschuanaland registriert. Der Namaaufstand (Die wichtigsten Ereignisse wiedergegeben. Daher nicht jedes einzelne Gefecht aufgeführt.) Nach den harten und für
beide Teile sehr
verlustreichen Kämpfen am Waterberge, welche für die dort
versammelten Herero eine verhängnisvolle Entscheidung brachten,
wodurch das Schicksal der stolzen Ovaherero durch die sofort
einsetzende Verfolgung ein für die Flüchtenden verheerendes
Ende nahm, entlud sich im Süden das schwere Gewitter eines
allgemeinen Aufstandes fast aller Nama, obwohl ihnen das elende
Schicksal der schwer geschlagenen Herero bekannt sein
mußte. Es hieß, daß auch bei ihnen, wie bei den
Herero, trotz der stets sehr nachsichtigen Behandlung von seiten des
Gouverneurs, die unüberwindliche Abneigung gegen die
fortschreitende deutsche Kultur, durch die sich mehrende Besiedlung des
Landes mit Weißen, eine überwältigende
Mißstimmung hervorgebracht habe, da sie doch ein ungebundenes
Kriegs- und Räuberleben und ihre gewohnte Zügellosigkeit in
Art und Lebensführung bevorzugten in dem Lande, das sie als ihr
Eigentum betrachteten, das sie jedoch ebenso wie die Herero vor noch
kürzerer Zeit (1815) den Urbewohnern geraubt hatten, auch wohl
unter blutigen Umständen. Eines aber durfte nicht
übersehen werden. Der verheerende Einfluß eines sich
bereits mehrere Monate bei Hendrik Witbooi aufhaltenden Wanderapostels
der äthiopischen Kirche in Betschuanaland eines Namabastards
Stuurmann Skipper, muß den sonst klug und überlegend
handelnden Witbooi-Häuptling so ungünstig zu seinem und
seines Stammes Nachteil gebunden haben, da er dem Apostel mit seiner
Behauptung Glauben schenkte, daß er als Gottesgesandter
dafür zu arbeiten habe, alle Weißen aus Afrika zu vertreiben.
Vor dem am 4. Oktober 1904 ausbrechenden allgemeinen Aufstand der meisten Nama im Süden war folgendes geschehen - der schon bei den Kämpfen mit den Bondelswarts vor einem Jahr erwähnte Hererobastard Jakob Morenga, dem nach den Erfahrungen eine kluge Führerbegabung nicht abzusprechen war, hatte sich östlich der Karasberge als Führer der dortigen Nama und nach dort geflüchteter Hererobanden räuberisch betätigt, indem er die weit auseinander wohnenden Farmer belästigte. Diese mußten, um ihr und ihrer Familien nacktes Leben zu bewahren, Waffen und MUnition an die etwa 60 Krieger starken Banden ausliefern, ohne sich dem Raub ihres Viehes widersetzen zu können. Als Morengas Räuberbande weiterhin die in genanntem Landstück wohnenden Farmer entwaffnete und bestahl, wurde die sich dort zeigende Abteilung des Barons von Stempel, welche die verschanzten Stellungen in und an den wilden Bergen von weitab in Augenschein nahm, am Schambockberg von der umherstreifenden feindlichen Bande eingekreist und beschossen. Bei Kauchanas und Hais kam es am 30. August 1904 zu einem heißen Kampf, in dessen Verlauf die Feinde zwar viele Verluste erlitten, aber auch unsere Soldaten schwere Opfer bringen mußten. Weitere Kämpfe wurden ausgefochten am 21. September von der 39 Mann starken Patrouille des Hauptmanns a.D. Fromm gegen 90 Nama, und am 5. Oktober stand die Kompanie Wehle an den Karasbergen einer feindlichen Gruppe von 150 Kriegern gegenüber. Während des Gefechtes trieben die Feinde der Kompanie den größten Teil ihrer Pferde und Maultiere ab. Morenga hatte seine Kampftruppe durch Zuzug vom englischen Gebiet her auf rund 300 Krieger verstärken können, die meisten ihre Gewehre und die Munition dazu in nicht geringen Mengen mitgebracht. Am 3. Oktober erschienen beim Bezirksamtmann von Gibeon, Hauptmann der Reserve von Burgsdorff, die zwei Witbooi-Nama Samuel Isaak und Petrus Jod und übergaben dem Beamten einen Brief ihres Häuptlings Hendrik Witbooi, in welchem er erklärte, daß er nun aufhören wolle, den Deutschen zu folgen. Das war also eine offizielle Kriegserklärung. Die Boten baten, scheinheilig genug, den bisher ihren Häuptling gut beratenden Beamten, doch selbst zu versuchen, in persönlichem Verhandeln ihren Herrn umzustimmen. In dem guten Glauben, daß das bisherige Vertrauen mit dem Witbooi noch bestehe, das sich stets zum Guten und erfolgreich erwiesen hatte, ritt der immer als einer der Besten bewährte Herr von Burgsdorff unbewaffnet in Begleitung der beiden Boten zu Hendrik Witbooi, um das Mögliche zu versuchen, den Nama vom Eintritt in einen Aufstand abzuhalten. Beim Eintreffen in Mariental am 4. Oktober wurde er von einem Haufen unruhiger Nama gefragt, ob er den Brief ihres Häuptlings erhalten habe. Nach seiner Bejahung erschoß der Witbooi Salomon Zaal den Beamten hinterrücks. Auf Befehl des Witbooi-Häuptlings Hendrik begann am selben Tage das Morden unter den Weißen des Bezirks, dem sogar auch Buren zum Opfer fielen, teils sogar mit Frauen und Kindern. Als einer der ersten wurde der Missionar Holzapfel ermordet, der den Nama noch vor zwei Tagen einen Gottesdienst gehalten hatte: die Gelben erschossen ihn vor den Augen seiner Frau und Kinder. Auf der Station Mariental fielen in der Verteidigung die Unteroffiziere Maurer und Held und der Reiter Gröber. Der älteste Farmer des Bezirkes, einer der ältesten Südwester überhaupt, der Leiter der Schafzuchtfarm Nomtsas, Hermann, der gewiß keinem Nama etwas zu Leide getan hatte, wurde ebenfalls erschossen, gleichzeitig die auf der Farm angestellte deutsche Frau. Bei den Ermordungen fielen natürlich sämtliche Waffen und Munitionsvorräte in die Hände der Raubmörder. Der als angeblicher Friedensbote beim Hauptmann von