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Schwarze Kriegspropaganda
der Alliierten im Zweiten Weltkrieg




(Quelle: Auszug aus dem Buch "Himmlers Tod" von Joseph Bellinger)


Schon 1940 stand eines fest: Auf dem Gebiet der Propaganda würde der Zweite Weltkrieg nicht einfach eine Wiederholung des Ersten darstellen.  Die Propaganda würde diesmal schwärzer und schmutziger sein als alles, was man sich während des Völkerringens von 1914 bis 1918 hätte vorstellen können.
Aus schierer Notwendigkeit übernahm Großbritannien bei diesem Programm die Führungsrolle, doch Amerika sollte sich nach seinem Kriegseintritt als gelehriger Schüler erweisen und seinem Lehrmeister in nichts nachstehen.  Im November 1944 publizierte und verteilte die Eisenhowers Armeen zugeteilte United States Psychological Warfare Division (US-Division für psychologische Kriegsführung) "Richtlinien", die die neuen Methoden des Kampfes gegen den Feind regelten.  In diesen Richtlinien hieß es unter anderem: "Der entscheidende Charakterzug schwarzer Propaganda besteht darin, daß man alles unternimmt, um ihre Quelle zu vertuschen.  `Schwarz` heißt nicht einfach schmutzig, verborgen, geheim, pornographisch oder inoffiziell, obwohl all diese Bezeichnungen mehr oder weniger zutreffen.  `Schwarz` bedeutet, daß die deutsche Seele durch Betrug und raffinierte Erfindungen umgarnt wird, die darauf abzielen, sie aus der Fassung zu bringen, und die an die selbstsüchtigen, treulosen, individualistischen Seiten im Menschen appellieren.
Ein zweiter wesentlicher Zug schwarzer Propaganda ist es, daß sie im geheimen verbreitet wird; deshalb kann man sich von ihr distanzieren und tut dies auch.....
Schwarze Propaganda kann auch spektakuläre Aktionen einschließen.  Wenn die notwendigen Informationen vorliegen, der Augenblick psychologisch günstig ist und die technischen Möglichkeiten vorhanden sind, kann schwarze Propaganda die Form eines Radioprogramms, eines Flugblatts oder einer Reihe von Gerüchten annehmen oder die einer einzigen, sensationellen Rundfunksendung, deren Hauptziel darin besteht, den Feind zu täuschen.  Nicht nur die Nachricht selbst wird ihn beängstigen und verwirren, sondern auch die Tatsache, daß sie scheinbar aus zuverlässiger Quelle stammt.  Die Täuschung, und mit dieser auch die Sicherheitsmaßnahmen, unter denen die Operation durchgeführt wird, sind von erstrangiger Bedeutung.
Eine erfolgreiche, kühne und umfassende schwarze Operation, die sich von allen bisher unternommenen unterscheidet, erfordert, daß Freund und Feind gleichermaßen getäuscht werden.  Die Täuschung muß auch auf die offizielle Propaganda sowie alliierter Zeitungen ihre Wirkung haben, ohne daß diese ahnen, daß sie zum Narren gehalten werden ... Deutsche Dementis müssen ignoriert und viele wichtige Personen müssen im dunkeln gelassen werden.  ... Zahlreiche gefälschte Dokumente und subversive Flugblätter scheinbar deutscher Herkunft sind bereits mit Erfolg verteilt worden.  Ihr Inhalt wurde von der neutralen sowie der alliierten Presse `geschluckt` und zitiert ... Die Propaganda-Agenturen arbeiten mit und durch SOC und OSS (Office of Strategic Services - Büro für strategische Dienste, Vorgänger der CIA), mit denen gemeinsame Pläne zur Produktion und Verteilung von Material erarbeitet werden."
Als relative Neulinge auf dem Gebiet der psychologischen Kriegsführung waren die Amerikaner selbstverständlich auf die Unterstützung, den guten Rat und die Empfehlungen ihrer britischen Vettern angewiesen, denn als die USA in den Krieg gegen Deutschland eintraten, hatte Großbritannien bereits einen wohlorganisierten, fähigen und schlagkräftigen Spionage- und Spionageabwehrdienst auf die Beine gestellt.  Doch Ende 1944, nach sechs Jahren der massivsten und hinterhältigsten psychologischen Kriegführung, welche die Welt je gesehen hatte, war es an der Zeit "die Dossiers zu säubern".  Es sollten möglichst wenige oder am besten überhaupt keine Spuren zurückbleiben, die bewiesen, wie tief die Organisatoren der Propaganda in unverhüllt kriminelle Handlungen und unmoralische Betrugsmanöver verwickelt gewesen waren.
Ellic Howe, ein führendes Mitglied der Abteilung für psychologische Kriegführung schreibt: "Was die regionalen Direktorate und anderen Sektionen betraf, so wurden die Unterlagen in persönlichen Arbeitsdossiers aufbewahrt, und wenn die Büros zu voll waren, warf man überflüssiges Papier einfach weg, ohne seinen Vorgesetzten zu fragen ... Sofort nach dem Krieg wurde der Political Warfare Executive (PWE) so rasch liquidiert, wie die betreffenden Beamten dies vermochten ...
