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Paul
Krüger - Südafrikas Staatsmann |
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Am 14. Juli 1904 starb in
Clarens in der Schweiz im Exil der
deutschstämmige Präsident der Südafrikanischen Republik,
Stephanus Johannes Paulus Krüger, im Alter von 79 Jahren.
Ein durch viele Höhen und Tiefen gekennzeichnetes Leben ging damit
zu Ende, eines Mannes, der im Glauben an die gerechte Sache seines
Volkes unerschütterlich gestanden hatte gleich einem Felsen in der
Brandung und der sich von den britischen Imperialisten seiner Zeit
weder einschüchtern noch bestechen ließ.
Präsident Krügers Lebensweg und die historische Bedeutung seiner Persönlichkeit lassen sich nur voll erfassen, wenn man in kurzen Zügen die Entwicklungen im südlichen Afrika in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Augenschein nimmt. Der "Große Treck" der Buren zwischen 1834 und 1854 aus dem britisch beherrschten Kapland, in dem sie schwer unter einer Politik der Ungerechtigkeit zu leiden gehabt hatten, führte zu einer weißen Besiedlung der Gebiete, die man heute als Oranje-Freistaat und Transvaal bezeichnet. Die erste Burenrepublik, die weiter östlich in Natal gegründet worden war, wurde nach bloß vierjährigem Bestehen 1843 von den Briten annektiert. Darüber hinaus betrachteten die Engländer die aus ihrem Machtbereich ausgewanderten "Voortrekker" weiterhin als Untertanen der britischen Krone. Nach mühevollen Verhandlungen gelang es den Buren im Jahre 1860, eine vereinigte Regierung in Transvaal zu bilden, und selbst dann folgten noch vier unglückliche Bürgerkriegsjahre, ehe es tatsächlich eine stabile Südafrikanische Republik nördlich des Oranje gab. Ein Ereignis von großer Tragweite war die Entdeckung von Diamanten in den trockenen Landstrichen von Grieckwaland-West zwischen 1867 und 1871. Ein Heer von Abenteurern und Glücksrittern strömte in die Schürfgebiete am Vaal und in die Gegend des neugegründeten Dorfes Kimberley, was einerseits die Wirtschaft belebte, andererseits zu heftigen Auseinandersetzungen über die Besitzverhältnisse auf den Diamantenfeldern führte. Hier sah Britannien seine Chance. Unter dem Vorwand, die Differenzen beseitigen zu wollen, erklärte man in London das Gebiet zur "Kronkolonie von Grieckwaland-West". Dieser Schritt löste verständlicherweise große Entrüstung unter den Einwohnern des Oranje-Freistaates aus. Nach 1875 versuchte man in London, zum Zwecke der besseren Ausbeutung südafrikanischer Bodenschätze eine "Südafrikanische Föderation" zustande zu bringen, und als diplomatische Schritte in dieser Richtung nicht das gewünschte Resultat erbrachten, annektierte Albion ganz einfach im Jahre 1877 die Republik Transvaal. Die Empörung darüber verbreitete sich unter den Buren im gesamten Subkontinent. Paul Krüger trat damals als Führer der nationalistischen Partei erstmals ins Rampenlicht der Geschichte. Ende 1880 begann der Erste Freiheitskrieg der Transvaaler, die das britische Joch abzuschütteln trachteten, wobei das Triumvirat, bestehend aus dem Vizepräsident Krüger, dem Generalkommandanten Joubert und W.M. Pretorius, eine bedeutungsvolle Rolle spielte. Am 27. Februar 1881 endete der Kampf mit den Waffen nach der berühmten Schlacht bei Amajuba, bei der die britischen Truppen vernichtend geschlagen wurden. Im darauffolgenden Frieden von Pretoria, der am 3. August 1881 geschlossen wurde, erhielt Transvaal zwar gnädigst eine Selbstregierung, aber keine vollständige Unabhängigkeit, und Britannien diktierte eine Reihe entwürdigender Bedingungen. Sowohl das Triumvirat als auch der Volksrat waren zutiefst empört über die verletzenden Forderungen der britischen Imperialisten, die hier ihr wahres Gesicht zeigten. ![]() (Bildquelle: K. Blätter) Paulus
Krüger, Ohm Krüger, genannt Oom Paul, südafrikanischer
Staatsmann
Nachdem Paul Krüger im Mai
1883 als neugewählter
Staatspräsident der Republik vereidigt worden war, begannen die
Verhandlungen mit der Regierung in London, und am 27. Februar 1884
wurde der Vertrag von London unterzeichnet, demzufolge fast alle
entwürdigenden Souveränitätsbeschränkungen
wegfielen, was im wesentlichen dem Unterhandlungstalent des
Präsidenten zuzuschreiben war.
