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Deutsches Leben in Südwestafrika von
1918 bis 1948 - die schweren Jahre




(Quelle: Erinnerungen an die Internierungszeit (1939-1946) und zeitgeschichtliche Ergänzungen)


Kriegsende in Südwestafrika und die Einbürgerung der Deutschen

Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges im August 1914 mag die weiße Bevölkerung von Deutsch Südwestafrika ca.
15 000 Kopf stark gewesen sein, und hiervon waren rund 13 000 deutsche Staatsangehörige.
In dem Feldzug in Deutsch Südwestafrika stand die deutsche Schutztruppe mit ca. 3 000 Mann in erster Linie und ca.
2 000 Mann in zweiter Linie 60 000 sehr gut ausgerüsteten Truppen der Südafrikanischen Union gegenüber, und der Feldzug endete mit der Übergabe der deutschen Truppe bei Khorab im Juli 1915.
Das war das Ende der deutschen Kolonie Deutsch Südwestafrika.
Südwestafrika wurde von Oktober 1915 bis Januar 1921 von einer Militärregierung unter Gouverneur E.H.L. Gorges regiert, der von der Unionsregierung eingesetzt worden war.
Laut Versailler Vertrag hatte die Union von Südafrika das Recht, sämtliche Deutschen aus dem Lande auszuweisen, machte jedoch von diesem Recht nur beschränkten Gebrauch; 1919 mußten 6 374 Personen das Land verlassen, hauptsächlich Beamte, Polizei, Militär und Unerwünschte; hierin eingeschlossen waren 1 433 Personen, die sich freiwillig zur Rückwanderung gemeldet hatten. 
Es blieben somit ca. 6 700 Deutsche Staatsangehörige in Südwestafrika zurück, und diese Schicht setzte sich hauptsächlich zusammen aus Farmern, Handwerkern und Kaufleuten, die nunmehr in die Südwester Geschichte mit hineinwuchsen, und lange das wirtschaftliche Rückgrat des Landes bildeten.
Nachdem 1921 in Südwestafrika das Kriegsrecht aufgehoben wurde, stand das Land unter Verwaltung eines Administrators, dem sechs und später neun Berater zur Seite standen.  Die Unionsregierung unter dem Premierminister General Smuts machte sich Gedanken, wie eine Beteiligung der Deutschen an einer zukünftigen Selbstverwaltung des Landes erreicht werden könnte.  Die Unionsbürger waren damals noch "British subjects", und man war sich darüber im Klaren, daß es nicht von den Deutschen erwartet werden könnte, Antrag auf Britische Staatsangehörigkeit zu stellen, nur um in Südwestafrika wahlberechtigt zu werden, denn so ein Antrag war mit dem Treueeid auf das englische Staatsoberhaupt verbunden.  Das Unions Parlament bereitete daraufhin eine Gesetzesvorlage vor, die der Regierung das Recht geben sollte, die in Südwestafrika lebenden Deutschen zu "British subjects" zu erklären, ohne daß diesen damit ihre deutsche Staatsangehörigkeit verloren ging.  Der Administrator G. Hofmeyr versuchte diese Lösung den Deutschen in Südwestafrika schmackhaft zu machen, fand jedoch dafür wenig Gegenliebe.  In einer Versammlung in Windhoek stieß er auf heftigen Widerstand.  Die Deutschen vertraten die Auffassung, daß für die Ausübung politischer Rechte in dem Mandatsgebiet nicht der Besitz der Staatsangehörigkeit des Mandatars ausschlaggebend sein dürfte und forderten das Wahlrecht für alle weißen Bewohner des Landes, ohne Ansehung ihrer Staatsangehörigkeit.  Die Bemühungen des Mandatars, die Deutschen zur freiwilligen Annahme des britischen Bürgerrechtes zu bewegen, waren damit gescheitert.
Da ein gewisses Maß von Selbstverwaltung in Südwestafrika ohne Beteiligung der Deutschen unmöglich war, verfolgte die Unionsregierung ihre Ziele weiter und teilte dem Völkerbund ihre Pläne betreffs einer automatischen Naturalisierung mit.
Der Völkerbund hatte keine Bedenken gegen die vorgesehenen Schritte. 
Diese sahen vor; daß
a) jeder der deutschen Einwohner das Recht haben sollte, die automatische Naturalisierung abzulehnen, und
b) daß keinerlei Diskriminierung, welcher Art auch, gegen solche Personen stattfinden würde.

In weiter Verfolgung dieser Pläne fanden dann in London Verhandlungen mit der Reichsregierung statt, die sich zur Vermittlungsaktion entschlossen hatte, um eine Entspannung der Lage in Südwestafrika herbeizuführen und den Deutschen dadurch Erleichterungen zu verschaffen.  Es kam zum Abschluß des Londoner Abkommens vom Oktober 1923 und dieses besagte u.a.:
1. Die Deutschen in Südwestafrika werden durch automatische Naturalisation als volle Britisch-Südafrikanische Bürger anerkannt.
2. Der mehr oder weniger freie Gebrauch der Deutschen Sprache wurde zugesichert, ebenso
3. Unterstützung der deutschen Schulen, Kirchen und Missionen wie Zahlung von Pensionen.
4. Die Deutschen und ihre Nachkommen sollten während der nächsten 30 Jahre vom Kriegsdienst gegen Deutschland befreit sein.

Die Deutsche Regierung erklärte sich bereit, ihren Einfluß bei den Deutschen in Südwestafrika geltend zu machen, um sie zur Annahme der automatischen Naturalisation zu bewegen.
Mit Rückendeckung des Völkerbundes und der Reichsregierung erließ die Unionsregierung im September 1924 dann das angekündigte Einbürgerungsgesetz; die große Mehrheit der Deutschen nahm die automatische Verleihung des britischen Bürgerrechts an, das nur innerhalb Südwestafrikas und innerhalb der Union von Südafrika in Kraft war.  Damit wurden die Deutschen in Südwestafrika eindeutig zu Doppelstaatlern; sie besaßen das britische Bürgerrecht innerhalb von Südwest und Südafrika, und das deutsche Bürgerrecht lebte wieder auf, sobald sie drei Meilen außerhalb der Landesgrenzen der beiden Länder waren.  Ihre englischen und später südafrikanischen Pässe machten dies durch entsprechende Eintragungen in diesen Pässen deutlich.  Diese Doppelstaatigkeit sollte die Betroffenen später noch in ernste Gewissenskonflikte bringen.
Im Jahre 1924 fand in Südafrika ein Regierungswechsel statt; General Hertzog, als Leiter der Nationalen Partei, wurde Premierminister.  Er kehrte 1925 von der Empire Conference in London mit der Nachricht zurück, daß Südafrika nunmehr ein eigener souveräner Staat sei.  Durch Gesetzgebung von 1927 wurden alle früheren "British subjects" in
Südafrika / Südwestafrika zu "Bürgern der Union von Südafrika".  Das schloß auch die automatisch naturalisierten (früheren Deutschen) "British subjects" in Südwestafrika ein.  Auch zu dieser Gesetzgebung hatte der Völkerbund - soweit es Südwestafrika betraf - seine Zustimmung gegeben.


Beginn der Selbstverwaltung und des politischen Kampfes

Mit dem "South West African Constitution Act of 1925" wurde Südwestafrika eine beschränkte Selbstverwaltung gegeben.
Nachdem die Deutschen durch ihre Einbürgerung wahlberechtigt geworden waren, kam es zu den ersten Wahlen für des Landesrat im gleichen Jahr.  Wahlberechtigt waren alle "British subjects", die seit 12 Monaten in Südwestafrika wohnhaft waren.  Laut Wählerliste waren 6 092 Wähler registriert, worunter 3 228 automatisch Naturalisierte (also frühere Deutsche) "British subjects" waren.

Am Reiterdenkmal
Ende der 20iger Jahre des letzten Jahrhunderts. 
Deutscher Traditionsverband am Reiterdenkmal in Windhoek.