Der PWE hatte eine Archivistin angeheuert, die nicht allzuviel über das Departement gewußt haben dürfte. 
Ihre Anweisungen lauteten, man solle die Unterlagen vernichten und nicht aufbewahren.  Die Bibliothek des Außenministeriums bekam schließlich Material, mit dem man 30 Büros hätte füllen können, doch meiner Ansicht nach muß die Zahl der Dokumente, die tatsächlich existiert hatten, etwa zehnmal größer sein.  Wie zu erwarten, erhielt das PRO
(Public Record Office, National Archives in London) kein einziges Dossier mit Material, das als heikel eingestuft
wurde ..."  Daß dort schließlich doch noch brisantes Material landete, ist eine Ironie des Schicksals.  Doch dazu später mehr.

Zu den banaleren Gründen, warum viele Dossiers vernichtet wurden, gehörte ihr pornographischer Charakter.  Howe bemerkt hierzu: "Ich erhielt keinerlei Anweisungen zur Vernichtung von Papieren, insbesondere von Hunderten von Exemplaren schwarzer Druckerzeugnisse einschließlich zweier recht spektakulärer pornographischer Objekte.  Ehe ich nach Deutschland abreiste, stopften meine Sekretärin und ich alle unsere Akten in Säcke, deren Inhalt flugs unter strikter Kontrolle eingestampft wurde; darum hat meine Einheit sehr wenig dokumentarisches Beweismaterial hinterlassen ...
Die Welt der Wissenschaft wird umsonst nach der Pornographie Ausschau halten."
Laut William Casey "wurde der Special Operations Executive von General Colin Gubbins geleitet, einem Schotten von den Hebriden, der die Nachfolge des mit Donovan befreundeten Sir Charles Hambro angetreten hatte ... Man wies ihn an, eine britische Guerilla-Armee aufzustellen, die stark genug war, um den Deutschen arg zuzusetzen, sollten sie in England einfallen."
Die britischen Methoden der psychologischen Kriegführung waren das Modell, an dem sich die Amerikaner bei der Entwicklung ihres eigenen Programms orientierten.  Ellic Howe äußert sich hierzu wie folgt: "Die britische Propaganda wurde vom Political Warfare Executive (PWE) geleitet, einer Organisation, deren Stützpunkte das Bush House in London sowie das ländliche Woburn Abbey waren.  Die PWE-Propaganda gehörte zu den raffiniertesten des Krieges und erregte oft die Bewunderung des alten deutschen Meisters selbst - Dr. Paul Joseph Goebbels. ...
Großbritanniens `schwarze` Propaganda - im eigentlichen Sinne - war sehr viel teuflischer.  In den altehrwürdigen Hallen der Herzöge von Bedford leitete Sefton Delmar (richtig: Delmer), der für die Beaverbrook-Zeitungen mit Bravour und Phantasie aus Hitlerdeutschland berichtet hatte, die `schwarzen` Operationen des PWE.  Seine Mannschaft war ein bunter und faszinierender Haufen.  Einerseits gab es da eine Gruppe begabter Journalisten und Gelehrter, die Deutschland mitsamt den Naziführern, ihrer Biographie und ihrer Psychologie kannten.  (Hierzu gehörte in erster Linie Delmer selbst, der in Deutschland aufgewachsen war.)  Andererseits hatte Delmar eine Schar von Flüchtlingen und Kriegsgefangenen aus Deutschland, Italien sowie slawischen und Balkanländern um sich geschart.  Seine Propagandisten machten sich sowohl das lokale Hintergrundwissen dieser Leute als auch die Flut von Informationen aus Deutschland zunutze, über die Delmar verfügte - die neuesten Zeitungen und Zeitschriften, Radiosendungen, Verhöre von Kriegsgefangenen -, um zielstrebig Gerüchte in die Welt zu setzen, die man sibs (von lat. sibulare, "flüstern") nannte.  Diese Gerüchte wurden durch Radiosendungen und Flugblätter, die scheinbar aus Deutschland selbst oder den besetzten Gebieten stammten, verbreitet.
Sie sollten Konflikte heraufbeschwören und die Moral untergraben. 
1944 war das OSS in London bereits so schlagkräftig, daß es sich zutraute, bei der Niederwerfung Hitlers eine nicht minder wichtige Rolle zu spielen als sein britisches Gegenstück.  Die amerikanischen Amateure hatten sich mittlerweile zu waschechten Profis gemausert, und viele der in den vorhergehenden Monaten scheinbar auf gut Glück geschmiedeten Pläne nahmen nun konkrete Gestalt an.

Britischerseits war der oberste Dirigent der schwarzen Operationen Hugh Dalton, den Churchill zum Chef des unlängst gegründeten, finsteren PWE ernannt hatte.  Ein Mann, der Dalton aus nächster Nähe kannte, Thomas Barman, wußte über ihn folgendes zu berichten: "Hugh Dalton pflegte von Zeit zu Zeit nach Woburn zu kommen, um die Truppen zu inspizieren.
