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Handelsblockade im 1. Weltkrieg gegen Deutschland



Am 8. Juli 1916, um elf Uhr dreißig nachts, wurde der vor Newport News stationierte amerikanische Lotsendampfer mit dem üblichen Blaufeuer angefordert, einen Lotsen zu entsenden.  Er leuchtete den Signalisierenden mit seinem Scheinwerfer an, aber da war kein Dampfer auszumachen.
Er kam näher und fragte nach Namen und Heimathafen.  "Deutschland, Bremen", wurde ihm geantwortet, obwohl doch seit fast zwei Jahren in immer wiederholten dicken Schlagzeilen von den Engländern erklärt worden war, Deutschlands Schiffahrt sei von allen Meeren gefegt.  "Wir haben einen eisernen Ring um das Reich gelegt!" hatte es fast täglich geheißen. 
Aber jetzt verlangte eben doch ein deutsches Handelsschiff den Lotsen von Newport News.  Denn es war die "U-Deutschland", das erste Handelsunterseeboot der Welt.
Empfangen von dem Getute aller neutralen Dampfer, stolz die deutsche Fahne entfaltet, fuhr das Bott am nächsten Morgen durch die Chesapeake-Bai.
Auf der Quarantänestation wurde das Gesundheitsattest übergeben, das der amerikanische Konsul in Bremen am 13. Juni dem Kapitän König erteilte, die Zollbehörden von Baltimore und die Hafenämter wurden besucht, alles genau wie im Frieden.  Dann wurde die Ladung gelöscht: hochwertige Farben, pharmazeutische Spezialitäten, Spitzenprodukte der deutschen Chemie vor allem.  Als Rückfracht wurden hauptsächlich Kautschuk, Zinn, Silber und Legierungsmetalle geladen.  Der Erlös der deutschen Waren erbrachte etwa siebzehnmal mehr wie die Kosten dieser Rohstoffe.
Die Fahrt war überhaupt ein regelrechtes Handelsgeschäft, durchaus keine Staatsaktion: Am 8. November 1915 war eine
"Deutsche Ozean-Reederei G. m. b. H." in das Handelsregister zu Bremen eingetragen worden.  Eine harmlose Firma anscheinend.  Ihr Vorsitzender, Alfred Lohmann, der auch Vorsitzender des Norddeutschen Lloyd und Präsident der Handelskammer war, hatte allerdings ebenso wie ein gewisser Kapitän Paul König durchaus keine alltäglichen Pläne.  Vor der Eintragung schon hatte die Firma bei der Germaniawerft und der Weserwerft je ein Handelsunterseeboot in Auftrag gegeben.  Längst lagen die "U-Deutschland" und die "U-Bremen" auf Kiel, beide mit einer Tragfähigkeit von etwa 750 Tonnen.  Aber die Fahrten waren Frachtgeschäfte wie andere auch.  Die "U-Deutschland" war in allem und jedem ein Handelsschiff, das mußte auch die Kommission von Marineoffizieren erklären, die die amerikanische Regierung in Baltimore an Bord schickte.  Und das war das Bedeutsame.  Das machte England damals so haßerfüllt wütend, ließ es mit allen erdenklichen Mitteln versuchen, das Boot zu versenken.  Denn durch die "U-Deutschland" wurde seine Heuchelei auch dem Einfältigsten offensichtlich.  Deutschland sollte ausgehungert werden.  Es wehrte sich durch seine U-Boot-Waffe. 
Nach dem formalen Recht aber, das diese neue Waffe noch nicht berücksichtigte, mußten Handelsschiffe vor dem Versenken gewarnt, sie mußten durchsucht werden.  So bewaffneten die Engländer ihre Handelsdampfer,tarnten sie dazu oft noch mit neutralen Flaggen und versuchten, die U-Boote zu vernichten, wenn sie zum Durchsuchen auftauchten.  "Handelsschiffe dürfen nicht ungewarnt versenkt werden": In dieser Schlinge waren die Engländer gefangen, indem man Handelsunterseeboote baute.  Auch die durften ja nur gewarnt versenkt werden.  Und damit waren sie so gut wie unangreifbar. 


