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Der Weg in den
amerikanisch-japanischen Pazifikkrieg |
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Es war niemand anders als die
USA., die das einst von der Welt
völlig abgeschlossene Japan in das Getriebe der
Großmächte hineinzogen.
Im Jahre 1853 erschien ein amerikanisches Geschwader unter Commodore Perry vor Tokio und gab einen Ehrensalut ab. Es war die Umschreibung dafür, daß damals die Öffnung der japanischen Häfen erzwungen wurde, widrigenfalls nämlich die amerikanischen Schiffsgeschütze die weitere Überredung übernommen hätte. Am 31. März 1854 kam der erste Vertrag Japans mit einer ausländischen Macht zustande. Vier Jahre später folgte ein Handelsvertrag. Mit dem 1. Januar 1859 öffnete Japan dann drei seiner Häfen für den Handel mit Amerika und Europa. Nie hatte das von unsichtbaren
Mauern umschlossene Japan, das
zweieinhalb Jahrtausende keinen Feind auf seinem Boden erlebt hatte,
dergleichen auf sich nehmen müssen. Nie freilich hat sich
andrerseits ein Staat, der zu einem solchen Druckmittel griff wie
damals die USA., träumen lassen, daß er Folgen von solcher
Tragweite werde in Kauf nehmen müssen. Japan, das
gewissermaßen von einem Tag auf den andern in den Kreis der
handeltreibenden Nationen hineingezerrt worden war, sah erst jetzt
richtig die Fortschritte der Umwelt, erkannte die ungeheure Gefahr
für sich und seine Rückständigkeit - noch General Nogi,
der Eroberer von Port Arthur, hatte seine Offiziersprüfung mit
Pfeil und Bogen abgelegt, wie er selbst erzählte - und handelte
danach.
Die Amerikaner "hatten sich in den Pazifik gestürzt". Die Japaner gingen in Anbetracht des zivilisatorischen und technischen Zustandes ihres damaligen Staatswesens etwa wie ein Mann vor, der sich plötzlich von der Postkutsche auf das Langstreckenflugzeug umstellen würde. Die "Schwarzen Schiffe" des Commodore Perry haben die Japaner den Amerikanerin nie vergessen - nicht, als ob ein Racheschwur daraus entstanden wäre, das verboten Vernunft und Entfernung; aber sie blieben mahnende Erinnerungen. Die USA sorgte weiter dafür, daß jene Erinnerung immer wieder wachgerufen wurde. Wir führen nun einige
Daten hier auf, die wie eine Treppe zur
Höhe der Spannung zwischen den USA und Japan führten, und die
sich dann
am 7. Dezember 1941 entluden: 1.
In den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts erwarben die Vereinigten
Staaten Alaska von Rußland für einen Pappenstiel. Ein
Blick auf die Karte und erst recht auf den Globus zeigt, wie sie sich
so von Nordosten her dem japanischen Lebensraum näherten.
2.
1898 wurde die Inselgruppe von Hawai, genauer gesagt das vereinigte
hawaische Königreich, nach dem Sturz der einheimischen Monarchie
durch die USA. annektiert, obwohl diese selbst das Königreich noch
1842 offiziell anerkannt hatten. Einige Monate nach der
Hawai-Inselgruppe wurden im Kriege gegen Spanien die Philippinen
besetzt, unmittelbar südlich des japanischen Lebensraumes.
Gleichzeitig verlor Spanien die Insel Guam im südwestlichen
Pazifik.
1899 wurde der östliche Teil der Samoa-Gruppe mit Tutuila amerikanisch. 3. Einen Sturm der Erbitterung gab es in Japan im Anschluß an den Frieden zu Portsmouth vom 5. September 1905. Japan erhielt zwar die Hälfte von Sachalin und die Schutzherrschaft über Korea. Aber die Einmischung Theodore Roosevelts hatte zur Folge, daß Japan vor allem der sicher erwarteten Kriegsentschädigung verlustig ging, die das ausgesogene Inselreich so nötig hatte wie den täglichen Reis. Seitdem wollte das Mißtrauen Japans gegenüber den Vereinigten Staaten nicht mehr zur Ruhe kommen. 4.
