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Alliierte Sabotageakte zu Beginn des 2ten Weltkrieges


Zu den kriegerischen Mitteln, mit denen die Gegner Deutschlands im 2ten Weltkrieg die Demoralisierung des deutschen Volkes zu erreichen gesucht haben, gehört u.a. die Sabotage, vor deren Anwendung England allerdings schon in Friedenszeiten nie zurückgeschreckt ist.  Dieser Krieg jedoch, den man auf seiten Englands ohne große eigene Opfer, sondern unter Ausnutzung fremder Völker, durch Hungerblockade und durch eine hemmunglose Propaganda nach dem Muster des ersten Weltkrieges zu gewinnen hoffte, galt der Vorbereitung und Durchführung von Anschlägen aus dem Dunkel.

Nachdem die alliierte Politik zur Teilnahme anderer Staaten, und insbesondere die Hereinziehung der Sowjetunion in den Krieg gegen Deutschland nicht geglückt war, strebten England und die damaligen französischen Machthaber danach, durch Sabotageakte größten Maßstabes die Versorgung Deutschlands mit Lebensmitteln und Rohstoffen, vor allem mit Erdöl aus dem Südosten, zu verhindern. Nachdem Überredung,  Drohung und Erpressung nicht den erwarteten Erfolg gehabt hatten, die Balkanstaaten zur Unterbrechung des Warenaustausches mit Deutschland zu veranlassen, griffen die Demokratien zu dem Mittel der Sabotage.

Die im November 1939 an der holländischen Grenze erfolgte Verhaftung zweier maßgeblicher Agenten des britischen Intelligence Service für Europa und die Aussagen, die beide über die Methoden dieser britischen Spionage- und Sabotageorganisation machten, erbrachten bedeutsame Enthüllungen über die Art, in der England bei der Durchführung seiner Aktionen vorgegangen ist.  Die Erklärungen des einen Agenten, Captain Stevens, brachten beispielsweise auch die Enthüllung zahlreicher Anschläge, die bereits vor dem Kriege, in der Zeit vom November 1937 bis zum November 1938 auf zahlreiche deutsche, italienische und japanische Schiffe verübt worden waren.  Schon damals erregte es den Verdacht der deutschen Untersuchungsbehörden, daß niemals ein englisches Schiff sich unter den durch Sabotageakte betroffenen Objekten befand.  Wie sich dann herausstellte, war der Haupttäter dieser Anschläge der deutsche Auswanderer Pötzsch, Auftraggeber war der Intelligence Service.  Pötzsch wurde übrigens durch Urteil des Kopenhagener Stadtgerichts am 29. Juni 1939 wegen Spionage für England zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.

Die Sabotageakte, die Deutschlands Gegner zu Beginn des 2ten Weltkrieges anstifteten, vorbereiteten und durchführten bzw. durchzuführen beabsichtigten, zeugten nicht nur von einer beispiellosen Nichtachtung vor Völkerrecht und Neutralität, sie waren ein Verbrechen ohne Rücksicht auf Eigentum und Leben neutraler Bevölkerung.

Bereits im Dezember 1939 ereigneten sich im rumänischen Erdölgebiet die ersten Sabotageakte größeren Stils.  Am 8. Dezember 1939 war bereits der fünfte große Brand zu verzeichnen, der diesmal in der Raffinerie Apollon-Petrol in Targoviste angelegt wurde.  Dem Anschlag fielen eine moderne Anlage sowie12 Waggons Paraffin und etwa 3 Waggons Gasöl zum Opfer. 
In der rumänischen Öffentlichkeit, in der man, auf Veranlassung von amtlicher Seite, zunächst große Zurückhaltung über die möglichen und tatsächlichen Ursachen der Brände gewahrt hatte, wurde nunmehr bereits von englischer Sabotageakte gesprochen.  Die Tatsache, daß in den von den Anschlägen betroffenen Gebieten stets kurze Zeit vorher englische "Kaufleute", "Ingenieure" usw. aufgetaucht waren, bestätigte die über die Ursache der Sabotageakte gesammelten Untersuchungsergebnisse.