Burgsdorff gewesene Vormann Samuel Isaak, der später ausgesagt hat: "Ich selbst habe keinen Grund für einen Aufstand gesehen; aber der Häuptling hatte es befohlen", hat sich sofort nach diesen Ereignissen an die Spitze der Witbooitruppen gestellt. Den Witboois schlossen sich an die Feldschuhträger unter Hans Hendrik, 120 Gochaser unter Simon Koper, die Manasseleute und selbstverständlich die von Morenga befehligten Nama- und Hererobanden von Karas. In der Station Gibeon hatte nach dem tragischen Tode des Bezirksamtmanns von Burgsdorff der Feldwebel Beck das Kommando übernommen. Der über die Kriegslage unterrichtete Missionar Spellmeier riet dem tüchtigen Feldwebel, alles Mögliche zu unternehmen, um die noch draußen befindlichen Weißen in die Station hereinzuholen und jedenfalls auf einen Ansturm der Feinde gerüstet zu sein. Durch Flüchtlinge wurde die Stationsbesatzung auf 85 Gewehre verstärkt, unter deren Schutz die nach Ermordung ihrer Männer geflüchteten 175 Frauen mit Kindern gestellt wurden. Der Oberbefehlshaber General von Trotha ernannte für kurze Zeit den Obersten Leutwein zum Kommandeur des Südens. In Begleitung der 7. Kompanie aus Windhoek traf der Oberst am 10. Oktober in Rehoboth ein und konnte feststellen, daß die Bastards ruhig und zuverlässig seien. Zufrieden durften sie ja sein, da sie erst vor 35 Jahren das schöne Land besiedelt hatten und mit der verständigen Behandlung seitens des Gouvernements zufrieden sein konnten. Die im Bezirk Outjo wohnenden Nama in Fransfontein und dem an der südlichen Kaokofeldgrenze liegenden Sesfontein zeigten sich verschiedentlich unzuverlässig, so daß rechtzeitig ihre Aufstandsgelüste durch energisches Eingreifen der Behörde unwirksam gemacht werden konnten. Nach der Verhaftung ihrer Kapitäne konnte eine ziemlich gründliche Entwaffnung vorgenommen werden. Ende November verließ Oberst Leutwein schweren Herzens das von ihm elf lange und schwere Jahre bestens verwaltete deutsche Neuland. Das mit reichen Beständen ausgerüstete Lager in Kub bildete einen Anziehungspunkt für die bereits hungernden Nama; sie griffen diese Station wiederholt mit starken Kräften an, wozu sie angeblich jener tüchtige Prophet anfeuerte, so daß jetzt auch Hendrik Witbooi sich zu persönlicher Teilnahme an den Kämpfen entschloß, da ihm nun rund 300 Gewehre zur Verfügung standen. Während des am 22. Novembers stattfindenden Gefechtes der Abteilung Krüger (bestehend aus 40 Burenfreiwilligen) traf der Kommandeur des 2. Feldregiments, Oberst Deimling, mit einer Kompanie dort ein und konnte in den Kampf eingreifen. Am 25. November konnte die seit Wochen bei Alurisfontein von 300 Nama eingeschlossene kleine Abteilung der Unteroffizier Nickel und Wannemacher, infolge des todesmutigen Rittes des Reiters Schulz nach Warmbad, von einer dort zusammengestellten Abteilung befreit werden; 35 Mann unter Befehl des Oberleutnants Graf Kageneck waren in eiligem Marsch eingetroffen und hatten gegen die große Übermacht der Gelben ein heißes Gefecht zu bestehen, lange Zeit unter Durstqualen, weil die Abteilung gezwungen war, im heißen Sande des Flußbettes mit geringem Schutz durch Büsche, ohne Wasser auszuhalten. Von den Reitern umschlossen, stand das mitgeführte Geschütz offen im Flußbett. Im heftigsten Kugelregen versorgte der Stabsarzt Dr. Otto die große Zahl der Verwundeten. Sämtliche Pferde dieser kleinen Abteilung waren bereits abgeschossen. Hauptmann von Koppy war einige Tage vorher mit dem Leutnant Schmidt und vier Reitern nach Ramansdrift geritten, wo sich Leutnant von Heydebreck auf Patrouille befand. Infolge der von dem kühnen Reiter Schulz der eingeschlossenen Kameraden nach Warmbad überbrachten Botschaft ritten die beiden Offiziere Leutnant Schmidt und von Heydebreck mit 14 Reitern in Richtung Alurisfontein. Kurz vor Erreichen der Verschanzungen erhielt diese Patrouille sehr heftiges Feuer von großen Namabanden, in dem Leutnant Schmidt sofort fiel. Der Rest der Abteilung, nun unter dem Kommando des Leutnants von Heydebreck, bezog Stellung auf einem kleinen Hügel und verschanzte sich, so gut es ging. Bei den heftigen Angriffen der Feinde wurde auch Leutnant von Heydebreck mit vier seiner Begleiter getötet. Drei Reiter konnten nach Ramansdrift entkommen. Der noch dort weilende Hauptmann von Koppy ritt eiligst, begleitet nur von dem Unteroffizier Schütze, nach Alurisfontein. Auch sie wurden nach der Schanze heftig beschossen und waren gezwungen, in schnellstem Tempo nach Warmbad zu reiten, das sie um 9 Uhr am Vormittage des 26. November erreichten. Mit der in aller Eile zusammengestellten Abteilung von 28 Reitern ritt der Hauptmann nach Alurisfontein, wo er die eingeschlossene kleine Abteilung in erschreckend hoffnungsloser Lage beobachten konnte, sich aber vor Ankunft bei ihnen erst in heißen Kämpfen gegen 300 Nama durchschlagen mußte und mit gutem Geschützfeuer die Feinde vertreiben konnte. Die darauf vereinigten Abteilungen erlitten schwere Verluste, zehn Tote und viele Verwundete. Am 27. und 28. November wurde
Warmbad mehrfach von den belagernden Nama
unter Morenga angegriffen, der aber zurückgeschlagen wurde und den
Bezirk verließ. Dagegen hielten die Bastardbrüder
Morris, welche beide vor dem Kriege dort in Diensten der deutschen
Behörden gestanden hatten, die ganze Gegend in ständiger
Unruhe. Es gelang dann bald, die hier und bei Bethanien den
Verkehr auf dem Transportwege nach Lüderitzbucht hindernden Banden
zu verjagen.
