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Japans Untergang |
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(Quelle: Magazin DMZ Nr. 46 vom Juli-August 2005) Das Kriegsende im Pazifik und in Ostasien vor 60 Jahren Die Niederlage Japans war zu
Beginn des Jahres 1945 noch keineswegs so
deutlich absehbar wie der Zusammenbruch Deutschlands. Noch
hielten die japanischen Truppen Teile der Philippinen (Luzon) und
Burmas, Thailand, Indonesien (Niederländisch-Indien),
Französisch-Indochina und Teile des chinesischen Festlandes samt
der Mandschurei (Mandschukuo), Formosa sowie die dem Mutterland
vorgelagerte Insel Okinawa, während sich die restliche Flotte auf
das Südchinesische Meer beschränken mußte. Die
japanischen Marineflieger fügten den amerikanischen
Flottenverbänden schwere Verluste durch Selbstmordpiloten
("Kamikaze", der "göttliche Wind") zu, so daß sich die
US-Angreifer bewußt waren, daß der Kampf um Japan selbst
ziemlich hart werden würde.
Ein Vorteil für die Amerikaner lag in der inzwischen gelungenen Dezimierung der japanischen Handelsflotte, die immer weniger in der Lage war, das Mutterland mit den benötigten Rohstoffen und Lebensmitteln zu versorgen. Die Tonnage war von etwa sechs Millionen Bruttoregistertonnen zu Kriegsbeginn auf 2,5 Millionen zum Jahresende 1944 gesunken, ein Erfolg, an dem die amerikanischen U-Boote den Hauptanteil hatten. Obendrein hatte das japanische Marinekommando erst Ende 1943 eine Flotte zum Schutz der Geleitzüge gebildet. Eine maritime Zusammenarbeit mit dem Bündnispartner Deutschland wie sie noch im Frühjahr 1942 angestrebt worden war, beschränkte sich nach dem Abbruch der Atlantikschlacht durch die deutsche Seekriegsleitung im Mai 1943 auf ein Minimum. Kampf
um die Philippinen
Ende Oktober 1944 hatte die japanische Flotte noch einmal versucht, mit allen verfügbaren Kräften die Landung der Amerikaner im Golf von Leyte auf den Philippinen zu verhindern; man war bestrebt, vielleicht doch noch eine Wende im Seekrieg zu erzwingen. In der größten Seeschlacht des Zweiten Weltkrieges, an der insgesamt 282 Schiffe teilnahmen, hatten die japanischen Kampfgruppen jedoch so katastrophale Verluste zu beklagen, darunter vier Flugzeugträger und drei Schlachtschiffe, daß die Seeherrschaft im Westpazifik von nun an völlig in den Händen der US-Marine lag. Der letzte Widerstand auf Leyte erlosch allerdings erst am 5. Mai 1945. General Douglas MacArthur und Admiral Chester W.Nimitz, die beiden US-Oberbefehlshaber, bereiteten Anfang 1945 den Angriff auf das unmittelbare Vorfeld Japans vor. Mit der Schlacht um Leyte wurde auch das Schicksal der Philippinen entschieden, deren Besitz als ausschlaggebend für die Sicherung der Ölversorgung aus Borneo und Sumatra galt. Brach die Ölversorgung zusammen, war der Krieg für Japan unausweichlich verloren. Mitte Januar erzielte die 3. US-Flotte mit einer Trägerkampfgruppe große Erfolge im Südchinesischen Meer, wobei etwa 300.000 Bruttoregistertonnen an japanischem Schiffsraum versenkt und die Ryukyu-Inseln, unter denen Okinawa die wichtigste war, angegriffen wurden. Am 9. Januar landete die 6. Armee mit sechs Divisionen auf Luzon, der Hauptinsel der Philippinen, die japanischen Gegenschläge erfolgten hauptsächlich durch Kamikaze-Flieger und Selbstmord-Sprengboote. Mitte Februar erlitten die Amerikaner, als sie auf der Felseninsel Corregidor landeten, die den Zugang nach Manila sperrte, nochmals hohe Verluste. Nach zehn Tagen erbitterter Kämpfe sprengte sich der Rest der 6.000 japanischen Verteidiger selbst in die Luft. Um Manila kam es zu schweren Häuserkämpfen, da die japanische Besatzung eingeschlossen worden war und die letzten Einheiten erst am 26. Februar kapitulierten. Die in den unwegsamen Nordteil Luzons zurückgedrängten Japaner, etwa 50.000 Mann, hielten ihre Stellungen bis zum Tag der Gesamtkapitulation. Doch hatte dieses Ausharren keine operative Bedeutung mehr, da die dortigen Truppen in den Endkampf um Japan nicht eingreifen und auch die weiteren Aktionen der Amerikaner nicht behindern konnten. Der
