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Deutsche
Antarktis Expedition
1938/39 |
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(Quelle: DMZ, Nr. 42 - Dezember 2004) Mythos Neu-Schwabenland Verfolgte die deutsche Antarktis-Expedition 1938/39 militärische Ziele? Anfang 1938 - die politischen
Seismographen signalisierten bereits das
Nahen internationaler Turbulenzen - brachte Hermann Göring in
seiner Eigenschaft als Beauftragter für den Vierjahresplan das
Thema "Die Antarktis und Deutschland" auf die Tagesordnung einer
Besprechung mit Adolf Hitler. Der Oberbefehlshaber der deutschen
Luftwaffe wies darauf hin, daß man den 1936/37
wiederaufgenommenen Walfang in der Antarktis durch eine deutsche
Antarktisexpedition ausbauen müsse.
Der Vorschlag fand die Zustimmung des Führers, aber auch die einer Reihe von Ministerien und Institutionen, die einen anderen Beweggrund hatten: die Sicherung des deutschen Anteils an vermuteten Bodenschätzen unter dem Eis und im Meeresboden jenseits 60 Grad südlicher Breite. Schon im November 1936 hatten Vertreter der interessierten Ministerien in Berlin die Frage erörtert, ob im Zusammenhang mit einem Ausbau des deutschen Walfangs auch deutsche Ansprüche auf antarktischen Besitz begründet werden sollten. Die Reichsregierung nahm seither sehr genau die Bemühungen anderer Staaten zur Kenntnis, sich durch Expeditionen und die Einrichtung von Forschungsstationen ein Anrecht auf Teilgebiete der Antarktis zu sichern. Insbesondere wurden die Aktivitäten europäischer Länder in dem herrenlosen Kontinent beobachtet. Hierzu zählten vor allem Großbritannien, Frankreich, Norwegen und die Sowjetunion. Gab es militärstrategische Interessen? Es scheint naheliegend, daß bei den Vorbereitungen auf eine deutsche Expedition auch militärisch-strategische Überlegungen eine Rolle spielten. Die Bedeutung der Antarktis für einen eventuellen Seekrieg war nicht zu unterschätzen. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, daß US-Militärs in den Jahren 1941 bis 1943 davon ausgingen, daß Deutschland im Fall einer Invasion auf dem amerikanischen Kontinent zunächst Süd- und Mittelamerika unter seine Kontrolle bringen würde, um dann über Mexiko in die USA vorzustoßen. Solche Pläne existierten in Ansätzen im deutschen Generalstab zwar tatsächlich, gelangten, wie man weiß, jedoch nie zur Ausführung. Ging es 1938 also auch darum, die Errichtung eines Stützpunkts im antarktischen Eis zumindest anzudenken? Geostrategisch gesehen verfügt die Antarktis über geradezu vorzügliche Eigenschaften. Ihre Küste und vorgeschobenen Inselgruppen bieten vielseitige Möglichkeiten für U-Boot-Schlupfwinkel. Im Zusammenwirken mit antarktischen Flugbasen ließe sich die gesamte Südhalbkugel kontrollieren. Heute hat dies alles wegen der Existenz von Interkontinentalraketen keine Bedeutung mehr. 1938 mag man aber noch anders darüber gedacht haben. Amerika zeigt Interesse am Südpol Einer der bedeutendsten Polarforscher und Antarktiskenner der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der US-Amerikaner Richard Evelyn Byrd, hat mehrfach auf die große strategische Bedeutung der Antarktis , insbesondere des Grahamlandes auf der Antarktischen Halbinsel und der umliegenden Inselgruppen südlich von Feuerland, hingewiesen. Er erkannte als erster, daß, wenn der Panamakanal durch Sabotageakte unschiffbar gemacht werden sollte, die USA auf den Seeweg um Kap Horn angewiesen wären. Das aber bedeute eine große Gefahr, denn die dortige Verbindung zwischen Pazifischem und Atlantischem Ozean läge im unmittelbaren Abschußbereich der Antarktischen Halbinsel. Göring gibt Auftrag zu deutscher Expedition Zurück zu der von Göring geplanten Antarktisexpedition. Seine Vorstellungen gingn dahin, diese noch Ende 1938 auf den Weg zu bringen, damit sie im antarktischen Sommer 