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Erster Weltkrieg in Deutsch-Südwestafrika


(Quelleauszug: Buch "Chronik von Deutsch-Südwestafrika" von H.E. Lenssen)


Der 1.Weltkrieg in Deutsch-Südwestafrika von 1914-1915

Am 2. August 1914 begann der Weltkrieg.

Am 7. August ordnete der Kaiserliche Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika die allgemeine Mobilmachung an, in deren Folge alle Reserven, die Landwehr und auch der Landsturm zum Kriegsdienst einberufen wurden.  Die aktive Schutztruppe unter dem Kommando des Oberstleutnant von Heydebreck wurde durch die Einberufungen auf fast die doppelte Mannschaftsstärke, rund 5 000 Mann, gebracht.  Eine Anzahl junger Reservemänner, welche vor wenigen Wochen zu einer Manöver-Übung einberufen waren, wurde gleich aktiv in die Schutztruppe eingereiht.

In Südwest befanden sich ganze 5 Automobile: 3 derselben standen den höchsten Behörden, dem Gouverneur, dem Kommandeur der Schutztruppe und der Polizei zur Verfügung.  Zwei Autos im Besitz von Privatpersonen wurden für den Kriegsdienst requiriert.

Am 8. August konnten die eben vor Swakopmund eingetroffenen deutschen Dampfer "Amsinck" und "Etruria" in aller Eile die an Bord befindliche Post und Pakete an Land bringen: sie dampften dann hinaus mit unbekanntem Ziel in die offene See.

Das erste Kriegsereignis, das unsere Feinde als deutsche Schuld am Kriege in Südwest, als Eröffnung der Feindseligkeiten und Verletzung des Unionsgebietes stempeln wollten, geschah am 21. August, als eine kleine Beobachtungspatrouille der in Ukamas lagernden 2. Kompanie sich auf einer Anhöhe an der Grenze westlich der englischen Polizeistation Nakob auf deutschem Gebiet festsetzte, um den Feind östlich der Grenze im Auge zu behalten.

Die ersten Verlustopfer brachte die Kaiserliche Schutztruppe am 23. August durch den Tod zweier Soldaten in Ausführung ihres Dienstes.  Beide der 2. Kompanie angehörend, bemerkten als Spähpatrouille bei Kummernais (südwestlich Stolzenfels) am Oranje, daß einige Buren eine Viehherde über den Fluß ins englische Gebiet hinübertreiben wollten. 
Als die Buren sich mit ihrer vermutlich gestohlenen Beute ertappt sahen, beantworteten sie die Anrufe der deutschen Soldaten nicht, sondern eröffneten gleich das Feuer, welches zwar von den Soldaten erwidert wurde, aber ihnen den Tod brachte.  Es waren die ersten Gefallenen dieses Krieges: Unteroffizier der Landwehr Bryschy und Reiter Rupprecht.  In Südafrika wurde dieser Vorfall so dargestellt, als hätten sich die deutschen Soldaten auf englisches Gebiet begeben und zuerst die Buren beschossen.  Es ist einwandfrei festgestellt worden, daß die deutschen Soldaten in peinlicher Wahrnehmung ihrer Pflicht nicht die Grenze überschritten hatten.

Station Stolzenfels
Stolzenfels in der Nähe des Oranjeflußes


Durch Zerstörung der als mittlere Übertragungsstation dienenden großen Telefunkenstation in der deutschen Kolonie Togo wurde die Verbindung Deutsch-Südwestafrikas mit der Heimat zeitweise unterbrochen und gestört, so daß nur selten vollständige Nachrichten hier aufgenommen werden konnten.

Am 9. September 1914 tagte das Parlament der Südafrikanischen Union unter dem Vorsitz des einige Tage vorher aus England eingetroffenen neuen Generalgouverneurs Lord Buxton.  Es beschloß, den Eroberungskrieg gegen Deutsch-Südwestafrika zu führen.  Für den Neubau einer Eisenbahn von Prieska nach Upington wurden die nötigen Mittel bewilligt.

Das deutsche Gouvernement unterstützte die burische Bevölkerung bei der Herausgabe ihrer eigenen holländisch gedruckten Zeitung "Het Nieuwe Weekblad".