Abgesehen davon, daß die Frage, wer an den Zerstörungen im rumänischen Erdölgebiet das stärkste Interesse haben konnte, eindeutig auf England wies, wurde von zuständiger britischer Seite selbst unmißverständlich die Urheberschaft an den Sabotageakten zugegeben.  So schrieb Ende Dezember 1939 die "Petroleum Times" in einem Aufsatz, in dem auf eine Debatte im britischen Unterhaus über die Bedeutung des rumänischen Erdöls hingewiesen worden war: "Wir müssen den Handel mit Südosteuropa unter politischen oder strategischen Gesichtspunkten betrachten.  Jedes Kilogramm Weizen und jede Gallone Öl, die uns Rumänien schickt, geht Deutschland verloren und hat aus diesem Grunde strategischen Wert."  Die Betrachtung über die Bedeutung der rumänischen Erdöllieferungen an Deutschland wurde mit der bezeichnenden Feststellung beendet: "Ich glaube, wir haben noch nicht alles getan, was zu tun ist."
Diese Äußerung, die im übrigen der damalige Abgeordnete M.P. Price im Unterhaus tat, wies unverkennbar auf die Forderung nach einer Intensivierung der Sabotage im rumänischen Erdölgebiet hin, um Deutschland die wichtigsten Zufuhren abzuschneiden.
Die britischen Anschläge scheiterten in der folgenden Zeit zunächst an Maßnahmen, die von rumänischer Seite zur Verhinderung weiterer Sabotageakte durchgeführt worden waren. 
Am Ostersonnabend 1940 begann jedoch bereits eine neue Serie von Anschlägen mit zahlreichen Explosionen und Bränden, von denen besonders die Sonde Nr.4 der Petroleum-Gesellschaft Creditul Minier in Harsta bei Ploesti, die Sonde der Steaua Romana und die Sonde II in Morei bei Ploesti schwer betroffen wurden.  Die Untersuchungsergebnisse ergaben, daß es sich um Sabotageakte handelte.

Doch nicht nur auf Rumänien erstreckten sich die Anschläge der Westmächte, um Deutschland wichtige Zufuhren abzuschneiden. 
Bereits am 13. Dezember 1939 ereigneten sich in Jugoslawien Sabotageakte großen Ausmaßes.  So brannten unter anderem in Djakowo (Syrmien) und in Torscha (Batschka) zwei große Hanffabriken mit den gesamten Vorräten nieder.  Von jugoslawischer Seite wurde in Verbindung mit diesen Anschlägen darauf hingewiesen, daß der Direktor des Londoner Internationalen Pfadfinderbüros, John Wilson, der als Hauptagent des britischen Geheimdienstes in Jugoslawien galt, kurz vorher sowohl in Syrmien als auch in der Woiwodina weilte.

Von sensationellem Charakter waren die Enthüllungen, die am 9. April 1940 über einen groß angelegten, ungeheuerlichen Sabotageversuch des mit Unterstützung englischen Militärs arbeitenden Intelligence Service der Welt bekanntgegeben wurden.  Ziel dieses Sabotageversuches war die Sperrung der Donau für den Wirtschaftsverkehr nach Deutschland.  Über diesen Versuch wurden unter anderem folgende Einzelheiten bekanntgegeben:
Am 5. April 1940 wurde bekannt, daß unter Begleitung englischer Schnellboote die Schlepper "Britannia", "Elisabeth", "Danubia", "Shell I", "King George", "Scottland", "Lord Byron", ferner ein von England gechartertes griechisches Schiff "Dyonisia" mit vier Schleppkähnen und "Albion" mit 5 Kähnen sich auf einer Fahrt donauaufwärts befanden.  Über Aufgabe, Ladung und Besatzung war durch Indiskretion englischer Besatzungsmitglieder unter anderem folgendes bekanntgeworden:
An Bord der englischen Schiffe befanden sich in großen Mengen Waffen, Signalgeräte, Wasserbomben, Minen, ferner leere Kartuschen und mehrere tausend Kisten Dynamit, ferner über 100 als Matrosen getarnte, mit Sonderpässen versehene englische Spezialsoldaten, 5 englische Offiziere, technisches Personal englischer Sprengabteilungen und Pioniere.  Die Ladung war als Transitgut deklariert, und der Leiter des Unternehmens wurde als ein als englischer "Vizekonsul" getarnter Chef des Intelligence Service in Rumänien entlarvt.
Das Unternehmen, das in allen Einzelheiten militärisch aufgezogen war, hatte die Aufgabe, die Donau für den Wirtschaftsverkehr nach Deutschland an einzelnen Stellen unbrauchbar zu machen, um auf diese Weise den Handel zwischen den Südoststaaten und Deutschland zu stören.  Unter Mißbrauch diplomatischer Rechte und unter Fälschung der geltenden Regeln des zwischenstaatlichen Wirtschaftsverkehrs und Bruch der Neutralität der Südoststaaten versuchte England einen schamlosen, jedem Völkerrecht hohnsprechenden Akt der Sabotage und Vergewaltigung neutraler Staaten.
Rumänische Überwachungsorgane sahen sich auf Grund der bekanntgewordenen Einzelheiten veranlaßt, die verdächtigen Schiffe in dem Donauhafen Giurgiu festzuhalten und zu untersuchen.  Die Untersuchung bestätigte vollauf den gehegten Verdacht.  Allein auf einem Schiff wurden in über 400 plombierten und als Transitgut deklarierten Kisten große Mengen hochempfindlichen Sprengstoffes entdeckt...
Wie die Untersuchungsergebnisse weiter ergaben, sollten mehrere Uferstellen der Donau und die Katarakte in die Luft gesprengt und die Lastkähne in der Fahrtrinne versenkt werden.  Ferner sollten einige Teile der Donau mit Minen verseucht und die Fahrtrinne durch Werfen von Wasserbomben verschüttet werden.
Der ungeheuerliche Anschlag wurde nur durch den Zugriff der rumänischen Sicherheitsbehörden verhindert.