Am 28. November griffen Namabanden das wegen der dort lagernden Bestände mit 250 Mann besetzte Lidfontein erfolglos an. Die Ende November und Anfang Dezember in Lüderitzbucht gelandeten Truppen bedeuteten erhebliche Verstärkung der im Süden kämpfenden Abteilungen: eine Batterie mit 6 Geschützen, 6 Offizieren und 213 Soldaten und ebensovielen Pferden, dabei Abteilungen für Funken- und Feldtelegraphie, eine Kompanie mit 7 Offizieren und 173 Soldaten und 251 Pferden, sowie 23 Offizieren mit 529 Soldaten, 602 Pferden und dazu eine besondere Etappenabteilung für den Süden. Ein mit dem Woermann-Dampfer "Gertrud Woermann" reisender Transport von mehreren hundert Soldaten und Pferden hatte das Unglück, wegen Strandung des Schiffes 15 km nördlich Swakopmunds in der Namibwüste an Land gesetzt zu werden, unter Mithilfe der Besatzung des vor Swakopmund liegenden Kriegsschiffes "Vineta". Major von Lengerke marschierte mit einer Kompanie von 150 Gewehren und einer Batterie gegen die Feldschuhträger aus und hatte am 15. Dezember ein hartes Gefecht bei Koes, von wo der Feind vertrieben wurde, der den Deutschen eine reiche Beute von 40 Gewehren mit viel Munition, 500 Kopf Rindvieh und 3 000 Stück Kleinvieh überließ. Abteilungen des 2. Feldregiments unter Oberst Deimling kämpften in den ersten Dezembertagen bei Haruchas und Naris, sowie Rietmond. Unter Besiegung und Verjagung der Feinde in die Sanddünen des Auobtales machten die Deutschen wiederum reiche Beute an Waffen und Munition, beladenen Ochsenwagen und rund 15 000 Stück Kleinvieh. Die Station Gochas wurde wieder mit deutschen Soldaten besetzt. Ein weiterer Kampf gegen Hendrik Witbooi fand bei Swartfontein statt; die Gelben wurden in die Kalahariwüste gedrängt. Patrouillen der Offiziere von der Marwitz, Auer von Herrenkirchen und Rossbach erlitten in ihren Kämpfen hohe Verluste. Am 21. Dezember griff die aus 63 Gewehren bestehende 2. Feldkompanie (die früher in Omaruru gewesene Kompanie Franke) unter ihrem neuen Führer Oberleutnant Ritter, versehen mit zwei Geschützen, bei Uibis am Hudupflußbett die Banden der Vorleute Cornelius und Elias an. Der Feind wurde heftig geschlagen und flüchtete unter Zurücklassung von 20 beladenen Ochsenwagen, 2 000 Stück Vieh, 6 Gewehren und 50 Pferden. Die Siegerabteilung kehrte nach ihrem derzeitigen Standort Gibeon mit dem erwähnten Kleinvieh und rund 1 000 Rindern zurück - ein empfindlicher Schlag für die vom Vieh lebenden Nama. Unter den um die Jahreswende angekommenen neuen Truppen von insgesamt über 4 000 Soldaten mit 198 Offizieren, Ärzten, Militärbeamten, mit annähernd 3 000 Pferden, befand sich auch eine technische Truppe, die auftragsgemäß sofort mit dem Bau einer Landungsbrücke in Swakopmund begann. Bei ihr stand der Leutnant Scultetus (später Major), der auch als Führer der tüchtigen Küstenschutzabteilung im Weltkriege rühmlichst tätig war und bis zu seinem Tode in Südwest geblieben ist. Verkehrstruppen kamen ebenfalls an. 1905 Die am 31. Dezember 1904 in Richtung auf Stamprietfontein, dem bisherigen Wohnort des Witbooi-Häuptlings Hendrik, abmarschierte Abteilung des Majors Meister wurde am 1. Januar 1905 kur vor Erreichen ihres Zieles heftig angegriffen; es gelang ihr, die Gelben zurückzuschlagen. Sie vereinigten sich in Groß Nabas mit den Banden des bereits längere Zeit in den Großen Karasbergen hausenden Führers Stuurman, der mit seinen bei der Bande befindlichen "Gottesstreitern" am Rande der wilden Berge sich gut verschanzt hatte. Zusammen bildeten diese jetzt vereinigten Banden eine Stärke von rund 1 000 Gewehren. Die sie verfolgende, nicht sehr starke Truppe, wurde bald von der überwältigenden Übermacht eingekesselt und mit meist gut gezieltem Feuer eingedeckt. Die Wasserstellen waren fast uneinnehmbar besetzt und wurden hart verteidigt. In 54-stündigen pausenlosen Kampf hatte die Truppe unbeschreibliche Durstqualen zu bestehen, die manche der Tapferen bis an den Rand des Wahnsinns trieben. Die Verluste wurden entsetzlich groß. Als letzte Verzweiflungstat ließ der Führer mit dem nur noch geringen Rest der völlig erschöpften Truppe in der Mittagshitze des 4. Januar einen Sturm auf die bedeutendste Wasserstelle unternehmen, die Krönung dieses wahrhaft heroischen Einsatzes der Soldaten. Dem tapferen Ansturm der Durstenden mit den in der brennenden Mittagssonne blinkenden Bajonetten hielt der Feind nicht mehr stand; er floh in seiner (schon von früher her bekannten) Angst vor diesen langen Messern mit Wutgeschrei aus seinen Schanzen in östlicher Richtung, das langersehnte Wasser den Siegern überlassend. Die deutschen Verluste waren schwer: 4 Offiziere und 18 Soldaten tot und 42 verwundet und kampfunfähig geworden. Der Feind aber ließ 70 Tote auf dem Gefechtsfelde, außer den gewohnheitsmäßig mitgeschleppten Toten und Verwundeten. Fast eine volle Woche hatten die anderen Truppen nicht die geringste Verbindung mit der eingeschlossenen Abteilung Meister erlangen können. Erst am 8. Januar entdeckte eine Suchpatrouille unter Führung des Leutnants Fürbringer in nächtlichen Ritten die vermißte Abteilung. Auch andere Abteilungen hatten in den ersten Januartagen hart kämpfen müssen gegen zusammengeschlossene Gelbe Banden: die Abteilung Ritter am 3. Januar bei Haruchas im Auobtal, sowie die Abteilung des Majors von Lengerke am 5. und 7. Januar bei Swartfontein gegen Banden des Simon Koper. Alle Feinde wurden in wilder Flucht in die östlichen Kalaharidünen verjagt und überließen eine selten reiche Beute von 20 voll beladenen Ochsenwagen mit Lebensmitteln, Hab und Gut aller Art, darunter auch Gewehre, Munition und Pulver sowie eine große Anzahl von Vieh; in allem sehr empfindliche Verluste für den Feind. Der folgende Mangel an