Für den Landesrat waren zwölf Abgeordnete zu wählen, und sechs weitere mußten vom Administrator ernannt werden.
Die "Deutschen" stellten für die Wahl eigene Kandidaten auf.  Es gelang ihnen, sieben Abgeordnete in den Landesrat zu wählen.  Der Administrator machte von seinem Recht der Ernennung Gebrauch und ernannte zwei "Deutsche" und vier Angehörige der Anglo-Afrikaansen Sprachgruppe, so daß sich im Landesrat je neun Abgeordnete der beiden Hauptsprachengruppen (Deutsch : Anglo/Afrikaans) gegenüberstanden.  Da der Vorsitzende des Landesrates aus den Mitgliedern der Anglo-Afrikaansen Gruppe gewählt wurde, hatten die "Deutschen" eine Mehrheit von einer Stimme.
Sie machten hiervon sofort Gebrauch, um ihren Wünschen Ausdruck zu verleihen.  Sie wollten Deutsch als weitere offizielle Landessprache, Erleichterung bei der Einwanderung für Deutsche, und beschwerten sich gegen Bevorzugung bei der Ausgabe von Farmland, das vorzugsweise an Einwanderer aus Südafrika vergeben worden war.  Es ging ferner aus den Debatten im Landesrat deutlich hervor, daß sich zwei grundverschiedene Meinungen über die Zukunft von Südwest gegenüber standen.  Die Afrikaans/Anglo Sprachgruppe sah die Zukunft Südwest`s in enger Verbindung
- bis zur Annexion - mit der Südafrikanischen Union.  Die "Deutschen" plädierten für eine langsame Hinführung des Landes zur Selbständigkeit des Mandatslandes.
In den Jahren nach 1925 fand ein starker Zuzug nach Südwestafrika aus der Union von Südafrika statt und es war den "Deutschen" klar, daß das Pendel sich deutlich zur anderen Seite hin bewegte.  Der Zuzug bestand hauptsächlich aus Beamten der Regierung, Personal der Eisenbahn und des Postwesens und Siedlern, denen Farmen zugesprochen worden waren.  Während deutsche Einwanderer fünf Jahre im Lande sein mußten, ehe sie einen Antrag auf Einbürgerung stellen konnten, wurden die südafrikanischen Einwanderer bereits nach zwölf Monaten Domizil in Südwestafrika stimmberechtigt.  Der Zustrom erreichte seinen Höhepunkt, als 350 Burenfamilien (total 1 900 Kopf) aus Angola nach Südwest zur Ansiedlung zurückgeholt wurden, die als Reste der Dorslandtrekkers in Angola hängen geblieben waren.  Über diese Rückführung der Angola-Buren war es im Landesrat zu heftigen Wortwechseln gekommen, die darin endigten, daß die "Deutschen" mit ihrer Mehrheit die Bewilligung der Gelder für diesen Zweck ablehnten.  Dieses vergrößerte die Kluft zwischen den beiden Gruppen.  Die Rückführung der Angola-Buren fand dann unter Rechten statt, die dem Gouverneur-General von Südafrika laut Verfassung zustanden.
Bevor es 1929 zur zweiten Wahl für den Landesrat kam, hatten sich die beiden politischen Unionsparteien (NAT und SAP) in Südwestafrika vereinigt.  Sie gründeten die Vereinigte Nationale Südwest Partei (V.N.S.W.P.) - wie sie auch heute noch besteht - um für den Wahlkampf besser gerüstet zu sein und eine Zersplitterung der Stimmen der Unionsgruppe zu vermeiden.  Die "Deutschen" beantworteten diese Einheitsfront durch Zusammenschluß aller deutschen Vereine in dem "Deutschen Bund von Südwestafrika".  Die Mitgliedschaft stand allen Deutschen offen, und war nicht etwa nur für die naturalisierten "Deutschen" beschränkt.  So wurde der Deutsche Bund von Südwestafrika zum Hort des Deutschtums, der sich die Aufgabe stellte, die deutschen Belange tatkräftig zu vertreten.
In der dann 1929 stattfindenden Wahl zum zweiten Landesrat errang die südafrikanische Sprachgruppe, dank des erwähnten Zustroms von Südafrikanern, acht von den zwölf Sitzen.  Der Administrator ernannte diesesmal je drei Vertreter aus den beiden Seiten des Hauses, so daß die beiden Gruppen sich nunmehr mit elf zu sieben Stimmen gegenüber standen.  Die "Deutschen" waren also jetzt in der klaren Minderheit.  Die "Deutschen" und Deutschen in Südwestafrika sahen in dieser Ernennung eine starke Diskriminierung gegen ihre Sprachgruppe, da der Administrator bei der ersten Wahl durch ungleiche Ernennungen den Stand der Parteien ausgeglichen hatte und gaben dieser Verbitterung starken Ausdruck.
Im Landesrat von 1929 brachten die "Deutschen" nunmehr erneut einen Antrag zur Anerkennung von Deutsch als dritte offizielle Amtssprache in Südwestafrika ein, nachdem die Beschlüsse des vorigen Landesrates (indem die Deutschen die Mehrheit hatten) vom Mandatar - der Union von Südafrika - ignoriert worden waren, obwohl 42% der Einwohner von Südwestafrika deutsch sprachen.  Dieser Antrag fand aber nicht die Zustimmung der Mehrheit des neuen Landesrates, was zur weiteren Verbitterung und zur Vergrößerung der Spannungen zwischen den Gruppen führte.  Die "Deutschen" verfaßten eine Denkschrift, die dem Premierminister der Union von Südafrika, dem General Hertzog vorgelegt wurde. 
In dieser legten sie ihre Beschwerden dar und brachten zum Ausdruck, daß das Vertrauen der deutschen Bevölkerung auf den durch das Londoner Abkommen beabsichtigten versöhnlichen Geist einen schweren Schlag erlitten habe.
Es kam im Landesrat erneut zu Zusammenstößen.  Als dann ein Antrag auf Erweiterung der Befugnisse des Landesrates von der Anglo-Afrikaansen Seite vorgelegt wurde, und dieser zur Verabschiedung eine 2/3 Mehrheit bedurfte, leisteten die "Deutschen" Vertreter Widerstand und verweigerten ihrerseits die Zustimmung.  Dadurch fiel der Antrag durch.
Diese politischen Streitigkeiten waren der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes nicht gerade förderlich und drohten, den Bruch zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen herbeizuführen.
Inzwischen wurde die Welt von der bekannten großen Weltwirtschaftskrise heimgesucht.  Sie machte auch vor den Toren Südwestafrikas nicht halt und fiel hier mit äußerst schlechten Regenjahren - in den Jahren 1930, 1931 und 1932 - zusammen, die das Land in eine ernste Depression stürzten.  Es gab keine Arbeit, kein Geld, keinen Regen, Rinder und Schafe und Karakulfelle waren praktisch unverkäuflich.  Bei Windhoek wurde der Avisdamm als Arbeitsbeschaffungsprogramm in Bau genommen, an dem Weiße für fünf Shilling am Tage Arbeit und damit Brot fanden, und auf vielen Farmen war Maismehl die Hauptnahrung über Monate und Jahre, und der Hunger ging um.

Die wirtschaftliche Misere schien die beiden politischen Gruppen wieder zur Vernunft zurückzubringen.  Es wurden Versuche unternommen, die Spannungen zu überbrücken, denn schließlich saßen alle in dem gleichen Boot, das wieder flott gemacht werden mußte.  Die Verhandlungen zwischen den Parteien, teils unter Vermittlung des Premierministers General Hertzog, führten zum Erfolg und zur Einigung und dem Abschluß des sogenannten Kapstädter Abkommens vom April 1932, in welchem jede Partei ihr Stück Kuchen bekam.  Es enthielt wesentlich die folgenden Punkte:
1. Einführung von Deutsch als dritte offizielle Amtssprache in Südwestafrika.
2. Durchführung der politischen Gleichberechtigung aller weißen Einwohner des Mandatslandes durch ihre erneute automatische Naturalisation nach dem Beispiel von 1924.
3. Erweiterung der Rechte des Landesrates.

