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Kaiser Friedrich II. als Bauherr


Der Städtegründer und Architekt

Geschichte und Universalität des staufischen Kaisertums werden verständlicher, wenn man Italien und insbesondere Uniteritalien kennt.
Nach der geographischen Lage und den politisch-wirtschaftlichen Möglichkeiten war das Königreich Sizilien - Kalabrien, Apulien und die Insel Sizilien - in der damals bekannten Welt die gegebene Basis für die Vorherrschaft im Abendland.
Das deutsche Kaisertum konnte sich in Nord-Reichsitalien nur halten, wenn es Unteritalien einschloß.

Nicht nur als Staatsmann und Politiker, auch als Anreger und Gründer einer neuen Kunst - arte sueva (schwäbische Kunst), staufische Kunst - wird Friedrich II. lebendig.  Wer die Meere, Häfen, Berge und Landschaften seines Erblandes mit seiner uralten Hochkultur kennt, von der die staufische Kunst Glanz, Farbe, Ausdruck gewonnen und durch das nordische Genie des Kaisers zu einem Neuen werden konnte, das sich auch auf die deutsche Baukunst und Bildhauerei auswirkte.
Friedrichs Bauten sind Denkmäler der Reichsgeschichte.

Die Gestalten im Naumburger Stifterchor, der Kopf mit der Binde in Mainz, der Bamberger Reiter sind ebenso "arte sueva" (schwäbische Kunst) wie die Bildwerke vom Brückentor zu Capua, vom Castell in Bari oder Lagopesole und Castel del Monte.  Der Bauherr der Erneuerung des Bamberger Domes wie des verschwundenen Residenz-Palastes in Foggia heißt Friedrich II.  Nationale Gegensätze oder ideologische Vorurteile heutiger Historiker waren der weltoffenen staufischen Epoche fremd, ihre Sprache der Baukunst ist eine Weltsprache.

Überwiegt auch der kirchliche Anteil in der staufischen Baukunst in Deutschland, so stellen die Burgen und Pfalzen von Hagenau, Trifels, Gelnhausen, Wimpfen (Bad Wimpfen), Nürnberg bis Eger eine Blüte des Profanbaus und der höfischen Kultur dar. 


(Bildquelle: K.Blätter)
Kastell von Bari


In Süditalien ist es umgekehrt.  Friedrich II. baukünstlerische Initiative war hier entscheidend von politisch-militärischen Gesichtspunkten bestimmt.  Er ließ Burgen, Städte und befestigte Anlagen errichten auf Bergen, Pässen und Flußübergängen zur Beherrschung des umliegenden Gebietes und zur Sicherung der Heerstraßen, so in L`aquila, Gualdo Tadino, Celano; baute Talsperren und Klausen in Sizilien, befestigte Flußübergänge, wie in Capua, verstärkte die Häfen - Bari, Brindisi, Otranto, Syrakus, Augusta, Catania, Neapel, Gaeta -, durch Seekastelle schützte er die Grenzen zum Kirchenstaat, Monselice, Rocca Janula bei Montecassino, Lucera.  Von diesen umfassenden Verteidigungsmaßnahmen geben seine Briefe, Verfügungen und Urkunden ausführlich Bericht.  Das staufische Kastell, als eigentümliche bauliche Schöpfung aus einer zielbewußten Entwicklung der Architektur, ist Abbild der ritterlich-staufischen Welt.
Friedrich hat in einem ungeheuren Tempo sein Erbland nach allen Seiten hin gesichert; 1239/40 wurde gleichzeitig an den Kastellen in Messina, Catania, Lentini, Caltagirone, Augusta und Syrakus gearbeitet.  1241 in Cervia, Faenza, Cesena, Bertinoro in der Romagna.


Verteidigung gegen den Kirchenstaat

Burgen waren die Garanten von Macht und Herrschaft, ein bedrohtes Land konnte nach innen und außen mit Burgen gesichert werden.  Die Burgen des Adels demonstrierten Selbstherrlichkeit und bedeuteten eine Einschränkung der militärischen Hoheit des Königs.  Friedrichs erste Handlung nach der Rückkehr aus Deutschland 1220 war daher ein Gesetzeserlaß - "De novis edificiis deruendis" -, der die Zerstörung oder Einziehung aller in den letzten Jahrzehnten erbauten Burgen gebot und die Errichtung neuer untersagte.  Gnadenlos bekamen die Lehensträger die ganze Härte des Gesetzes zu spüren, wenn sie die Übergabe solcher Burgen verweigerten.

Friedrich II. hatte bald erkannt, daß er sein Erbland gegen die Päpste und deren Verbündete werde verteidigen müssen.  So unterstellte er die mehr als 200 Kastelle und Jagdschlösser unmittelbar der Krone und schuf für sie einen neuen Beamtenzweig zur Landesverteidigung: In Friedenszeiten waren die Kastelle ohne Besatzung, im Krieg mußten die benachbarten Lehensträger und Ortschaften sie besetzen und für die Lasten aufkommen.

Der König regierte auf Reisen, wie Karl der Große, vom Sattel aus, im Zug von Kastell zu Kastell oder Jagdschloß, und nicht von seiner Residenz in Palermo, sondern von Apulien aus.  Palermolag an der Peripherie, die Entfernungen nach Deutschland oder Oberitalien waren zu groß, deshalb wurde in Foggia eine Residenz erbaut.  Hier weilte er 35mal, in Melfi 15-, in Capua 18- und in Lucera 7mal.  Zum Vergleich: Hagenau im Elsaß besuchte er 24-, Regensburg 16mal.