Er war ein großer, lärmender Rohling, der sich schon beim Frühstück höchst unflätig benahm.  Meist trug er eine Art schweren, weißen Pullover, wie ihn Klassetorhüter bevorzugen, und fragte, wer ihn gerne an einem Sonntagmorgen bei einem Spaziergang begleiten wolle.  Schon bald meldeten sich immer weniger Freiwillige zu diesen Spaziergängen; die Leute zuckten zusammen, wenn sie seine Stimme hörten, und die war fast überall hörbar ... Bei der Wahl seiner Methoden war er nicht eben zimperlich.  Viele von uns ärgerten sich über seine Gewohnheit, Umgang mit untergeordneten Angehörigen unserer Mannschaft zu pflegen, um herauszufinden, was ihre Vorgesetzten im Schilde führten und was sie sagten ... Seine mit roter Ministerialtinte geschriebenen Kommentare zu den Vorschlägen, die ihm sein Büro unterbreitete, zeichneten sich durch ihre Rüpelhaftigkeit aus."
Sogar im Außenministerium äußerte man sich abfällig über ihn; es hieß dort, Dalton sei ein "Medizinmann, der von einem Ende Europas zum anderen überall deutsche Verbrecher wittert".
Bis Juni 1942 war Richard Crossman, ein linker Sozialist, der allgemein als "brillant" galt, für die Operationen des PWE zuständig gewesen.  Bei seiner Schilderung der von dieser Organisation vollbrachten Großtaten bezeichnete Crossman die schwarze Propaganda als "das einzige Gebiet, wo wir im Krieg tatsächlich unbestritten Spitze waren".  1943 wurde er nach Nordafrika versetzt.  Schon bald nach Beginn seiner Tätigkeit hatte er Freundschaft mit einer Anzahl von Kommunisten geschlossen, darunter Willi Münzenberg, der, so Sefton Delmer, "mit so glänzendem Erfolg die Legende geschaffen hatte, wonach die Nazis den Reichstag angezündet hätten".
Der zweifellos effizienteste Agent des PWE, schreibt Howe, sei Sefton Delmer gewesen, "der Sohn eines englischen Vaters und einer österreichischen Mutter, der im Deutschland Kaiser Wilhelm II. aufgewachsen war.  Sein Büro in Woburn Abbey war mit einem großen, angeblich aus Deutschland gestohlenen Schild geschmückt, auf dem die Aufschrift prangte: `Juden sind hier unerwünscht`."
Auch unter seinen Anhängern galt Delmer als ungehobelt und vulgär.  Als man ihm eröffnete, daß er zum Leiter der antideutschen Rundfunkabteilung des PWE ernannt werden sollte, schilderte ihm Hugh Daltons Assistant Leonard Ingrams seine künftigen Aufgaben wie folgt: "Wie Sie wissen, haben die Deutschen unlängst ein linkes britisches `Freiheitsradio`  gegründet ... Nun denn, mein Minister (Dalton) meint, wir sollten es ihnen mit gleicher Münze heimzahlen, und da er Sozialist ist, scheint es ihm, ein rechter Radiosender wäre zur Verbreitung des Drecks am besten geeignet."
Unvoreingenommene Beobachter, die sich diese Sendungen zu Gemüte führten, meinten, Delmers Propaganda sei nichts weiter als das Echo der Stimme ihres Herrn.  Nach unter zivilisierten Menschen gültigen Maßstäben war Delmer schlicht und einfach ein seelisch abartiges Individuum.  Beispielsweise erteilte Sir Stafford Cripps, als er Delmer einmal über den Weg lief, diesem eine gehörige Mohrenwäsche: "Ich bedaure, daß Sie zu dieser abscheulichen pornographischen Organisation gehören.  Was für Menschen mögen bloß Gefallen daran finden?  Nur die primitivsten Elemente in der Nazipartei, von denen wir ohnehin nichts zu erhoffen haben."  Delmer, so mahnte er, möge sich darauf konzentrieren, den "guten Deutschen", die Deutschland nach der Niederlage der Nazis wiederaufbauen müßten, hoffnungsvolle Botschaften zu vermitteln und ihnen zu zeigen, daß man Sympathie für sie empfand.  Delmer schlug diese Mahnung freilich in den Wind.
In seiner Autobiographie, Trail Sinister, enthüllte er später seine eigenen perversen Gedanken und erzählte, daß er in der Vorstellung geschwelgt habe, der homosexuelle SA-Chef Ernst Röhm mache ihm den Hof.

Selbst unter seinen begeisterten Unterstützern in der rabiat antideutschen Clique, die aus Leuten wie Duff Cooper, Hugh Dalton, Lord Vansittart, Valentina Williams und Leonard Ingrams bestand, haftete Delmer der Ruf an, ein abgefeimter, gerissener Lügner ohnegleichen zu sein, dessen besondere Spezialität die "schwärzeste der schwarzen Propaganda" war.
Ingrams erklärte Delmer ohne Umschweife, er besitze de facto eine unbeschränkte Vollmacht zum Lügen und brauche weder Gewissensbisse zu empfinden noch sich Zurückhaltung aufzuerlegen.  "Nun aber an die Säcke, Tom", ermunterte er ihn.  "Und zeige mir deinen Entwurf möglichst bald.  Für dich ist das eine einmalige Chance, deinen Einfallsreichtum unter Beweis zu stellen.  Du kannst schalten und walten, wie es dir beliebt.  Niemand wird dir ins Handwerk pfuschen."