Bereits einen Monat später erfuhr die Weltöffentlichkeit von einer neuerlichen Enthüllung britischer Sabotageabsichten, diesmal im Norden Europas. 
Anfang Mai 1940 kam die Stockholmer Polizei einem riesigen Geheimlager von Brandbomben und Sprengstoffen auf die Spur, das in einem von dem englischen Staatsangehörigen Alfred Frederic Rickmann gemieteten Keller entdeckt wurde.  In der Wohnung des britischen Agenten wurden allein 6 große Koffer mit außerordentlich starkem und gefährlichem Sprengstoff gefunden.  Insgesamt wurden sichergestellt: 190 kg Sprengstoff, 300 Zeitzünder, 324 Brandbomben,
20 Zündhütchen, 8 geladene Minen, 8 Minenzünder, 100 m Zündschnur, von denen 60 m bereits mit Zündhütchen versehen waren,
11 elektrische Sprengstoffauslöser, 4 Zünduhren und weiteres mechanisches Sprengmaterial.  Die Verhaftung des Engländers erfolgte gemeinsam mit seiner schwedischen Sekretärin wegen Verdachts der Vorbereitung von Sprengstoffsabotage.

Neben diesen Sabotageakten und -versuchen, die dem Ziel dienen sollten, die Ausfuhr wichtiger Rohstoffe nach Deutschland zu unterbinden beziehungsweise zu beeinträchtigen, bereitete England Sabotageakte und Anschläge vor, mit denen Deutschland belastet und in den betroffenen Ländern diffamiert werden sollte.

Die Reichsregierung teilte am 3. Juni 1940 den Regierungen von USA., Mexiko und Panama mit, daß sie aus zuverlässiger Quelle die Meldung erhalten hatte, daß der britische Geheimdienst eine große Anzahl von Agenten nach Mittelamerika, vornehmlich Mexiko und Panama, entsandte, um Zwischenfälle vorzubereiten, die nach den Wünschen ihrer Urheber in den Vereinigten Staaten eine feindselige Haltung gegen Deutschland hervorrufen sollten.  Nach den der Reichsregierung zugegangenen Informationen handelte es sich dabei um zwei Pläne:
1. Versuch der Kompromittierung Deutschlands durch erfundene Enthüllungen angeblich deutscher Komplotte in Mexiko,
2. Sabotageakte des englischen Intelligence Service gegen den Panamakanal, die Deutschland zugeschoben werden sollten.
Das Auswärtige Amt gab den genannten Regierungen von diesen Informationen Kenntnis mit dem Anheimstellen, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um diesen Aktionen des englischen Geheimdienstes vorzubeugen.

Die ungeheuerlichsten Enthüllungen über Sabotagepläne und - vorbereitungen der Alliierten zu Beginn des 2ten Weltkrieges erbrachten jedoch die Geheimdokumente, die den deutschen Truppen aus dem zertrümmerten Eisenbahnwagen in der Stadt Charité in Frankreich in die Hände fielen.  Es handelte sich um Geheimakten des französischen Generalstabes, die schnelle deutsche Truppen in den Trümmern des Eisenbahnwagens fanden.  Die Echtheit dieser Geheimakten wurde von ausländischen und neutralen Zeugen bestätigt und ließ daher auch keine Ableugnung und keine Entstellung zu.
Von besonderer Wichtigkeit sind hier einzelne Dokumente, die in unwiderlegbarer Weise die Vorbereitungen enthüllten, einerseits unter unerhörtem Bruch des Völkerrechts und der Neutralität der Sowjetunion die russischen Erdölgebiete und -anlagen im Kaukasus zu zerstören, und andererseits Anschläge auf die rumänischen Erdölquellen zu verüben.  Einige dieser Dokumente sollen nachstehend im Wortlaut oder auszugsweise wiedergegeben werden:

Telegramm des Generals Weygand an General Gamelin vom 7. März 1940:
Oberkommando des Operationsgebietes Ost-Mittelmeer
der General
No. 295 3/S.
7. März 1940.
Streng vertraulich!
Abschrift

General Weygand an den Oberkommandierenden der Landstreitkräfte und Generalstabschef der Landesverteidigung.

Der Luftmarschall Mitchell, Kommandant der Luftwaffe des mittleren Ostens, der heute in Begleitung des Generals Jauneaud auf der Reise nach Ankara nach Beirut kam, hat mir mitgeteilt, daß er von London Anweisungen betreffend die Vorbereitungen für die etwaige Bombardierung von Baku und Batum erhalten habe.  Er hat mir seine Absicht eröffnet, den Marschall Cakmalk um die Erlaubnis zu bitten, Flugplätze erkunden zu lassen, die in den Räumen von Diabekir, Erzerum, Kars und des Yan-Sees als Zwischenlandeplätze für Flugzeuge dienen könnten, die ihre Hauptbasis in Djezireh hätten.  Der Luftmarschall Mitchell hat mich um die Erlaubnis gebeten, unsere Flugplätze in Djezireh auszukundschaften, da die politische Lage des Irak, dessen Unabhängigkeit anerkannt ist; nicht gestattet, die Flugplätze dieses Hoheitsgebietes ohne die Gefahr von Komplikationen zu nützen.  Ich beehre mich, Ihnen zu berichten, daß ich dem Wunsch des Luftmarschalls nachgekommen bin.  Die Besichtigung wird demnächst von britischen und französischen Offizieren, die beiderseits in Zivil auftreten werden, durchgeführt werden,  Es wird dabei der Eindruck erweckt werden, daß es sich um Arbeiten betreffend die Ausbeutung der erdölhaltigen Schichten dieses Raumes handele.


Ein weiteres bezeichnendes Dokument ist eine handschriftliche Aufzeichnung des damaligen französischen Ministerpräsidenten Daladier vom 19. Januar 1940, die folgendermaßen lautet:
General Gamelin und Admiral Darlan sind zu bitten, eine Denkschrift über eine eventuelle Intervention zur Zerstörung der russischen Ölfelder auszuarbeiten.
Fall1: Abschneidung der für Deutschland bestimmten Erdöltransporte im Schwarzen Meer.  Es handelt sich vor allem um deutsche Schiffe.  In diesem Falle wird Rußland nicht in den Krieg hineingezogen.
Fall2: Direkte Intervention im Kaukasus.
Fall3: Ohne direktes Vorgehen gegen Rußland Maßnahmen treffen, um Selbständigkeitsbetrebungen der mohammedanischen Bevölkerungsgruppen im Kaukasus zu fördern.


Im April 1940 waren die Sabotagepläne bereits konkretisiert.  Besonders bedeutsam ist hierfür eine Niederschrift über eine Abrede zwischen den französischen und englischen Generalstäben der Luftwaffe vom 5. April 1940, die folgendermaßen lautet:
Sehr geheim!
Luftangriff auf die Erdölfelder des Kaukasus -
Verständigung erzielt im Großen Hauptquartier
der Luftwaffe
5. April 1940.

Der französisch-britische Luftangriff auf das Kaukasuspetroleum richtet sich ausschließlich gegen die Raffinerien und Hafenanlagen von Batum, Poti, Crony, Baku - Es kann damit gerechnet werden, daß innerhalb der ersten 6 Tage 30 bis 35 von Hundert der Kaukasusraffinerien und der Hafenanlagen zerstört sein werden. - Das verwendete Flugzeugmaterial umfaßt 90 bis 100 Flugzeuge, die aus 6 französischen Fliegergruppen und 3 britischen Geschwadern zusammengestellt werden.  Die französischen Gruppen werden so ausgestattet, daß sie Baku an den vorgesehenen Daten angreifen können.  Sie setzen sich aus 2 Gruppen Farman 221 und 4 Gruppen Gleen Martin, die mit Einsatztanks ausgerüstet sind, zusammen.  Sie können bei jedem Feindflug insgesamt 70 t Bomben auf etwa 100 erkundete Raffinerien abwerfen.
Feindliche Gegenwirkung und die vermutliche Anwesenheit deutscher Jagdflieger werden die Wirksamkeit dieser Operation in erheblichem Maß vermindern.