Gouverneur Dr. Seitz erließ am 9. September eine amtliche Bekanntmachung, daß im Einvernehmen mit dem führenden Südafrikaner Andries de Wet ein südwestafrikanisches Freiwilligen-Korps gebildet und dessen Kommandant der Genannte werden sollte.  Der Bezirksmann von Grootfontein, von Zastrow, trat auf Wunsch des Gouverneurs diesem Freikorps bei, um als zweiter Führer und Berater dem Kommandanten zur Seite zu stehen. 
Andries de Wet war ein Verwandter des rühmlichst bekannten Burengenerals Christian de Wet.  Der Bruder Pieter de Wet übernahm das Amt der Werbung für dieses Freikorps in Südafrika und berichtete bald von guten Erfolgen.  Weiter meldete er, daß der General Louis Botha in einer öffentlichen Versammlung in Pretoria erklärt habe, daß er von England den Auftrag übernommen habe, Deutsch-Südwestafrika zu erobern, und daß eins seiner vornehmsten Ziele die Zerstörung der großen Funkspruchanlage in Windhoek sei.

Am 13. September wurde die deutsche Polizeistation Ramansdrift am Oranjefluß von Unionstruppen überfallen.  Die aus drei Soldaten bestehende Besatzung hatte den Anmarsch eines ganzen Regimentes vorher beobachtet und sich zurückziehen können.  Am nächsten Tage wurden fünf ahnungslose an diese Station heranreitende deutsche Soldaten von großen feindlichen Mengen umzingelt und gefangengenommen.

Am 14. September beschoß der offenbar schon vor seiner Ausreise für Kriegsdienste ausgerüstete englische Dampfer der privaten Linie, die "Armadale Castle", die offene, unbefestigte und unverteidigte Stadt Swakopmund und signalisierte bei seiner Abfahrt "remember".  Die deutsche Bevölkerung begann danach, fluchtartig die Stadt zu verlassen und sich ins Innere des Landes zu begeben.  Vor dieser Beschießung hatte die Küstenschutz-Abteilung des Hauptmanns Scultetus die Funkstation zerstört.

Der Führer der gegen England aufständischen Buren, General De la Rey, wurde gelegentlich bei einer Autofahrt erschossen.  Am 15. September erließ der Kaiserliche Gouverneur Dr. Seitz folgenden Aufruf an die Burenbevölkerung Südafrikas: "Nachdem englische Truppen Ramansdrift überfallen, die deutsche Grenze überschritten und damit den europäischen Krieg nach Südafrika übertragen haben, erkläre ich ausdrücklich, daß die Deutschen gegen die Burenbevölkerung Südafrikas keinen Krieg führen, daß sie dagegen den Angriff der englischen Truppen auf allen Punkten mit allen Mitteln abwehren und den Krieg gegen die Engländer, und nur gegen die Engländer, bis zum Äußersten führen werden."

Am 16. September wurden die südafrikanischen Polizeistationen Nakob, Skuitdrift, Rietfontein und Sendlingsdrift am Oranjefluß durch ein auf deutscher Seite kämpfendes Burenkommando ausgehoben.  Bei Sendlingsdrift wurde eine englische Patrouille gefangengenommen.

Der südafrikanische General Louis Botha fiel mit einer für diesen Kriegs aufs beste mit allen modernen Kriegsmaterialien und Fahrzeugen ausgerüsteten Kriegsmacht von ungefähr 80 000 bis 90 000 Mann in das friedliche deutsche Nachbarland ein.  Es war derselbe Mann, der vor dreizehn Jahren während des Burenkrieges zusammen mit den Generalen De lay Rey und De Wet nach Deutschland gereist war, um materielle Hilfe für sein von der englischen Übermacht zerschmettertes Vaterland zu erbitten.  Das deutsche Volk hatte in freiwilligen Sammlungen zur Unterstützung der in den Konzentrationslagern notleidenden Frauen, Kindern und Greisen sowie Hilfe für zerstörte Farmen für das befreundete Burenvolk 3 Millionen Mark gespendet.

Am 18. September gingen englische Kriegsschiffe im Hafen von Lüderitzbucht vor Anker, ein Kreuzer, zwei große Transportschiffe und acht kleinere Schiffe.  Die deutschen Behörden und der größte Teil der Bevölkerung verließen auf Eisenbahnzügen die Stadt.  Feindliche Truppen landeten am 19. September in Lüderitzbucht und besetzten schnellstens das Postamt und die Signalstation.  Der frühere südafrikanische Konsul Müller befand sich als Ortskenner bei den feindlichen Truppen und wurde im Range eines Oberstleutnants Militärgouverneur von Lüderitzbucht.

Vierzig Freiwillige, Deutsche und Südafrikaner, verließen am 18. September Windhoek, um zum Freikorps zu reisen.  Eine Patrouille der rührigen Küstenschutz-Kompanie Scultetus überfiel am 23. September Walvis Bay, zerstörte die Kabelverbindung und machte ein Maschinengewehr und 50 Gewehre nebst Munition unbrauchbar.

Am 24. September beschoß der zur privaten Dampferlinie gehörende, jetzige Hilfskreuzer "Kinfauns Castle" die Landungsbrücke in Swakopmund.