Delmers Leute verfielen auf den grausamen Einfall, Hitlers früheren Stellvertreter Rudolf Heß, der seit seinem gescheiterten Friedensflug im Mai 1941 in britischer Gefangenschaft schmachtete, zu quälen, indem sie eine Seite aus dem Völkischen Beobachter fälschten, auf der es hieß, Frau Heß sei mitsamt ihrem kleinen Sohn in ein deutsches Irrenhaus eingeliefert worden.  Delmers Gruppe freilich bestritt, daß Heß den getürkten Artikel je zu Gesicht bekam.  Delmer war es auch, der vorschlug, Heß unter Drogen zu setzen, um ihm Informationen zu entlocken.
Dem gefälschten Zeitungsartikel schloß sich bald ein anderer an, von dem man (unrichtigerweise) behauptete, er sei in The Daily Telegraph erschienen.  Es ging darin um ein imaginäres Interview, das Adolf Hitler angeblich in Berchtesgaden dem US-Botschafter in Belgien, John Cudaly, gewährt hatte.  Hitler, so wurde unterstellt, habe gesagt, Heß sei "geisteskrank" gewesen und sein kleiner Sohn Wolf-Rüdiger habe "die Krankheit seines Vaters geerbt" und befinde sich nun "in einer Klinik für Geisteskranke in Behandlung".  Man weiß, daß Heß in britischer Gefangenschaft wenigstens zwei Selbstmordversuche unternommen hat.  Laut seiner eigenen Darstellung in Black Boomerang war Delmer verärgert und irritiert über den von heß unternommenen Versuch, Frieden zwischen Deutschland und England zu stiften.  Delmer wollte Krieg, nicht Frieden.  Darum reagierte er auf Hitlers Friedensangebot im Jahr 1940 als erster, und zwar mit einem solchen Schwall von Beleidigungen, daß sich sogar ein sozialistisches Mitglied des Parlaments darüber befremdet zeigte.
Delmer hatte seinen Mitarbeitern seine Ziele klipp und klar dargelegt.  Zunächst einmal galt: "Das Ziel ... ist subversiv.  Wir wollen unter den Deutschen alarmierende Nachrichten verbreiten, die Zwietracht stiften und sie dazu verleiten werden, ihrer Regierung zu mißtrauen und den Gehorsam zu kündigen, nicht so sehr aus hehren politischen Gründen, sondern aus handfester menschlicher Schwäche.

Einige der von Delmer unterbreiteten Vorschläge zur Verwirklichung dieses Ziels waren höchst widerlich und zeugten von größter Gefühlslosigkeit.  Beispielsweise lautete Richtlinie Nummer 5 wie folgt: "Wir haben bereits sowohl direkt als auch andeutungsweise folgende Botschaft verbreitet:
Die Blockwarte der Partei unterdrücken Nachrichten über Angehörige von Soldaten, die bei Luftangriffen ums Leben gekommen sind ... Es ist lächerlich, in Fabriken den Feuerwehrmann zu spielen, wenn das eigene Haus lichterloh in Flammen steht, weil es dort keine Feuerwehr gibt, und die eigenen Kinder bei lebendigem Leibe verbrennen."
Die amerikanische Botschaft in Berlin, die nicht wußte, daß die Sendungen aus England kamen, fand deren Inhalt aufgrund ihrer "groben und unglaublich obszönen Sprache" abstoßend.  In der düsteren Welt der Greuelpropaganda war der Zweite Weltkrieg alles andere als ein ritterliches Gefecht!
Delmers perverse Phantasien, Verzerrungen und groteske Erdichtungen sollten den Anschein erwecken, zwar etwas sensationshascherisch aufgemachte, aber trotzdem zuverlässige Nachrichten zu sein.  Unter anderem sprach er von der SS-Organisation "Lebensborn", die ledigen Müttern Hilfe erwies, als von einer Institution, die der Unzucht Vorschub leiste und die "heilige deutsche Familie" untergrabe.
Es wäre sehr überraschend gewesen, hätten Delmer und seine Gruppe den mächtigsten Führer des Dritten Reiches keine ganz besondere Aufmerksamkeit angedeihen lassen.  Zu ihnen gehörte auch Heinrich Himmler, und die von diesem geleitete SS wurde zur bevorzugten Zielscheibe der Propaganda.  Delmers Team brandmarkte die SS im allgemeinen und Himmler im besonderen als Hauptschuldige an Deutschlands Unglück.  Die SS wurde als "Himmlers bolschewistischer Abschaum", ihre Angehörigen als "Krypto-Bolschewiken" gegeißelt.  Dadurch sollte erstens der Eindruck erweckt werden, es bestehe eine Kluft zwischen der Partei, der SS und der Wehrmacht, und zweitens sollte die SS den Kräften der nihilistischen Bolschewisten gleichgestellt werden.  Schließlich wurde die SS als innerer Hauptfeind Deutschlands sowie als Bürgerkriegs- und Revolutionsarmee bewertet.
Auch dieser Plan Delmers scheint überstürzt gewesen zu sein und verrät eine ungenügende Kenntnis der SS samt ihrer Ideologie.  Die Idee, die extremsten Antikommunisten innerhalb der NSDAP als "Bolschewiken" zu brandmarken, mutet naiv an, doch Teile der Bevölkerung fielen selbst auf diese Ente herein, was zu beweisen scheint, daß tatsächlich immer etwas hängenbleibt, wenn man nur genügend Schmutz wirft.