1938/39 vor Ort wäre. Seit Göring Ministerialdirektor Staatsrat Helmut Wohltat mit der Vorbereitung der Expedition beauftragt hatte, blieben nur noch sechs Monate. Unter normalen Umständen hätten zwei Jahre Zeit zur Verfügung stehen müssen, zumal es kein Schiff gab, keinen Kapitän, keinen Expeditionsleiter und nicht ein einziger Wissenschaftler für die Untersuchungen in den Bereichen Geographie, Meteorologie, Ozeanographie, Biologie und Nautik auf der Liste stand. Trotzdem sah Görings Terminplan bereits für den 17. Dezember 1938 das Auslaufen des Expeditionsschiffes vor. Weshalb dieser Druck? Galt es möglicherweise, einer eher politisch-militärisch motivierten Operation nur den Deckmantel einer zivilen Forschungsexpedition zu verleihen? Das hätte zu dieser Zeit internationaler Spannungen einen politisch hochbrisanten Balanceakt bedeutet. Erfolgten die Vorbereitungen aus diesem Grund auch unter strengster Geheimhaltung? "Unter Schweigepflicht" Schon der Brief vom Oberkommando der Kriegsmarine an Kapitän Alfred Ritscher, in dem ihm die Gesamtleitung angetragen wird, enthält die strenge Anweisung: "Unter Schweigepflicht". Ritscher, Regierungsrat im Oberkommando der Kriegsmarine, Nautische Abteilung, zudem erfahrener Handelsschiffskapitän, Flieger und Polarforscher, sagt sofort zu. Bei der ersten Vorbesprechung am 1. August 1938 in Berlin mag der 60jährige noch nicht erfahren haben, daß es mit dem Erkundungsvorstoß in das Innere des antarktischen Kontinents darum geht, Deutschland ein Mitbestimmungsrecht bei einer künftigen Aufteilung der Antarktis unter den Großmächten zu sichern. Als Ritscher später als Expeditionsleiter bestätigt ist, weiht man ihn ein: Auf seiner Beschaffungsliste sind unter anderem Abwurfpfeile und kleinere Hakenkreuzfahnen verzeichnet, die das erkundete Gebiet zwecks anzumeldender Hoheitsrechte abstecken sollen. ![]() (Bildquelle: DMZ)
Expeditionsleiter Alfred Ritscher Ein
schwimmender
Flugzeugstützpunkt
Als Schiff wurde nach langem Suchen die "Schwabenland", die im Besitz der Deutschen Lufthansa war, ausgewählt - ein schwimmender Flugzeugstützpunkt, von dem aus mit Hilfe von Dampfkatapulten zehn Tonnen schwere Flugboote vom Typ Dornier-Wal gestartet werden konnten. Das Schiff wurde in den Folgemonaten in Hamburger Werften antarktistauglich gemacht, was die Summe von einer Million Reichsmark, ein Drittel des veranschlagten Expeditionsbudgets, verschlang. Mit an Bord gingen die zwei Flugboote"Boreas" und "Passat". Pünktlich verließ die "Schwabenland" am 17. Dezember 1938 Hamburg und erreichte am 19. Januar 1939 bei 4° 15' West und 69° 10' Süd die Antarktis. Als sie Mitte Februar die unwirtliche Gegend wieder verließ, waren mit "Boreas" und "Passat" 600.000 Quadratkilometer antarktisches Eis überflogen und mit Zeiß-Luftbildvermessungskameras fotogrammetrisch vermessen worden. Die Ausbeute waren sensationelle 11.600 Schrägluftbilder, anhand derer die gesichtete Fläche detailliert kartiert und damit erstmals dokumentiert werden konnte: 96 deutsche Namen waren vergeben worden - für Berge, Höhenzüge, Gletscher, für geographische Objekte an der Küste und sogar für Seen. Flugkapitän Richardheinrich Schirmacher hatte auf dem letzten Fernflug des "Boreas" eine eisfreie Fläche gesichtet, die sich als Seenplatte entpuppte und nach ihrem Entdecker Schirmacheroase genannt wurde. Von den beiden Flugbooten waren einige hundert Fallflaggen mit Hakenkreuzfähnchen abgeworfen worden, und entlang der Küste standen Steckflaggen im Eis. Damit wurde das Gebiet, in etwa so groß wie das damalige Großdeutsche Reich, als deutsches Reichsgebiet deklariert. Zu seinem Namenspatron wurde das Forschungschiff - das Gebiet erhielt den Namen Neu-Schwabenland. ![]() (Bildquelle: DMZ)
Das deutsche Gebiet Neu-Schwabenland Was
wollte Byrd wirklich in der
Antarktis?