Derselbe Roosevelt war es auch, der 1907/08 die amerikanische Flotte
zum erstenmal in den Pazifik schickte. Die Fahrt mußte
damals noch um Kap Horn herum gemacht werden.
5. 1915 stellte Japan zum erstenmal in seinen bekannten 21 Forderungen an China den naheliegenden Anspruch auf, daß es "besondere Rechte hinsichtlich der politischen Gestaltung Ostasiens" habe (man vergleiche dazu den Berliner Dreimächtepakt von 1940). Man beachte, daß der geographisch und politisch begründete Anspruch Japans, bei der ordnenden Regelung des Festlandes als Vormacht aufzutreten, nicht erst seit 1940 gestellt wurde, sondern mindestens 25 Jahre alt und schon allein dadurch begründet war, daß China noch nicht einmal im eigenen Raume Herr war und überdies weder die Machtmittel noch die Fähigkeit hatte, so etwas wie eine zwischenstaatliche Ordnung im asiatisch-pazifischen Raume herbeizuführen. Der japanische Anspruch wurde 1917 von den USA. ausdrücklich anerkannt, später aber wieder bestritten. Im Zusammenhang mit den Auswirkungen des 1. Weltkrieges in Ostasien gab es dann noch bei der sibirischen Expedition der Entente neuen Konfliktstoff. Wilson schickte damals 8000 Mann, um die an der Expedition teilnehmenden Japaner zu kontrollieren. Diese, die Veranlassung hatten, sich für das Vorfeld ihrer zukünftigen Festlandsbasis zu interessieren, hatten 74 000 Mann nach Sibirien in Marsch gesetzt. Wilson beantwortete das mit der Drohung, die riesigen Aufträge für Baumwoll- und Stahllieferungen, die Japan in den USA. untergebracht hatte, sperren zu lassen. Japan räumte dann Wladiwostok nebst Hinterland und gab schließlich während der Konferenz in Washington auch die von ihm eroberte Nordhälfte von Sachalin auf, die zahlreiche ergiebige Ölvorkommen hat, während die japanische Südhälfte viel weniger davon aufwies. 6.
Auf der Flottenkonferenz in Washington 1921/22 führten die
angelsächsischen Mächte einen besonderen Streich gegen das
Reich der aufgehenden Sonne, und war auf amerikanische
Initiative. Sie legten das Flottenverhältnis 5:5:3
gegenüber Japan fest, das diese wie eine Degradierung wirkende
Beschränkung seiner Seemacht damals ebenso hinnehmen mußte
wie das Verbot der Errichtung neuer Flottenstützpunkte und des
Ausbaues bestehender, während die USA. selbst ihre Besitzung Hawai
und England Singapore ausdrücklich davon ausnahmen. Alle
interessierten Parteien: Amerika, England, Frankreich und Japan, wurden
zudem auf die Aufrechterhaltung des Status quo im Pazifik verpflichtet
- eine Bestimmung, an die sich Amerika später am allerwenigsten
hielt, als es seine Kampfpositionen immer weiter über den Ozean
nach Japan hin vorschob.
7. Wie eine Diffamierung Japans wirkte auf dieses die Behandlung der Auswandererfrage durch die USA. Nachdem schon 1917 Kalifornien mit Beschränkungen zuungunsten Japans vorangegangen war, brachte die Immigration Restriction Act der USA. vom Juli 1924 bestimmte Quoten für die Einwanderung, wobei jedoch Japaner unter der kränkenden Bezeichnung als "unerwünschte Orientalen" ausgeschlossen wurden. 8.
1925 erschien die amerikanischen Flotte zum zweitenmal im Pazifik,
diesmal durch den seit 1914 bestehenden Panamakanal. Seitdem
griffen Amerikas Flottenmanöver immer weiter nach Westen.