Ein Journalist vermerkte vor nicht allzu langer Zeit: "Himmler wurde ständig als der `bleiche Heinrich mit dem Zwicker` geschildert, der von `Emporkömmlingen` umgeben sei.  Keine Anklage war zu absurd, um gegen den Reichsführer erhoben zu werden.  Man warf Himmler vor, er lege `Waffen- und Munitionslager` an, um die Befehlsgewalt über die deutsche Armee an sich zu reißen."

Das Offizierskorps der Wehrmacht fiel in der Regel auf diesen Unfug nicht herein.  Beispielsweise gab General von Schlieben, Kommandeur der 709. Infanteriedivision, gegenüber den ihm untergebenen Offizieren folgende Stellungnahme ab: "Der Feind versucht mit unerhörtem Haß, mit stets neuen Kniffen und Ränken, mit Lug und Trug und allen auch noch so erbärmlichen Mitteln die Moral des deutschen Volkes zu untergraben und eine Entscheidung auf dem 'Schlachtfeld der Nerven' zu erzwingen, so wie er es im Ersten Weltkrieg getan hatte."
In einem hinter den deutschen Linien abgeworfenen Flugblatt, das den Eindruck erwecken sollte, es stamme aus Deutschland selbst, hieß es: "Himmler hat alle Vorbereitungen für den großen Verrat getroffen.  Wenn er meint, die Zeit sei reif, uns an die Sowjets zu verkaufen, wird er darauf bauen, daß die Reservearmee dagegen machtlos sein wird ... Himmler spekuliert darauf, daß die Feldarmee untätig bleiben wird, wenn sie an der Front gegen die russischen Bolschewiken und gegen die einheimischen Bolschewiken kämpfen muß.  Wenn die Ostfront an die deutsche Grenze zurückverlagert wird, was Herr Himmler erwartet, dann wird Herr Himmler gerne bereit sein, mit dem anderen Herrn in Moskau ein gütliches Abkommen zu treffen ... Himmlers Verrat muß verhindert werden - und wir sind es, die ihn verhindern müssen ..."
Hitlers Reaktion auf diese Erfindungen war, daß er Himmler nacheinander zum Oberbefehlshaber zweier Heeresgruppen ernannte, einer an der Ost- und einer an der Westfront.  Zudem übernahm der Reichsführer-SS auch den Oberbefehl über den Volkssturm.  Allem Anschein nach schlug Delmers Versuch, bei der NSDAP und Hitler Stimmung gegen Himmler zu machen, also fehl.  Nicht bestreiten läßt sich freilich, daß der Delmer-Mannschaft bei ihre Versuchen, die Wehrmacht-Kommandeure gegen Partei und SS aufzuwiegeln, erhebliche Erfolge beschieden waren.
Hitler selbst war anfänglich nicht direkt unter Beschuß geraten, denn genau wie Allen Dulles verfolgte Delmer die Strategie, die SS gegen die Wehrmacht sowie gegen die Luftwaffe auszuspielen.  Erst 1942 ritt Delmer erstmals seit seiner Reaktion auf Hitlers Friedensangebot von 1940 wieder unmittelbare Attacken gegen diesen. 
Er schilderte ihn als Opfer seiner eigenen Partei, besonders aber Himmlers und der SS.  Gleichzeitig setzte er auch das - später emsig kolportierte - Gerücht in die Welt, Hitler sei drogensüchtig, krank und "unfähig, kompetente Entscheidungen zu treffen".
Bei seinem üblen Treiben stützte sich Delmer auf einen bunt zusammengewürfelten Haufen, dessen Angehörige zum allergrößten Teil politisch links standen und zu dem auch erklärte Kommunisten zählten (von denen sich später einige mehr oder weniger glaubhaft vom Kommunismus lossagten).  Laut seinem nominellen Vorgesetzten Richard Crossman rekrutierte Delmer "eine buntscheckige Truppe von Internierten, Emigranten und später auch Kriegsgefangenen.  Unter seinem Personal gab es Stalinisten, Trotzkisten, ehemalige Angehörige der internationalen Brigaden, (abtrünnige) SS-Leute und gegen Kriegsende auch einen Mann, der, wenn auch nur in einer Nebenrolle, an der Verschwörung des 20.Juli mitgewirkt hatte und nach der Hinrichtung seines Bruders nach Lissabon geflohen war".
Wie Delmer selbst festhielt, waren viele - wenn nicht die meisten - seiner Informanten jüdische Flüchtlinge, die ihn über Lissabon mit einem steten Strom von Nachrichten belieferten.  "Zum Glück verfügten wir über die Geschichten und die Personen, die ich nach meiner Befragung jüdischer Flüchtlinge in Lissabon mitgebracht hatte, so daß wir unseren Erfindungen frisches Blut und frische Farbe verleihen und einen angemessenen Hintergrund dafür schaffen konnten ... Max Braun, der Sozialistenführer, der im Saarland die Front gegen Hitler geleitet hatte, konnte uns dank seiner Informationen aus sozialistischen Quellen in Europa sowie des bemerkenswerten Scharfsinns, den er bei der Lektüre und Interpretation deutscher Zeitungen an den Tag legte, sehr behilflich sein.  Max war der dritte Mann, der zu meinem Team stieß."