Die Blockade
Am 1. August begann die Blockade durch die Aufhebung derLondoner Deklaration über die Freiheit der Meere.
Nach wenigen Tagen sperrten die Kriegsschiffe der Alliierten die deutschen Gewässer und machten dadurch jede Zufuhr von Nachrungsmitteln und Rohstoffen unmöglich.  Da aber trotz dieser Maßnahmen die notwendigen Produkte über die an Deutschland grenzenden neutralen Staaten noch eingeführt werden konnten, wurde von den Alliierten unter der Führung Englands am 11. März 1915 die "Order in Council" erklärt. 
Diese Maßnahme zwang die neutralen Staaten, überstaatliche Überwachungsausschüsse einzurichten, die allein das Recht zur Einfuhr überseeischer Waren erhielten und sich verpflichten mußten, diese Waren nur an neutrale Länder weiterzuliefern.  Durch diese letzte Maßnahme war es gelungen, Deutschland und seine Verbündeten fast vollkommen vom Weltmarkt abzuschließen.  Durch den erhöhten Bedarf der kämpfenden deutschen Armee und durch die an sich gegebene unzureichende Ernährungsbasis der deutschen Nation zeigte sich bald in Deutschland eine sich ständig steigende Nahrungsmittelnot, die sich im Laufe der Zeit auf fast alle Dinge des täglichen Bedarfs ausbreitete.

Die mittelbare und unmittelbare Blockade dauerte vom 1. August 1914 bis zum 12. Juli 1919, also insgesamt fünf Jahre.
Die heutige Generation kann sich kaum mehr eine Vorstellung machen, welch heroischen Kampf während dieser Jahre die Bevölkerung in Deutschland gegen Hunger und Not führte.  Gerade die deutsche Frau und Mutter war der tragende Pfeiler dieses Überlebenskampfes.
Die Lebensmittelläden waren leer; vom frühen Morgengrauen bis spät in die Nachmittagsstunden standen die deutschen Frauen in riesigen Schlangen vor den Ausgabestellen für Lebensmittel, um wenigstens wieder das Notwendigste zum Lebensunterhalt zu erhalten.  Genußmittel, wie Kaffee, Tee, Schokolade, Tabakwaren usw., waren für die Allgemeinheit überhaupt nicht mehr erhältlich.

Eine allgemeine Unterernährung und Verelendung war die natürliche Folge dieser schrecklichen Zeit.  Das deutsche Reichsgesundheitsamt wies im März 1919 in einer Denkschrift "Schädigung der deutschen Volkswirtschaft durch die feindliche Blockade" nach, daß die für die menschliche Ernährung täglich notwendigen Nahrungsmittel im Nährwert von 3300 Wäremkalorien seit dem Herbst 1916 auf 1300 bis 1000 Kalorien gesunken waren, das heißt, daß sich das deutsche Volk mit einem Drittel der notwendigen Nahrungsmittel jahrelang durchhungern mußte.  Die Gesamtzahl der durch diese Blockade verursachten Menschenopfer wird sich niemals genau feststellen lassen.  Vorsichtige Untersuchungen der zuständigen Behörden ergaben, daß mindestens 800 000 Frauen und Kinder durch dauernde Unterernährung und ihre Folgen damals in Deutschland gestorben sind.

Die deutschen Behörden waren sich von Anfang an über die zu erwartenden Folgen der Blockade im klaren und organisierten sofort einen entsprechenden Abwehrkampf, um wenigstens die vorhandenen Lebensmittel möglichst gerecht zur Verteilung zu bringen.  Während des Frühjahrs 1915 wurden als erste Maßnahme in ganz Deutschland Brot- und Mehlkarten eingeführt und die Bevölkerung aufgefordert, mit Nahrungsmitteln möglichst sparsam umzugehen.
Sehr bald zeigte sich aber, daß auch andere Lebenmittel rationiert werden mußten und nach kurzer Zeit waren in Deutschland Nahrungsmittel überhaupt nur mehr gegen entsprechende Marken zu beziehen.  Dabei  gaben diese Marken keinesfalls die Gewähr, daß die Zuteilung auch tatsächlich erfolgen konnte.