Nahrungsmitteln veranlaßte den Witbooi-Häuptling Hendrik, sich von der hindernden Begleitung der Familien zu trennen und sie weit weg hinter seine Front zu schicken, wo sie mehr auf Feldkost angewiesen waren. Damit hatte er nur noch seine aktiven Krieger an der Front, die sich vergeblich bemühten, vom verlorenen Gute etwas für ihre Ernährung wiederzuerobern. Zudem hatte der Häuptling im Gefecht mit der Abteilung Gründer, am 24. Januar, eine nicht unbedeutende Verwundung am Fuß erhalten. Die sich bei Nunub sicher fühlenden Nama wurden durch einen mit Bedacht ausgeführten Überfall nachts vollkommen überrascht und mußten ebenfalls nach Osten fliehen; die Abteilung des Hauptmanns Morath hatte am 5. Februar hart zugeschlagen, um das zu erreichen. Im Norden hatte sich der Widerstand der letzten kleinen Banden infolge der Knappheit an Munition und Verpflegung ständig vermindert, so daß nach und nach die verfolgenden Truppen weggenommen werden konnten, um im Süden mitzuarbeiten. Im Januar hatten sich sogar kleine Teile der Herero freiwillig ergeben und ihre Waffen abgegeben. Dabei befand sich der Nachfolger des Omaruru-Häuptlings Michael, Vormann Friedrich, und auch ein Vormann aus Otjimbingwe mit einer Anzahl ihrer Leute. Diese ersten Kriegserlebensmüden wurden auf den Stationen gut aufgenommen und mit Verpflegung und Kleidung versehen. Nach diesem Beispiel mehrte sich der Zuzug von Ausgehungerten und überdrüssigen Kriegsmüden. Bis in die ersten Wochen und Monate des Jahres 1905 durchgeführte Patrouillen der Offiziere Klein, Rembe, Degenkolb, Meinardus und Rauch haben im östlichen Sandfelde die durchgreifende Säuberung dieses wasserarmen Gebietes von nunmehr ziellos umherstreifenden Hererobanden erreicht. Die eingefangenen Herero zeigten sich als vollkommen kriegsüberdrüssig, waren auch infolge Hungers sehr abgemagert und schlapp. Sie wurden zu den nächsten Stationen gebracht, wo sie stärkende Verpflegung erhielten und sich von ihren Strapazen erholen konnten. Die Patrouillen brachten auch manche wertvolle Aufklärung über die durchstreifte Landschaft mit heim. Im Nordbezirk Outjo bestand immer noch ein Druck der Sorge wegen des Verhaltens der Ovambo. Denn es war bekannt, daß sich bei dem nördlich der Etosha wohnenden unruhigen Nebenhäuptling Nehale eine Anzahl von rund 400 kriegsmüden Herero-Männern eingefunden hatte, deren hetzender Einfluß auf den stets kriegslustigen Ovambovormann nie gut tun konnte. Es wurde aber gesagt, daß ihn die geringe Menge mitgebrachter Waffen und die kleinen Reste an Munition stark enttäuscht und ihm seine Pläne verdorben hätten, die er immer, trotz der bei Namutoni geholten blutigen Köpfe, in seinen verworrenen Sinnen hegte. Scheelen Auges soll er aber auch auf seinen ihm mißtrauenden ruhigen Bruder Kambonde gesehen haben, der ihn gewiß gehindert hätte, alle Stämme in Gefahr zu bringen. Durch die Ungewißheit der Lage wurden auch die sonst in die Landesmitte zur Arbeit wandernden Ovambo zurückgehalten, diese Verdienststellen aufzusuchen. Eine starke Beunruhigung hatte ein leider nicht verhütetes Ereignis auf die nördlichen Weißen ausgeübt und die Lage bedenklich erschwert. In den ersten Januartagen hatte der bei Etaneno südlich Outjos lagernde Führer einer Proviantwagen-Kolonne seine Leute eine friedlich singende Wanderovambotruppe beschießen lassen, angeblich eines Mißverständnisses wegen, so wurde gesagt. Das mußte natürlich dazu beitragen, den Zuzug von Arbeitern aus dem Ovambolande fast gänzlich zu stoppen, so daß der Mangel an Arbeitskräften und Hilfsarbeitern bei den Feldtruppen, dem dringend notwendigen Bau der Otavibahn und sonstigen Arbeitsstätten sich noch mehr verschlechtern mußte. Die einzigen Schwarzen, auf die noch in geringem Maße gerechnet werden konnte, waren die Damara, die aber wegen der Gefahren nicht gern im Felde arbeiten und nur zeitlich kurze Arbeitsverträge eingehen wollten. Das Gouvernement entschloß sich daher, im Einverständnis mit dem Kommando der Schutztruppe zu versuchen, zwecks Erkundung der politischen Lage im Ovambolande, gleichzeitig zur Schlichtung der vorauszusehenden Erregung und des Unbehagens unter den Ovambo wegen der unnötig gewesenen Schießerei sowie zur Hebung des Zustroms von Arbeitern einen Kundigen des Landes und der Eingeborenen zu bewegen, mit bestimmten Aufträgen in das Ovamboland zu reisen. Bei den Zuständen im Norden war eine solche Mission wahrhaftig nicht verlockend, denn die Gefahren begannen schon bald nach Verlassen des Ortes Outjo durch die im Felde umherstreifenden Nama, die auf eine günstige Gelegenheit zur Befreiung ihrer gefangenen Kapitäne warteten; ferner hausten weiter nördlich die freien und wilden Buschleute bis in das weite, menschenleere Gebiet westlich der Etoscha, und die auch vermutlich auf Beute ausgehenden, streunenden Herero machten das einsame Feld unsicher. Trotz all dieser Bedenken erklärte sich der in Outjo wohnende junge Kaufmann Lenssen nach langen Verhandlungen bereit, diese wahrscheinlich gefahrenvolle Reise alleine und ohne Begleitung zu unternehmen. Nach Überstehen mehrerer Zwischenfälle gelangte der einsame Reisende glücklich an sein Ziel. In Ondonga wurde ihm bei Erledigung seines Auftrages die sehr wohltuende und wirksame Hilfe des Ältesten der Finnischen Mission, Martti Rautanen, und seiner Kollegen zuteil, deren guter Einfluß auf den besonnen denkenden Häuptling Kambonde den Erfolg verschaffte. Und weiter oben bei dem großen Stamme der Kwanjama erhielt der Beauftragte der Regierung und mit deren Schreiben Ausgerüstete dieselbe denkbar wirksame Mithilfe des dortigen Ältesten der Rheinischen Mission, August Wulfhorst und seiner Kollegen. Bei diesen Häuptlingen der bedeutendsten Stämme konnte also die