Auch für die Gründung eines "Gerüchtekomitees", dem die Fabrizierung und Verbreitung plumper Greuelpropaganda oblag, trug Delmers Equipe die Verantwortung.  Doch schon bald nach der Auflösung des Teams wurden die Konzentrationslager Bergen-Belsen und Buchenwald von alliierten Truppen erreicht, und in Anbetracht der sehr realen Schrecken, die man dort entdeckte, hätten sich die Delmer-Leute weitere Horrorpropaganda ohnehin sparen können.  Zudem hatten die Lagerhäftlinge bereits ihre eigenen "Komitees" gegründet, die sich bei der Verbreitung von Gerüchten ebenfalls keine Mäßigung auferlegten.
Der seltsamste Vogel, den Delmer für seinen Lügenfeldzug rekrutiert hatte, war vielleicht "der Priester", der behauptete, ein römisch-katholischer Geistlicher zu sein und "Pater Andreas" zu heißen.  Angeblich hatte seine religiöse Bruderschaft "Pater Andreas" ihren Segen zur Verbreitung von allerlei Unrat und Lügen erteilt, die er sich für die Delmer-Mannschaft aus den Fingern sog.  Sein Lieblingsthema war die Verfolgung katholischer Priester in Deutschland einschließlich Österreichs, wobei er Tatsachen und Erfindungen vermischte.  Auf Anweisung Delmers behaupteten seine Untergebenen, die Sendungen, die von "Pater Andreas" unter dem Titel "Christus der König" ausgestrahlt wurden, stammten aus dem Vatikan selbst!
"Pater Andreas" begann seine Sendung meist mit frommen Ermahnungen, "Christus den König" zu preisen, wonach er ein kurzes Gebet sprach und ein Zitat aus der Heiligen Schrift vorlas.  Hitler wurde unweigerlich als "Moloch", "unser neuer Herodes", "Baal" oder "der gottlose Prophet" betitelt, während seine Herrschaft als "Gesetz des Bösen" und seine Anhänger als "Atheisten" geschmäht wurden.  Man hätte beinahe meinen können, der "Pater" spreche von Stalin und der Sowjetunion!  Mit unüberbietbarer Heimtücke rief der fromme und menschenfreundliche Gottesmann das deutsche Volk schließlich zu "Widerstand und Märtyrertum" auf, während er selbst gesund und munter in Delmers abgelegener und wohlbeschützter Operationsbasis in Woborn Abbey hockte.  Tatsächlich war er nicht nur gesund und munter, sondern zeigte auch keine Scheu davor, mit Delmer und seinen Leuten Partys zu feiern.  Ein Amerikaner, der die Zentrale eines Abends besuchte, war verblüfft, den Priester einen afrokubanischen Tanz (Conga line) aufs Parkett legen zu sehen!
Es mag als unergründliche Laune der Geschichte erscheinen, daß man für dieses trübe Manöver einen Mann gewählt hatte, der sich als Priester ausgab, doch ihre Organisation ungeniert mit "schwarzer Magie", einer "schwarzen Messe" und dem "Schwarzmarkt" in Verbindung brachte.

Schon bald hatten die amerikanischen Propagandisten, die es ihren britischen Zunftgenossen gleichtung wollten, einen Hollywood-Drehbuchautor namens Polonski eingeflogen, der den Text der nach Deutschland auszustrahlenden Sendungen verfaßte.
Es versteht sich von selbst, daß der fromme "Pater Andreas" nicht der einzige deutsche Kollaborateur war, den Delmer bei seinen für das Reich bestimmten Rundfunksendungen einsetzte.  Deutschen Überläufern kam in seiner Lügenzentrale eine besondere wichtige Aufgabe zu.  Freilich muß man ihm zugute halten, daß er sich ihnen gegenüber vollkommen ehrlich verhielt und ihnen ungeschminkt darlegte, was von ihnen erwartet wurde, falls sie sich dafür entschieden, sich zu seinem "Team" zu gesellen.  Unverblümt warnte er jeden Anwärter: "Wenn Sie bei mir arbeiten möchten, muß ich Sie darauf hinweisen, daß wir in meiner Einheit zu den allerschmutzigsten Tricks greifen.  Wir schrecken vor nichts zurück.  Je fieser, desto besser.  Lügen, Verrat, alles mögliche."
Während der Krieg immer erbitterter tobte und immer größere Opfer forderte, verstärkten Delmer und seine Leute ihre Anstrengungen, einen Keil zwischen SS und NSDAP zu treiben, indem sie eine falsche deutsche Briefmarke mit Himmlers Konterfei herstellten.  Diese getürkten Briefmarken wurden in neutralen Ländern verwendet und den Herausgebern von Zeitungen zugestellt, damit die Empfänger die Nachricht von ihrer Existenz verbreiten sollten.  Auf deutsche Dementis reagierte man mit der Verbreitung von Gerüchten, wonach diese Marken zu einer von Himmler heimlich vorbereiteten Serie gehörten, von der einige wenige Exemplare entweder fahrlässigerweise oder in böser Absicht vorzeitig in Umlauf gebracht worden seien.