Mit dem Bau der kaiserlichen Anlagen entwickelte sich ein neuer Stil.  Da es sich nicht um Wohn-, sondern um Verteidigungsanlagen handelte, also nur für Männer, konnte nach einem einzigen, mit geringen Änderungen durchgeführten Grundriß gebaut werden: ein steinernes Recht- und Vieleck mit Türmen an den Ecken; im Inneren verschiedene Schmuckformen, gewölbe Gemächer mit reich durchgebildeten Türen und Fenstern.  Meterdicke Ringmauern rundherum erschwerten den Zugang zum eigentlichen Kastell.

Mit Recht hat man in diesen süditalienischen Stauferburgen das Vorbild für die Burgen des Deutschen Ritterordens in Preußen gesehen, nicht für die Familie, sondern für einen ritterlichen Männerbund angelegt zu Angriff und Verteidigung; in der Konstruktion das Äußerste an mathematischer Klarheit und Zweckmäßigkeit.

Die Mittel für Burgenbau, Unterhaltung ständiger Truppen und eines Verwaltungsapparates verschaffte sich Friedrich II. mit der Verstaatlichung des Handels, für den er eine eigene Flotte mit neuen Hafen- und Werftanlagen baute - allein 1231 in Neapel, Brindisi, Nicotera und Messina -, und dessen Steuern und Zöllen.  Innerhalb weniger Jahre hatte er ganz Süditalien in eine gesicherte Festung verwandelt, deren Ausgänge nach dem Meer und landeinwärts jederzeit geschlossen und verteidigt werden konnten.  Aus dieser steten Anspannung erklärt sich wahrscheinlich die Tatsache, daß wir nur von einem einzigen, allerdings großartigen Kirchenbau Friedrichs Kenntnis besitzen.


(Bildquelle: K.Blätter)
Ruinen der Kaiserpfalz in Gelnhausen
Arkaden des Palas (um 1200)



In Sizilien benützte Friedrich II. die Burgen und Schlösser der Normannen, die er als Erbe und Nachfolger übernahm, besonders in Palermo.  In Deutschland hat er sich - wie im Süden - auch als Städtegründer verewigt.  Während seines ersten Aufenthaltes von 1212 bis 1220 gründet Friedrich II. in Schwaben Rottweil, Biberach, St. Gallen, Kaufbeuren, Nördlingen, Annweiler, Pfullendorf; Zürich und Freiburg i. Ü. werden 1218 freie Reichsstadt, 1219 Nürnberg.  Bei seinem zweiten Deutschland-Aufenthalt gründet er Reutlingen, Leutkirch, Kempten und vollendet als reichsunmittelbare Städte aus der Ferne 1226 Lübeck, 1237 Wien, 1241 Schwyz, 1233 gründet der Deutsche Orden Thorn und Kulm nach Magdeburger Recht.
In Reichsitalien und im Königreich Sizilien hat Friedrich II. eine Reihe von Städten gegründet: Celano und l´aquila in den Abruzzen, Caesarea Augusta, Flagella, Altamura in Apulien, Augusta, Regalbuto, Piazza Armerino, Gela in Sizilien...


Kaiser und Künstler

Friedrich selbst besaß in hohem Maße künsterlisch-schöpferische Fähigkeiten. 
Keines der zahllosen Bauwerke wurde ohne seine bestimmende Mitarbeit errichtet.  Er suchte und fand in der Beschäftigung mit der Architektur Erholung von den Staatsgeschäften und Feldzügen.  Wo immer er auch weilte, in Sizilien oder im Norden, stets mußte ihm über den Fortgang der Bauarbeiten Bericht erstattet werden.  Der Entwurf von Maniace in Syracus, des Brückenkastells Capua und des unvergleichlichen Castel del Monte stammt von Friedrichs eigener Hand.


(Bildquelle: K.Blätter)
Der Falkner Friedrich II.  Miniatur aus dem Falkenbuch
Vatikanische Bibliothek zu Rom



Wir kennen nicht die Namen seiner Baumeister, Bildhauer und anderer Künstler; sie waren ausführende Werkzeuge des schöpferischen Genies ihres Herrn, haben in Materie geformt, was sein Geist schaute und verwirklichen wollte.  Wo Namen genannt werden, handelt es sich um Kontrollorgane für Materialbeschaffung. Überwachung oder für Rechnungen.  Nirgends wird ein Architekt, ein Verantwortlicher erwähnt, der die Pläne oder Entwürfe gemacht hätte, denn, wie der bedeutende französische Kunsthistoriker Emile Bertaux feststellte: "Der Kaiser selbst war der eigentliche Architekt und Bildhauer."

Die Schlösser und Burgen, die erhaltenen Plastiken seiner Bildhauerschule, das Falkenbuch und die Gesetzessammlung sind der sichtbare Ausdruck der Persönlichkeit Friedrichs II.  Der Einfluß seiner Baukunst auf die eigene und spätere Zeit ist überhaupt nicht abzuschätzen.  Die schönsten Kathedralen Apuliens, die in seiner Epoche errichtet oder umgebaut wurden, atmen in ihren mächtigen Portalen des Staufers Geist (zum Beispiel Trani, Giovianzzo, Bitonto, Ruvo).
Ohne Kaiser Friedrich und seine Bauten, ohne Castel del Monte, die Triumphpforte in Capua wären verschiedene der großartigen Schöpfungen der Renaissance nicht denkbar gewesen.  Das Castel Nuovo in Neapel, das Schloß in Caserta-Vecchia und die Burg Mussomeli in Sizilien sind zugegebenermaßen Bauwerke in seinem Geist und Stil.

(Quelle: K-Blätter)