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Alliierter Luftkrieg gegen Deutschland
TEIL II
TEIL III
TEIL IV
TEIL V




(Quelle: DMZ, Nr.39-Nr.43 / 2004-2005)

Der alliierte Luftkrieg
Tod über Deutschland 1940-1945

Das im vorigen Jahr erschienene Buch Der Brand: Deutschland im Bombenkrieg von Jörg Friedrich hat zwar nichts Neues über den strategischen Luftkrieg Großbritanniens und später auch der USA gegen die deutsche Zivilbevölkerung ans Tageslicht gebracht, doch hat der Autor die von Historikern erarbeiteten Tatsachen durch die effektvolle Aufbereitung der deutschen Öffentlichkeit eindringlich nahegebracht und daher im Sinne der klassischen Geschichtsschreibung geschildert, "wie es eigentlich gewesen ist".  Für die beamteten Historiker an den deutschen Hochschulen ist es beschämend, daß solches nicht von jemandem aus ihren Reihen geleistet wurde, sondern von einem Autor, der zwar auch einmal Geschichte studiert hat, der aber nicht - wie die Professoren - über einen Apparat verfügt wie etwa Studenten, die er über Teilaspekte Referate, Prüfungs- und Doktorarbeiten verfassen lassen kann, nicht über Assistenten, die ihn entlasten, nicht über leicht zugängliche Fachbibliotheken, nicht über den raschen Zugriff auf amtliche Akten, Forschungsgelder usw.  Bedauerlicherweise ist es bei den meisten Vertretern der deutschen wissenschaftlichen Welt, die sonst durchaus bestrebt sind, es den Amerikanern nachzumachen, immer noch verpönt, die Ergebnisse ihrer mit erheblichen öffentlichen Mitteln geförderten Forschungsarbeiten in populärer Form darzubieten.  Es wäre ihre Aufgabe, es der interessierten Öffentlichkeit leicht zumachen, was die Historiker herausgefunden haben, zur Kenntnis zu nehmen, so daß daraus ein Geschichtsbewußtsein entsteht.  Jörg Friedrich beherrscht diese Kunst, und dafür ist ihm zu danken.

Grauenhafter Krieg gegen Zivilisten
Heute kann niemand mehr das grauenvolle durch die britischen und US-amerikanischen Langstreckenbomber hervorgerufene Geschehen in deutschen Städten und Dörfern während des Zweiten Weltkrieges leugnen, zumal niemand die von Friedrich dem Publikum dargebotenen Tatsachen im Wesentlichen bestreitet.  Friedrich enthält sich aber des Urteils, wer für diese Art der Kriegsführung verantwortlich war und wie man dessen Entscheidung beurteilen und bewerten soll.
In dem wichtigsten, wenn auch von der Öffentlichkeit kaum zur Kenntnis genommenen Forschungsbericht über den Luftkrieg, dem Sammelband Luftkriegführung im Zweiten Weltkrieg: Vorträge zur Militärgeschichte (Band12), im Auftrage des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes herausgegeben von Horst Boog im Jahre 1993, fragt der Geschichtsprofessor der Universität North Carolina und Präsident des American Military Institutes, Prof. Dr. Richard H. Kohn, ob es Aufgabe des Historikers sei, nach Schuld zu fragen.  Ist es nicht vielmehr seine Aufgabe, Fakten zu sammeln, Zusammenhänge zu klären und beides zu interpretieren? meint der amerikanische Gelehrte.