Hatten sie sich noch 1924 vor dem Panamakanal abgespielt, so 1925 schon
um Hawai. 1935 brauchten sie bereits das riesige Dreieck Aleuten
- Hawai- Midway als Operationsgebiet. In Japan bezeichnete man
diese Manöver nicht mit Unrecht als "Generalprobe für die
Überquerung des Ozeans". 1937 führten die
amerikanischen Manöver bei einer Beteiligung von 175 Schiffen, 500
Flugzeugen und 60 000 Mann bis auf 600 Seemeilen (nur ein reichlicher
Tagesmarsch für die Flotte oder etwa 3 bis 4 Stunden für
Luftstreitkräfte zur damaligen Zeit) an die japanische Küste
heran!
9. Amerika selbst hatte z.B. schon 1902 die sogenannte Politik der "offenen Tür" in China durchgesetzt, die sich aber vor allem gegen den wachsenden japanischen Einfluß in Ostasien richtete. Die Fortsetzung dieser Politik brachte nach dem 1.Weltkrieg den Neunmächtepakt, der unter der Formel "Status quo im Pazifik" der Ausbreitung Japans in Fernost endgültig einen Riegel vorschieben sollte. 10. Auf der Londoner Flottenkonferenz, auf der die USA. durch Marineminister Snawson vertreten waren, verweigerten sie Japan erneut die Gleichberechtigung. 11.
Im japanisch-chinesischen Konflikt sahen die Vereinigten Staaten die
nächste Einwirkungsmöglichkeit gegen Japan. Der
aufsteigende Export Japans war von wichtigen Weltmärkten
abgeschlossen worden; so kam es zu dem Mandschurei-Unternehmen
1932. Der damalige amerikanische Staatssekretär Stimson,
noch 1941 Kriegsminister, bemühte sich, die anderen Teilhaber des
Neunmächtepaktes gegen Japan auf den Plan zu bringen, obwohl der
Pakt, wie Japan betonte, durch die Tatsachen überholt und dadurch
gegenstandslos geworden war. England versagte sich jedoch damals
schon. Darauf erhoben die USA. in umschriebener Form den Anspruch
auf eine Vormachtstellung im Stillen Ozean einschließlich
Ostasiens, indem sie sich weigerten, irgendwelche neuen Macht- oder
Besitzregelungen dort anzuerkennen.
12. Am 4. November 1932 lehnt es Washington ausdrücklich ab, mit Japan über einen Nichtangriffspakt auch nur zu verhandeln (!). 13. Am 28. Juli 1934 kündigt Amerika die Errichtung einer Flottenbasis in Alaska an. Sie stellte eine Bedrohung Japans aus dem Nordosten dar und bildete zugleich den Rückhalt für die Befestigungen auf den noch näher an Japan heranliegenden Aleuten. 14.
Das Jahr 1938 bringt dann die ersten beiden Aktionen offener
alliierter Zusammenarbeit gegenüber Japan. Im Frühjahr
erschien eine Sonderkommission der amerikanischen Admiralität in
London und erörterte dort gemeinsame Operationen der beiden
Flotten in einem etwaigen Kriege gegen Japan; dazu sollte u.a.
eine gemeinsame Blockade auf der Linie San Diego-Samoa-Singapore
gehören. Amtlich wurden dergleichen Tendenzen
bestritten. Im gleichen Jahre kam es zu dem
amerikanisch-englischen Kondominium auf den Inseln Canton und Enderbury
(Phönixgruppe), auf denen die beiden alliierten Mächte bis
dahin abwechselnd Besitzerklärungen angebracht hatten, gefolgt von
einem höflichen diplomatischen Schaugefecht, das von keiner Seite
ernst genommen wurde. Der Zweck der Vereinbarung war nach Lage
der Inseln ohne weiteres klar.
15.