Damit vereinigte das Kapstädter Abkommen die Wünsche der deutschen Bevölkerung mit denen der anglo/afrikaansen Gruppe.  Die Südafrikanische Union hätte nun - als Mandatar - die entsprechenden Gesetze durch das Unions Parlament beschließen lassen müssen.  Dazu sollte es aber nicht kommen.
Der in Südwestafrika geschlossene Burgfriede kam schon wenige Monate nach Abschluß des Kapstädter Abkommens zum plötzlichen Ende, als sich die beiden politischen Gruppen gegenseitig beschuldigten, gegen den Geist des Abkommens verstoßen zu haben.  Im November 1932, sieben Monate nach Abschluß des Kapstädter Abkommens, wurde vom Vorstand der Vereinigten Nationalen S.W. Partei ein Beschluß gebilligt, der die Angliederung Südwestafrikas als fünfte Provinz forderte.  Die "Deutschen" und Deutschen sahen darin eine Verletzung des Geistes des Kapstädter Abkommens.  Den "Deutschen" wurde von der Gegenseite vorgeworfen, daß sie immer noch Deutschland als ihre Heimat betrachteten, und dieses sei eine Illoyalität dem Mandatar gegenüber und ihrerseits ein Verstoß gegen das Londoner Abkommen.
So entbrannte der alte Nationalitätenstreit von neuem und nahm von nun immer schärfere Formen an.  Beim Zusammentritt des Landesrates im Juli 1933 lehnte die anglo/afrikaanse Gruppe die Erfüllung des Kapstädter Abkommens mit der Begründung ab, daß die Zweifel an der Loyalität der naturalisierten Deutschen sich so bei ihnen verstärkt hätten, daß sie sich zu dieser Ablehnung entschlossen hätten.
Das Jahr 1933 hatte aber inzwischen auch in der Welt größere Veränderungen gebracht.  In Deutschland wurde Adolf Hitler, der Führer der stärksten Partei im Reichstag, beauftragt, eine Regierung zu bilden, nachdem verschiedene Koalitionen Deutschlands das Problem der sieben Millionen deutschen Arbeitslosen nicht hatten lösen können.  Ein Sturm der Veränderungen fegte über Deutschland hinweg, der sich auf ganz Europa und die Welt auswirkte.
Die "Deutschen" und Reichsdeutschen in Südwestafrika blieben davon nicht unberührt.  Sie waren im allgemeinen von Deutschlands Aufstieg zur Macht, von dem Schwung, mit dem Lösungen drüben angepackt und durchgeführt wurden, beeindruckt.  In Südwestafrika war es inzwischen auch zu Gründungen der N.S.D.A.P. gekommen.  Sowohl Reichsdeutsche wie naturalisierte "Deutsche" wurden als Mitglieder aufgenommen.  Der neue deutsche Konsul und der Amtsträger der nationalsozialistischen Partei ließen keinen Zweifel darüber aufkommen, welche Haltung sie von den Deutschen erwarteten.  Beide zögerten nicht, sich in die Angelegenheiten des Deutschen Bundes von Südwestafrika und damit auch in die Politik des Landes einzumischen.  In Anlehnung an die in Deutschland angewandten Methoden wurden auch in Südwest Schritte unternommen, die verschiedenen deutschen Vereine und den "Deutschen Bund" "gleichzuschalten".
Darunter wurde verstanden, daß Parteigenossen oder der N.S.D.A.P. hörige Volksgenossen in die Leitung der Vereine eingeschleußt wurden und dort die Führung übernahmen.  Das ging natürlich nicht immer glatt vonstatten; denn so ohne weiteres ließen sich manche alte Südwester nicht abkanzeln und mundtot machen.  Dieses führte nun auch zu Spannungen unter der deutschen Bevölkerung Südwests, die bisher in einer mehr oder wenigen geeinten Front im Deutschen Bund den politischen Gegnern gegenüber gestanden hatte.  Auch blieben diese Schritte der anderen Seite nicht verborgen und erregten den Argwohn und das Mißtrauen der Mandats- und Unionsregierung.
In Europa hatte sich die Reichsregierung unter Adolf Hitler allerhand vorgenommen.  Lassen wir Hans Grimm sprechen ("Warum-Woher- aber Wohin", Seite 215): "Der Mann Hitler, der erkannt zu haben scheint, daß das Wesen des Abendlandes und das Wesen Deutschlands nicht anders erhalten werden könne als durch einen Damm gegen den vorrückenden Osten, und daß dieser Damm nicht hergestellt werden könne, solange die abendländischen Staaten im Kampf gegeneinander sich verzehren, sucht vom Anfang seines Wirkens an den Ausgleich mit England.
Er läßt schon im Juni des Jahres 1935 einen neuen Flottenvertrag mit England schließen, durch den der letzte Schein einer möglichen kriegerischen Störung beseitigt wird.  Aus sämtlichen deutschen politischen und wirtschaftlichen Bemühungen muß im übrigen nach des Mannes Hitler Konzeption jegliches ausgeschaltet werden, was irgendein englisches Mißtrauen nähren könne.  Deutschland soll gleichsam von England abgesetzt werden, um England als einsichtigen Mitbürgen des Abendlandes zu gewinnen" (einige für hier unwichtige Sätze weggelassen. Verf.)
Aber auch in England, der damaligen noch unbestrittenen Weltmacht meldeten sich Stimmen der Vernunft. 
In Lord Rothermeres bekannt antideutschen Zeitung "Daily Mail" erscheinen lange Berichte über die Wunder, die sich in Deutschland seit der Machtübernahme Hitlers ereignet haben, und die Lord Rothermore selbst nach Besuchen in Deutschland geliefert hat.
"Deutschland ist das neue Sparta, der gleiche Geist völkischer Zucht und die gleiche Selbsthingabe, welche ein paar tausend Bewohner eines kleinen griechischen Stadtstaates den dauernden Rang in der Geschichte verschaffen, werden von 67 Millionen Menschen wiederum zur Schau getragen, die in mancher Hinsicht das klügste, fleißigste, am meisten hochgesinnte und rüstigste Volk der Welt ausmachen ... Ohne Hitler wäre dies alles nicht gelungen.  Mit ihm sind Grenzen der Vorwärtsentwicklung, durch welche eine Welt in Staunen versetzt wird, nicht abzusehen......"
und die "Daily Mail" vom 22.5.1935 schrieb auch: "In allen Verhandlungen sollte die Britische Regierung alles tun, was in ihrer Macht stehe, um Deutschland rechtsmäßige Ansprüche zu befriedigen, einschließlich der Rückgabe der deutschen Kolonien....."
Und weiter Hans Grimm: "Auf dem europäischen Kontinent selbst sucht er (Hitler) im Juni 1934 die Verbindung mit Italien und gibt entgegen dem Gefühl fast aller Deutschen das deutsche Südtirol preis.  Er verfährt 1936 Frankreich gegenüber ähnlich durch den freiwilligen Verzicht auf das deutsche Elsaß und das deutsch-französische Lothringen.  Er sucht Aussprache und Klärung mit dem Führer Polens, Pilsudski, im Januar 1934 und bekennt sich Polen gegenüber zu weitgehenden staatlichen Verzichten auf durch Versailles entfremdetes deutsches Land".
"Es ist kein unempfindliches, leichtes Aufgeben, es geschieht, damit der Damm in letzter Stunde gelinge ....."
Es ist verständlich, daß diese Ereignisse und Geschehnisse nun auch den Fluß der Dinge in Südwestafrika beeinflußten.
Die Deutschen und "Deutschen" fühlten sich in ihrer schon immer nationalen Haltung gestärkt, und unterstützt von einer Regierung - in der alten Heimat - die wußte was sie wollte.  Da durch Verordnung des Reichspräsidenten ab März 1933 neben der schwarz-weiß-roten Fahne nunmehr auch die Hakenkreuzfahne gehißt werden mußte, erschienen diese beiden offiziellen deutschen Fahnen jetzt auch des öfteren und immer zahlreicher in Windhoek und Südwest anläßlich Feiertage und Veranstaltungen.  Das war den bereits gespannten Verhältnissen zwischen den beiden großen weißen Bevölkerungsgruppen nicht gerade dienlich und goß weiteres Öl auf das bereits brennende Feuer der gegenseitig angespannten Beziehungen.
Im Südwester Landesrat kam es zur Besprechung der Tätigkeit der N.S.D.A.P. in Südwest und es fielen harte Worte.  Die "Deutschen" Vertreter konnten nicht verhindern, daß ein Antrag der Vereinigten Nationalen Südwest Partei mit Mehrheit verabschiedet wurde, nationalsozialistische oder ähnliche Propaganda in Südwest zu verbieten, weil durch sie die Beziehungen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsteilen dadurch nur noch weiter gestört werden könnten.