In einem Bericht des Generals Weygand an den Oberkommandierenden der Französischen Luftwaffe vom 17. April 1940 wurde dann bereits der Stichtag für die Aktion gegen die russischen Erdölfelder im Kaukasus, und zwar für Anfang Juli 1940, festgestellt.  In diesem Dokument werden zahlreiche Einzelheiten über die bereits getroffenen Vorbereitungen angeführt und betont, daß sich die Frist, innerhalb der die geplanten Aktionen durchgeführt werden könnten, schon abschätzen ließe.  Am Ende des aufschlußreichen Berichtes heißt es unter anderem, daß die Ausführung der Aktion Ende Juni/Anfang Juli stattfinden solle, und daß sie nur wenige Tage andauern und in der massierten Bombardierung derjenigen Punkte bestehen müsse, deren Zerstörung durch Spreng- und Brandbomben als besonders wirksam anzusehen sei.

Über die geplanten und vorbereiteten Sabotageaktionen im rumänischen Erdölgebiet ist folgendes Dokument besonders aufschlußreich.  Es handelt sich um einen Bericht des Sonderbeauftragten der ehemaligen französischen Regierung, Leon Wenger, vom 1. Oktober 1939, in dem es unter anderem heißt:
Bericht
über die Zerstörung der rümänischen Erdölindustrie
vom 1. Oktober 1939.


I. Allgemeine Erwägungen.

Gegenstand des Sonderauftrages, mit dem Herr Wenger vom Minister für öffentliche Arbeiten unter der Oberleitung des Herrn Französischen Botschafters betraut worden ist, ist die Aufstellung eines Programms für die eventuelle Zerstörung der Bohrplätze, Raffinerien, Vorräte und Transporte sowie gegebenenfalls die Organisation der Mittel und Wege zur Ausführung dieses Auftrages.  Dieses Unternehmen hat ebenso wie das von den Alliierten im Jahre 1916 geforderte den Zweck, Deutschland um den größeren Teil der Ölbestände zu bringen, die es aus Rumänien beziehen könnte, und zwar auf möglichst lange Zeit.
Es ist zu beachten, daß die jährliche Produktion Rumäniens 6 Millionen t beträgt, das heißt ungefähr das Dreifache des Jahres 1916.  Der heimische Verbrauch beträgt ungefähr ein Viertel der Produktion, also ungefähr 1,5 Millionen t.  Es wäre also eine Ausfuhr von 4,5 Millionen t möglich, wenn die Transportmittel vorhanden wären.
Aber es muß noch mehr zerstört werden, denn der rumänische Verbrauch könnte unter der deutschen Herrschaft um die Hälfte verringert werden, und der Zerstörungsplan muß, soweit möglich, vollständig sein....


Nach weiteren Ausführungen über das zur Durchführung der Sabotageaktion benötigte Personal und Material wird in dem Bericht eingehend auf die Grundsätze und Methoden eingegangen, nach denen vorgegangen werden sollte.  Es heißt darin unter anderem:
.....Es sind Vorarbeiten geleistet worden mit dem Ziel, daß die systematische Zerstörung überall die gleichen Stücke trifft, damit vermieden wird, daß man durch Zusammensetzung der Teile verschiedener halbzerstörter Anlagen eine vollständige Anlage herstellen kann.  Auf Grund dieser Erwägungen haben wir daher ein doppeltes Programm aufgestellt:

1. Programm für schnelle Zerstörung,
das sich in 24 Stunden durchführen läßt (bei täglich 10 Stunden Arbeitszeit), und zwar mit den an Ort und Stelle verfügbaren Mitteln: es erstreckt sich nur auf die wichtigsten Bohrplätze (80 vom Hundert der Produktion), auf sämtliche Raffinerien, auf die Pumpstationen und die Vorsätze.  Zu dem Programm gehört auch die eventuelle Zerstörung gewisser Lagerstätten, aber es bietet Aussicht darauf, daß die Erdölindustrie mindestens 6 Monate lang in einem Umfang bis zu 75 vom Hundert der gegenwärtigen Produktion unbenutzbar sein wird.