Der amerikanische Journalist Don Wharton schrieb 1938: "Die Bedeutung Pearl Harbours
(stärkste Festung der USA. auf Hawai) kann nur in einem Kriege gegen
Japan liegen. Dieser Krieg wird kommen, nicht weil Japan
nicht gern sieht, was wir auf unserer Seite des Pazifiks tun, sondern
weil wir nicht gern sehen, was Japan auf seiner Seite des Pazifik
tut. Wenn wir also gegen Japan kämpfen, wird unsere Flotte
von Pearl Harbour aus arbeiten müssen, wird sie weiter westlich
Stützpunkte errichten und von diesen aus die notwendigen
Operationen durchzuführen haben." Wharton, der sich
diese knappe Formulierung eines Kriegsplanes kaum aus den Fingern
gesogen haben dürfte, wurde nicht zur Ordnung gerufen, geschweige
denn dementiert.
In dieselbe Zeit fällt die energische Tätigkeit des Admirals William D. Leahy, damals Chef der Operationsabteilung der amerikanischen Flotte (ab 1941 Botschafter bei der Regierung Pétain), für die Verstärkung der Flotte in ganz großem Stil. Er konnte sich dabei auf die Vinson-Bill stützen, die dann später, im Frühjahr 1940, schließlich in das Riesenbudget von fast 1 1/2 Milliarden für die Flotte mündete. Admiral Leahy war sich damals trotz seiner Eigenschaft als Fachmann nicht zu schade dafür, mit so zweifelhaften Argumenten wie der "Bedrohung" Amerikas von beiden Seiten, vom Pazifik und vom Atlantik aus, also ganz im Sinne Roosevelts, zu arbeiten. Er erreichte es, daß sich in politischen und unpolitischen Kreisen der USA. der Popanz der Bedrohung - man kann es beim besten Willen nicht anders nennen - zu einem wahren Schreckgespenst auswuchs, das die Regierung bei den Rüstungs- und vor allem den Flottendebatten immer wieder an der parlamentarischen Front einzusetzen verstand. So war es schließlich nicht mehr schwer, den gesetzgebenden und gelderbewilligenden Körperschaften sogar die angebliche Notwendigkeit des Baues von 45 000-t-Schlachtschiffen, eine Neuauflage der Überdreadnought-Epidemie, plausibel zu machen. Leahy vergaß über den Großkampfschiffen auch nicht die schnellen und schnellsten Seestreitkräfte. Er war es, der 1937/38 ständig die "Moskito-Flotte" propagierte, Schnellboote mit zwei Torpedorohren als Abwehrwaffen gegen die starken Kreuzer- und Zerstörerkräfte Japans. 16.
Japan hatte in dem Bestreben, eine vernünftige Regelung der
Interessenteilung und damit ein dauernd befriedigendes Verhältnis
zwischen den beiden Mächten herzustellen, eine Reihe Vorleistungen
für den Frieden geliefert. Es hatte u.a. in demonstrativer
Form sein Vertrauen in eine (angenommene) amerikanische Freundschaft
bekundet, indem es im Laufe der Jahre zahlreiche "Good will missions"
nach den Staaten sandte, eine Gepflogenheit, die es auch dann noch
fortsetzte, als es angesichts des immer weiteren Vordringens der USA.
im Pazifik längst keinen Zweifel mehr an dem Ziel ihrer westlichen
Außenpolitik mehr geben konnte. Ebenso demonstrativ
überließ es den östlichen Ozean den USA. und hielt sich
streng an den Westen und nahen Süden. Noch im Herbst 1939
wurde Amerikas Botschafter bei der Rückkehr nach Tokio mit
großen Kundgebungen betont freundschaftlichen Charakters
empfangen. Aber wie Amerika schon 1937 auf der Brüsseler
Konferenz auf die alte Forderung Stimsons zurückgekommen war,
obwohl England auch diesmal eine Teilnahme an einer antijapanischen
Aktion noch ablehnte und dem Inselreich immer noch die
Gleichberechtigung verweigerte, so unterstützte Amerika England
und Frankreich in dem Streit um das chinesische Silber in der
englischen Niederlassung Tientsin und um die chinesische Währung;
Amerika machte sich so die westmächtliche Verweigerung der
Herausgabe des Silbers gegenüber der japanischen Forderung zu
eigen.