chinesische Kriegsschauplatz
Die amerikanische Führung versprach sich von der Unterstützung der chinesischen Nationalstreitkräfte unter Tschiang-Kai-schek eine erhebliche Rückenbedrohung Japans vom Festland aus. Immerhin wurden etwa ein Drittel des japanischen Heeres sowie zahlreiche Transportmittel auf dem Kriegsschauplatz in China gebunden. Um bevorstehende amerikanische Luftangriffe vom südchinesischen Festland aus zu unterbinden, stießen japanische Truppen im Sommer 1944 bis an die Grenze zu Indochina vor, wobei die Kuomintang-Truppen mehr oder weniger kampflos zurückwichen. Das Verhältnis der Amerikaner zu Tschiang-Kai-schek verschlechterte sich zusehends - ein Umstand, der auch in der amerikanischen Nachkriegspolitik gegenüber Nationalchina eine große Rolle spielen sollte. Schon damals zeichnete sich als Alternative ab, die aktiveren Rotchinesen unter Mao-Tse-tung zu bevorzugten. Auf dem Kriegsschauplatz Burma gelang den Alliierten erst im Januar 1945 die Öffnung einer Landbrücke nach Südchina, während die Hauptstadt Rangun erst Anfang Mai erobert werden konnte. Am 19. Februar begannen die Amerikaner den entscheidenden Angriff auf die Inselfestung Iwojima und am 1. April gegen die Insel Okinawa. Seit Anfang Dezember hatte die 7. Luftflotte fast täglich schwere Angriffe gegen die Festung Iwojima geflogen, die mit 22.000 Mann verteidigt wurde. Ein Geschwader aus Schlachtschiffen, Kreuzern und Geleitträgern nahm die Insel drei Tage hindurch unter Beschuß, bis schließlich die Landung stattfand. Doch der Widerstand war so stark, daß die beiden anfangs eingesetzten Marineinfanteriedivisionen fast wieder ins Meer geworfen wurden. Bis zum 27. März, als sich die Angreifer endlich durchgesetzt hatten, war fast ein Drittel der Invasionsstreitmacht gefallen oder verwundet. Um die Insel Okinawa, die von der 32. Armee mit etwa 100.000 Mann verteidigt wurde, entbrannte die "letzte Schlacht". Die 5. US-Flotte bot über 1.200 Schiffe auf, die die größte amphibische Formation des Krieges bildeten. Aber auch die neugebildete britische Pazifikflotte unterstützte das Unternehmen. Die japanische Luftwaffe warf alle ihre Kamikaze-Piloten in die Schlacht, die immerhin 30 gegnerische Schiffe vernichteten und 268 beschädigten. Selbst das amerikanische Flaggschiff "Bunker Hill" mußte schwer beschädigt herausgezogen werden. Die Insel selbst wurde bis zum 21. Juni gegen verzweifelten Widerstand erobert und wenige Wochen später als Basis für die strategischen Luftangriffe gegen Japan benutzt. Alliierter
Bombenterror
Seit Februar hatten die amerikanischen Bombergeschwader ihre Angriffe gegen das japanische Mutterland verschärft und belegten die größeren Städte mit Brandbomben. Die B-29 Bomber "Superfortress" flogen von Stützpunkten auf den Marianen, Saipan und Guam massive Angriffe gegen Tokio mit seinen sechs Millionen Einwohnern. Der bis dahin größte Luftangriff auf die Stadt, in der Nacht zum 10. März mit 334 Superfortress-Bombern, von denen jeder acht Tonnen Brandbomben trug, verursachte mehr Verwüstungen als der Abwurf der ersten Atombombe auf Hiroshima. Tokio bestand zum Großteil aus leichtgebauten Häusern, die schnell Opfer der Flammen wurden. Ein Viertel aller Häuser sank in Schutt und Asche. In dieser Nacht starben 84.000 Menschen und 41.000 wurden verletzt. In der nächsten Nacht fand ein ähnlich vernichtender Angriff auf Nagoja statt. Weitere Großangriffe gegen Tokio, Osaka, Nagoja und Kobe zermürbten die Widerstandskraft des Gegners. Im Mai griffen über 500 Superfortress-Bomber mehrmals das bereits schwer beschädigte Tokio an, das zur Hälfte zerstört wurde. Insgesamt forderten die Luftangriffe im Verlauf des Krieges - ohne Berücksichtigung der beiden Atombombenabwürfe - etwa 260.000 Menschenleben, während über 400.000 Menschen verletzt