Die Doppelstaatigkeit bringt Probleme -Konflikte

Wie bereit erwähnt, hatte die Südafrikanische Union sich beim Völkerbund Rückendeckung für die beabsichtigten Gesetze zur automatischen Naturalisation geholt, weil sie ihre Befugnisse als Mandatar als dafür nicht ausreichend angesehen hatte.
Da der Völkerbund als Träger der Souveränität diese Zustimmung gegeben hatte, mußte die Verleihung der Doppelstaatigkeit als rechtskräftig angesehen werden.
Die Einbürgerung erfolgte als Kollektivakt, obwohl die Deutschen in Südwestafrika dagegen Protest einzulegen versucht hatten.  Da General Smuts, als Vater des Mandatsgedankens, bereits 1920 in Windhoek in einer Versammlung erklärt hatte, daß das für Südwestafrika geschaffene Mandatssystem eine Annexion in allem und jedem außer im Namen sei ("in effect the Relations between the South West Africa Protectorate and the Union amount to annexation in all but name") darf angenommen werden, daß es das Ziel und die Absicht des Naturalisierungsgesetzes war, mit der Assimilierung und Anglisierung der Deutschen eine allmähliche Annexion des Mandatsgebietes vorzubereiten.
Die Tatsache, daß die Deutschen durch die Naturalisierungsgesetze zu ihrer deutschen Staatsangehörigkeit zusätzlich noch das britisch-südafrikanische Bürgerrecht erworben hatten und damit eine doppelte Staatsangehörigkeit besaßen, hatte bis zum Jahre 1932 kaum Anlaß zu Konflikten gegeben.  Die "Mandatsregierung" beschränkte den Geltungsbereich des britisch-südafrikanischen Bürgerrechtes grundsätzlich auf das Staatsgebiet von Südwestafrika und der Südafrikanischen Union.  Die "Deutschen" hatten aber nunmehr zwei Seelen in ihrer Brust.  Auf der einen Seite waren sie durch die Einbürgerung wahlberechtigte Bürger ihrer Wahl-Heimat geworden, dessen Fortschritt und Gedeihen ihnen am Herzen lag, auf der anderen Seite war Deutschland für sie die zweite Heimat, für die das Herz auch noch heftig schlug.
Als nun im Jahre 1932, und danach immer stärker, die Unionsgruppe im Vertrauen auf ihre Landesratmehrheit, die Einverleibung Südwestafrikas in die Südafrikanische Union betrieb, machten die "Deutschen" hiergegen Front.  Ihnen wurde daraufhin wieder Illoyalität gegenüber dem Mandatar vorgeworfen und auch zur Last gelegt, daß sie sich immer noch nach Deutschland ausrichteten und Sympathie für Deutschland zeigten und sich diesem Land näher verbunden fühlten als der Südafrikanischen Union.
Die Doppelstaatigkeit der deutschen Bevölkerung, die bislang nicht als störend empfunden worden war, wurde nunmehr immer mehr in den Vordergrund geschoben und die Aufrichtigkeit der deutschsprachigen Unionsuntertanen im Hinblick auf die Untertanentreue, die sie seiner Majestät, dem König Georg schuldig waren, wurde immer mehr angezweifelt.  Außerdem gewannen, so hieß es, bei der deutschen Bevölkerung mit der Einführung des Führerprinzips Lebensanschauungen Boden, die eine Annäherung zwischen den Bevölkerungsteilen immer mehr erschwerten.
Verständigungsversuche, die Ende 1933 und Anfang 1934 vom deutschen Generalkonsul (Pretoria) und dem Administrator von Südwestafrika unternommen wurden, blieben erfolglos.  Ein langjähriger Kampf um die deutsche Sprache und Gleichberechtigung, der noch im April 1932 dicht vor dem vollen Erfolg zu stehen schien, war damit zusammengebrochen und als im Landrat im Mai 1934 der Antrag auf Erlaß eines Sondergesetzes gegen die nationalsozialistische Bewegung angenommen wurde, legten die deutschen Landesratsmitglieder ihre Sitze mit der Begründung nieder, daß ihnen weitere Zusammenarbeit mit den Abgeordneten der V.N.S.W.P. nicht länger zugemutet werden könne.
Der "Rumpf-Landesrat" - deutsche Abgeordnete abwesend - nahm dann einstimmig eine Resolution an, die die Angliederung Südwestafrikas an die Union forderte.  Von dem Beschluß hörte die ständige Mandats-Kommission des Völkerbundes.  Sie gab dem Vertreter der Union von Südafrika deutlich zu verstehen, daß die Gestaltung des Schicksals des Mandatsgebietes nicht dem Mandatar allein oder der weißen Bevölkerung allein zustehe.
Im Juni 1934 fand in Windhoek der "Tag der deutschen Jugend" statt.  Die seit 1929 bestehenden Deutschen Pfadfinder, die sich nun auf Druck aus Deutschland "Hitler Jugend" nannte, und denen aus Deutschland ein Hitler Jugendführer vorgesetzt worden war, hatten dazu aufgerufen.
Aus allen Teilen des Landes und aus Teilen Südafrikas waren Abordnungen von Jugendbewegungen nach Windhoek gekommen.  Der Tag wurde mit einem Marsch durch Windhoeks Straßen abgeschlossen und endete mit einem Bekenntnis zum Deutschtum.  Die Unionsregierung nahm diese Kundgebung zum endgültigen Anlaß, das bereits im Februar genehmigte Kriminalgesetz zur Anwendung zu bringen, und erklärte die N.S.D.A.P. und alle angeschlossenen Organisationen für ungesetzlich!  Hiervon wurden auch die deutschen Pfadfinder (jetzt Hitler Jugend) betroffen.  Es wurden sowohl der Landesgruppenführer der N.S.D.A.P. wie auch der erst kürzlich eingetroffene Hitler-Jugendführer aus dem Lande verwiesen.
Obwohl der Deutsche Bund nach wie vor existierte und sich weiter um die deutschen Interessen bemühte, wurde von Kreisen, die der verbotenen N.S.D.A.P. nahestanden, denen auch die Haltung des Deutschen Bundes nicht "Deutsch" genug war, die "Deutsche Front", als Antwort auf das Verbot der N.S.D.A.P. gegründet.  Es wurde Druck auf Parteigenossen und andere Deutsche ausgeübt der "Deutschen Front" beizutreten im Sinne einer gleichen Ausrichtung ("Gleichschaltung") aller Deutschen und "Deutschen" in Südwestafrika.  Dieser Schritt wurde von einem großen Teil der bodenständigen und länger ansässigen Deutschen nicht gutgeheißen und erhöhte weiter die bereits bestehenden Spannungen zwischen beiden Gruppen der deutschsprechenden Bevölkerung.


Neuwahlen und eine neue Partei

Für Oktober 1934 waren Wahlen für den dritten Landesrat in Südwestafrika ausgeschrieben.  Längst war es deutlich, daß nicht alle Südafrikaner die Politik der V.N.S.W.P. bedingungslos unterschrieben und es kam zur Gründung einer neuen Partei, die sich "Wirtschaftsbund" nannte und unter Leitung von General de Jager stand.  Der Wirtschaftsbund setzte sich zum Ziel, den Beschluß des alten Landesrates, Südwest als fünfte Provinz zu verwalten, aufzuheben und eine Verständigung unter den Nationalitäten anzustreben und eine auf gegenseitige Achtung begründete ehrliche Zusammenarbeit herzustellen.
Der Deutsche Bund und die Wirtschaftspartei gründeten nun 1934 für die angekündigte Wahl eine Wahlunion und versprachen sich gegenseitige Unterstützung.  Trotz dieses Wahlbundes ging die V.N.S.W.P. wieder als klarer Sieger aus der Wahl hervor und errang neun Sitze; zwei gingen an den Wirtschaftsbund und ein Sitz an die "Deutschen". 
Der Administrator ernannte wieder je drei Vertreter aus der deutschen und anglo-afrikaansen Sprachgruppe.  Mit der zweidrittel Mehrheit im dritten Landesrat verabschiedete die V.N.S.W.P. sofort wieder einen Beschluß, (12. November 1934), daß Südwest, wie es die Mandatsbestimmungen zuließen, wie eine Provinz der Union zu verwalten und im Parlament der Union vertreten sein sollte.  Der Antrag erhielt dadurch, daß der Vorsitzende des Landesrates mitstimmte, die Zweidrittel-Mehrheit.
Mit einem Memorandum wandte sich der Deutsche Bund und die Wirtschaftspartei direkt an den Premierminister der Union.  Darin wiesen sie daraufhin, daß die V.N.S.W.P. zwar im Landesrat über eine zweidrittel Mehrheit verfüge, bei den Wahlen jedoch, zitiert: "nur 200 Stimme mehr als die der beiden Oppositionsparteien errungen habe und somit nicht zweidrittel der europäischen Bevölkerung des Landes vertrete.  Die europäischen Bewohner Südwests, die sich dem fraglichen Beschluß widersetzen, kontrollieren etwa 75% der Wirtschaftsinteressen des Mandats".


Sie Südwestafrika-Kommission

Um die so verworrene Lage in Südwest zu klären und zu untersuchen, schickte die Unionsregierung 1935 eine Kommission mit der Aufgabe nach Südwest, die Wirksamkeit der bestehenden Regierungsform zu prüfen und Vorschläge zu machen, die eine bessere Verwaltung und größere Zufriedenheit unter den Einwohnern gewährleisten würde.
Nach eingehendem Studium des so vorgelegten Berichtes veröffentlichte die Unionsregierung im Dezember 1936 eine Erklärung, in der sie zu den von der Kommission behandelten Problemen ungefähr wie folgt Stellung nahm:

1. Die Unionsregierung lehne es ab, Südwestafrika wie eine fünfte Provinz zu verwalten, da keine hinreichenden Gründe für eine solche Verwaltungsreform beständen.
2. Die Unionsregierung sei nicht bereit, die Übertragung des Mandats an eine andere Macht in Erwägung zu ziehen, und die Bevölkerung solle denen keinen Glauben schenken, die eine baldige Rückgabe des Landes an Deutschland voraussagen.
3. Die Unionsregierung kann nicht die Gültigkeit von Ansprüchen auf doppelte Bürgerrechte im Lande anerkennen.  Personen, die als Unionsbürger naturalisiert sind, seien im Mandatslande ausschließlich Unionsbürger.
4. Die Unionsregierung sei bereit Deutsch als dritte Amtssprache anzuerkennen, wenn sich die Verhältnisse unter den Bevölkerungsteilen gebessert hätten.
5. Die Unionsregierung fordert von ihren Bürgern volle und ungeteilte Treue und wird sich gezwungen sehen, mit allen den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln solche Taten zu verfolgen, die mit dieser Untertanentreue nicht im Einklang stehen.
6. Es ist mit der Auffassung der Unionsregierung unvereinbar, daß Personen, die keine politischen Rechte im Lande hätten, eine führende Rolle im Deutschen Bund spielen würden, während sie als Mitglieder der N.S.D.A.P. - der regierenden Partei in Deutschland - dem deutschen Staatsoberhaupt uneingeschränkten Gehorsam und bedingungslose Treue schuldig seien, wie es in dem Führerprinzip zum Ausdruck käme.
7. Der Unionsregierung sei bekannt, daß auf südafrikanische Bürger (naturalisierte Deutsche) politischer Druck bei der Ausübung ihrer öffentlichen und privaten Rechte ausgeübt werden würde; sie könne dieses nicht dulden und würde solche Personen schützen.