17.
Die amerikanischen Aktionen gegen Japan häuften sich jetzt.
Am 23. Januar 1939 ermächtigte die amerikanische Regierung die Marineleitung zum Ausbau weiterer Flotten- und Flugstützpunkte, wie Jacksonville und Pensacoia in Florida und vieler anderer. An der westlichen Küste Mittelamerikas befassten sich ähnliche Wünsche Amerikas mit den Kokos- und den Galapagos-Inseln, die sich in fremdem Besitz, nämlich Kostarikas und Ekuadors, befanden. Am 27. Juli 1939 kündigten die USA. plötzlich den Handelsvertrag, dessen Wirkung am 27. Januar 1940 erlosch. Die Marinestreitkräfte auf Hawai sowie die dort in Garnison liegende Division in Höhe von 26 000 Mann wurden weiter verstärkt. Diese stärkste Pazifik-Festung erhielt ferner ein Schwimmdock für Großkampfschiffe. Bei den Philippinen wurde die Insel Corregidor (vor dem Hafen von Manila) zu einem der mächtigsten Stützpunkte im Ozean ausgebaut. Amerikas Ostasienflotte erhielt einen Kreuzer und einen Flugzeugträger zugeteilt. Darüber hinaus veröffentlichte Admiral Hepburn, als wäre der offensive Charakter der amerikanischen Expansion im Pazifik noch nicht genug bekannt gewesen, seinen aufsehenerregenden Plan über die weitere Vorschiebung der "Verteidigungslinie" (!) nach Westen, also gegen Japan hin. Das umfangreichste Flottenbauprogramm von fast 1 1/2 Milliarden Dollar erschien in der Geschichte der amerikanischen Marine. Überdreadnoughts waren dabei vorgesehen unter dem Vorgeben, Japan baue Schlachtschiffe von 43 000 t, obwohl niemand Positives über japanische Neubauten wußte. Im April erschien der Chef der amerikanischen Ostasienflotte, Admiral Yarnell, in Hongkong und verhandelte mit den Engländern über die Verteilung der Aufgaben zwischen den alliierten Flotten im Falle eines Krieges. 18.
Amerikas Botschafter machte unmittelbar nach dem freundlichen
Empfang bei seiner Rückkehr in Tokio bei einem ihm zu Ehren
veranstalteten Essen erstaunliche Ausführungen über die
Mission, die ihm Roosevelt mit auf den Weg gegeben hatte. Japan
sollte sich bei Amerika für 600 (!) Fälle angeblicher
Verletzungen amerikanischer Rechte in China entschuldigen und Angebote
über Entschädigungen machen; man erwartete in Washington
ferner Garantien gegen die Wiederholung solcher Fälle, verlangte
strenge Einhaltung der internationalen Verträge, die nach
japanischer Auffassung längst überholt waren, usw.
Erst wenn Japan alle diese Bedingungen erfüllt hätte, würde Amerika mit sich über die Erneuerung des gekündigten Handelsvertrages reden lassen. Die Erfüllung wäre im Endeffekt auf die Einstellung des japanischen Ordnungsunternehmens in China, auf den Abtransport der Truppen und auf endgültigen Verzicht Japans auf seine Vormachtstellung in Ostasien hinausgelaufen. 19.
Unter diesen Voraussetzungen mußte Japan der angeblichen
Bereitschaft der USA. zu einem neuen Neunmächtepakt mit
gesteigerter Skepsis entgegensehen, zumal die Lage inzwischen insofern
wesentlich verändert war, als England und Frankreich als
Machtfaktoren in Ostasien ausgeschieden waren. Lehnte Japan nun
die amerikanischen Forderungen ab, so sollte der Handelsvertrag nicht
nur nicht erneuert werden, sondern es wurde sogar mit Sanktionen gedroht, die ja
dann auch mit der Ausfuhrsperre für Schrott und Benzin begannen.
