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Der alliierte Luftkrieg - TEIL V Tod über Deutschland 1940-1945 |
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(Quelle: DMZ Nr. 43 / Februar 2005) Wie empfanden jene, die den
Luftkrieg erfahren hatten, die Ereignisse?
Wie verarbeiteten sie das Erlebte, wie ordneten sie es ein? Da waren einmal die Verantwortlichen für den Massenmord an Zivilisten, und zwar an der Spitze die politische Führung, also, was heute unbestritten ist, der Premierminister Winston Churchill und sein Kabinett, und in zweiter Linie die militärische Führung. Sie führte Befehle aus. Churchills "reines Gewissen" Churchill hat, das zeigen seine Erinnerungen immer ein völlig reines Gewissen gehabt. Es gab keinen Hauch eines Zweifels, daß er für sein Land richtig entschieden hat. Er war von derselben Mentalität wie im Ersten Weltkrieg geleitet. Zumindest bis 1945 sah er keine andere Perspektive, als daß Großbritannien seinen kontinentalen Einfluß erhalten mußte, indem es sich mit der zweitstärksten Macht des Kontinents verbündete, um gemeinsam die stärkste Macht des Festlandes niederzuringen. Er scheint bis zu seinem Tode nicht begriffen zu haben, daß diese Strategie vielleicht noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts sinnvoll war, im 20. Jahrhundert aber den Untergang des britischen Weltreiches zur Folge haben würde. Churchill und seine engsten Gefolgsleute waren Männer von gestern. "Right or wrong - my country" Und die Soldaten? Marschall Arthur Harris hat bis zu seinem Tode die Bombenteppiche seiner Luftangriffe erst gegen Aufständische im Irak in den 20er Jahren bis zu Dresden 1945 gerechtfertigt. Man kann nicht umhin, in dieser breiten Übereinstimmung der Engländer bei der Mißachtung des Völkerrechts den Niederschlag der traditionellen englischen Grundhaltung zu sehen "Right or wrong - my country". Die Deutschen begriffen nach 1945 nur langsam, wie radikal der Vernichtungswille auch ihrer westlichen Gegner gewesen war. Zunächst hatten sie nichts anderes im Sinn, als zu überleben, und das haben sie bekanntlich in bewundernswerter Weise geschafft. Dann aber stellten sie Fragen. Was war eigentlich geschehen, und zwar über den eigenen überschaubaren Bereich hinaus? Wie groß waren die Opfer? Wie groß die Sachverluste? Und schließlich: Warum diese barbarische Art der Kriegführung? Da man zunächst ganz und gar unter der Herrschaft der Besatzungsmächte stand, die kein Interesse daran haben konnten, daß die Deutschen sich über die Ursachen des Verbrechens informierten, und da auch später Deutschland noch keineswegs souverän war, blieb die Frage des "Warum?" und die Frage nach den Tätern zunächst tabu. Gerechtfertigtes Bomben? Die Fakten waren verhältnismäßig schnell ausgeklärt. 1962 veröffentlichte das Statistische Bundesamt die amtlichen Verlustzahlen des Luftkrieges: 635 000 Menschen waren den britischen und amerikanischen Bomben zum Opfer gefallen, darunter 570 000 deutsche Zivilisten (die Differenz setzt sich aus ausländischen Arbeitern, Kriegsgefangenen sowie Angehörigen der Polizei und der Wehrmacht zusammen). Zerstörungen wurden akribisch ermittelt, der Verlust an Kulturgütern, wie Kirchen, Schlössern, Bibliotheken. Allmählich wurden die politischen Hintergründe bekannt. Die Briten hatten sich sehr schnell zu ihrer Täterschaft bekannt. Bereits 1944 erschien in England das Buch des Principal Assistant Sekretary beim britischen Luftfahrtministerium, J. M. Spaigth, Bombing Vindicated ("Bombardieren ist gerechtfertigt"), in dem er, der es wissen muß, den britischen Luftkrieg gegen die Zivilbevölkerung als einen "großartigen Entschluß" preist. Er schrieb: "Wir begannen damit, Ziele in den deutschen Kernlanden zu bombardieren, bevor die Deutschen anfingen, Ziele auf britischem Territorium mit Bomben zu belegen." In Deutschland registrierten nur wenige das Bekenntnis. In den fünfziger Jahren kamen die ersten deutschen Bücher heraus, in denen Fachleute einen Überblick über den Bombenkrieg gaben, wie etwa der Feuerwehrmann Hans Rumpf. Damals kam man den seit den achtziger Jahren nicht mehr zu leugnenden historischen Tatsachen nahe, daß dies eine Kriegsform war, die allein Großbritannien zu verantworten hat. In den sechziger Jahren veröffentlichte das Bundesministerium für Vertriebenen, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte die "Dokumente deutscher Kriegsschäden", die weitere Kenntnisse über den Luftkrieg vermittelten. Da in der Bundesrepublik Deutschland bis heute Militärgeschichte vernachlässigt wird - offenbar in der Annahme, damit eigenen Friedenswillen demonstrieren zu müssen - und wir somit über militärische Ereignisse und Tatsachen nur mangelhaft informiert sind, war das Ausland viel weiter in der Erforschung auch des Luftkrieges. Britische Historiker wie Generäle machten keinen Hehl daraus, daß der Luftkrieg gegen die Zivilbevölkerung für sie eine zwar nicht glorreiche Form der Kriegführung war, aber eine notwendige und erfolgreiche. Obwohl diese Kenntnisse jedem, der sich informieren wollte, zur Verfügung standen, beharrt in Deutschland eine immer fester werdende Front von politisch Korrekten darauf, daß auch an diesem eklatanten Bruch des internationalen Völkerrechts die Deutschen Schuld seien. Antifaschistische Bekenntnisse Wenn man an besonderen Jahrestagen der Zerstörung deutscher Städte nicht umhinkommt, in Feierstunden der Toten zu gedenken, dann drücken die offiziellen Redner zwar durchaus die Trauer aus, aber nicht ohne sofort hinzuzusetzen, daß ja die Deutschen mit dieser grausamen Form der Kriegführung begonnen hätten. Gern werden dann fromme Sprüche zitiert wie etwa "Wer Wind sät, wird Sturm ernten" oder "Da ließ der Herr Schwefel und Feuer regnen vom Himmel herab auf Sodom und Gomorrha...", so den verbrannten Deutschen die Rolle besonders sündhafter Menschen zuweisend, die der Zorn des Herrn zu Recht traf. Zu suggerieren, daß die alliierten Bomberbesatzungen ergo nichts anderes taten, als den Auftrag des Herrn auszuführen, war eine nicht selten karrierefördernde Maßnahme der Verfechter solcher Thesen, um sich bei den Siegern und ihren willigen Vollstreckern beliebt zu machen. Der Berichterstatter kennt keine einzige der häufig umfangreichen Gedenkveranstaltungen, die sich gelegentlich über eine ganze Woche erstreckten, in der Historiker korrekt Ursache und Verlauf des Luftkrieges darstellten. Die Hansestadt Hamburg hatte 1993 gar den Luftkriegshistoriker der gerade untergegangenen DDR, Olaf Groehler, eingeladen, damit er in bekannter marxistischer Manier erläutern konnte, daß gegen den "Faschismus" jedes Mittel recht gewesen sei. Man meidet die rationale Auseinandersetzung und flieht in schwülstige mehr oder weniger feuilletonistische Bekenntnisse der Reue und ruft mit Tremolo in der Stimme "Nie wieder!" Und hinter diesen Nebeln verschwanden allmählich die damaligen Ereignisse, zumal die Zahl der Zeitzeugen immer kleiner wurde und die Anzahl der historisch nur mangelhaft