Inzwischen war in Deutschland bald nach 1933 die allgemeine Wehrpflicht eingeführt worden, das Rheinland "besetzt", das Saarland heimgeholt, ein Flottenabkommen mit England unter Dach und Fach gebracht und Verhandlungen mit den Alliierten angeknüpft, um die Rückkehr des im Versailler Vertrag von Deutschland abgetrennten Sudetenlandes zu erreichen.  Diese Ereignisse warfen auch ihre Schatten bis nach Südwest und aktivierten besonders diejenigen Kreise unter der deutschsprachigen Bevölkerung, die der in Südwest verbotenen N.S.D.A.P. nahe standen, denen Treue zu Deutschland als oberstes Gebot galt.
Als dann jungen Südwestern, naturalisierten "Deutschen", vom Deutschen Konsulat in Windhoek Einberufungsbefehle zur Ableistung ihrer Wehrpflicht in Deutschland zugestellt wurden, war das Maß voll: der Krug lief über! 
Die Unionsregierung griff mit nicht erwarteter Härte und Konsequenz ein.


Proklamation vom April 1937

Mit dieser Proklamation setzte die Unionsregierung ihre programmatische Erklärung vom Dezember 1936 in die Tat um.
Es wurden dem Administrator von Südwest weitgehende Rechte zugesprochen; er machte bald vollen Gebrauch davon, und erklärte folgende Verbände zu politischen Organisationen.  Ihnen dürften keine Personen angehören, die nicht die britisch-südafrikanische Staatsangehörigkeit besitzen:
der Deutsche Bund,
die Vereinigte Nationale Südwest Partei und
die Wirtschaftspartei von Südwest.

Diese Maßnahme traf praktisch nur das Deutschtum und beschränkte die politische Betätigung auf die naturalisierten "Deutschen".
Ferner erhielt der Administrator das Recht, Personen auszuweisen, "wenn sie dem Besitztum, dem Ruf oder den Gefühlen anderer Personen Schaden zufügen oder politische Propaganda betreiben".
Diese Proklamation wurde in Südwest und in Deutschland mit ziemlicher Empörung aufgenommen und als Kampfansage gegen das Deutschtum angesehen.  Es kam zum Notenwechsel zwischen der Reichsregierung und der Unionsregierung.
In Südwest löste sich der Deutsche Bund - als Sammelbecken des Deutschtum - bald daraufhin auf, weil er seine Funktionen nicht mehr legal ausüben konnte.


Der Deutsch-Südwest-Bund

Als neue politische Partei wurde nunmehr Anfang September 1937 von den "Deutschen" der "Deutsche Südwest Bund" gegründet.  Ihm konnten beitreten "Männer und Frauen der deutschen Volksgemeinschaft in Südwestafrika, die sich zum Deutschtum bekennen".  Der Deutsche Südwest Bund stellte sich zur Aufgabe, "die politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Interessen des Deutschtums im Mandatsland zu vertreten und wahrzunehmen, und in gemeinsamer Arbeit den Gedanken der Einigkeit im Südwester Deutschtum zu stärken", wie es im Paragraph 10 der Satzungen hieß: "Der Deutsche Südwest Bund strebt eine enge Zusammenarbeit mit allen Wirtschafts- und Kulturverbänden, Jugend- und Schulvereinen an, um die Verbundenheit des gesamten Südwester Deutschtums zu stärken.  Der Deutsche Südwest BUnd würde alles tun, um dieses Ziel zu erreichen".
Die Gründung des Deutschen Südwest Bundes trug jedoch nicht die Billigung des deutschen Konsuls in Windhoek und die des Landesgruppenleiters (Neuendorf) der in Südwestafrika verbotenen N.S.D.A.P.  Gegen die führenden Männer (Hirsekorn, Meinert, Hörlein, Hunoldt, Blank) wurde hinterrücks Gegenpropaganda gemacht, die ihren Weg bis in die Dienststellen (AA und AO) in Berlin fand und dort auf fruchtbaren Boden fiel.
Dr. Hirsekorn erklärte auf der Gründungsversammlung in Windhoek, daß es für den Deutschen Südwest Bund nur eine Lösung geben könnte, nämlich .... "festhalten am Mandatscharakter und weiterer Ausbau der Selbstverwaltung."
Dr. Hirsekorn wurde einstimmig zum Vorsitzenden des Bundes vorgeschlagen.  "Wir sind uns nach reiflicher Überlegung einig geworden, daß nur Dr. Hirsekorn als Bundesvorsitzender in Frage komme, wir brauchen einen Mann, der die Sache des Deutschtums kennt und beherrscht, wir brauchen den besten Kopf, der im Lande aufzutreiben ist." (Protokoll 31.8.37).
Dr. Hirsekorn wehrte sich lange gegen Annahme dieses Postens, nahm dann aber an und erklärte: "er werde es als seine Pflicht ansehen, das in den Vordergrund zu stellen, was uns Deutsche alle eine: Die Liebe zur Heimat, zum Deutschtum und den Willen, ein anständiger Deutscher in Südwest zu sein."
Im Landesrat von Südwestafrika unternahm Dr. Hirsekorn nach Gründung des Deutschen Südwest Bundes nochmal einen Versuch, die Fronten zu klären und eine erträgliche Zusammenarbeit zu erreichen, indem er erklärte: "Wir werden der naturalisierten deutschen Bevölkerung anempfehlen ebenso wie bisher, mit dem allergrößten Nachdruck für die völlige Gleichberechtigung des Deutschtums mit dem Afrikanertum im Lande einzutreten.  Wir Deutschen wollen nochmals den Versuch machen, eine Zusammenarbeit aller in diesem Lande anzubahnen.  Wir betonen aber nochmals in nachdrücklicher Form, daß uns nur auf der Basis völliger Gleichberechtigung, in jeder Hinsicht, eine Zusammenarbeit aller europäischen Einwohner von Südwest möglich erscheint."
Während der Deutsche Südwest Bund sich nunmehr hauptsächlich der Politik widmete, setzten die zahlreichen Reichsdeutschen in unpolitischen Kulturverbänden, Berufsverbänden, Schulvereinen usw. den Kampf für ihr Deutschtum - nicht immer sehr geschickt - fort.  Hinter vielen Aktionen ist deutlich die Hand der Parteileitung der N.S.D.A.P. und die des Deutschen Konsuls zu erkennen, und das drang natürlich auch bis zum Administrator von Südwestafrika durch.