Pflichtverletzung deutscher Nachkriegsregierungen
Tatsächlich gehört der Begriff der "Schuld" eher in das Gebiet der Moraltheologie als der Geschichtsschreibung.  Und so sucht man denn in historischen Werken etwa über Napoleon oder Cromwell oder Caesar nichts zur Frage der Schuld.
In der Zeitgeschichte, sofern sie sich auf Deutschland bezieht, aber ist diese Frage notwendig.  Sie wird den Deutschen aufgezwungen, denn da die psychologische Kriegsführung der Siegermächte die Deutschen zu Schuldigen gestempelt hat, ist dieser Makel auf dem deutschen Volk geblieben, ja, er hat in den vergangenen Jahren sogar an Gewicht gewonnen.  Man denke nur an die Politik des Bundesaußenministers Joschka Fischer, von der man durch sein eigenes Eingeständnis weiß, daß sie ganz wesentlich angetrieben wird von seinem eigenen Schuldgefühl und von der Schuld, die er den Deutschen im Allgemeinen zuschreibt.  Dabei wäre es eigentlich die Pflicht der Institutionen, die unseren Staat leiten, sich mit den Problemen der deutschen Schuld kritisch zu beschäftigen, so wie es alle Reichsregierungen nach dem Ersten Weltkrieg mit Nachdruck taten.  Schon 1918/19 wurde Deutschland von Schuldvorwürfen der Sieger überschüttet, ja, die Reichsregierung mußte sogar durch die erzwungene Unterschrift unter den Versailler Vertrag anerkennen, daß das Deutsche Reich die alleinige Schuld am Ausbruch des Ersten Weltkrieges trüge und daß es daher verpflichtet sei, alle Schäden, die der Krieg bei den Siegermächten verursacht hatte, durch unbegrenzte Reparationszahlungen wiedergutzumachen.  Das hinderte aber keine Reichsregierung - gleichgültig, welche Parteien in ihr dominierten - daran, alles in Bewegung zu setzen, um die Vorwürfe zu untersuchen und gegebenenfalls zu entkräften.  Ganz anders die deutschen Regierungen der letzten Jahrzehnte.
Die erste Regierung der Bundesrepublik Deutschland unter Konrad Adenauer, die auch schon schwere Vorwürfe gegen Deutschland ertragen mußte, wenn auch nicht in so maßlos übertreibender Form wie in unseren Tagen, hatte noch genug Selbstbewußtsein und in Ansätzen auch den Willen, den einseitigen Schuldbehauptungen zu widersprechen.  So berichtet Erich Mende, Mitbegründer der FDP, von 1949 bis 1980 Mitglied des Deutschen Bundestages, Minister in mehreren Bundesregierungen, darunter auch einige Jahre lang Vizekanzler, in seinem Buch Die FDP: Daten, Fakten, Hintergründe (Stuttgart, 1972), angesichts der nicht nachlassenden Vorwürfe der Siegermächte und angesichts der Diskriminierung der Wehrmachtsoldaten, nicht zuletzt aber auch, weil in exzessiver Weise deutsche Soldaten wegen angeblicher oder wirklicher Kriegsverbrechen vor alliierte Gerichte gezerrt wurden, habe der Bundesjustizminister des Kabinetts Adenauer, Dr. Thomas Dehler, angeordnet, in seinem Ministerium Kriegsverbrechen alliierter Soldaten gegenüber Deutschen zu dokumentieren.  Es wurden Akten angelegt unter dem Stichwort "Tu quoque" (lat. "Du auch"), in denen unter Angabe von Ort, Zeit und Sachverhalten Tausende von Kriegsverbrechen der Siegermächte festgehalten wurden.  Begründung:
"Sie sollten einer Versachlichung der einsetig geführten Diskussionen der Kriegsverbrecherfrage dienen und Verfahren ermöglichen, die nicht von Rache, sondern von Schuld und Sühne geprägt waren."
Tatsächlich trat daraufhin eine Versachlichung ein, indem - auch vor dem Hintergrund, daß Deutschland zur Verteidigung des Westens Truppen aufstellen sollte - eine große Anzahl von ehemaligen deutschen Soldaten aus dem Gewahrsam der Sieger entlassen und Gerichtsurteile überprüft wurden, daß Gnadenerweise Soldaten die Freiheit gaben, so daß nach 1953 vorwiegend nur noch solche Soldaten der Freiheit beraubt waren, gegen die begründete Anschuldigungen vorlagen.

Deutsche Politiker als Selbstankläger
Es ist heute kaum vorstellbar, daß eine Bundesregierung sich gegen einseitige Schuldzuweisungen an Deutschland auf die Hinterbeine stellen würde - im Gegenteil: Nicht selten werden aus den Reihen führender deutscher Politiker solche Vorwürfe noch gesteigert mit der Begründung, es handele sich um einen Kampf gegen den (seit über 50 Jahren bereits verschwundenen) "Faschismus".  Zunehmend erregt solches Verhalten im Ausland Unverständnis. 
Die Ergebnisse der historischen Forschung, und nicht zuletzt die des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes, dessen Arbeiten hier weitgehend gefolgt wird, beweisen, daß es keineswegs das Deutsche Reich und dessen Luftwaffenführung waren, die einen gegen die Zivilbevölkerung gerichteten Luftkrieg geplant hätten.  Daher fehlten der deutschen Luftwaffe im Kriege die viermotorigen Langstreckenbomber, ohne die eine solche Kriegsführung nicht möglich ist.  Es war hingegen die politische und militärische Führung Großbritanniens, die seit 1936 systematisch eine solche Luftwaffenstrategie gegen Frauen und Kinder für einen kommenden Krieg vorbereitete.  Trotzdem erklären deutsche Professoren in den Universitäten weiterhin, ohne auch nur den geringsten Zweifel daran zu äußern, es seien "natürlich" die Deutschen gewesen, die diesen Verstoß gegen das internationale Kriegsvölkerrecht begangen haben.  Und die jungen Studenten sitzen mit gebeugten Köpfen in den Hörsälen und schreiben fleißig die ihnen vermittelten falschen Fakten mit, die sie ihrerseits - zum Beispiel als Lehrer - an die nächste Generation weitergeben.