Brotkarte der Stadt München vom Frühjahr 1915




Milchkarte der Stadt Berlin




Biermarken eines bayerischen Truppenteils



Wie grauenhaft die Not in Deutschland war, ergibt sich aus der erschütternde Tatsache, daß man in den deutschen Industriegebieten auch Pferdefleisch nur noch gegen Marken erhalten konnte.


Pferdefleischkarte der Stadt Elberfeld


Man muß sich vergegenwärtigen, daß nicht nur alle Lebensmittelläden, wie Bäckereien, Metzgereien, Milch- und Käseläden, leer waren, sondern natürlich auch die Kolonialwarenhändler keinerlei Vorräte in den sonst üblichen Waren besaßen.  Wenn auch Kolonialwaren im allgemeinen nicht zu den unbedingt notwendigen Nahrungsmitteln zählen dürften, so erwies sich deren vollständiger Mangel auf die Dauer doch immer unerträglicher.


DieBevölkerung wurde sogar aufgefordert, gekochtes Unkraut zu genießen.  Es wurden eigene Aufklärungsblätter über die Zubereitungsmöglichkeiten der wildwachsenden "Kriegsgemüse" herausgegeben.


Sehr bald bemühte man sich daher, für diese fehlenden Nahrungsmittel künstlichen Ersatz zu schaffen.  Es entwickelte sich eine ganze "Lebensmittelersatzindustrie", deren Erzeugnisse jedoch meistens absolut minderwertig waren.  Es gab schließlich an Stelle von Eiern, Zucker, Tabak, Kaffee, Tee und Gewürzen künstlich erzeugte Produkte, die in der folgenden Abbildung gezeigt werden.

Da die Einführung von Ölfrüchten vollkommen unterbunden war, ging man dazu über, aus Bucheln, Kastanien und ähnlichen Baumfrüchten Öl zu gewinnen, und durch Werbeplakate wurde zum Sammeln dieser einheimischen Ölfrüchte aufgefordert.


Werbeplakat zum Sammeln von Ölfrüchten



Werbeplakat zum Sammeln von Ölfrüchten


Besonders schwer wurde naturgemäß auch der Mangel an Rauchtabak empfunden.  Gegen Ende des Krieges waren Zigarren und Zigaretten überhaupt nicht mehr erhältlich.  Man versuchte daher aus allen möglichen heimischen Kräutern Zigarren, Zigaretten und Rauchtabak herzustellen.  Es erscheint heute unglaublich, daß diese Produkte tatsächlich geraucht wurden, und oftmals konnte nur noch der gesunde Humor des deutschen Volkes auch diese Entbehrung hinweghelfen.

Am Schluß des Krieges wurde auch der Mangel an Futtermitteln für die Viehwirtschaft immer bedrohlicher.  Infolge der fürchterlichen Lebensmittelnot fehlte es vor allem an den nötigen Kraftfuttermitteln, da alle irgendwie brauchbaren landwirtschaftlichen Erzeugnisse für die menschliche Ernährung verwendet werden mußten.  Die Folge war ein dadurch bedingtes weiteres Absinken des deutschen Vieh- und Schweinebestandes.  Schließlich ging man dazu über, grünes Laub zu sammeln, um es als Laubheu zu verfüttern.  Die gesamte Schuljugend wurde für diese Sammlungen eingesetzt und dadurch konnten riesige Mengen dieses Ersatzfuttermittels eingebracht werden.


Werbeplakat für Laubheusammlungen


Der englische Hungerkrieg hätte während des Weltkrieges keine derartige Erfolge gezeitigt, wenn die deutsche Regierung die wirtschaftliche Seite des Krieges besser organisiert gehabt hätte.  Es war nicht getan worden, um noch in Friedenszeiten die Nahrungsmittelerzeugung des Reiches zu heben und somit die erste Voraussetzung zum Durchhalten zu schaffen.  Außerdem wurden bei Beginn des Weltkrieges die in Deutschland vorhandenen Vorräte nicht richtig bewirtschaftet.  Einen grundsätzlichen Fehler beging die Regierung außerdem dadurch, daß sie immer erst dann die Lebensmittelkarten einführte, wenn die betreffenden Lebensmittel bereits knapp waren, anstatt von vorneherein für eine gerechte und stabile Verteilung der Lebensmittel zu sorgen.