"Eine kuriose Eroberung der Nazis" nannte Guido Knopp in seiner History-Reihe die hoheitliche Inbesitznahme der 600.000 Quadratkilometer in der Antarktis durch die Deutsche Antarktische Expedition 1938/39. Selbst wenn mit dieser Expedition im Hinblick auf eine Sicherung etwaiger Rohstofflagerstätten tatsächlich eine strategisch weitsichtige Politik betrieben worden sein sollte, was ist daran "kurios"? Dieses Attribut paßt wohl eher auf die 1946/47 von den USA angestrengte "Operation Highjump" - und zwar unter keinem geringeren als dem Antarktisforscher und Admiral Richard Evelyn Byrd. Er rüstete sich mit insgesamt 13 Schiffen, die in drei Gruppen die Peter I.-Insel, die Scott-Insel und die Balleny-Inseln ansteuerten. Dazu gehörten zwei Zerstörer, zwei bewaffnete Frachter, ein U-Boot und sogar ein Flugzeugträger. Die meisten Quellen gehen von 4.700 Beteiligten, vor allem Marineinfanteristen aus, für die man Proviant für ganze acht Monate eingeplant hatte. Geheime Militärbasis der Deutschen? Zwei Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges mit einer ganzen Armada in die Antarktis - wozu? Es wird oft versucht, diese US-Militäraktion mit Neu-Schwabenland und einer dort angeblich von Adolf Hitler "letztem Bataillon" errichteten Militärbasis, die es zu vernichten galt, zu erklären. Sogar angebliche UFO-Sichtungen werden in Zusammenhang mit Neu-Schwabenland gebracht. Im Weltnetz ist eine Vielzahl von Seiten zu diesem Thema zu besichtigen: "Operation Highjump" sei von Admiral Byrd bereits nach drei Wochen wieder abgeblasen worden, derart überhastet, daß neun Flugzeuge inklusive ihrer Besatzungen im ewigen Eis zurückgelassen werden mußten. Vorausgegangen waren etliche Unfälle "mysteriöser Art". Man war sich auf seiten der Amerikaner von Anfang an im unklaren darüber, ob die Operation den Medien als "wissenschaftliche" oder als "militärische" präsentiert werden sollte. Die offizielle Sprachregelung deutete auf ein "sowohl als auch" hin: "Material- und Mannschaftserprobung unter antarktischen Bedingungen". Admiral Byrd äußerte jedoch nocht vor seiner Abreise am 2. Dezember 1946 einem Pressevertreter gegenüber: "Meine Expedition hat militärischen Charakter." Mit welchem Ziel, verschwieg er. Spanische Reporter bohrten nach und wollen von ihm erfahren haben: "Wir sind vorbereitet, den letzten verzweifelten Kampf Hitlers zu brechen und ihn zu vernichten, falls es gelingt, seiner in seinem 'Neu-Berchtesgaden' innerhalb von Neu-Schwabenland habhaft zu werden!" Diese Aussage erscheint abenteuerlich, Byrd kann sie aber auch gemacht haben, um sich der Journaille zu entledigen. Nach Abbruch der Operation und nach einer hierauf erfolgten Befragung des Admirals vor einer Kommission der US-Navy verwandelte man den offensichtlichen Fehlschlag in wenigen Stunden in einen gigantischen "wissenschaftlichen Expeditionserfolg in der Antarktis". Als solcher jedenfalls wurde die überdimensionierte "Operation Highjump" schließlich der Öffentlichkeit verkauft. Territorialansprüche sind ungeklärt Im 1959 verabschiedeten Antarktisvertrag bleiben alle Territorialansprüche von Entdeckerstaaten in der Schwebe. In Artikel IV heißt es: "Handlungen oder Tätigkeiten, die während der Geltungsdauer dieses Vertrags vorgenommen werden, bilden keine Grundlage für die Geltendmachung, Unterstützung oder Ablehnung eines Anspruchs auf Gebietshoheit in der Antarktis und begründen dort keine Hoheitsrechte. Solange dieser Vertrag in Kraft ist, werden keine neuen Ansprüche