Die Lieferung von Flugzeugen an Japan wurde sogar in einer Anweisung Roosevelts als "unmoralisch" bezeichnet, während die uneingeschränkten Lieferungen an England in dessen Krieg gegen Deutschland für amerikanische Begriffe anscheinend moralisch waren. Da Japans Ausfuhr nach Amerika volle 15 % seines gesamten Exports ausmachte und 40 % seiner Devisen einbrachte, so waren hiermit Japan schwerste Schädigungen angedroht - nur weil Amerika die ebenso willkürlich ausgelegte wie vielzitierte Monroe-Doktrin* nicht sinngemäß auch auf andere Erdteile angewandt haben wollte. Japan seinerseits bezog etwas mehr als ein Drittel seiner gesamten Einfuhr und 70 % seiner kriegsmäßigen Einfuhr aus den USA. Da es zum damaligen Zeitpunkt nicht mehr so einfach war, "Schwarze Schiffe" über den Ozean vor japanische Häfen zu schicken, ging Amerika zu Praktiken über, die eine fatale Ähnlichkeit mit den englischen Methoden hatte: diese bestanden vor allem in einer regelrechten Wirtschaftsblockade, durch die Japan auf die Knie gezwungen werden sollte. In den USA. selbst war man geteilter Meinung über diese Methode; die amerikanische Wirtschaft war an der Fortsetzung des lukrativen Handels mit dem Inselreich erheblich mehr interessiert als an einem Wirtschafts- und Nervenkrieg, geschweige denn an einem militärischen Kriege, über dessen Ergebnis niemand etwas Sicheres auszusagen vermochte. In Japan selbst blieben die
Folgen von alledem nicht aus. Sie
zeigten sich vor allem in dem wachsenden Widerstand gegen die
angelsächische Einstellung derjenigen Schichten im Lande, die noch
Ende des Jahres 1939 die Richtlinien der Außenpolitik
bestimmten. Dazu kam, daß Amerika im Gegensatz zu Japan
nichts für eine Lockerung der Spannung tat - man unterstrich in
den Staaten noch die Herausforderung, die in der Kündigung des
Handelsvertrages lag, durch viele Reden und
Presseveröffentlichungen. Japan seinerseits, in dessen
Waagschale inzwischen die ersichtliche Besserung seiner Beziehungen zu
Rußland kam, tat ein übriges und erklärte sich Ende
1939, Amerika die Schiffahrt auf dem unteren Jangtse bis Nanking und
auf dem Perlfluß freizugeben, wiederum ohne in Washington
Entgegenkommen zu finden.
20.
Im Januar 1940
forderte Roosevelt u.a. 4 Millionen Dollar für
die weitere Befestigung der Midway-Inseln, die etwa 2500 km
nordwestlich von Hawai genau in der Richtung auf die japanischen
Reichsinseln liegen, ferner für den gleiche Zweck auf Wake, das
auf gleicher Höhe wie Hawai etwa auf dem halben Wege von dort nach
Japan liegt. Während die Festungslinie der USA. früher
auf der Hawai-Gruppe, also ungefähr auf der Westgrenze des
östlichen Pazifik-Drittels, endete, wurde durch die neuen
Inselfestungen im mittleren Ozean die Operationslinie für die
amerikanische Flotte um drei Tagereisen näher an Japan
herangerückt.
21.
Im Frühjahr 1940 trumpfte Amerika erneut auf.