informierten Nachgeborenen zunahm. Ein Buch als Tabubruch In diese Zeit fiel das Erscheinen des Buches von Jörg Friedrich Der Brand, in dem zwar die ausdrückliche Verurteilung der Urheber dieses Kriegsverbrechens nicht ausgesprochen wurde, das aber keinen anderen Schluß zuließ. Nun war nicht mehr zu verbergen, wie barbarisch diese Kriegsform war. Flugs waren wieder Schwätzer und Verwirrer zur Stelle, die die Frage nach dem "Wer?" und "Warum?" auf ihre Weise beantworteten. Wolf Biermann, der bislang noch nicht als Historiker hervorgetreten war, wußte es genau: Die Deutschen hätten mit den britischen Bomben "was auf die Mütze gekriegt, weil sie die Juden verfolgt haben". In diese Kerbe schlugen auch andere ohne Rücksicht darauf, daß diese Strategie von den Briten lange vor ihrem Einsatz entwickelt worden war, ohne danach zu fragen, ob in Deutschland eine den Juden freundliche oder feindliche Regierung am Ruder war. Obwohl man heute sehr wohl durch die aus dem Militärgeschichtlichen Forschungsamt hervorgegangene Fachliteratur erfahren kann, wer wirklich den Luftkrieg gegen die Zivilbevölkerung entwickelt und umgesetzt hat, verbreiten immer noch deutsche Offizielle die längst überholten deutschen Schuldbekenntnisse, so der Regierende CDU-Bürgermeister von Hamburg, Ole von Beust, am 25. Juli 2003 zum 60. Jahrestag des Unternehmens Gomorrha. In der vielgerühmten "Deutschen Gesellschaftsgeschichte" des momentanen Historikers-Stars Hans-Ulrich Wehler, herausgekommen 2003, liest man im 4. Band: "Die deutsche Luftwaffe hatte mit der perfiden Methode der Terrorangriffe auf die Zivilbevölkerung großer Städte begonnen...." Der Autor begründet seine Falschbehauptung, indem er im Quellenverzeichnis überwiegend britische Literatur heranzieht, hingegen keinen einzigen Titel aus der Forschungsarbeit des bundesoffiziellen Militärgeschichtlichen Forschungsamtes (MGFA) berücksichtigt, wohl aber die marxistisch-leninistische Arbeit des DDR-Historikers Groehler. Völkerrechtswidriges Bomben legitim? Eine Sammlung von Aufsätzen unter dem Titel Ein Volk von Opfern?: Die neue Debatte über den Bombenkrieg faßt treffend zusammen, daß es immer noch eine große Zahl von Journalisten und Historikern gibt, die sich von ihren liebgewordenen Behauptungen von der deutschen Schuld auch an dieser Form des Luftkrieges nicht trennen wollen. Die Briten erweisen sich in dem Bändchen als nüchterne Zeitbeobachter. Sie geben zu, daß der Luftkrieg gegen Frauen und Kinder abscheulich war, fragen aber, wie sie denn sonst die Deutschen hätten bekämpfen können. Mit dieser Einstellung nähern sie sich den Ansichten ihrer früheren Verbündeten, dem Sowjetlager. Auf der schon mehrfach in dieser Artikelserie erwähnten wissenschaftlichen Tagung über die Luftkriegführung im Zweiten Weltkrieg erklärte der kompetenteste Luftkriegshistoriker aus der DDR, Olaf Groehler, es sei zuzugeben, daß der Luftkrieg völkerrechtswidrig gewesen sei, doch sei jedes Mittel recht, wenn es darum gehe, die "Faschisten" zu bekämpfen. Mit solcher Einstellung könnte man auch den Einsatz von Giftgas und der Atombombe rechtfertigen. Damit ist das Ende der Zeit dokumentiert, in der man sich bemüht hat, den Krieg durch Schaffung des internationalen Völkerrechts einzuhegen, damit die Menschheit sich nicht selbst vernichtet. Und tatsächlich scheint diese von zivilisierten Staaten einst sich selbst gesetzte Grenze 1945 überschritten worden zu sein, als die USA-Führung beschloß - und das wenige Tage, nachdem die japanische Regierung sich bemüht hatte, über die bis dahin noch neutrale Sowjetunion mit den USA in Verhandlungen über einen Waffenstillstand zu treten -, ihre beiden einzigen Atombomben auf japanische Städte zu werfen. Hiroshima und Nagasaki mit fast 200 000 Toten waren die konsequente Weiterführung des Luftkrieges ohne jede Grenzen. Seitdem wissen wir, daß "das jüngste Gericht jetzt machbar ist". |