Aufgabe absolut befriedigend erledigt werden. Da für die anzutretende Rückreise bereits inhaltsschwere Gerüchte über einen beabsichtigten Überfall seitens der bei Nehale hausenden Herero zur Kenntnis der Missionare gelangt waren, erreichte Herr Rautanen die Zusage Kambondes, dem Reisenden eine Anzahl bewaffneter Vorleute als Schutz mitzugeben bis zu der immer noch unbesetzten Militärstation Okaukuejo. Diese Begleitung gab dem Reisenden eine unverkennbare Sicherheit gegen den trotzdem unterwegs erlebten Überfallsversuch der Herero. Mit dem Erfolg dieser gefahrvollen Reise durften die auftraggebenden Behörden restlos zufrieden sein: die Beruhigung der Ovambovölker war durch den ausgezeichneten Einfluß der Missionare vollkommen erreicht, so daß die wirklich vorhanden gewesene Kriegslust der jungen Krieger als besänftigt angesehen werden konnte. Das Gebiet der stärksten Stämme blieb, für die anderen vorbildlich, in der Folge zuverlässig ruhig, so daß nichts mehr befürchtet zu werden brauchte, denn auch die dauernde Hetze der Gastherero wurde durch die besonnen urteilenden Oberhäuptlinge streng überwacht. Und auch in der Arbeiterfrage trat eine Besserung ein durch erhebliche Mehrung der Zuwanderung. Ein schweres Gefecht hatte die Abteilung Kirchner am 10. März zu bestehen bei Kosis und Aos am nordöstlichen Rande der mit Recht gefürchteten Großen Karasberge, die den Nama die besten Verteidigungsplätze boten. Unter den 11 Gefallenen befand sich auch der tapfere Hauptmann, daneben 28 Verwundete. Im April begannen die Kämpfe gegen den sich wieder bemerkbar machenden Namaführer Cornelius, der mit vielen seiner Freunde sich nach Süden bewegen wollte. Die solches auskundschaftende 30 Mann starke Patrouille unter Oberleutnant von Bülow von der Abteilung von Zwehl, verlor bei Huams ihren Führer und zwei Soldaten. Der als bewährter Patrouillenreiter und Führer von Nama-Abteilungen im Hererokriege bekannte Leutnant der Reserve Thilo von Trotha wurde von seinem Onkel, dem General, mit einer besonderen Mission betraut, indem er dem ihm von früher gut bekannten Führer Cornelius einen Brief überbringen sollte, der eine Aufforderung zur Einstellung der Kriegshandlungen enthielt, und nach Kenntnisnahme sollte der Offizier mit dem Häuptling über den Frieden unterhandeln. Unbewaffnet ritt Leutnant von Trotha mit drei Eingeborenen zu Cornelius und besprach in dessen Lager bei Kanibes die Lage. Während der Verhandlungen beschoß eine von diesen Vorgängen nicht unterrichtete deutsche Abteilung außerhalb des Lagers eine Gruppe von Morrisleuten und Bondelswarts, die mit geraubtem Vieh zum Lager marschierte. Das wurde von den Nama, nicht von Cornelius selbst als Verrat betrachtet. Hinterrücks erschoß der Bethanier Christoph Lambert den mit Friedensabsichten gekommenen deutschen Offizier, der einer der besten gewesen war. Dieser betrübliche Vorfall geschah am 14. Juni. Thilo von Trotha hatte, bevor er nach Südwest kam, schon Kriegserfahrungen in Südafrika erworben durch seine Teilnahme am Krieg der Engländer gegen die Buren. Der Hererobastard Morenga hatte sich mit 200 Kriegern nach dem äußersten Süden begeben in der Absicht, sich auf englischem Gebiet erneut mit Vorräten an Munition und Proviant zu versorgen. Nahe dem Oranjeflusse wurden die Wandernden angegriffen von der Abteilung Siebert, welche sie über die südafrikanische Grenze drängte. Bis zum 19. Mai 1905 waren an gefangenen Herero eingebracht worden: 5 804, darunter 1 493 Männer, welche nach guter Verpflegung beim Bahnbau und anderen Arbeitsstellen untergebracht wurden. Die Kopfstärke der Schutztruppe belief sich im Mai auf rund 14 500 Soldaten. Nachdem der Namaführer Cornelius sämtliche Weiber, Kinder und alten Leute über den Oranjefluß hinüber ins englische Gebiet geschafft hatte, weil sie ihm in der jetzigen Lage der angestrengten Kriegstätigkeit hinderlich waren bei den oft wechselnden Ortsveränderungen, zog er mit seinen Orlogsleuten (Kriegsleuten) wieder in die Karasberge zurück, wo er sich mit dem seit April dort wieder in guten Verschanzungen hausenden Morenga vereinigte. In dem wilden Khomashochland hatten sich immer noch einige kleine Banden von geflüchteten Herero gehalten, die sich unter der Führung des Vormanns Andreas sammelten und Raubzüge unternahmen. Bei Groß Heusis fand am 26. März ein Kampf mit deutschen Truppen statt. Der Major Maercker wurde beauftragt, mit einer neu gebildeten Abteilung gegen diese Horden vorzugehen, die sich südlich der Naukluft in den Schluchten des Zarisgebirges festgesetzt hatten. Auf weitausholenden, gewiß nicht leichten Umwegen hatten einige Banden der im Osten in den Dünen Not leidenden Nama es verstanden, weiter südlich wieder in die Gegend von Keetmanshoop zu gelangen. Zwei erfolgreiche Patrouillen unter Leutnant von Detten und dem Leutnant der Reserve Eichhoff hatten feststellen können, daß die wieder mit Morenga vereinigten Nama bei Leeukop ein Lager bezogen hatten, und daß Morenga sich bei seinem auf der anderen Seite der Grenze wohnenden Freund Spangenberg neu ausgerüstet und seine Vorräte ergänzt hatte. Am 19. Mai 1905 war Morenga jedoch in einem Gefecht heftig geschlagen und mit seinen Kriegern gänzlich auf englisches Gebiet getrieben worden, wo die Leute in der Anzahl von rund 150 Mann auf der englischen Polizeistation Bisseport gefangengesetzt wurden. Aber die Sache sollte wohl nur etwas guten Anschein haben, denn nach 5 Tagen waren aus dem vermutlich nicht allzu festen Gefängnis mehr als 100 entwichen, die sich natürlich wieder mit ihren Freunden vereinigen konnten. Weder der im April vom General Trotha, noch der kürzlich von dem aus Kapstadt nach Südwest versetzten Generalkonsul Dr. von Lindequist erlassene Aufruf an alle