Nach der Unterzeichnung des Vertrages von London bereiste Präsident Krüger den europäischen Kontinent und besuchte dabei die Länder Portugal, Niederlande, Belgien, Frankreich und Deutschland. Vielerorts wurde ihm ein stürmischer Empfang zuteil, was klar erkennen ließ, wie sehr man Englands "Weltbeglückerrolle" in weiten Kreisen Europas durchschaut hatte und sie ablehnte. Paul Krüger kehrte von dieser Reise mit einer Reihe von Konsularverträgen zwischen der wiedererstandenen Südafrikanischen Republik und den betreffenden europäischen Ländern in die Heimat zurück. Goldpolitik Eine kurze Spanne
ungetrübter und ungestörter Aufbauarbeit im
Transvaal folgte, wobei eine Reihe wichtiger Eisenbahnverbindungen
angelegt wurde. Aber schon 1886 kam es zu einem Ereignis von
großer Tragweite: die Entdeckung der unterirdischen Hauptgoldader
am Witwatersrand sowie zu zahlreichen anderen Goldfunden. Noch im
selben Jahr entstand Johannesburg. Ströme von Einwanderern
kamen ins Land, und bis zur Jahrhundertwende war eine Reihe von
Städten zwischen Randfontein und Springs wie Pilze aus dem Boden
geschossen.
Das Ausländerproblem ("Uitlandervraagstuk") begann gar bald alles zu überschatten und immer gefährlicher werdende Formen anzunehmen. Britannien (und die Großbankiers - A.v.wfg) , nunmehr stärker denn je an dem Gebiet, das so reiche Bodenschätze besaß, interessiert, mischte sich immer unverblümter in die innenpolitischen Angelegenheiten der Südafrikanischen Republik ein. Inzwischen war Cecil John Rhodes Ministerpräsident der Kapkolonie geworden, und dieser britische Erzimperialist und Großkapitalist berauschte sich bereits im Jahre 1894 an dem Gedanken, die Ausländer in Johannesburg und Umgebung dazu einzuspannen, die Regierung in Pretoria zu stürzen. So organisierte er mit Kenntnis und Zustimmung des britischen Premiers Lord Roseberry, des Kolonialministers Joseph Chamberlain und des britischen Hochkommissars in Südafrika, Sir Hercules Robinson, einen Aufstand in Johannesburg, wobei dieser durch einen militärischen Handstreich auf Transvaal unter Führung von Dr. Leander Staar Jameson unterstützt werden sollte. Nach erfolgreicher Revolution war eine Reise des britischen Hochkommissars nach Pretoria geplant, der dort eine "Verfassunggebende Versammlung" ins Leben rufen sollte. Diese schändliche Verschwörung mißglückte, hauptsächlich, weil die "Uitlanders" von dem Plan nicht allzubegeistert waren. Jameson mußte sich mit seinen Handlangern nach vier Tagen ergeben und wurde von Präsident Krüger an die britische Regierung ausgeliefert, die ihn zum Schein zu 15 Monaten Gefängnis verurteilen, aber bereits nach kurzer Zeit auf freien Fuß setzen ließ. Der Jameson-Überfall zeigte die dunklen Absichten der Londoner Regierung klar und deutlich, so daß Präsident Krüger unverzüglich den Ankauf von Handfeuerwaffen und schwerer Artillerie für seine Armee anordnete. Einkreisung Während nun die
Verhandlungen über die Bürgerrechte der
Ausländer zwischen Lord Milner und der Regierung in Pretoria
weitergingen, wurde von Tag zu Tag deutlicher, daß die Briten gar
keine Kompromißlösungen wünschten, sondern die
völlige Vernichtung der Republik anstrebten.