Diese Briefmarken wurden im Mai 1943 hergestellt, ungefähr zu jener Zeit also, als Allen Dulles an seinem Plan arbeitete, zwischen Himmler, Hitler, der SS, der NSDAP sowie der Wehrmacht Zwietracht zu stiften.  Dulles`Arbeitgeber , das OSS, war das Gegenstück zum britischen PWE und verfolgte ähnliche Strategien.
In einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters vom 22.Juli 1998 berichtete die Journalistin Helen Smith: "Eine von britischen Geheimagenten während des Zweiten Weltkrieges hergestellte falsche Briefmarke soll die Hoffnungen des damaligen mächtigen deutschen Innenministers Heinrich Himmler durchkreuzt haben, Adolf Hitler, dessen Kräfte nachließen, die Macht zu entreißen.  Laut Dokumenten, die am Donnerstag vom britischen Public Record Office freigegeben wurden, galt die Sechspfennigmarke mit Himmlers Konterfei als einer der größten Coups, welche die Agenten vom Special Operations Executive gelandet haben."
Dies ist eine eher erstaunliche Einschätzung einer Episode, die bereits seit langem bekannt ist.  Delmer erwähnt sie in seinem Buch Black Boomerang als "Kampagne mit der Himmler-Marke", die ein kläglicher Fehlschlag gewesen sei.  Freilich behauptet dieselbe Journalistin auch, Himmler habe 1945 Selbstmord begangen, weil man ihm in der Dönitz-Regierung keinen Posten eingeräumt habe.  Wäre dies der Fall gewesen, so hätte er sich bereits in Flensburg entleibt.
Getreu dem bewährten Grundsatz "Teile und herrsche" wurde auch versucht, innerhalb der SS selbst Flügelkämpfe zu entfachen.  Ein diesbezüglicher Plan sah folgendes vor: "Die Grundidee der Zentrale bestand darin, zu behaupten, es gebe in der Waffen-SS eine kleine, aber mächtige Fraktion, die sich gegen Hitler, Himmler und die Partei gewandt habe.  Die Angehörigen dieser Fraktion seien der Ansicht, daß die soldatischen Ideale, die sie ursprünglich zum Beitritt zur SS sowie zur Annahme ihrer Ideologie veranlaßt hätten, von diesen Männern weitgehend verraten worden seien."  Genau dies wurde dann in der Nachkriegszeit behauptet; wie noch zu sehen sein wird, versuchte man den ehemaligen Angehörigen der SS zu suggerieren, sie seien von Himmler, Hitler und den anderen Angehörigen der "kriminellen Bande" verraten worden, die ihren jugendlichen Idealismus mißbraucht habe.

Delmer stütze sich zur Verwirklichung seiner Pläne stark auf einen Mann, den er persönlich nicht ausstehen konnte, nämlich den früheren Obersturmbannführer der Waffen-SS Hans Zech-Nenntwich, der behauptete, er gehöre einer Widerstandsbewegung innerhalb dieser Truppe an; deren geheimer Führer sei Hermann Fegelein gewesen, Himmlers Verbindungsoffizier zur Reichskanzlei, Ehemann der Schwester Eva Brauns und somit Hitlers inoffizieller Schwager. 
"Unser Mann", prahlte Zech-Nenntwich gegenüber Delmer, "wird meine Stimme erkennen und mir gehorchen."  Delmer gab Zech-Nenntwich das Leitmotiv vor, an dem er sich bei seinen Rundfunksendungen für die SS zu orientieren hatte: "Wir sind verraten worden.  Wir müssen uns von jenen befreien, die uns verraten haben ..."
Delmer, der jede Gelegenheit zur Verbreitung von Desinformation beim Schopfe packte, schlachtete auch das Attentat auf Hitler im Juli 1944 sofort weidlich aus und behauptete, Himmler beabsichtige, "die Stelle des Führers einzunehmen".
Dieselbe Strategie verfolgte zur gleichen Zeit auch Dulles von der Schweiz aus.  Doch vollzog Delmer eine Kehrtwendung um 180 Grad, indem er nun, statt Himmler wie bisher zu attackieren und zu verunglimpfen, plötzlich durchblicken ließ, der Reichsführer-SS sei der "rechte Mann", um den Führer zu ersetzen!  Er schreibt: "Ich leitete eine Operation in die Wege, die ich 'Himmler for President' taufte.  Es handelte sich dabei um eine Gerüchtekampagne, die den Eindruck erwecken sollte, der ehrgeizige Himmler wolle seinen verletzten Führer hintergehen, ihn entmachten und sich selbst an seine Stelle setzen."
Obwohl sie sehr genau wußten, daß die Westalliierten niemals einen Friedensvertrag mit Deutschland unterzeichnen würden, egal ob Hitler dort an der Macht blieb oder nicht, strahlten Delmer und sein Team auch weiterhin Aufrufe an die bedrängte deutsche Bevölkerung und die Führungsspitzen der Wehrmacht aus und machten ihnen Hoffnungen für den Fall, daß sie "sich Hitlers entledigten".  Genau dasselbe tat auch Delmers Milchbruder vom OSS, Allen Dulles, von seinem Hauptquartier in Bern aus.