Es war
bisher ein ungeschriebenes, aber von beiden Seiten beachtetes Gesetz
gewesen, daß die beiderseitigen Flottenübungen keinesfalls
über den 180.Längengrad hinausgingen. Er liegt fast
genau in der Mitte des Pazifik, immer noch mehr als 2000 km westlich
von Hawai. Ein Blick auf die Karte zeigt, welche ungeheuren
Meeresflächen hüben und drüben dabei zur Verfügung
stehen, auch dann, wenn man etwa ein so riesiges Dreieck wie Dutch
Harbour (Aleuten)-Hawai-San Franzisko als Manöverfeld absteckt,
wie es die amerikanische Flotte schon 1938 tat. Im Frühjahr
1940 aber drangen die amerikanischen Flottenmanöver, an denen fast
200 Schiffe beteiligt waren, nicht nur über den
180.Längengrad weit hinaus, sondern sogar bis nach Guam (Marianen)
und in die Gewässer der Philippinen, also bis in den westlichen
Ozean, den Lebensbereich Japans, vor. Dabei mußte die
Nichtbeachtung der geographischen Lage von Guam als der einzigen
amerikanischen Insel im japanischen Archipel der Marianen, Karolinen
und Marshall-Inseln noch besonders herausfordernd wirken.
22. Mit Mexiko verhandelten die USA. im November 1940 über Mazatlan und einen größeren Stützpunkt an der Küste. 23.
Im gleichen Monat erhielt die Panamerican
Airways-Gesellschaft die
"Erlaubnis", einen Flugverkehr zwischen Manila und Singapore mit
Zweiglinien nach Hongkong und Batavia einzurichten (1500 km). Wie
die Flagge dem Handel folgt, so folgten in der Pazifik-Politik der USA.
die Fliegergeschwader den Verkehrsflugzeugen. Ein ziviles
Bedürfnis für diese neue Strecke lag damals nicht vor.
Sie sollte daher auch nur zweimal monatlich beflogen werden. Das
genügte, um die Strecke militärisch in allen Jahreszeiten zu
erproben und zu organisieren. Damit wurde Singapore (englisch),
knapp 1500 km von den japanischen Spratley-Inseln entfernt, mit seinem
englischen Flughafen auch noch Stützpunkt für die USA., ein
weiteres Zeichen für die Zusammenarbeit der alliierten Staaten.
24.
Nach der Anerkennung der Regierung Wangtschingwei in Nanking als
einziger nationalchinesischer Regierung durch Japan antwortete
Washington durch den Mund des Staatssekretärs Hull mit der
Erklärung, die USA. würden nach wie vor die Regierung
Tschiangkaischek in Tschungking als einzig berechtigte Regierung in
China ansehen. Da hierin die stillschweigende Feststellung der
weiteren Unterstützung für Tschiangkaischek, also gegen
Japan, enthalten war, die dann auch sofort in einem Bar- und Sachkredit
von 100 Millionen Dollar betätigt wurde, so stellte das Ganze eine
direkte Förderung des Tschungking-Krieges gegen Japan in besonders
unterstrichener Form dar.
Während die amtlichen Stellen Tokios sich in Anbetracht der Reise des neuen Botschafters für Washington, des Admirals Nomura, nach seinem Posten zurückhielten, wurden jene beiden Kredite von der japanischen Presse besonders scharf kritisiert. Es fiel auf, daß sogar Blätter, die Organe der japanischen Wirtschaft waren, wie etwa die "Chugai Shogyo", von einem "offenen Ausdruck der Feindseligkeit" sprachen, "der nicht mehr zu überbieten ist". Man wies dabei darauf hin, daß die Kredite zum Ankauf amerikanischer Flugzeuge dienen sollten, und gab der Überzeugung Ausdruck, daß die USA. einen regelrechten Erschöpfungs-Wirtschaftskrieg gegen Japan eröffnet hätten, wie er schon durch die Ausfuhr-Embargos eingeleitet seien. Gleichzeitig wurde in Tokio die Besorgnis geäußert, daß die angelsächsischen Mächte die gespannte Lage an der thailändisch-(siamesisch)-indochinesischen Grenze dazu ausnützen könnten, sich in Thailand in irgendeiner Form festzusetzen, dessen enge Beziehungen zu Japan bekannt sind. Das Tokioter Blatt "Asahi" betonte dazu, Japan sei entschlossen, Thailand nicht in die Hände von Mächten fallen zu lassen, die in Asien fremd seien. 25.
