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US-Kriegsverbrechen gegen Japaner im 2.Weltkrieg



(Quelle: Magazin DMZ Nr. 41 September-Oktober 2004)


US-Erinnerungslücken
Japanern wurde im 2.Weltkrieg das Menschsein abgesprochen

Die im Lauf der letzten Monate ans Tageslicht gekommenen Verbrechen US-amerikanischer Truppen im Irak wurden und werden gern von der US-Regierung wie auch von deren Fürsprechern in Europa - wenn man sie denn nicht mehr leugnen oder vertuschen kann - als bedauerliche Einzelfälle bezeichnet.  Was einen aufgeklärten Mitteleuropäer besonders stört, ist die selbstgerechte Behauptung von US-Seite, solche Grausamkeiten an Gefangenen seien grundsätzlich "unamerikanisch", somit gesagt werden soll, es handelt sich lediglich um seltene Ausrutscher einzelner.

Auch die Westalliierten begingen Kriegsverbrechen
Solcher Eindruck ist um so leichter zu erzeugen, als in Europa zwar seit Jahrzehnten mit nicht nachlassender Intensität auf angebliche oder wirkliche deutsche Kriegsverbrechen hingewiesen wird, mit keinem einzigen Wort aber eingegangen wird auf an Deutschen begangene Kriegsverbrechen, die - wie bei genauerer Betrachtung des Themas sehr schnell erkannt werden muß - nicht nur von seiten sowjetischer Truppen begangen wurden, sondern nicht minder von Soldaten der westlichen Siegermächte.  Und das nicht etwa nur in Einzelfällen!
Nun gibt es erfreulicherweise, wenn auch nicht in großer Zahl, so doch für Menschen, die informiert werden wollen, unübersehbar, deutsche Historiker (wenn auch keine beamteten) und Presseorgane - und dazu zählt auch die DMZ - die solche Einseitigkeiten nicht auf sich beruhen lassen, sondern unermüdlich auch die Verbrechen gegen die Menschlichkeit der anderen Seite dokumentieren.
Außerhalb unseres Sichthorizonts liegt, was im fernen Asien während des Zweiten Weltkrieges geschah.  Das Kaiserreich Japan war mit dem Deustchen Reich verbündet.  US-amerikanische (auch britische, die hier aber außer acht gelassen werden sollen) und japanische Truppen kämpften dreieinhalb Jahre lang mit Erbitterung gegeneinander.  Der deutsche Bürger wird darüber nur knapp, und das meistens durch Kino- und Fernsehfilme, informiert, und zwar stets aus der Sicht der US-amerikanischen oder der britischen Sieger - man denke an Die Brücke am Kwai oder ähnliche Filme über das Leiden amerikanischer und britischer Kriegsgefangener in japanischen Lagern.  Kaum je las oder sah man in unseren Massenmedien etwas von Untaten, denen japanische Soldaten und Zivilisten durch US-amerikanische Truppen ausgesetzt waren.  So hat sich in der öffentlichen Meinung die Ansicht durchgesetzt, auch im Fernen Osten seien es ausschließlich die Japaner gewesen, die gegen das Völkerrecht verstießen - so wie politisch einfältige Deutsche längst die Ansicht vertreten, deutsche Soldaten seien in Europa die einzigen gewesen, die gegen das Völkerrecht verstoßen hätten.  Nicht zuletzt Propagandaaktionen wie die Ausstellung des Jan Philipp Reemtsma haben durch ihre einseitige Darstellung zu dieser Volksverdummung beigetragen.

Japaner als "Untermenschen" dargestellt
Dabei liegt, wenn auch verstreut, eine große Anzahl von Berichten über unglaubliche Menschenrechtsverstöße US-amerikanischer Truppen gegenüber den Japanern vor.  Diese Greueltaten wurden auch dadurch hervorgerufen, daß die US-amerikanische psychologische Kriegsführung - und das nicht etwa erst mit Beginn des Krieges der USA gegen Japan - Japaner als "Untermenschen" darstellte und sich bemühte, ihren Gegnern das Menschsein abzusprechen.  Jedem Soldaten fällt es schwer, einen Mitmenschen zu töten; die Entmenschlichung des Gegners setzt diese Hemmschwelle deutlich herab.
General W. Halsey, Flottenbefehlshaber im Pazifik, erklärte öffentlich: "Der einzige gute Japse ist ein Japs, der seit sechs Monaten tot ist ... Die Japaner sind ein Produkt des Geschlechtsverkehrs zwischen einer Äffin und den schlimmsten chinesischen, von einem wohlwollenden Kaiser aus China verbannten, Verbrechern."  Der Oberbefehlshaber der australischen Truppen, General Sir Thomas Bramey, feuerte seine Soldaten an: "Euer Feind ist eine seltsame Rasse - eine Kreuzung zwischen Mensch und Affen ... Ihr wißt, daß wir dieses Ungeziefer auslöschen müssen, damit wir und unsere Familien leben können."  Wie die New York Times seinerzeit berichtete, lobte er seine Soldaten mit den Worten: "Der Japse ist ein kleiner Barbar ... Wir haben es nicht mit Menschen zu tun, wie wir sie sonst kennen.  Wir stehen etwas Primitivem gegenüber.  Unsere Soldaten haben die richtige Einstellung.  Sie betrachten die Japse als Ungeziefer."
Diese Einstellung unterscheidet sich von der zeitweise von der deutschen Propaganda verbreiteten Hetze gegen den "bolschewistischen Untermenschen" nur dadurch, daß sie noch abstoßender und widerwärtiger ist.