Delmer bekannte sich freimütig zu diesem kriminellen Täuschungsmanöver: "Ich stellte ein gefälschtes Exemplar einer 'freien' Frankfurter Zeitung her, das scheinbar vom deutschen Widerstand stammte, und zitierte es in einem Leitartikel, in dem ich betonte, wie notwendig es sei, Hitler zu stürzen und eine deutsche Friedensbewegung zu gründen ... Ein Separatfrieden kam natürlich nicht in Frage.  Doch wenn 'Calais' (Delmers angeblich im deutschen Machtbereich befindliche Rundfunkstation), das unermüdlich wiederholte, der Ostfront gebührte die Priorität, die Generale zu einem Vorgehen gegen ihren obersten Kriegsherrn verleiten konnte, würde ich mir die Hände reiben können."  Selbstverständlich kostete Delmers Anstiftung zum Mord viele völlig unschuldige Menschen das Leben, doch dies rief bei ihm lediglich ein Achselzucken hervor: "Es tut mir leid, daß die Generale an Hitlers Fleischerhaken endeten", schreibt er, "doch kann ich nicht behaupten, Gewissensbisse darüber zu empfinden, daß ich bei ihnen falsche Hoffnungen erweckt habe; sie erhoben sich erst gegen ihn (Hitler), als es klar war, daß er und sein Eroberungskrieg gescheitert waren."

Kurz vor dem Ende des Krieges in Europa begriff Delmer, daß seine Mission zu Ende war, und löste seine Mannschaft auf.  Doch dies hinderte ihn nicht daran, schon bald in britischer Uniform nach Deutschland zurückzukehren, so wie es sein Vater 1918 getan hatte.  Ihm standen in dem Land, zu dessen Zerstörung seine Propaganda ihr Scherflein beigetragen hatte, weitere Aufgaben bevor.  Ehe er nach Deutschland abreiste, schor er sich den ungepflegten Bart, den er im Krieg getragen hatte.  Als er sein Antlitz im Spiegel betrachtete, erkannte er voller Verblüffung das Abbild seiner "Seele" nach Jahren der Lüge und der Anstiftung zum Mord: "Mich starrte das bleiche Gesicht eines Gauners mit verkniffenem Mund an."
Aus all dem läßt sich der Schluß ziehen, daß die alliierte Antwort auf die NS-Propaganda in vielerlei Hinsicht einfach darin bestand, diese mit umgekehrtem Vorzeichen nachzuäffen, und zwar bis in alle Einzelheiten.  Dies gilt allerdings nur mit Einschränkungen, da sich die deutsche Propaganda größere Zurückhaltung auferlegten.  Wie Delmer selbst freimütig einräumte, hat Goebbels nie zu den "schwarzen" Taktiken gegriffen, derer sich die Briten bei ihrer psychologischen Kriegführung bedienten.
So entwickelte sich Lord Vansittart, ein Mann, der als rabiater Deutschenhasser bekannt war und zu Delmers enthusiastischsten Anhängern zählte, ganz einfach zu einem Gegenstück Julius Streichers: Statt von "dem Juden" sprach er von "dem Deutschen", doch das Niveau der Propaganda war dasselbe.  Für Vansittart und seine Clique besaß "der Deutsche" eine genetische Veranlagung zu Grausamkeit, Manipulation und Aggression.  Hier waren es "die deutschen Nazis" und nicht etwa "die jüdischen Kommunisten", die die Welt zu erobern und zu beherrschen trachteten.  Anstatt Jerusalem stand nun Berlin im Zentrum dieser "Verschwörung" gegen den Weltfrieden.  Von Moskau war bei Vansittart und Konsorten aus rein taktischen Gründen nie die Rede.
Auch auf amerikanischer Seite gab es viele, die ähnlich über die Deutschen dachten, allen voran General Dwight D. Eisenhower, der sich in seinem Buch Crusade in Europe (Kreuzzug in Europa) oft abschätzig über "den Deutschen" äußerte, so wie Julius Streicher "der Jude" schrieb, wenn er das jüdische Volk in seiner Gesamtheit meinte.  Freilich haben Delmer und seine Gruppe, und später auch die Amerikaner, diese bloße Nachahmung nationalsozialistischer Pauschalurteile unter umgekehrtem Vorzeichen bei weitem übertroffen, indem sie allerlei Greuelgeschichten, die von verbitterten Emigranten und Verfassern von Horrorgeschichten stammten, noch ausfeilten und dann massiv verbreiteten. 
Der verblüffende Erfolg der alliierten schwarzen Propaganda stellt einen beklemmenden Beweis dafür dar, wie einfach die öffentliche Meinung manipuliert werden kann, wenn man nur über eine effiziente Organisation und die erforderlichen Geldmittel verfügt.
1943 zeichnete sich eine Wende ab.  Hatte man sich bisher auf Rufmord beschränkt, so führte die veränderte Kriegslage nun dazu, daß neue Prioritäten gesetzt wurden und neue Taktiken zum Einsatz gelangten.  An die Stelle des bloßen Rufmords trat jetzt der Aufruf zur physischen Liquidierung gewisser Personen.