In Europa sind die Dinge weiter in Fluß gekommen.  Im März 1938 erfolgt der Anschluß Österreichs an das Reich und Hitler kann (Grimm): "endlich erklären, daß trotz Diktaten von Versailles und Trianon die übriggebliebenen, rein deutschen Teile des Landes Österreich, seine eigene Heimat, in das Reich und die deutsche Verteidigungs- und Wirtschaftsgemeinschaft nach den Willen fast seiner sämtlichen Bewohner (97% der Abstimmenden) zurückgekehrt seien, der sie in verschiedenen Formen von je angehört haben."
In Südwest erwecken diese Ereignisse bei den Deutschen neue Hoffnungen, daß es nun auch zu einer Neuregelung der Kolonialfrage kommen könnte.  Die Reichsdeutschen und "Deutschen" trafen sich anläßlich offizieller und anderer Feiertage und kultureller Veranstaltungen in mit Hakenkreuzfahnen geschmückten Räumen zu Fest und Feier.  In ihnen wurde immer der Glaube an Deutschland stark zum Ausdruck gebracht.  Hitler stand in Europa auf der Höhe seiner Macht und das bedrückte die anglo-afrikaanse Sprachgruppe im Hinblick auf ihre Zukunft in Südwest.  Eine Abordnung der V.N.S.W.P. fuhr nach Kapstadt und begab sich zum Premierminister General Hertzog,  Dieser erklärte: "Nach den Schritten zu urteilen, die den Zeitungen zufolge in Europa zur friedlichen Regelung der schwebenden Fragen mit Deutschland und Italien, einschließlich der Kolonialangelegenheit, getan werde, sei er überzeugt, daß alle Südwester und seine Zukunft betreffenden Fragen innerhalb der nächsten vier Jahre endgültig geregelt würden."
Dennoch könnten die durch Proklamation vom April 1937 erlassenen Gesetze nicht verhindern, daß junge "Deutsche" aus Südwest sich freiwillig zum Arbeitsdienst nach Deutschland meldeten und, drüben angekommen, ebenfalls ihren Militärdienst ableisteten.  Anschließend machten sie Gebrauch von den zahlreichen und vorbildlichen Gelegenheiten zur fachlichen Berufsausbildung und Berufsfortbildung, die sich ihnen in Deutschland boten, bevor sie wieder in ihre Heimat Südwest zurückkehrten.
Ungefähr 600 junge Südwester trafen sich ab 1935 in Deutschland und gründeten die "Landsmannschaft von Südwestafrika".  Sie hatte sich zur Aufgabe gestellt die Kameradschaft untereinander zu pflegen und die Erinnerungen an Südwest wachzuhalten.  Ihre jährlichen Treffen schlossen mit einem Bekenntnis zum Deutschtum, in dem es hieß:
" . . . Wir geben unsererseits die Versicherung, daß wir in unserer Heimat Südwestafrika gerne bereit sind, mit allen anderen Bevölkerungsteilen in gutem Einvernehmen zum Nutzen des Landes zusammenzuarbeiten, daß wir aber niemals unser Volkstum aufgeben werden, denn in seiner Erhaltung sehen wir den Sinn und die Aufgabe unseres Lebens".
In Südwestafrika hatte sich die deutschsprachige Jugend auch wieder organisiert und 1935 mit Genehmigung des Administrators die Deutschen Pfadfinder von Südwestafrika gegründet.  Sie unterstanden einem Schirmherrn (Heinz Beckurts, später langjähriger Lagerführer im Internierungslager Andalusia) und bald wurden überall im Lande Pfadfinder-Horste gegründet, die straff organisiert, der Landesjugendführung in Windhoek unterstanden.  In ihrer monatlich als Beilage zur Allgemeinen Zeitung erscheinenden Zeitschrift "Der Pfadfinder" brachten sie zum Ausdruck, daß sie eine vollkommen selbständige Organisation seien, sich selbst und ihrem Schirmherrn verantwortlich, und daß sie jede Einmischung und Beeinflussung von anderen Seiten ablehnen würden.  Das brachte sie in Konflikt mit Konsulat und Parteileitung der N.S.D.A.P.  Die Pfadfinder bekannten sich zum Deutschtum, dessen Erhaltung und weltanschauliche Ausrichtung sie durch gemeinsames Erleben und Schulung zu erhalten und zu fördern gedachten, und die zu einer zielsicheren Gemeinschaft hinstrebten.  Die Pfadfinder pflegten die Kontakte zu den Boy Scouts und Voortrekkern, mit denen sie gemeinsame Veranstaltungen planten.  Sie kümmerten sich um die Berufsberatung der heranwachsenden deutschen Jugend und um Lehrstellenvermittlung im Lande und in Deutschland und den Kontakt zur Landmannschaft von Südwestafrika in Deutschland, die die herüberkommenden Jungen und Mädels in Deutschland unter ihre Fittiche nahm, und standen auch in Kontakt mit der Hitlerjugend-Führung in Berlin.
Die Deutschen in Südwest waren inzwischen rechtlich in drei Gruppen geteilt:
eine große Gruppe der politisch Berechtigten automatisch Naturalisierten, die sich im Deutschen Südwest Bund zusammenfanden; eine kleine Gruppe derer, die auf persönlichen Antrag volle britisch-südafrikanische Bürgerschaft angenommen hatten, und eine größere Gruppe Reichsdeutscher, die sich nicht politisch betätigen durften.
Ähnlich bestanden auch drei Gruppen, sich teils feindlich gesinnt in ihrer Einstellung zum Nationalsozialismus und zum nationalsozialistischen Deutschland.  Es gab eine starke Gruppe, in der die Jugend überwog, die sich bedingungslos zum nationalsozialistischen Deutschland bekannte; eine zweite, die gewissen Entwicklungen, die in Deutschland stattfanden, zwar ablehnend und skeptisch gegenüberstanden, deren Haltung jedoch noch positiv zu Deutschland war, und die sich zu der englischen Auffassung bekannten " . . . right or wrong, it is my country"; eine kleinere dritte Gruppe von Deutschen, deren Haltung oft durch persönliche Erfahrungen in Deutschland beeinflußt, vollkommen anti zum nationalsozialistischen Deutschland eingestellt war.
Im Jahre 1936 hatten wir in Südwestafrika fünf Jahre wirtschaftlichen Aufschwung hinter uns.  Er fiel, nach den Krisenjahren der 30er Jahre, zusammen mit dem allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung in der Welt.  Südwest wurde noch dazu durch gute Regenjahre gesegnet.
Volle Taschen beruhigten die Menschen.  In Erkenntnis der Tatsache, daß das Schicksal von Südwest wahrscheinlich in Europa entschieden wurde, ließ auch der politische Kampf in Südwest nach.  Die V.N.S.W.P. verfolgte nach wie vor weiter ihr Ziel:  Einverleibung Südwests in die Union von Südafrika.  Die "Deutschen" wünschten Einführung eines Mandatsbürgerrechtes für alle europäischen Einwohner des Landes.  Es kam 1938 im Landesrat wiederum zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern der beiden Bevölkerungsgruppen, ohne daß wesentliche neue Argumente vorgebracht wurden.  Auf der 34. Tagung der ständigen Mandatskommission in Genf im Juni 1938 erklärte der Vertreter der Union, "er erwarte, daß die politische Atmosphäre in Südwest sich aufhellen werde."
Im Landesrat gab der "Deutsche" Vertreter Dr. Hirsekorn, der auch Mitglied der Exekutive war, nochmals eine grundlegende Erklärung ab, in der es u.a. hieß:
"Wir verlangen die doppelte Staatszugehörigkeit, und man hält uns für unloyal gegenüber der Mandatsregierung.  Wir haben stets darauf bestanden und werden immer darauf bestehen, daß wir unsere deutsche Staatsangehörigkeit nicht verloren haben, als wir automatisch naturalisiert wurden.  Die Deutschen weigern sich, die Anklagen der Unloyalität, der Verantwortlichkeit für alle politischen Schwierigkeiten, länger hinzunehmen.  Wir lassen unsere Ehre und unseren guten Namen nicht länger beschmutzen".