Der Mangel an Rohstoffen
Die allgemeine Verelendung in Deutschland beschränkte sich aber nicht nur auf die Lebensmittel- und Futtermittelnot.  Sehr bald mußte man auch dazu übergehen, für Bekleidungsstücke und Wäsche Bezugsscheine einzuführen, um dadurch die für die Zivilbevölkerung übrigbleibenden äußerst knappen Vorräte einigermaßen gerecht zu verteilen.
Man war auch gezwungen, für Wolle und Baumwolle Ersatzstoffe zu suchen.  An Stelle von Stoffgeweben wurden in großen Mengen Papiergewebe hergestellt, die aber den gestellten Anforderungen naturgemäß nicht entsprachen.  Trotzdem ist es erstaunlich, in welch kurzer Zeit die deutsche Textilindustrie sich auf die Fabrikation derartiger Papier- und Mischgewebe umgestellt hat.


Bezugschein für einen Wintermantel


Die folgende Abbildung zeigt, daß man sogar gezwungen war, Leibwäsche und Kinderbekleidung aus Papiergewebe herzustellen. 
Als Ersatz für Baumwolle wurden die Mischgewebe zum Teil aus Nesselfasern bereitet.  Frauen und Kinder wurden zum Sammeln von Brennesseln herangezogen. 


Kleidungsstücke aus Papiergewebe



Ein Werbeplakat zum Sammeln von Brennesseln


Gegen Ende des Krieges stieg jedoch die allgemeine Not immer weiter und schließlich sah man sich genötigt, das Kartensystem auf alle Dinge des täglichen Bedarfs auszudehnen.  In manchen Gegenden Deutschlands wurden sogar Holzkarten und eigene Bezugscheine für elektrischen Strom, Gas und Wasser eingeführt.


Strom-, Gas- und Wasserkarten aus Neustettin


Die Verknappung der Rohstoffe steigerte sich gegen Ende des Krieges in katastrophaler Weise.  Besonders fühlbar wurde der Mangel an Leder und so mußten für die Herstellung von Schuhen und für die Schuhbesohlung Ersatzmittel gefunden werden.  Die Abbildung zeigt, wie man mit verschiedenen Mitteln versucht hat, dem Mangel an Leder zu begegnen.


Verschiedenartiger Schuhsohlenersatz


Der gleichzeitig auftretende Mangel an technischen Ölen und Fetten machte sich besonders in der Industrie sehr unangenehm bemerkbar.  Trotz größter Sparmaßnahmen war es oftmals nicht mehr möglich, die für die Maschinenanlagen notwendigen Schmiermittel zu beschaffen.
Ganz besonders wirkte sich diese Fettnot auch in der Seifenfabrikation aus.  Es wurden alle erdenklichen Ersatzseifen hergestellt, deren übrwiegende Bestandteile aber nur noch Lehm und Sand waren.

Die Absperrung Deutschlands von den überseeischen Rohgummimärkten hatte besonders einschneidende Folgen, da man nicht mehr in der Lage war, die für die Kraftfahrzeuge notwendigen Bereifungen herzustellen.  Man war gezwungen, sämtliche Lastkraftwagen mit Eisenreifen zu versehen, wodurch im Laufe der Zeit fast das gesamte deutsche Straßennetz vollkommen zerstört wurde.  Diese Eisenreifen verursachten in dem leichten Oberbau der damaligen Straßen tiefe Schlaglöcher, so daß sie für alle anderen Fahrzeuge nahezu unbefahrbar wurden.  Den unbedingt notwendigen Kraftwagen- und Fahrradverkehr versuchte man mit Hilfe von Spiralfeder-Bereifungen und ähnlichen Behelfsmitteln aufrechtzuerhalten.

Wertvolle Metalle, wie Kupfer, Zinn, Zink und Nickel wurden durch Gesetz von der Heeresverwaltung beschlagnahmt.  Es waren davon nicht nur die Einrichtungsgegenstände und Küchengeräte betroffen, auch von den Hausdächern wurde der Kupferbelag abgenommen und durch Eisenblech ersetzt.  Schließlich mußte man in Deutschland sogar Tausende von Kirchenglocken einschmelzen, um die für die Kriegsindustrie notwendigen Metalle aufzubringen.