wurden. Das Deutsche Reich verzeichnete über 600.000 Luftkriegstote. Der Zeitpunkt des Zusammenbruchs Japans rückte mit Riesenschritten näher, da die Ölversorgung des Landes im April lahmgelegt worden war; für den vergeblichen Opferangriff des letzten und größten Schlachtschiffes der Welt, der "Yamato", am 6. April hatten die Japaner sämtliche Ölreserven aufgebraucht. Die Einfuhr von Eisenerz und Kohle aus China und der Mandschurei fiel im Juli aus. Es war also nur noch eine Frage der Zeit, wann die Rüstungsindustrie aus Mangel an Rohstoffen ihre Produktion würde einstellen müssen. Mitte Juli führten Trägerflugzeuge massive Angriffe gegen Ziele in Zentral- und Nordjapan durch, wobei sie kaum mehr auf Jagdabwehr stießen. Ende Juli vernichteten Trägerflugzeuge die Reste der gegnerischen Flotte in der japanischen Inlandssee. Die Erfolge der amerikanischen Frühjahrsoffensive gaben denjenigen Politikern, die auf eine Kapitulation Japans hinarbeiteten, Auftrieb. Nach der Regierungsübernahme durch Admiral Kantaro Suzuki am 5. April versuchte Außenminister Shigenori Togo im Auftrag des Kaisers, die sowjetische Regierung für Vermittlerdienste zu gewinnen. Man bot dafür der Sowjetunion Gebietsabtretungen an. Doch Stalin entzog sich diesem Ansinnen, da eine Fortsetzung des Krieges zwischen Japan und den Westmächten viel eher in seiner Absicht lag. Obendrein bereitete er eine Offensive gegen das Inselreich vor, um Anteil am Sieg über Japan zu haben und damit seinen politischen Einfluß in Ostasien zu steigern. Stalin und Molotow spielten ein doppeltes Spiel, indem sie einerseits versicherten, den Nichtangriffspakt mit Tokio bis zu seinem Auslaufen 1946 einzuhalten, gleichzeitig aber einen Angriff planten. Schon am 11. Februar hatten die Alliierten in Jalta vereinbart, daß die Sowjetunion nach dem Kriegsende in Europa in Ostasien eine Offensive starten würde, wobei beträchtliche territoriale Gewinne in Aussicht standen (u.a. Südteil Sachalins, Kurilen, Pacht Port Arthurs). Abwurf von Atombomben Doch die Regierung in Washington wußte auch von den japanischen Friedensbemühungen, was ihrer Absicht zuwiderlief, den Krieg ohne Einmischung der UdSSR zu gewinnen. Die Forderung nach einer bedingungslosen Kapitulation Japans wurde aufrechterhalten. Seit mehreren Wochen hatte Außenminister James Francis Byrnes mit anderen Politikern über den Einsatz der ersten Atombombe beraten, und schließlich stimmten auch Kernphysiker wie Robert J. Oppenheimer und Enrico Fermi dem Vorhaben zu. Am 24. Juli, also noch während der Potsdamer Konferenz, erhielt General Carl A. Spaatz, der die strategischen Luftangriffe gegen Japan leitete, den Auftrag, ab dem 3. August bereit zu sein, je nach Wetterlage einen Atombombenangriff auf eine von vier genannten Städten, darunter Hiroshima, durchzuführen, falls Japan bis dahin nicht kapituliert hätte. Doch dieser Angriff sollte weniger die Kapitulationsbereitschaft - die längst vorhanden war -, als vielmehr als Warnsignal an die Sowjetunion dienen. Am 26. Juli erging die Potsdamer Erklärung, die für Japan ähnlich harte Bedingungen enthielt, wie sie für das besiegte Deutschland galten; die Frage der Beibehaltung der Monarchie wurde offen gelassen, ein heikler Umstand, der die Position der japanischen Friedenspartei schwächte. Da sich die Regierung in Tokio zunächst nicht konkret äußerte und immer noch auf eine Vermittlung durch die Sowjetunion wartete, gab Truman auf der Rückreise von Potsdam am 2. August den Einsatzbefehl für den Abwurf der Atombombe. Inzwischen hatten weitere verheerende Luftangriffe stattgefunden, und bis zum 3. August waren alle wichtigen Häfen Japans und Koreas vermint worden. Dies bedeutete die totale Blokade. Obwohl Japan unmittelbar vor dem Zusammenbruch stand, wurde am 6. August die Bombe "Little Boy" über Hiroshima angeworfen, wo daraufhin über 92.000 Menschen starben und über 37.000 verletzt wurden. Drei Tage später traf "Fat