Schädel gefallener Japaner als Souvenirs
Hat man auf diese Weise den Japanern seines Menschseins entkleidet, dann ist es folgerichtig, daß das große amerikanische Magazin LIFE am 22. Mai 1944 das Foto der Rüstungsarbeiterin Nathalie Nickerson veröffentlichte, die, bunte Schleifchen im Haar, an einem Schreibtisch sitzt und verträumt das Souvenir ihres "boyfriend", eines in Ostasien eingesetzten Marineoffiziers, betrachtet.  Das Souvenir ist der Schädel eines gefallenen japanischen Soldaten, auf den der Marineoffizier geschrieben hat: "Dies ist ein guter Japse, ein toter."  Daneben sind auf den Totenschädel die Unterschriften von 14 seiner Kameraden gekritzelt. 

LIFE-Bild
(Bildquelle: DMZ) -
Liebesgrüße eines US-Soldaten aus dem Pazifik an seine Freundin auf dem Schädel eines toten Japaners. 
Das fand das amerikanische Magazin LIFE, das dieses Foto am 22. Mai 1944 veröffentlichte, offensichtlich lustig.



Dergleichen scheint durchaus kein Einzelfall gewesen zu sein, wird doch an mehreren Stellen berichtet, daß US-Soldaten aus den Knochen japanischer Gefallener Brieföffner und dergleichen Gebrauchsgegenstände gebastelt und nach Hause geschickt haben.
Es gehörte offenbar zum Alltag amerikanischer Infanteristen, aus den Schädeln gefallener Japaner mit Brachialgewalt die Goldzähne herauszubrechen.  Am 9. und 10. Januar 2002 strahlte der Nachrichtensender Phönix eine zweiteilige Dokumentation über Japan unter dem Titel "Im Namen des Tenno" aus.  Darin wurden ehemalige amerikanische Soldaten über den Krieg im Fernen Osten befragt.  Der US-Marine-Offizier Gene La Rocqe berichtete: "Man hatte uns beigebracht, daß die Japaner Untermenschen seien."  Sein Kamerad von der US-Luftwaffe Paul Montgomery erläuterte, wie man mit japanischen Gefallenen umging: "Sie (seine Kameraden) drehten die Leichen um und hauten ihnen den Gewehrkolben auf den Hinterkopf.  Ich sah Soldaten, die eine ganze Papiertüte voller Goldzähne hatten, schätzungsweise zehn oder fünfzehn Pfund.  Das war die Freizeitbeschäftigung, es kümmerte keinen."  Michael Witowich von der US-Marine-Infanterie erzählte, wie so etwas am einfachsten zu bewerkstelligen war: "Wenn man sie mit der 45er in den Kopf schießt, geht automatisch der Mund auf.  Und da lachen einen all die Goldzähne an.  Ich habe sie nicht mit dem Gewehrkolben rausgeholt; ich nahm die Zange ... Ich hatte eine ganze Feldflasche voll, hier eine mit Wasser, da eine mit Goldzähnen."

"Wir haben keine japanischen Gefangenen gemacht"
Hatte man keine toten japanischen Soldaten zur Verfügung, griff man auf die gefangenen zurück.  James Eagelton von der US-Marine-Infanterie erzählte in der Fernsehdokumentation: "Die Japaner waren Unmenschen.  Wir haben nie japanische Gefangene gemacht.  In meinen zwei Jahren in Übersee habe ich nie gesehen, wie ein Gegner gefangengenommen wurde.  Einmal kam einer mit dreißig, vierzig Mann.  Alle hatten die Hände hoch.  Sie wurden an Ort und Stelle erschossen.  Wir machten eben keine Gefangenen."  Und Ronnie Hay, ein britischer Jagdflieger, zog das Resümee: "Nur ein toter Japaner ist ein guter Japaner."