Die Form endlich, unter der die beiden angelsächsischen
Mächte im November 1940 ihre Staatsangehörigen aus China und
Japan zurückriefen, hatte Tokio stark verschnupft, weil es den
zwingenden Eindruck machte, daß Washington und London einen Krieg
gegen Japan als unvermeidlich ansahen. Die Abreise der 2000
Amerikaner und ebenso vieler Engländer erfolgte so hastig,
daß bis Ende 1941 alle Plätze auf den großen
amerikanischen, kanadischen und japanischen Dampfern nach den USA.
belegt waren (noch 1939 waren in China 7000 Amerikaner und 20 000
Engländer ansässig!). Dieser Tatbestand hatte einen
interessanten Vorgang insofern, als schon 1937 bei Beginn des
chinesisch-japanischen Krieges den Amerikanern und Engländern die
schleunige Abreise von ihren Regierungen dringend nahegelegt wurde und
so gut wie niemand der Aufforderung Folge leistete. Das lag zum
Teil daran, daß viele Angelsachsen schon Jahrzehnte in China
saßen und keinen vernünftigen Grund sahen, ihre
weitverzweigten Geschäfte dort aufzugeben.
Als nun die Abreise im Gegensatz zu 1937 geradezu forciert wurde, war man in Tokio zunächst sehr erstaunt; man betonte, daß dazu keinerlei Grund vorliege, zumal in Japan völliger Friede herrsche, und man bedauerte den plötzlichen Abbruch von Geschäftsverbindungen mit Kaufleuten und Firmeninhabern, die teilweise seit vielen Jahren in Ostasien lebten. Schließlich mußte man einsehen, daß ein planmäßiges Vorgehen in den Abberufungsmaßnahmen lag. Daraus entstand naturgemäß eine weitere Verstimmung gegen Washington, dem man eine "Verschärfung der internationalen Lage" vorwarf, und man betonte, Japan sehe seinerseits keine Veranlassung, seine Staatsangehörigen aus den USA. abzuberufen. Seit 1898 führt eine
geschlossene Linie antijapanischer Tendenz in der amerikanischen
Außenpolitik von der Besetzung Hawais bis zu
Großmanövern der amerikanischen Flotte im japanischen
Interessenbereich.
Daß diese Spannungen eines Tages zur Eskalation führen mußte, war vorauszusehen. die WFG-Schriftleitung *Monroe Doktrin -
Sie war im Jahre 1823 verkündet worden, um den russischen Ansprüchen auf das Territorium von Alaska entgegenzutreten und um die Unabhängigkeit der jungen iberoamerikanischen Republiken gegen europäische Mächte zu schützen. Ihre wichtigsten Stellen sagen: "Kraft der Freiheit und Unabhängigkeit, die sie errungen und erhalten haben, dürfen die amerikanischen Kontinente nicht mehr als Gegenstand der Kolonisierung durch irgendeine europäische Macht betrachtet werden... Wir haben niemals an Kriegen europäischer Mächte in Fragen, die nur sie angehen, teilgenommen, auch würde eine solche Handlungsweise nicht dem Geiste unserer Politik entsprechen... Wir schulden es der Offenheit und auch den freundschaftlichen Beziehungen, die zwischen uns und jenen Mächten herrschen, zu erklären, daß wir jeden Versuch von ihrer Seite, ihr System auf irgendeinen Teil dieser Hemisphäre auszudehnen, als gefährlich für unseren Frieden und unsere Sicherheit ansehen würden... Die Vereinigten Staaten werden ihre Hände von Europa fernhalten. Sie erwarten, daß auch Europa seine Hände von Amerika fernhält." |
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