kriegführenden Eingeborenen zur Einstellung der Feindseligkeiten und freiwilligen Gestellung war von den fechtenden Gelben oder Schwarzen vorläufig nennenswert beachtet worden. Zwecks möglichst strenger Absperrung der Ostgrenze wurden zwei Abteilungen zusammengestellt, und zwar für den südlicheren Teil die Abteilung des Majors von Estorff und für den nördlichen Gobabis-Teil die des Majors von der Heyde. Sämtliche Wasserstellen in der Kalahari und westlich davon wurden besetzt; dadurch waren die in den Dünen lebenden Banden ganz empfindlich geschwächt, so daß viele von deren Kriegern am Durst verendeten, dabei soll sich auch der Vormann Kornels Dikkop befunden haben, für die Nama ein harter Verlust. Hendrik Witbooi aber hatte sich nach Verübung mancher Schandtat in die Aminuisgegend und an der Grenze entlang südwärts verzogen, wo er die kleine Station Kirris-Ost angriff, aber zurückgeschlagen wurde. Nach diesem Mißerfolg überließ er seinen ganzen Anhang von 350 Weibern und Kindern zur Versorgung mit Lebensmitteln der deutschen Truppe. Am 29. Oktober 1905 kam er ins Gefecht mit der Abteilung Stage bei Fahlgras und erhielt hier eine schwere Verwundung am Bein. Von seinen Leuten für den Rückzug auf ein Pferd gesetzt, war aber der Blutverlust so groß, daß der Häuptling nach einer halben Stunde starb. Im Sterben soll er noch gesagt haben: "Nun ist es genug; mit mir ist es vorbei, nun müssen die Kinder endlich Ruhe haben." Sein Sohn Isaak Witbooi wurde sein Nachfolger. Der zog mit seinen Kriegern nach Naosanabis. Nach dem Tode Hendrik Witboois, der von allen Eingeborenen des Landes den Deutschen in den zwölf Jahren der Zusammenstöße am meisten zu schaffen gemacht hatte, trat eine fühlbare Veränderung im Verhalten der Nama ein. Der Feldhauptmann Samuel Isaak stellte sich am 20. November mit 74 Kriegern, 44 Weibern, 21 Kindern und unter Abgabe von 34 Gewehren in Berseba, nachdem er in langen Unterhandlungen mit dem Stationschef, Leutnant von Westernhagen, zögernd die Bedingungen angenommen hatte, deren Abschluß Major Maercker vollzog. Unter den freiwillig Angekommenen befanden sich mehrere Großleute der Witboois und der Feldschuhträger mit ihrem Kapitän Hans Hendrik. Diesem Beispiel folgten andere: der Vormann Sebulon kam mit 105 seiner Krieger und mit 172 Weibern und Kindern am 11. Dezember in Gibeon an und lieferte 49 Gewehre ab. Ebenso trafen am 24. Dezember Vormann Elias mit 58 Männern, 69 Weibern und Kindern in Gibeon ein und schließlich in den letzten Tagen des Dezember der Vormann Gorub mit über 20 Kriegern. Alle Zurückgekehrten wurden gut gepflegt und waren zufrieden mit dem Ende ihres Krieges. Auf Wunsch des Oberstleutnants von Semmern erteilte der General von Trotha ihm den Befehl, mit den sieben Kompanien seines Regimentes, dem auch 2 1/2 Batterien und einer Maschinengewehrabteilung angehörten, dem sich am Oranje bemerkbar machenden Morenga nun energisch zu Leibe zu gehen. Von den schwachen Kompanien konnten jedoch nur rund 200 Gewehre in der Front verwendet werden, die sich am 24. und 25. Oktober 1905 in den starken Schanzen bei Hartebeestmund nahe Pelladrift gegen vereinigte Namabanden unter oft lang andauernden Durstqualen vorzüglich schlugen. Durch die übermäßigen Anstrengungen und den Durst verlor die Abteilung 178 Pferde und 102 Esel. Nach den unglaublich schweren Gefechten flohen die Nama wieder über den Oranje in englisches Gebiet, wo sie gut aufgenommen und von ihrem Lieferanten mit Lebensmitteln und Munition bestens versorgt wurden und sich für kommende Vorgänge erholen konnten. Auch ihr geraubtes Vieh wurde ihnen als Bezahlung für ihre Einkäufe abgenommen. Daher wurde großer Wert darauf gelegt, daß die am deutschen Oranjeufer gelegene Station Ramansdrift stark besetzt wurde, um die Feinde wenigstens etwas in ihren so genossenen Vergünstigungen zu beschneiden. Auf seinem Zug nach dem Süden mit seinen immer noch 300 Kriegern nahm Cornelius jede Gelegenheit wahr, schwach besetzte Stationen, kleine Proviantkolonnen und Patrouillen zu überfallen und auszurauben. Auf Kunjas stahl er sämtliche Pferde und Ochsen. Er hatte sein Ziel, Bethanien, als sein Heimatland, erreicht und machte von dort aus den Bayweg von Lüderitzbucht durch Raubzüge unsicher. Die Sicherung dieses wichtigen Transportweges wurde verschärft durch unausgesetzte Entsendung von Patrouillen. Im Einvernehmen mit dem neuen Gouverneur von Lindequist (am 28. November wurde er Gouverneur) begann die Rheinische Mission die Sammlung kriegsmüder Herero. In Omburo bei Omaruru ließ sich zu diesem Zweck Missionar Kuhlmann zeitweise nieder. Am Waterberg betrieb Missionar Johannes Olpp mit gutem Erfolg das Zusammenrufen, und von Otjihaenena im Osten aus sammelte Missionar Diehl die erschöpften und hungrigen Herero. Alle wurden aus Lebensmittelbeständen der Regierung versorgt und nach den größeren Ortschaften geschickt. Im Ganzen wurde bis jetzt gezählt, daß sich rund 9 000 Herero gestellt hatten, darunter 2 000 Männer. 1906 Hauptmann Volkmann
übernahm die Führung zweier Kompanien zur
Bekämpfung der im Schwarzrande hausenden Banden des Hererovormanns
Andreas, dem sich Nama angeschlossen hatten. In unerhört
schwierigen Märschen durch sehr wasserarmen Gelände
während voller sechs Tage und Nächte gelang es der Abteilung,
an die Feinde heranzukommen. Dort stellten sich einige gefangene
Nama zur Verfügung, um dem Vormann Cornelius eine Aufforderung des
Abteilungsführers zu überbringen, sich zu stellen. Der
Führer der Abordnung, Christian Goliath, erreichte nur, daß
sich am 17. Februar 160 Nama mit 140 Weibern und Kindern und 25
Gewehren bei der Abteilung Volkmann einstellten; deren Führer
Cornelius war jedoch nicht dabei. Er wurde sofort bis zum 27.