oder Erweiterungen neuer Ansprüche auf Gebietshoheit in der Antarktis geltend gemacht." Auch die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik ratifizierten den Vertrag. Ist die Antarktis potentieller Zankapfel der großen Industrienationen? Jüngeren Forschungen zufolge deuten Spuren von Kupfer, Schwefelkies, Magan und Uran auf Lagerstätte seltener Metalle hin. Weitere Funde lassen auf große Ölvorkommen vor den Küsten schließen. Ob es das schwarze Gold auch im Inland des Kontinents von der anderthalbfachen Größe Europas gibt, ist noch ungeklärt. Gibt es eine Zeitbombe Antarktis? Daß hier eine Zeitbombe tickt, scheint, wie Heinz Schön in seinem neuen Buch Mythos Neu-Schwabenland: Für Hitler am Südpol darlegt, allein schon deshalb nicht ausgeschlossen, weil verschiedene Gebietsabschnitte von verschiedenen Ländern zugleich beansprucht werden: Noch während des Zweiten Weltkrieges reklamierte Australien fast die Hälfte des Kontinents. Mittendrin liegt das von Frankreich beanspruchte Adelieland. Im Sektor Neuseeland befindet sich die Hauptforschungsstation der USA, und auf der Antarktischen Halbinsel überlappen sich die Gebietsansprüche von Großbritannien, Chile und Argentinien. Im von Norwegen beanspruchten Königin-Maud-Land liegt das deutsche Gebiet Neu-Schwabenland. Auch hier wurden Stationen erichtet, so 1961 von der Sowjetunion und ab 1976 von der DDR. Hinzu kamen Südafrika, China, Indien und Japan - alle im Bereich der Schirmacheroase. Zukunft von Neu-Schwabenland weiter offen Das Deutsche Reich hat durch die Erforschung des Gebietes und die Flaggenabwürfe 1939 eine völkerrechtlich korrekte Inbesitznahme von Neu-Schwabenland begründet. Zeitgleich mit dem Aufenthalt der deutschen Expeditionsgruppe in Neu-Schwabenland beanspruchte Norwegen durch eine königliche Resolution vom 14. Januar 1939 das Königin-Maud-Land für sich. Dieser Anspruch wurde mit Reisen begründet, die seit 1930 fast jährlich durchgeführt worden sein sollen. Auf die Resolution hin unterrichtete am 23. Januar 1939 das Reichsaußenministerium den norwegischen Gesandten in Berlin, daß die deutsche Regierung die Besitzergreifung nicht anerkennen könne und sich "bezüglich des Gebietes die volle Handlungsfreiheit vorbehalte, die sich aus den Grundsätzen des Völkerrechts ergibt". Eine Antwort steht bis heute aus. ![]() Die deutsche Inbesitznahme und Kartographierung des Antarktisgebietes Neu-Schwabenland 1938/39 war eine Pioniertat, die von anderen Nationen neidisch beäugt wurde. Etwa 100 teils farbige Fotos und ein umfangreicher dokumentarischer Anhang machen das Buch zu einem Grundlagenwerk. Es ist im Bonus-Verlag erschienen und kostet € 25,95. 172 S., geb. im Atlas-Großformat. ISBN 3-935962-05-3 |
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Anmerkung der WFG: Kapitän Alfred Ritscher, geboren am 23.5.1879, gestorben am 30.3.1963. Regierungsrat im Oberkommando der Kriegsmarine, Nautische Abteilung und Expeditionsleiter der Deutschen Antarktischen Expedition 1938/39. Er starb in Hamburg und wurde auf dem Ohlsdorfer Friedhof eingeäschert. Die Urne wurde dann laut den Unterlagen nach Bad Lauterberg versandt. Kapitän Alfred Georg Kottas, geboren im Jahre 1885, gestorben im Jahre 1969. Kapitän des Schiffes "Schwabenland" und Handelsschiffkapitän, angestellt bei der DLH. ![]()
![]() (Bilder
aus dem Bertelsmann
Weltatlas von 1959.)
Bis zu diesem Zeitpunkt wurde
das deutsche Gebiet in der Antarktis
noch offiziell "Neu-Schwabenland" (roter Pfeil) in der BRD genannt. |