Die in Lüderitzbucht zurückgebliebenen Deutschen, meistens Frauen und Kinder, wurden am 26. September ohne sofortige Benachrichtigung der Angehörigen oder der deutschen Behörden nach Südafrika abtransportiert.

Nördlich des Oranjeflusses hatte sich in Sandfontein eine starke und gut ausgerüstete englische Abteilung verschanzt.  Sie wurde am 26. September 1914 von der an Zahl geringeren deutschen Abteilung nach vorhergegangener dreiseitiger Einschließung angegriffen.  Nach 12stündigem heißen Kampf nahmen die deutschen Truppen die Stellungen in kühnem Sturm.  Außer dem schwer verwundeten Obersten Grant wurden 14 Offiziere und ungefähr 240 Soldaten gefangengenommen; dabei befanden sich 44 bewaffnete schwarze Soldaten.  Der andere Teil der Feinde hatte sich nach dem südlichen Oranjeufer verzogen.  Die Beute betrug zwei Geschütze, mehrere Maschinengewehre mit Munition, Transportfahrzeuge und Pferde.  Nach späteren Berichten sollen die Engländer sehr große Verluste erlitten haben, angeblich 50 Tote und 100 Verwundete.  Auch die deutschen Verluste waren nicht leicht, zwei Offiziere und 12 Unteroffiziere und Reiter waren gefallen.  Die siegreiche deutsche Truppe hat im Lager der Engländer allein 15 000 Gewehrpatronen und 5 000 Maschinengewehrpatronen vorgefunden.  Bald nach diesem Gefecht richtete der Kommandeur der deutschen Schutztruppe, Oberstleutnant von Heydebreck, telegraphisch einen Protest an die südafrikanische Regierung wegen der Verwendung farbiger Soldaten im Kampfe gegen Weiße folgenden Inhalts:
"Deutsche Station Hasuur hat 27. September Angriff bewaffneter, von englischer Polizei geführter Eingeborener abgewiesen.  Bei Sandfontein haben auf englischer Seite Truppen-Eingeborene mitgekämpft.  In allen deutschen Grenzgebieten ist eingeborene Bevölkerung von deutschen Truppen seit acht Wochen gesammelt und weggeschafft.  Fordere Regierung auf, sofort einzuschreiten, werde sie unterstützen darin, Gefangene 38 bewaffnete Truppen-Eingeborene werden standrechtlich behandelt.  Schließe aus Maßnahmen dortiger Unterführer, daß Briten schon jetzt verzweifeln, später in Südafrika noch Rolle zu spielen, und Krieg Weiß gegen Schwarz uns hinterlassen wollen.  Bin überzeugt, daß Afrikaner-Regierung Verbrechen an Weißer Rasse fernsteht und Entscheidung den Waffen in Händen weißen Mannes überlassen wird."

Station Hasuur

Am 1. Oktober hatte die starke Patrouille Goedecke an der südöstlichen Grenze 5 englische Offiziere und 58 Soldaten gefangengenommen.  Unter ihnen befanden sich bewaffnete Bastards und Schwarze, sowie die bei Hasuur wohnenden drei Söhne des Bastards Spangenberg.

Bei einer gegen Lüderitzbucht reitenden Patrouille fielen drei Mann.  Drei Südafrikaner wurden gefangengenommen, darunter der früher in Lüderitzbucht als Photograph und Prospektor tätig gewesene De Meillon, der, jetzt als englischer Kapitän verwundet, in die Hände der Deutschen fiel; es gelang diesem Spion leider später, wieder zu entkommen. 

Nach Abschluß eines Vertrages mit dem deutschen Oberkommando in Ukamas am 7. Oktober 1914 trat General Maritz mit seinen treuen Abteilungen zur deutschen Schutztruppe über.  Er ließ diesen Vertrag als südafrikanische "Ooreenkomst" durch Flugblätter in Südafrika bekanntmachen und forderte das südafrikanische Volk auf zum Kampf für Freiheit und Recht gegen England.

Der in Lüderitzbucht sitzende, aber nicht gleich durch aktive Tätigkeit im Felde sich bemerkbar machende Feind konnte nicht verhindern, daß am 11. Oktober eine Kolonne von 7 Ochsenwagen unter Führung des Oberleutnants A.D. Matthias mit 10 Reitern die großen Vorräte an Proviant und Futtermitteln von den Diamantfeldern südlich Lüderitzbuchts abfuhr und der Truppe zur Verwendung zuführen konnte.  Bei späteren nochmaligen Versuchen wurde das Unternehmen von Eingeborenen den Engländern verraten.  Patrouillen stellten fest, daß der vom Feinde sofort in Angriff genommene Neubau der bis Kilometer 40 zerstörten Bahn, teils mit von ihm eingeführtem Material, zum größten Teil wiederhergestellt worden war.