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Zusatz:
Deutsche Großstädte im Bombenhagel
(Quelle: DMZ Nr.39 - Nr. 43) Köln im Bombenhagel Nach ersten Bombardements 1941kommt es in der Nacht vom 30. auf den 31. Mai 1942 zu einem grausigen Höhepunkt in der bisherigen Entwicklung des Luftkrieges gegen die deutsche Zivilbevölkerung. Die gewaltige Anzahl von 1 047 Bombern startet von 52 Flughäfen in Großbritannien, um gleichzeitig das Stadtgebiet von Köln mit seinen 700 000 Einwohnern anzugreifen. 886 Maschinen erreichen ihr Ziel und werfen 1 459 Tonnen Bomben, darunter zwei Drittel Brandbomben, auf die Stadt ab. Um militärische Ziele geht es dabei längst nicht mehr. Die britische Luftkriegsstrategie setzt auf den konzentrierten Terror gegen die Zivilbevölkerung und die Vernichtung großer Innenstadtflächen. Damit sollen zwei Ziele erreicht werden: Der massive Verlust von Wohnraum soll Ressourcen aus der Kriegswirtschaft auf den zivilen Sektor der Wohnraumersatzbeschaffung abziehen. Und zweitens soll die Kampfmoral der Millionen deutschen Soldaten an allen Fronten zersetzt werden, die ihre Familien in der Heimat sicher wähnen und nun immer öfter Familienangehörige verlieren. In einem 90minütigen Angriff werden 5 000 Brandherde entfacht, die 3 300 Häuser zerstören. Dank eines guten Luftschutzwesens gibt es nur 474 Tote und 5 000 Verletzte, aber 45 000 Menschen werden in dieser Nacht obdachlos. Die letzte Welle von viermotorigen Bombern wirft Sprengbomben ab, um die entstandenen Flächenbrände noch zu verbreitern und vor allem die Löscharbeiten zu behindern. Erstmals wurde in dieser Nacht die neue Taktik des Bomberstroms angewandt, bei der alle Maschinen auf derselben Route fliegen und aus verschiedenen Höhen in ununterbrochener Folge ihre Bombenlast abladen. Dies macht es der deutschen Abwehr unmöglich, Kurs und Höhe einzelner Flugzeuge festzustellen, zwingende Voraussetzung zu Bekämpfung. Der verheerende Bombenangriff auf Köln ist nur einer von vielen, aus denen die vom 2./3. Februar 1943 mit 137 Bombern, vom 28./29. Juni 1943 mit 540 Bombern und vom 3./4. Juli 1943 mit 589 Maschinen wegen ihres Umfanges herausragen. Bei Kriegsende sind 64 Prozent des gesamten Stadtgebietes zerstört, die traditionsreiche Kölner Altstadt ist völlig ausgelöscht. Kassel im Bombenhagel Kassel war ein zentral gelegener Eisenbahn- und Straßenknotenpunkt in Deutschland, außerdem gab es hier bedeutende Industrie und Braunkohlebergbau. Vierzig Mal wurde die Stadt zwischen 1940 und 1945 von Briten und US-Amerikanern aus der Luft angegriffen. Bereits am 27./28. August 1942 kam es zu einem britischen Großangriff mit 222 Flugzeugen mit gewaltigen Schäden. Sein Inferno stand der 225 000 Einwohner-Stadt noch bevor. In der Nacht vom 22. auf den 23. Oktober 1943 wurde die Stadt durch 1 810 Tonnen Spreng- und Brandbomben nahezu ausgelöscht. 