2. Ein systematisches Programm
bedarf zu seiner Durchführung einer Frist von zehn Tagen bis zu einem Monat; man kann damit 90 vom Hundert der Produktion treffen, die wichtigsten Lagerstätten schonen und eine bessere Zerstörung der Transportmittel bewirken.  Zu diesem Programm gehört auch die Verwendung von Sprengstoffen. 
Zu seiner Vorbereitung sind bereits einige Maßnahmen getroffen worden, um ein Netz von Schlammflüssen anzulegen, durch die die Bohrlöcher 'getötet' werden können, bevor man sie zerstört.

Zu beiden Methoden gehört vor allem anderen die Zerstörung des Materials.  Ein Brand ist nur die Ergänzung und Vollendung des Zerstörungswerkes.


Mit diesen sensationellen Enthüllungen aus den Geheimdokumenten des französischen Generalstabes wurden der ganzen Weltöffentlichkeit erschütternde und unwiderlegbare Einzelheiten über die Sabotagemethoden der Alliierten vor Augen geführt.  In diesen Zusammenhang gehört noch ein Dokument, das die an anderer Stelle bereits wiedergegebenen britischen Sabotageversuche mit dem Ziele der Sperrung der Donau ergänzend enthüllt.
Es handelt sich um ein Telegramm des französischen Botschafters in Bukarest an das französische Außenministerium vom 28. September 1939, in dem es unter anderem heißt:
Nr. 1114.
Bukarest, den 28. September 1939.
9.40 Uhr
Eingegangen am 29. um 0.30 Uhr

Sehr geheim!
Meiner Ansicht nach hätten wir ein entschiedenes Interesse daran, ohne Verzug eine Sperrung der Donau zu bewirken, so daß der Binnenwasserverkehr zwischen Rumänien und Deutschland vollständig unterbrochen würde.
Es hat den Anschein, daß nach einer Periode des Verkehrsrückganges, die mit den durch den Krieg hervorgerufenen Veränderungen zusammenhängt, der Verkehr drauf und dran ist, sich stärker zu entwickeln, als das bisher jemals der Fall war....
.... Es ist nicht zu leugnen, daß die Unterbrechung des Verkehrs auf der Donau für uns einen Vorteil bedeutet, der einer Zerstörung der Ölquellen mindestens gleichkommt, denn er würde gleichzeitig den Transport des Erdöls und des Getreides paralysieren....  Die Operation ließe sich auf ziemlich einfachem Wege durchführen, und ich bin in der Lage, alle Handlungen, die zu ihrer Durchführung dienen, zu veranlassen.....


Die Verwirklichung dieser Vorschläge des Bukarester Botschafters sollte dann tatsächlich mit Hilfe der groß angelegten Sabotageaktion unter Verwendung zahlreicher Schlepper und Kähne auf der Donau erfolgen, auf deren Enthüllung vorstehend bereits eingehend eingegangen wurde.

Die Auffindung und Veröffentlichung der Dokumente über die Sabotagemaßnahmen und -pläne veranlaßten das rumänische Innenministerium im Juli 1940 genaue Untersuchungen anzustellen und nach dem Sitz der englisch-französischen Sabotagezentrale in Bukarest zu fahnden.  Wie das rumänische Innenministerium am 27. Juli 1940 zu der Ausweisung einer Reihe führender Ingenieure und Direktoren zweier französischer Petroleumgesellschaften wegen Sabotage amtlich verlautbarte, war es ihm gelungen, 12 von den in den veröffentlichten Dokumenten angegebenen Personen zu identifizieren und festzustellen, daß sie zu der Sabotageabteilung gehörten, die auf dem Gebiet des rumänischen Staates organisiert war.
In dem Bukarester Sitz der französischen Petroleumgesellschaft Colombia wurde eine Haussuchung vorgenommen, bei der in den Kellerräumen der Generaldirektion unter anderem zwei Lastwagenladungen Zündschnüre gefunden wurden.  Die rumänische Regierung traf alle Maßnahmen, um jeden weiteren Sabotageversuch von vornherein zu verhindern.

Dies waren u.a. alliierte Methoden der 'humanen' Kriegsführung:
Sabotageaktionen unter Bruch des Völkerrechts und der Neutralität, Vorbereitung unter Leitung diplomatischer Vertreter und unter Verwendung eines riesigen Apparates von Agenten und die Durchführung ohne Rücksicht auf das Leben und Eigentum der betroffenen neutralen Bevölkerung, für deren Freiheit u.a. die Alliierten vorgaben zu kämpfen.


die WFG-Schriftleitung