Februar nach Heikoms verfolgt, wo der völlig Erschöpfte sich
nach langwierigen Verhandlungen am 3. März endlich mit 86
Kriegern, 36 Weibern und Kindern und mit 54 durchweg modernen Gewehren
nebst geringer Menge an Munition unterwarf. Die Ausschaltung
dieses fähigen, schlauen Führers der Namabanden, der nach dem
Tode Hendrik Witboois die Hauptstütze des Widerstandes im
Süden gewesen war, wurde als besonders schöner Erfolg
bewertet und durch ein Telegramm des Kaisers an Hauptmann Volkmann mit
Dank und Anerkennung belobt. Gegen diesen hartnäckigen
Führer hatten vor dem Volkmannschen Zug die Patrouillen der
Oberleutnante von Crailsheim am 11. Januar bei Namtob und von
Wittenburg am 18. Januar bei Dochas in den wilden Schluchten des
Schwarzrandes Gefechte gehabt.
Infolge einer Aufforderung des bereits in deutschen Händen befindlichen Witbooi-Vormannes Isaak stellte sich am 3. Februar beim Oberleutnant Pabst in Nunub der Witbooi-Kapitän Isaak mit 21 Kriegern unter Ablieferung von 13 Gewehren. Am 12. März kämpften die vereinten Abteilungen von Hornhardt und von Erckert bei Kumkum am Oranje gegen übermächtige Banden, die nach harten Schlägen vertrieben wurden und sich auf Inseln im Oranjefluß festsetzten, die schon zum englischen Gebiet gehörten. Nachdem sie den Feind in eine eilig durchgeführte Flucht geschlagen, fanden die Sieger in den verlassenen Stellungen reiche Beute: 30 Gewehre und Revolver mit Munition, 45 Zaumzeuge, 50 komplette Sättel und viele Gerätschaften. 240 der gelben Krieger mit 2 Vorleuten wurden von der Kapregierung interniert. Eine große Anzahl mit Morenga und Johannes Christian war nach den Ramansdrift-Bergen entkommen, von wo aus sie wieder nach den Karasbergen zog. An den Karasberge, wo sich wieder Banden des Unterführers von Cornelius, Fiedling, und andere vom Oranje verjagte Horden vereinigt hatten und Raubzüge unternahmen, schlug die Kompanie von Bentivegni am 13. bei Anichab und am 14. März direkt bei den Kleinen Karasbergen den Feind und nahm die gute Beute. In sehr schwierigen, durstreichen Märschen verfolgte der Hauptmann Bech mit seinen 83 Reitern, einen vollen Tag wegen Mangels an anderem Proviant nur von Tschamas (wasserhaltige kleine Melone) lebend, den Bandenführer Morenga am Oranje. In dem Gefecht bei van Rooysvley wurde Morenga verwundet und stellte sich, ohne Waffen abzugeben, der englischen Polizeistation, die ihn mit seinem Anhang und alle bald wegschickte nach Prieska. Die von den Fliehenden weggeworfenen Waffen nahmen die Sieger in Besitz: 30 Gewehre mit unegfähr 300 Patronen. Hauptmann Bech war mit seiner Verfolgungstruppe auf englisches Gebiet geraten und wurde vom englischen Polizeiserganten aufgefordert, seine Waffen abzugeben. Der Offizier entschuldigte sich für den Vorfall und sagte, seine Waffen könne er jedoch nicht abgeben, da er sonst ja unbewaffnet den gelben Feinden ausgeliefert sein würde. Er begab sich ohne Verzug wieder auf deutschen Boden. Eine Räuberbande von 100 Bondels überfiel am 20. Juni im Weidegebiet von Warmbad die Wache und konnte 36 Maultiere wegführen. Sie wurde in aller Eile von Besatzungsreitern unter Führung der Offiziere Hauptmann von Stocki und Oberleutnant von Schauroth verfolgt. Einen weiteren Erfolg hatten die Banden am folgenden Tage mit dem Abtreiben von 118 Pferden und Maultieren bei Gabis. Die Bande in Stärke von 150 trieb im Eilmarsch die Beute über den Oranje und versuchte, sie bei englischen Händlern gegen Proviant zu verkaufen. Der Verkauf wurde durch die Polizei in Steinkopf vereitelt, die Räuber wurden interniert; aber nach wenigen Wochen sind alle wieder freigelassen worden und konnten weiter Krieg führen. Schon im Oktober hatte der Bondelskapitän Johannes Christian durch einen Abgesandten in Keetmanshoop sagen lassen, daß er jetzt Frieden machen möchte. Pater Malinowsky verhandelte vorläufig auf der Missionsstation Heirachabis mit dem Häuptling. Zur Weiterführung der Unterhandlungen begab sich der Kommandeur der Südtruppen, Oberstleutnant von Estorff, nach Ukamas. Die Verhandlungen konnten jedoch zu keinem Abschluß gelangen, weil mehrere andere Vormänner nicht an ihnen teilnahmen und die Bedingungen nicht erfuhren. Aus demselben Grunde kehrte der in der Mitte des November nach den Oranjebergen gereiste Pater Malinowsky am 9. Dezember wieder auf seine Station zurück. Die Vorleute fanden sich aber doch am 21. Dezember mit Johannes Christian in Ukamas ein. Nach vorläufigem energischen Sträuben gegen die Bedingung, daß sie im Gebiet nahe Keetmanshoop angesiedelt werden sollten, weil sie wieder bodenständig in ihrer geliebten Heimat Warmbad wohnen wollten, wurde diese Bedingung nach Einholung des Bescheides vom Truppenkommando und Gouvernement aufgehoben. Es wurden im ganzen 85 Gewehre abgegeben, von denen sehr viele deutsche Militärgewehre waren, also solche, die den gefallenen Soldaten abgenommen worden waren. Die Ausschaltung so vieler Nama war für die kampfmüden deutschen Soldaten eine rechte Weihnachtsfreude. Am 24. Dezember stellte der Generalstabsoffizier Hauptmann von dem Hagen dem Oberstleutnant von Estorff alle