Im September 1938 steht Krieg in Europa vor der Tür, als Hitler die Sudetenfrage aufrollt und seine Entschlossenheit zu erkennen gibt, notfalls militärisch einzugreifen.  Es kommt zum Treffen der europäischen Staatsmänner Chamberlain, Daladier, Mussolini und Hitler in München und zum Abschluß des Münchener Abkommens, durch welches das Sudetenland von der Tschechoslowakei abgetrennt und dem Reich zugesprochen wird.  Außerdem unterschreiben Hitler und Chamberlain die deutsch-englische Erklärung, in der es hieß:
"Wir haben heute eine weitere Besprechung gehabt und sind uns in der Erkenntnis einig, daß die Frage der deutsch-englischen Beziehungen von allererster Bedeutung für beide Länder und für Europa ist.  Wir sehen das gestern abend unterzeichnete Abkommen und das deutsch-englische Flottenabkommen als symbolisch für den Wunsch der beiden Völker an, niemals wieder gegeneinander Krieg zu führen."
Zwei Monate später sieht das Bild jedoch völlig anders aus.  Hitler scheint entschlossen unter allen Umständen mehr zu erreichen, als man ihm in München zugebilligt hat und in England macht sich eine Entschlossenheit bemerkbar, "unter keinen Umständen noch einmal etwas zu gewähren, was unter Kriegsdrohung gefordert wird". (Beumelburg)  "Die Geschichte wird zeigen, daß jeder der beiden Gegner die Entschlossenheit des anderen unterschätzt hat."  In England gewinnen die Kreise langsam oberhand, die auf eine Konfrontation mit Deutschland hinsteuern (Churchill, Vansittart, Duff, Cooper).
Sie standen seit Jahren in engstem Kontakt mit Kreisen des innerdeutschen Widerstandes, der sie glauben ließ, daß im Falle eines Krieges die Generäle der Wehrmacht nicht mitmachen würden und es bald zu einer Absetzung Hitlers käme, wobei der Wunsch der Vater dieser Gedanken war.
Südafrikanischer stellvertretender Premierminister General Smuts sieht deutlich die Kriegszeichen am europäischen Horizont.  Er schickte im November 1938 den damaligen Verteidigungsminister Oswald Pirwo nach Europa mit dem Auftrag die deutsch-britische Verständigung wieder in Gang zu bringen.  Smuts wußte, daß Pirow sowohl bei Chamberlain wie bei Hitler persona grata war und Smuts, so schreibt Pirow (Nation Europa 4/1952, War der 2. Weltkrieg unvermeidbar?`):  ". . . gab seiner Besorgnis, daß die Münchener Atmosphäre restlos verflogen sei, mit starken Worten Ausdruck.  Chamberlain und Hitler - so sagte Smuts - reden aneinander vorbei.  Wenn der Kontakt mit ihnen nicht bald wieder hergestellt werde, kämen ihre Länder in ein Fahrwasser, das sie unvermeidlich in den Krieg treiben würde.  Es läge dem britischen Premierminister Chamberlain, betonte Smuts, so sehr an einer Verständigung mit Deutschland, daß er ein solches Angebot dankbar annehmen würde." (zwischen den Beiden zu vermitteln, Verf.)
Pirow hatte ausführliche Besprechungen, sowohl in London wie in Berlin.  Chamberlain schien, laut Pirow, bereit, Deutschland freie Hand im Osten zu lassen, wenn Hitler als Gegenleistung größere Konzessionen in der Regelung der Judenfrage machen würde, und Pirow ". . . verließ den Berghof mit der bestimmten Hoffnung, daß Hitlers Friedenswille und sein Glaube an die deutsche Aufgabe im Osten ihm den Weg zu Chamberlain finden lassen würde.  Ich kehrte nach London zurück und berichtete Chamberlain ausführlich.  Er war sichtlich beeindruckt, aber seine Lage war inzwischen so schwierig geworden (Churchill, Vansittart, Duff, Cooper steuerten bereits auf Kriegskurs. Verf.), daß er den ersten Schritt zu Hitler nicht wagen konnte.  Wenige Monate später siegten in London wie in Berlin diejenigen Ratgeber, die Angst vor einer Blamage hatten.  Hätten sich Hitler und Chamberlain noch einmal gesprochen, dann wäre die bleibende Verständigung erreicht worden, die in München nicht stattfand.  In München war die Kriegsgefahr zu nahe gewesen.  Dort konnte nicht auf lange Sicht verhandelt werden. . . . Erst als die beiden Staatsmänner im Januar 1939 endgültig aneinander vorbeigegangen waren, wurde der Zweite Weltkrieg unvermeidlich."
In Südafrika zurück berichtete Pirwo dem Kabinett und auf Grund weiterer inzwischen aus England eingegangenen vertraulichen Mitteilungen, war sich das Kabinett mehr oder weniger darüber einig, daß der Krieg in Europa unvermeidlich sei.  Als dann im April 1939 die Tschechoslowakei "ans Reich angeschlossen" wurde, traf die Unionsregierung auf dieser Seite des Erdballs entsprechende Vorsichtsmaßnahmen und schickte im April 1939  500 gut ausgerüstete und bewaffnete Männer nach Südwest, zur Verstärkung der Polizeitruppe, wie es hieß.  Unzweifelhaft war dieses gedacht als eine Demonstration der Macht.  Der "Windhoeker Advertiser" schrieb, daß nur durch einen siegreichen Krieg Südwestafrika wieder Deutschland zufallen könnte.
Im September brach der 2. Weltkrieg in Europa aus.  Das Unionsparlament versagte mit knapper Mehrheit dem Premierminister die Gefolgschaft.  Formal bat General Hertzog den Gouverneur-General, Sir Patric Duncan, um Auflösung des Parlaments und um Ausschreibung von Neuwahlen, damit das Volk entscheiden könne, ob Südafrika sich am Kriege gegen Deutschland beteiligen solle oder nicht.  Diese formelle Bitte lehnte der Gouverneur-General jedoch überraschend ab und beauftragte General Smuts mit der Bildung eines Kabinetts und damit Übernahme der Regierung.  Unter ihrer Leitung entschied sich das Parlament Anfang September 1939 für den Krieg gegen Deutschland an Englands Seite.


Die Internierungen beginnen

Am 18. September 1939 begannen die Internierungen in Südwestafrika.  Naturalisierte Deutsche und Deutsche wurden laufend zunächst ins Internierungslager Windhoek und später in verschiedene Internierungslager in Südafrika eingeliefert.  Die Südwester Internierten befanden sich hauptsächlich im Internierungslager Andalusia bei Kimberley (Südafrika). 
Auch Internierte aus Kenia und Ostafrika (heute Tansania) und auch Besatzungen von aufgebrachten Schiffen gehörten dazu.
In Südwestafrika wurden außerdem Frauen und Männer haus- oder farminterniert.  Sie durften nur mit vorheriger Genehmigung ihre Häuser oder Farmen verlassen.
Indessen wurden Besuche im Internierungslager zugelassen: eine halbe Stunde pro Monat!
Südwester Frauen setzten sich drei Tage auf den Zug nach Südafrika für eine halbe Stunde Besuchszeit.  Dabei konnten sie sich mit ihren Männern nur auf einen Meter Abstand, in Gegenwart von bewaffneten Posten, unterhalten, die zwischen zwei dichten Siebdraht-Zäunen, die die Liebenden trennten, auf und abmarschieren.  Dann fuhren sie schweren Herzens wieder drei Tage zurück auf die Farm oder in ihren Betrieb.
Im Jahre 1942, als das Kriegsgeschehen sich zu gunsten der Alliierten zu neigen schien, wurden Gesetze im Unions Parlament verabschiedet, die das 1923 gemeinsam zwischen Deutschland und Südafrika getroffene Londoner Abkommen einseitig außer Kraft setzten.  Damit wurde allen automatisch naturalisierten Deutschen die südafrikanische Bürgerschaft entzogen.  Sie wurden so zu Staatenlosen in Südwest- und Südafrika, da nach dem Londoner Abkommen ihre deutsche Staatsangehörigkeit erst wieder auflebe, wenn sie sich außerhalb dieser Gebiete befanden.  Gleichzeitig wurde ihr Vermögen der Kontrolle des Treuhändlers für feindliches Eigentum unterstellt, dem Berichte einzuschicken waren und dessen Einverständnis für den Abschluß größerer Transaktionen eingeholt werden mußte.
Ungefähr zur gleichen Zeit wurde auch für alle feindlichen Ausländer in Südwestafrika (und das waren zu 99,5% die Deutschen) eine zusätzliche Einkommensteuer von 25% erhoben, eine in der Welt einmalige Maßnahme.  Diese traf die Betriebe und Farmen, die ohne Hilfe der internierten Männer von Frauen bewirtschaftet werden mußten, besonders hart.
Praktisch bedeutete es, daß die Deutschen in Südwest gezwungen werden, den Krieg gegen ihr Vaterland durch Sondersteuer mitzufinanzieren.  Nur eine Gegenstimme erhob sich gegen diese ungewöhnliche Maßnahme. 
Advokat J. Goldblatt protestiert dagegen in einem eingesandten Brief im "Windhoeker Advertiser".
Die der V.N.S.W. Partei nahestehenden Afrikaans und Englischen Zeitungen in Südwest schlossen sich der in der ganzen Welt stattfindenden Hetzkampagne gegen Deutschland und Deutsche an und propagierten die Ausweisung aller Internierten und vieler anderer Deutscher nebst Familienangehörigen aus Südwest nach Beendigung des Krieges.  Die Stimmung der Deutschen in Südwest sank tiefer und tiefer, je länger der Krieg dauerte und es klar wurde, daß Deutschland den Krieg nicht gewinnen konnte.  Was ihnen nach Kriegsende bevorstand, erfuhren sie ziemlich deutlich aus den englischen und afrikaansen Zeitungen in Südwest.

Erste deutsche Schule
Gründung einer der ersten deutschen Schulen in Südwestafrika.


Ein weiterer Schlag wurde ebenfalls mitten im Krieg im Jahre 1942 gegen das Deutschtum in Südwest geführt: dieser richtete sich speziell gegen die deutschsprachige Jugend.  Nichts trifft bekanntlich ein Volkstum schwerer und nachhaltiger als ein Angriff oder die Vernichtung ihres Schulwesens; diesem galt jetzt die Kampfansage.
Werfen wir einen kurzen Blick auf das Südwester Schulwesen, soweit es die Deutschsprachigen betraf.
Bei Beendigung des Krieges im Jahre 1918 gab es in Südwest 17 deutsche Schulen.  Schwerpunkte waren in Windhoek, Swakopmund, Lüderitzbucht und Omaruru.  Diese Schulen, nebst Gebäude und Schülerheim, wurden nach 1918 von der Administration übernommen und Afrikaans und Englisch wurden nunmehr die Unterrichtssprachen.  An fast allen größeren Orten gründeten die Deutschen deshalb mit großen Opfern und guter Organisation deutsche Privatschulen und Schülerheime in Erkenntnis der Tatsache, daß die Schulen einer der Hauptträger deutscher Kultur sein müßten.  Die Unionsregierung und später die Südwester Administration nahmen diesen Einrichtungen gegenüber eine allgemein wohlwollende Haltung ein, und die deutschen Abgeordneten im späteren Landesrat und in der Exekutive konnten erreichen, daß im jeweiligen Landesrat Unterstützung für diese Privatschulen vorgesehen wurde.  Außerdem erhielten diese Schulen auch Unterstützungen und Zuschüsse von Deutschland.

Deutsche Internierte
Deutsche Internierte beim Antritt zum Marsch durchs Interniertenlager.