486 viermotorige Bomber luden ihre Fracht - darunter 390 000 Brandbomben - über der Residenzstadt ab. Durch die verbrecherische britische Technik des Flächenbombardementes zur Erzeugung eines Flächenbrandes entstand ein Feuersturm mit seinen grauenhaften Folgen: unzählige Menschen erstickten unter freiem Himmel, andere wurden vom orkanartigen Sauerstoffstrom in die Feuersäule getrieben und in deren Hitze praktisch verdampft. Altstadt, Innenstadt und historische Gebäude wurden nahezu vollständig zerstört, von 65 000 Wohnungen blieben nur 1 200 unbeschädigt. Die Folge waren fast 6 000 Tote, fast 12 000 Verwundete und 150 000 Obdachlose. Hamburg im Feuersturm Als zweitgrößte Stadt Deutschlands hatte die 1 100jährige Freie und Hansestadt Hamburg 1939 etwa 1,7 Millionen Einwohner. Mit ihrem auch für größte Seeschiffe erreichbaren Hafen, von dem mit der Werft- und Zulieferindustrie allein 50 Prozent der Hamburger Wirtschaft abhingen, war sie zudem Deutschlands Tor zur Welt. Bedeutende deutsche Seeschiffahrtslinien hatten ihren Sitz in Hamburg. Im Zweiten Weltkrieg war Hamburg eine der am schwersten zerstörten europäischen Großstädte. Zwischen 1940 und 1945 wurde die Stadt das Ziel von 213 Luftangriffen der Briten und Amerikaner, wobei lediglich etwa 20 Prozent des Wohnungsbestandes unzerstört blieben. Die schwersten Luftangriffe fanden im Zeitraum vom 24. Juli bis 3. August 1943 (Operation "Gomorrha") statt und sind als die "Juli-Katastrophe von 1943" in die Geschichte eingegangen. Nach der Direktive des britischen Luftmarschalls Arthur Harris sollten die britischen Bomber "die alte Handelsstadt bis auf den Grund zerstören". In vier nächtlichen Großangriffen, zwei schwächeren Tagesangriffen und einem Störangriff warfen ungefähr 2 500 britische und amerikanische Bomber rund 9 000 Tonnen Spreng- und Brandbomben über dem Hamburger Stadtgebiet ab. Besonders in der Nacht vom 27. auf den 28. Juli 1943 entstand dabei, begünstigt durch die hochsommerlichen Witterungsverhältnisse, ein gewaltiger "Feuersturm". Ende Juli 1943 herrschte in der Hansestadt eine brütende, trockene Hitze, selbst nachts sank die Temperatur nicht unter 30 Grad. Darüber lagen in großer Höhe kalte Luftmassen. Durch 100 000 in dieser Nacht abgeworfenen Brandbomben entstanden unzählige Brände. Die dadurch zusätzlich aufsteigende warme Luft erzeugte am Boden eine starke kaminartige Sogwirkung, die das Feuer zum Sturm anfachte. In den engen Straßen breiteten sich die Flammen mit ungeheurer Geschwindigkeit und Stärke aus. Sauerstoff wurde aus allen Räumen und Winkeln abgesaugt, statt dessen drang Kohlenmonoxid ein, oder aber die Luftschutzkeller nahmen nach kurzer Zeit die äußere Hitze auf und wirkten so wie ein Krematorium. Zehntausende erstickten oder verbrannten in den Kellerräumen oder wurden vom orkanartigen Wind des Feuersturms in die Flammen hineingerissen. Gegen das tosende Inferno dieses Feuersturms war alle menschliche Abwehr machtlos; von einem Löschen der Brände konnte keine Rede mehr sein. In den Hauptbrandgebieten ging es nach Aussagen eines Feuerwehroffiziers nur noch darum, die Bevölkerung zu evakuieren. Hunderttausende flohen am nächsten Tag in Panik aus der Stadt. Die Nacht des Feuersturms ist der Höhepunkt der Operation "Gomorrha"; fast die Hälfte der Stadt sank in Trümmern - insgesamt wurden mehr als 277 000 Wohnungen völlig zerstört. Von den ungefähr 45 000 Toten, die die Luftangriffe auf Hamburg während des gesamten Krieges forderten, entfallen allein rund 35 000 auf die Juli-Angriffe; etwa 125 000 Menschen wurden verwundet. München im Bombenkrieg Bereits 1938 ließ das britische Bomber Command die Möglichkeit einer Bombardierung Münchens prüfen. Der Stab der