Atombomben-Abwürfe
In dieses Bild einer barbarischen amerikanischen Kriegsführung gehört auch der Luftangriff der US-Air Force vom
10. März 1945 auf Tokio.  Amerikanische B29-Bomber legten mit Brandbomben die Stadt, die vorzugsweise aus Holzhäusern bestand, in Schutt und Asche.  In der japanischen Hauptstadt brach ein Feuersturm aus.  100 000 Menschen kamen ums Leben.  Daß es die USA waren, die im August 1945 Atombomben auf zwei japanische Städte warfen und damit etwa 280 000 Menschen umbrachten - und bis heute keine Spur von Bedauern oder Schuldgefühl zeigen -, rundet das Bild ab.

Charles A. Lindbergh, jener berühmte Atlantiküberquerer, strikter Gegner von Roosevelts Kriegstreiberpolitik, diente dennoch im Krieg seinem Land als technischer Berater und Testpilot.  Er kam weit herum und notierte zum Beispiel in seinem Tagebuch: "13. Juli 1944.  Es wurde offen zugegeben, daß einige unserer Soldaten japanische Gefangene foltern und manchmal genau so grausam und barbarisch waren wie die Japaner selbst.  Unsere Soldaten denken sich nichts dabei, einen japanischen Gefangenen zu erschießen oder einen Soldaten, der sich ergeben will.  Sie behandeln den japanischen Soldaten mit weniger Achtung, als sie einem Tier erweisen würden, und diese Handlungen werden von fast jedermann gebilligt." - "24. Juli 1944.  Beim Abstieg von dem Hügel stießen wir auf die Leichen eines japanischen Offiziers und von zehn bis zwölf Soldaten ... Einer der Offiziere neben mir sagte: 'Wie ich sehe, war die Infanterie wieder bei ihrer Lieblingsbeschäftigung', das heißt, alle Zähne mit Goldfüllung waren als Souvernirs aus den Schädeln herausgeschlagen worden."

Feuer auf Schiffbrüchige eröffnet
Der Seekrieg wurde von manchen US-amerikanischen U-Booten nicht weniger unehrenhaft geführt. 
Am 26. Januar 1943 griff das US-Unterseeboot "Wahoo" SS-283 unter dem Kommando von Lieutenant Commander Dudley "Mush" Morton in den Gewässern von Neuguinea einen japanischen Geleitzug an und versenkte aus ihm den Truppentransporter "Buyo Maru".  Als das Schiff gesunken war, sah man die Wasserfläche bedeckt mit den Köpfen der Schiffbrüchigen, die sich zu retten versuchten.  Bei seiner späteren Meldung behauptete der amerikanische U-Boot-Kommandant, es seien 10 000 japanische Soldaten gewesen, was maßlos übertrieben war.  An Bod des Truppentransporters waren insgesamt nur 2 129 Menschen.  Auf die im Wasser um ihr Leben kämpfenden Schiffbrüchigen befahl der U-Boot-Kommandant das Feuer zu eröffnen.  Er wollte damit, wie der Chronist schreibt, "die Zeit sinnvoll nutzen, die er benötigte, um über Wasser die Batterien des Bootes aufzuladen".

Tapferkeitsmedaille für Kriegsverbrechen
Was der U-Boot-Kommandant nicht sehen konnte: Es handelte sich weniger um Japaner als vielmehr überwiegend um britische Kriegsgefangene, Angehörige des 16. Punjab-Regiments, die sich beim Fall von Singapur den Japanern ergeben hatten und nun abtranspotiert wurden.  Das US-U-Boot hat auf diese Weise 195 der im Wasser treibenden britischen Kriegsgefangenen und 87 Japaner getötet.  Zu seinem Stützpunkt zurückgekehrt, meldete der Kommandant unverblümt sein Verbrechen, das er als Heldentat ansah; dazu gehörte auch die von ihm ausdrücklich genannte Versenkung zahlreicher Rettungsboote.  Er wurde keineswegs bestraft, sondern erhielt insgesamt vier "Navy Crosses" (Tapferkeitsmedaillen).

These vom deutschen "Tätervolk" zurückweisen
Dem Deutschen drängt sich die Frage auf, warum solche Kriegsverbrechen, begangen von Soldaten einer westlichen Siegermacht, völlig unbeachtet bleiben, während auch sechzig Jahre nach Kriegsende in Deutschland selbst mit unsinnigsten Beschuldigungen greise ehemalige Soldaten verfolgt werden, etwa wegen der Erschießung von Geiseln im Partisanenkrieg, einer Maßnahme, die im Zweiten Weltkrieg unter bestimmten Bedingungen durchaus Völkerrechtskonform war.  Durch die permanenten Anprangerungen allein deutscher Kriegsverbrechen entsteht - vor allem im Bewußtsein junger Menschen, die jene Zeit nicht miterlebt haben - der Eindruck, allein die Deutschen hätten sich solcher Taten schuldig gemacht, woraus dann wiederum der Vorwurf abgeleitet wird, die Deutschen seien ein "Tätervolk", das weder Gerechtigkeit noch Mitleid verdient.