London benutzte Unterhandlungen lediglich, um Zeit für einen Aufmarsch an den Grenzen Transvaals zu gewinnen. Um die völlige Einkreisung zu vermeiden, blieb dem Staatsoberhaupt der Südafrikanischen Republik keine andere Wahl, als London ein Ultimatum zu stellen, wohl wissend, daß dies Krieg bedeuten mußte. Nun hatte Albion endlich die Möglichkeit, gegen die Buren vorzugehen. Englischer Völkermord Am 11. Oktober 1899 begann der
drei Jahre dauernde Krieg, der von den
Buren als Zweiter Freiheitskrieg bezeichnet wird. Zunächst
konnten die Streitkräfte der Südafrikanischen Republik trotz
ihrer beachtlichen zahlenmäßigen und
rüstungstechnischen Unterlegenheit bedeutende Erfolge gegen die
britischen Invasionstruppen erzielen, schließlich jedoch blieb
keine andere Wahl als zu kapitulieren, wenn man die völlige
Auslöschung des Volkes verhindern wollte.
Hatte doch Lord Kitchener durch eine jedem Kriegsrecht widersprechende Kampfführung seine militärischen Aktionen auf Genozid abgestimmt: die Farmen der Buren wurden abgebrannt, alles Vieh getötet, das Saatgut vernichtet, sämtliche Zäune zerschnitten, Frauen, Kinder und Greise in Konzentrationslager gebracht, wo man sie unzureichend ernährte und bewußt so primitive sanitäre Bedingungen aufrechterhielt, daß 26 370 von ihnen verhungerten und von Seuchen dahingerafft wurden. Am 31. Mai 1902 wurde der sogenannte Frieden von Vereeniging, ein zynisches Diktat Britanniens, unterzeichnet. Nach dem Fall von Pretoria im Jahre 1900 hatte sich der greise Präsident Krüger schweren Herzens entschlossen, sein Land zu verlassen und nach Europa zu fahren, um bei den Regierungen befreundeter Staaten Hilfe für sein Volk zu suchen. Vom französischen Präsidenten wurde er empfangen, aber eine Zusammenkunft mit dem deutschen Kaiser, Wilhelm II., der die Buren früher moralisch unterstützt hatte, ließ sich "angesichts der gespannten politischen Lage mit Großbritannien" nicht ermöglichen. Deutschland verspielte auf diese Weise eine wichtige Chance, was sich anderthalb Jahrzehnte später bitter rächen sollte, nachdem der Regierung in London deren Einkreisungspolitik in Europa geglückt war. Auch ein Treffen Präsident Krügers mit dem russischen Zaren konnte nicht stattfinden. Nahezu ganz allein und verlassen, schwer enttäuscht von der Feigheit und dem Wankelmut derer, die ebenso unter der Raffgier des britischen Imperialismus zu leiden hatten wie das Burenvolk, starb dieser große Südafrikaner am 14. Juli 1904 in der Fremde, nachdem er nahezu zwei Jahrzehnte lang die Geschicke seines Landes gegen britische Intrigen und Angriffe aller Art verteidigt hatte. Kurz vor seinem Tode hatte sich Paul Krüger in einem Brief an General Louis Botha mit einer letzten Botschaft an sein Volk gewandt. Die darin zum Ausdruck gebrachten Ideen vermochten fast ein halbes Jahrhundert später das Volk der Afrikaner (als Nachkommen der Buren) aus tiefer Schmach zurückzuführen ans Licht, als 1948 die Nationale Partei Dr. Malans die Macht in der Union von Südafrika übernahm. Aber erst nach weiteren 13 Jahren konnte der große Dr. Verwoerd, ein ebenso glühender Patriot und willensstarker Staatsmann wie Präsident Krüger, die letzten Fesseln zerbrechen, welche die Briten dem Lande angelegt hatten, als die Republik Südafrika wiedererstand. (Quelle: K.Blätter) |
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