erbeuteten Gewehre als sein Geburtstagsgeschenk unter den Weihnachtsbaum. Als das Ergebnis der Friedensverhandlungen im Felde bekannt wurden, stellten sich kurz darauf viele Bondels und andere Nama, die aus dem englischen Gebiet zur deutschen Truppe gingen; insgesamt, einschließlich der Weiber und Kinder, waren es 1 224 Köpfe. Der Hunger stellte einen schwerwiegenden Grund neben der allgemeinen Kriegsmüdigkeit dar, denn die letzten Viehbestände waren den Feinden bereits im November abgejagt worden durch Überraschungspatrouillen der Offiziere Rausch, Moliere und Gerlich, welche die vollkommen überraschten Gelben nach kurzen Gefechten über den Oranje getrieben hatten. Immerhin standen noch ansehnliche Feindesmengen im Felde, die bis Anfang 1907 aushielten. Eine bittere Enttäuschung erfuhren die in Südwest in der Aufstandszeit durch Räubereien der Herero schwer geschädigten Farmer, Ansiedler und Geschäftsleute, indem der Reichstag infolge des kolonialfeindlichen Einflusses nicht den ganzen Schadensbetrag bewilligte. Die von dem Gouvernement eingesetzte Entschädigungskommission unter dem Vorsitz des Wirtschaftskommissars Dr. Rohrbach hatte in sehr gründlichen Untersuchungen im ganzen Lande einen Gesamtbetrag von rund 7 Millionen Mark festgestellt. Da die vom Reichstag bewilligte Summe nur 5 Millionen Mark betrug, erhielten die Geschädigten also nur 5/7 ihres wirklichen Verlustes ersetzt. Die kolonialfeindlichen Elemente im Deutschen Reichstag versuchten dauernd, die weiteren Bewilligungen für die in Südwest kämpfenden Truppen zu verhindern. Der im September zum Kolonialdirektor ernannte Dr. Bernhard Dernburg trat ihnen jedoch scharf entgegen. Im Dezember griff er zu einer selten erlebten Maßnahme, als die Kolonialfeinde eine Mehrheit bei der Abstimmung zu erreichen drohten und der eben begonnene Bahnbau von Lüderitzbucht in die Gefahr der Stockung zu geraten schien. Dernburg erreichte in schnell geführtem Verfahren einen Befehl des Kaisers, der am 13. Dezember kurzerhand die Auflösung des Reichstages anordnete. Mit der bald darauf folgenden Neuwahl erhielt der Reichstag eine völlig andere Zusammensetzung, die dem wirklichen Willen des deutschen Volkes entsprach, das für eine friedliche Entwicklung der Kolonien eintrat. Ende des Jahres befanden sich an weißen Zivileinwohnern in Deutsch-Südwestafrika: 4 929 Deutsche und 2 181 Ausländer . Die Zahl der letztgenannten erklärt sich aus der hohen Einwanderungsziffer aus Südafrika während der Aufstandszeiten. ![]() Das
berühmte Reiterdenkmal in Windhoek.
Es erinnert an die Gefallenen während der Aufstandszeit von 1903 bis 1907 Infolge Erlasses der
Reichsregierung wurde die offizielle
Beendigung des Kriegszustandes
in Deutsch-Südwestafrika mit dem 31. März 1907
verfügt. Die Verluste der deutschen Truppen in den
Kämpfen gegen Eingeborene betrugen laut Generalstabswerk im
ganzen: 1 491 Soldaten, davon 96 Offiziere, 1 395 Unteroffiziere und
Reiter, außer den vielen Verwundeten. Der Bestand der
Schutztruppe betrug nach Heimsendung der zuerst in Südwest
eingetroffenen Soldaten am 31. März 1907 noch 7 400 Kopf, die
vorläufig noch zur Wahrung der Sicherheit im Lande verwendet
werden sollten. Es war jedoch beabsichtigt, ihre Zahl nach und
nach auf 4 000 Mann herabzusetzen.
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Zum
Autor des Buches "Chronik von Deutsch-Südwestafrika" ein paar
Worte:
Der Verfasser der "Chronik von Deutsch-Südwestafrika" landete 24jährig 1898 in Swakopmund, wo er durch Vermittlung seines Onkels, eines Bremer Kaufmannes, in die Fa. Carl Wulff und Co. eintrat. Nach wenigen Jahren machte er sich in Outjo selbständig und betrieb später Geschäfte in Karibib und Omaruru. 1908 heiratete er. Der junge Lenssen machte sich durch viele anstregende Langstreckenritte, als Südwest noch ohne Eisenbahn war, einen Namen. 1904, bei Ausbruch des Hereroaufstandes, entging er mit knapper Not auf einem Fußmarsch von Okahandja nach Outjo den Aufständischen; als Reservist nahm er an ihrer Niederwerfung teil. 1905 unternahm Lenssen im Auftrag des Gouverneurs und des Schutztruppenkommandeurs ohne jede Begleitung eine auch in der Chronik erwähnte Reise ins Ovamboland, wobei er nicht ohne Gefahr nördlich der Etoshapfanne das Gebiet durchquerte, in dem beim Häuptling Nehale geflohene Herero Asyl gefunden hatten. Sein Auftrag war, die beunruhigten und zum Krieg geneigten Ovambohäuptlinge zur Wahrung des Friedens und weiteren Entsendungen von Arbeitern zu gewinnen, was ihm mit Hilfe rheinischer und finnischer Missionare gelang. Der Erste Weltkrieg sah ihn wieder in den Reihen der Schutztruppe; er wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. In den Friedensjahren wirkte er im Gemeindekirchenrat, in der Selbstverwaltung der Ortsgemeinde und für die Erhaltung der deutschen Schulen. Im Zweiten Weltkrieg mußte der in der zweiten Hälfte der Sechzig stehende Mann für 5 1/2 Jahre ins Internierungslager in Südafrika, während seine beiden Söhne in Europa kämpften und fielen. 1954 achtzigjährig, starb H.E. Lenssen auf seiner Farm Ombona bei Kalkfeld, die er 1922 erworben hatte. |