Man" die Stadt Nagasaki und verursachte ca. 40.000 Tote und 60.000 Verwundete. Mindestens 200.000 Japaner starben an den Folgen des A-Waffeneinsatzes. Die Kapitulation Doch diese Vernichtungsschläge verhinderten nicht die sowjetische Invasion. Am 8. August erklärte die UdSSR dem längst kapitulationsgeneigten Japan den Krieg. Tags darauf begann der Angriff von drei Heeresgruppen mit 80 Divisionen, die innerhalb von zwei Wochen gegen geringen Widerstand die Mandschurei und den Nordteil Koreas eroberten. Nach hektischen Beratungen erging am 10. August das Kapitulationsangebot der japanischen Regierung, das am 13. August von US-Außenminister Byrnes beantwortet wurde, wobei er die künftige Staatsform von einem Volksentscheid abhängig machte und das Kaisertum der Autorität des alliierten Oberbefehlshabers unterstellte. Nach heftigen Kontroversen und einem fehlgeschlagenen Offiziersputsch verkündete der Kaiser am 14. August die Kapitulation. Die Waffenstillstandsurkunde wurde am 2. September an Bord des US-Schlachtschiffes "Missouri" in Gegenwart von General MacArthur und Admiral Nimitz vom neuen Außenminister Shigemitsu unterzeichnet. Am 9. September fand schließlich in Nanking die Unterzeichnung der Kapitulation der japanischen China-Armee (etwa eine Million Mann) statt. In der Folge besetzten amerikanische Truppen große Teile Japans und die vorgelagerten Inseln. 5,4 Millionen japanische Heeres- und 1,8 Millionen Marinesoldaten gerieten in Gefangenschaft. Die letzten Einheiten auf den Pazifikinseln wurden am 24. Oktober entwaffnet. Indem General MacArthur die Besatzungszonen bestimmte, legte er den westlichen Einfluß am 38. Breitengrad in Korea und am 16. Breitengrad in Vietnam fest, was weitreichende Auswirkungen für die Zukunft haben sollte. Der Sieg der Alliierten bedeutete auch einen Teilsieg für Mao-Tse-tung, dessen Streitkräfte bereits fast eine Million und dessen Miliz 2,2 Millionen Mann zählten. Außerdem hatte er einen beträchtlichen Gebietszuwachs erzielt, wogegen die Kuomintang-Regierung Territorien und an Ansehen verloren hatte. Wenn auch noch am 14. August ein Freundschafts- und Bündnisvertrag zwischen China und der Sowjetunion zustandekam, so neigten sich die Vorteile im chinesischen Bürgerkrieg, der von nun an heftiger entbrannte, immer mehr auf die Seite der Rotchinesen. Siegerjustiz Parallel zum Tribunal in Nürnberg fand auch in Japan ein Prozeß gegen prominente Personen statt, denen man vorwarf, Kriegsverbrechen begangen zu haben. 28 Personen, darunter mehrere ehemalige Ministerpräsidenten und Minister, zwei Botschafter und sechs Generale wurden in Tokio angeklagt. Einer der schwerwiegendsten Anklagepunkte betraf die angeblichen Massenmorde und -vergewaltigungen in Nanking im Juli und August 1937. Weiter standen die angeblichen Versuche an Gefangenen, die mittels Chemikalien und biologischer Giftstoffe durchgeführt worden sein sollten, auf der Tagesordnung. Drei der Angeklagten schieden vorzeitig aus, 25 wurden verurteilt, davon sieben zum Tode; die restlichen Angeklagten erhielten lebenslängliche oder kürzere Freiheitsstrafen. General Hideki Tojo, der von 1941 bis 1944 Ministerpräsident gewesen war, übernahm die Verantwortung für alle Taten der Regierung und des Militärs während seiner Amtszeit. 13 Verurteilte wurden zwischen 1954 und 1956 amnestiert und aus der Haft entlassen. Im Gegensatz zur Bundesrepublik Deutschland führte die japanische Regierung selbst keine Prozesse gegen "Kriegsverbrecher" durch. Wie sehr sich die Einstellung gegenüber den Verurteilten im Lauf der Jahre geändert hat, unterstreicht der Umstand, daß Mamoru Shigemitsu, der 1950 aus der Haft entlassen wurde, 1954 erneut zum Außenminister ernannt wurde. Im Jahre 1978 ehrte man den hingerichteten General Tojo als im Dienst des Kaisers gefallenen "Märtyrer", indem man seinen Namen im Yasukini-Schrein in Tokio verwährte. |
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