Luftwaffe sagte allerdings eine hundertprozentige Verlustrate für die Bomber der Royal Air Force (RAF) voraus. München war eine ganz besondere Herausforderung für die alliierten Bomberverbände. Denn als "Hauptstadt der Bewegung" der NSDAP hatte München großen Symbolwert. Daher diente ein am 8. November 1940 auf München geflogener britischer Angriff wohl rein propagandistischen Zwecken - er sollte die jährlichen NSDAP-Parteifeierlichkeiten am Vorabend des 9. November des Jahrestages des Marsches auf die Feldherrnhalle, stören. Erst ab Herbst 1942 war das Bomber Command technologisch in der Lage, dieses weit entfernte Ziel wirkungsvoll anzugreifen. In der Nacht vom 19. auf den 20. September 1942 überzogen britische Bomber München zum ersten Mal mit einem Flächenbombardement. Insgesamt hatte die bayerische Landeshauptstadt neun Großangriffe der Briten zu erleiden. Zwischendurch gab es auch kleinere Stör- und Scheinangriffe, bei denen München nur ein Ablenkungsziel war. Das Jahr 1944 bildete den Höhepunkt der Luftangriffe. Wichtigstes militärisches Ziel waren die BMW-Werke, deren Produktionsanlagen allerdings kaum beschädigt wurden. Von den insgesamt 73 Angriffen auf München können 30 als Großangriffe bezeichnet werden. Neun wurden durch die britische RAF geflogen, elf durch die 8. US-Luftflotte und zehn durch die 15. US-Luftflotte. Allein in der Endphase des Krieges vom 1. bis 29 April 1945 waren 46 Fliegeralarme, 120 öffentliche Luftwarnungen, die "Kleinalarm" genannt wurden, sowie 24 Luftangriffe zu verzeichnen. 2 186 Todesopfer und 9 015 Verletzte waren zu beklagen; insgesamt wurden auf München 8 755 Tonnen Bomben abgeworfen, 42 Prozent der Bausubstanz der Stadt lagen gegen Kriegsende in Schutt und Asche. In der Altstadt waren drei Viertel aller Gebäude und vier Fünftel aller Wohnungen zerstört. Als Konsequenz wurden 300 000 Müncher obdachlos. Bomber über Dresden Das Bombardement auf Dresden gehört zu den schwersten Angriffen auf deutsche Städte während des Zweiten Weltkrieges. In der Nacht auf den 14. Februar 1945 zerstörten alliierte Bomber fast die gesamte Innenstadt. Zehntausende von Menschen fielen den Bombern zum Opfer, darunter viele Flüchtlinge. die in der unverteidigten Stadt Schutz gesucht hatten. Etwa 60 Prozent des Dresdner Stadtgebietes mit Wohn- und Geschäftshäusern wurden zerstört. 800 britische und amerikanische Bomber warfen etwa 1 500 Tonnen Luftminen und Sprengbomben sowie 800 000 Brandbomben auf die wehrlose Stadt. Der Angriff richtete sich ausschließlich gegen die Zivilbevölkerung, außerhalb des Stadtgebietes gelegene militärische Gebäude und Industrieanlagen blieben dagegen weitgehend verschont. Von 220 000 Wohnungen wurden 80 000 völlig zerstört und 75 000 schwer beschädigt. 114 öffentliche Gebäude, 40 Kliniken und Krankenhäuser, 20 Kirchen und bedeutende kulturhistorische Bauten fielen den Angriffen zum Opfer. Die Bombardements verliefen in mehreren Schritten. Zunächst warfen britische Flugzeuge Leuchtbomben ab, um das Zielgebiet zu markieren. Danach begannen sie mit dem Abwurf scharfer Bomben. Gegen 22.30 Uhr stand die Innenstadt in Flammen. Genau zu dem Zeitpunkt, als sich die Rettungsmaßnahmen auf ihrem Höhepunkt befanden, begann die zweite Angriffswelle. Am Morgen des 14. Februars startete die US-Luftwaffe die dritte Welle und beendete schließlich in den Mittagsstunden mit einem weiteren Angriff den Terrorschlag gegen die sächsische Metropole. |
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