Bekanntgabe der Beschlagnahme verschiedener kriegswichtiger Metalle


Die Folge dieser Beschlagnahme der Halbedelmetalle war, daß für die Technik Ersatzstoffe und Ersatzlegierungen verwendet werden mußten, die jedoch den Anforderungen auf die Dauer nicht entsprachen.  Trotzdem ist es der deutschen Industrie in kürzester Zeit gelungen, durch diese Ersatzfabrikate den vordringlichsten Bedarf wenigstens provisorisch zu decken.


Erfindungen während und nach der Blockade:
Viele Alternativen zu den Originalstoffen wurden von deutschen Wissenschaftlern erfunden.

Das Verfahren, Kautschuk aus Kalk und Kohle herzustellen, war nur eines von vielen, die erst während des 1. Weltkrieges entwickelt wurden: 1916 war zum erstenmal Gärungsglyzerin großtechnisch hergestellt worden, war durch diese Synthese die Nitroglyzerinversorgung der Mittelmächte sichergestellt.

1917 wurden die ersten 100 000 Tonnen Ammoniak aus der Luft gewonnen, gelang die Großsynthese des Stickstoffs, der für die Munitionsherstellung ebenso wie für Düngemittel unentbehrlich war.  1917 wurden zum erstenmal synthetisch Azetaldehyd gewonnen, damit Azeton für die Sprengmittelindustrie, Alkohol und Essigsäure für die Chemiebetriebe.

1918 faßte die Köln-Rottweil AG. den Entschluß, Kunstfasern zu erzeugen, und erst 17 Jahre später traten die synthetischen Spinntoffe ihren Triumphzug an.

1919 kam der erste Luftstickstoffdünger aus Leuna.

1920 kam der erste moderne Kunststoff, Trolit, auf den Markt, 1921 wurde Kunststoff auf Kohlenbasis erstmalig erzeugt. 

1924 glückte der erste großtechnische Versuch zur rationellen Holzzuckerherstellung. 

1925 erst war die Methanolsynthese industriell durchgeführt, damit zum erstenmal aus Kohle ein flüssiger Triebstoff gewonnen.

1925 wurde auch durch den Zusammenschluß der wichtigsten deutschen Chemiewerke die I.G. Farbenindustrie gegründet, und erst durch diese Zusammenballung der Kräfte kam es 1926 zu den Arbeiten, die schließlich zur Kautschuksynthese führten, wurde 1927 im Leunawerk die erste Großanlage zur Benzinsynthese möglich. 
Noch einmal fünf Jahre vergingen, bis 1932 die Massenherstellung von Leunabenzin begann, eine Ausbeute von 100 000 Tonnen erzielt wurde. 
Dazu kam 1934 die Gründung der Braunkohlenbenzin AG. und die sofortige Erweiterung der Kohlenbenzinanlagen auf 300 000 Tonnen Jahresleistung.

1935 begann die Großherstellung von Zellwolle.

1937 gelang die Großherstellung von Holzzucker, die biologische Eiweißsynthese und damit die Gewinnung von Kraftfuttermitteln aus Holz und Kohle.

1937 begann die Erschließung der Salzgittererze durch die Reichswerke "Hermann Göring" und der Bau der Großbunawerke Schkopau bei Halle.  Die Anlagen in Witten nahmen die Massenherstellung von Seife aus Kohle auf.  Auf neuen Herstellungsverfahren beruhende Riesenfabriken für Aluminium und Magnesium entstanden.

1938 nahmen die Anlagen den Betrieb auf, die Zellstoff aus Stroh gewannen, 1939 diejenigen, die Zellstoff aus Kartoffelkraut machten.  Fasern, deren Ausgangsstoff Magermilch war, waren neben der PC.-Faser auf dem Markt, die aus Kohle gewonnen wurde.

Und hervorgerufen oder ermöglicht durch diese Erfindungstaten wurden hunderte, tausende Verbesserungen möglich, in einer gewaltigen Symphonie der Arbeit kam es zu einer Umwertung aller Werte, einer Revolution der Rohstoffwirtschaft, einer neuen Ära.