Im Jahre 1923 berief der damalige Leiter des Erziehungswesens von Südwest Dr. H. Kreft den jungen Lehrer Dr. C. Frey in seinen Dienst und beauftragte ihn, wo immer möglich und gerechtfertigt, deutsche Abteilungen an bestehenden Regierungsschulen einzurichten, oder die aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr existenzfähigen deutschen Privatschulen in Regierungsschulen umzuwandeln.  Mit Zielstrebigkeit und fachlichem Können hat Dr. C. Frey diese Aufgaben angepackt und durchgeführt.  Wenn noch heute in Südwestafrika in vielen Häusern Deutsch gesprochen wird, deutsche Lieder gesungen werden, deutsche Feste gefeiert werden, so war das auch zu einem großen Teil das Verdienst dieser beiden Herren.
Bei Kriegsausbruch 1939 bestanden 12 solcher Regierungsschulen bezw. deutschen Abteilungen, an denen Kinder in der deutschen Muttersprache unterrichtet werden konnten.  Insgesamt wurden durch die deutschen Regierungsschulen mehr deutschsprachige Kinder unterrichtet, als an den bei Kriegsausbruch bestehenden 5 deutschen Privatschulen.
Gegen diese deutschen Regierungsschulen richteten sich jetzt 1942 die Politik und der Kampf, nachdem die Regierungsbeihilfen für die deutschen Privatschulen nach 1937 teilweise ganz gestrichen (Windhoeker Oberrealschule) oder verringert worden waren.  Durch Verfügung der Administration mußte von heute auf morgen der deutsche Muttersprachen-Unterricht an diesen Schulen eingestellt werden.  Die deutschsprachigen Kinder wurden vor die schwierige Aufgabe gestellt, den Unterricht in Afrikaans oder Englisch zu folgen und man kann nur bewundern, wie die davon betroffene deutschsprachige Jugend mit diesem Problem fertig geworden ist.  Es war ein Schlag, der das Deutschtum in Südwest schwer und empfindlich traf und treffen sollte.
Nur ein kleiner Teil der betroffenen Kinder konnte Aufnahme in den deutschen Privatschulen des Landes finden, die sowieso schon durch Lehrermangel und aus wirtschaftlichen Gründen in einem schweren Existenzkampf standen und für deren Erhaltung das Südwester Deutschtum während langer Kriegsjahre schwere Opfer brachte und bringen mußte.
Ein großer Teil dieser Lasten und Pflichten lag in diesen Jahren allein auf den Schultern deutscher Frauen im Lande, die ihre Bewährungsprobe glänzend bestanden, während die Männer hinter Stacheldraht saßen.

Eingesperrt hinter Stacheldraht
Eingesperrt hinter Stacheldraht.


Weitere Schritte werden gegen das Deutschtum von Seiten des Landboards unternommen.  Internierte Farmer, die Farmen mit Hilfe von Landboard Hypotheken gekauft hatten, wurden aufgefordert die Bestimmungen einzuhalten, wonach sie
11 Monate im Jahr auf ihrer Farm ansässig sein müßten.  Die Internierung verhinderte sie diese Bestimmung einzuhalten.
Die Behörden zeigten dafür jedoch wenig Verständnis und so wurden die auf den Farmen sitzenden Frauen und Kinder gezwungen, die Farmen zu verlassen und die Hypotheken gekündigt. 
Soweit bekannt ist, hat sich nur eine einzige Interniertenfrau erfolgreich dagegen gewehrt, indem sie sich geweigert hat, die Farm zu verlassen und die Behörden vor gewaltsamer Entfernung zurückgeschreckt sind.


Kriegsende und Entlassungen der Internierten

Ein Jahr nach Kriegsende (1945) saß die große Mehrzahl der Südwester Internierten immer noch in den Internierungslagern Koffiefontein und Baviaanspoort in Südafrika hinter Stacheldraht; ein Jahr nach Kriegsende waren in Südwest immer noch Hunderte haus- oder farminterniert, durften sich Deutsche in Südwest noch immer nicht frei im Lande bewegen; ihr Vermögen stand immer noch unter der Kontrolle des Treuhänders für feindliches Eigentum.
Die Nationale Partei unter Führung von Dr. Malan lief im Parlament in Kapstadt Sturm gegen diese Zustände.  Hier war es besonders der Abgeordnete Henning Klopper, damals Vorsitzender der Nationalen Partei in Südwest (später langjähriger Speaker im Parlament), der sich für die Entlassung der Internierten und Aufhebung der Beschränkungen, denen die Deutschen in Südwest noch unterlagen, mit Nachdruck einsetzte.  Er besuchte 1946 das Internierungslager in Baviaanspoort - wo die Südwester jetzt saßen - sprach ihnen Mut zu und gab vielen Südwestern Kraft, Stärke und Zuversicht in diesen schweren Stunden. 
Die Afrikaansen Zeitungen, Kirchen und Frauenvereine schlossen sich dem Ruf nach Freilassung der Internierten so stark an, daß die Smuts Regierung den Entlassungen im Mai und Juni 1946 schließlich zustimmte.  Die Internierten durften jedoch vorerst nicht nach Südwestafrika zu ihren Familien zurück.  Mit Hilfe des Deutsch-Afrikanischen-Hilfsausschusses, der Nationalen Partei und anderer nationalen Vereine wurden sie schnell bei freundlich gesinnten Familien auf Farmen und in den Städten in Südafrika untergebracht.  Über ihre Rückkehr nach Südwest sollte eine Kommission entscheiden, die dafür einen ausführlichen Fragebogen entwarf, den die aus der Internierung Entlassenen und viele andere in Südwest ausfüllen mußten.
Über 5 300 dieser Fragebogen, die schriftlich zu beantworten waren, wurden an alle Internierten und an Deutsche in Südwest verschickt.  Die Kommission beschloß nach Prüfung der Antworten, daß 254 Deutsche nebst Familienmitglieder zu deportieren seien, und daß ihr Vermögen beschlagnahmt werden würde.  Im Parlament in Kapstadt rang die Opposition der Regierung im Juni 1947 das Zugeständnis ab, daß Frauen und Kinder auf Wunsch in Südwest zurückbleiben könnten.
Bei der Beschlagnahme der Vermögen sollte es jedoch bleiben.  Im Oktober 1947 erreichten die Deportierungsbefehle die 254 davon Betroffenen, die sich in Kapstadt zur Deportierung einfinden sollten.  Dort wartete bereits der Dampfer, mit dem sie nach Deutschland deportiert werden sollten.
Durch ihre beauftragten Rechtsvertreter wandten die Deportierungskandidaten sich nunmehr an die zuständigen Obergerichte in Pretoria und Kapstadt, um Klärung, ob der Staat das Recht habe, solche Deportierungen `summa summarum` auszusprechen.  Während das Obergericht in Kapstadt (Oberrichter Herbstein) dieses Recht bejahte, bestritt das Transvaaler Obergericht (Oberrichter G. Maritz) dieses Recht mit der Begründung, daß die Internierten jeweils spezifisch persönlich angeklagt werden müßten, sodaß sie sich auch wirksam verteidigen könnten.  Auf Berufung beider Seiten wurde die Angelegenheit an das Höchste Gericht Bloemfontein verwiesen.  Fünf Oberrichter bekräftigten dann - sieben Monate später - am 28. Mai 1948 mit einem einstimmigen Urteil das Recht des Staates, die Deportierungen vornehmen zu können.
Vorher hatte die Smuts Regierung, im März 1948, Neuwahlen für das Parlament ausgeschrieben, die am 26. Mai 1948 stattfinden sollten.  Überraschenderweise siegte die Nationale Partei unter Führung von Dr. Malan mit knapper Mehrheit bei diesem Wahlkampf und übernahm die Regierung des Landes.  Als sich spät in der Nacht vom 26. Mai der Wahlsieg der Nationalen Partei ankündigte, (Regierungschef General Smuts wurde in seinem eigenen Wahlkreis von seinem früheren Sekretär W. du Plessis geschlagen!) brach überraschend in den Räumen des Sicherheitsbeamten der Union, Sir Truter, Feuer aus.  Diesem fielen dann auch die Internierungsakten, die dort aufbewahrt wurden, größtenteils zum Opfer.
Alle, in Südwest oder in der Union Geborenen, wurden in den ersten Tagen nach Regierungswechsel von der Deportierungsliste gestrichen und wenig später erklärte die neue Regierung, daß sie nicht die Absicht habe, Personen zu deportieren, die nicht vor einem Gericht angeklagt und schuldig befunden worden waren.
Das war das Ende der Deportierungen, die wie ein Damokleschwert viele Jahre über dem Deutschtum in Südwestafrika gehangen hatten, und der Beginn vom Ende der Spannungen, die sich während der langen Vorkriegs- und Kriegsjahre zwischen den beiden großen weißen Bevölkerungsgruppen in Südwestafrika aufgeladen hatten.
Für alle ging die Sonne wieder auf.  Die neue Regierung der Union erleichterte den früher automatisch Naturalisierten die Einbürgerung und Annahme der südafrikanischen Bürgerschaft, und die große Mehrheit machte von diesem Recht gebrauch.
Eine neue Ära der friedlichen Zusammenarbeit und Koexistenz der verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Südwestafrika brach damit an.