Am 12. Oktober meldete eine starke deutsche Patrouille ihre Beobachtung am Oranjefluß, daß sich auf dem südlichen Ufer unter den nach dort zurückgezogenen englischen Truppen viele bewaffnete Bastards und Schwarze befanden.

General Maritz griff am 22. Oktober mit dem Freikorps und der deutschen Batterie Hausding bei Keimoes eine 700 Mann starke englische Abteilung an, mußte sich aber unter Verlust von zwei Toten und mehreren Verwundeten nach Kakamas zurückziehen.

Ende Oktober war der von der Unionsregierung bald nach der Kriegserklärung begonnene Neubau von Prieska nach Upington schon fast bis an den letztgenannten Ort heran fertig gebaut.

Südafrikanische Zeitungen hatten am 12. Oktober 1914 berichtet, daß große Massen von Buren gegen die englandfreundlichen Generale Smuts und Louis Botha aufständisch geworden seien.  Der Erstgenannte führte den Eroberungsfeldzug des englischen Südafrika gegen unsere Kolonie Deutsch-Ostafrika.

Am 19. Oktober versuchte eine 250 Mann starke feindliche Abteilung in der Lüderitzbuchter Namib vergeblich, einen deutschen Vorposten zu überfallen; sie ließen sich vom Gewehrfeuer der nur vier Soldaten zählenden Schanzenbesatzung täuschen und zog sich zurück.

Der Landungsoffizier der Woermannlinie, Kapitän Hayo Brauer, unternahm in Vereinbarung mit dem Gouverneur von Swakopmund aus eine waghalsige Fahrt auf einem kleinen Schlepper des Landungsbetriebes, um im portugiesischen Angolahafen Mocamedes Verhandlungen anzuknüpfen über die Versorgung mit Proviant und Futtermitteln aus Angola für die knapp ausgerüstete Schutztruppe.  Er mußte jedoch zu seiner Enttäuschung feststellen, daß die Kriegsstimmung der Portugiesen gegen Deutschland so weit fortgeschritten war, daß der kühne Seemann ohne Erfolg die Rückreise antreten mußte durch die gefahrenvolle See an der Südwester Küste.  Am Kreuzkap hielt sich eine von der Küstenschutzabteilung Scultetus ausgesandte Patrouille unter Führung des Unteroffiziers der Landwehr Woker auf mit dem Zweck, gegebenenfalls dem Berufsgenossen Brauer Hilfe leisten zu können.  Die Hilfspatrouille wurde von einem zufällig vor dem Kap erscheinenden Hilfskreuzer entdeckt, der glaubte, der kleinen Truppe in dem sonst unbewohnten Ort einige Granaten widmen zu müssen.  Es war vermutlich derselbe Dampfer, der sich schon mehrfach vor Swakopmund "heldenhaft" durch Beschießungen benommen hatte.  Dieses englische Kriegsschiff beschoß auch eine vom Hauptmann Scultetus geführte Patrouille der Küstenschutzabteilung, die Walvis Bay besucht hatte.  Der tüchtige Kapitän Crampton setzte den deutschen Offizier in Kenntnis, daß er die unbefestigte Stadt Swakopmund weiterhin beschießen werde, wenn der Abtransport von Umzugsgut, Kaufmannsbeständen und anderen Sachen der Bewohner ins Innere fortgesetzt werde und auch die deutschen Angriffe auf Walvis Bay nicht eingestellt würden.  Diesem Führer eines Schiffes der privaten Castle-Linie, das durch Bewaffnung für den Krieg ausgerüstet worden war, war bereits mehrfache Beschießung des unverteidigten Swakopmunds zum Vorwurf zu machen.  Nach erfolgloser Beschießung der Patrouille ließ der Engländer seine Wut aus an der Bahn und den außerhalb Swakopmunds gelegenen Postanlagen.   Ein großer Teil der Einwohner zog es vor, den Ort zu verlassen unter Rücklassung seiner Habe und sich ins Innere des angegriffenen Landes zu begeben.

Zerstörte Hauptzollamt
Das Hauptzollamt in Swakopmund, das durch Granatbeschuß
des englischen Hilfskreuzers völlig zerstört wurde.



Der sorgenvolle Gouverneur hatte bereits in Angola eine größere Menge an Verpflegungs- und Futtermitteln angekauft, die mit Ochsenwagen zum Kunenefluß befördert werden sollte, wo die Abnahme durch einen Beauftragten zu erfolgen hatte; dies war der Bezirksamtmann von Outjo, Dr. Schultze-Jena.  Er ritt Anfang Oktober von Outjo ab und traf am 19. an dem auf dem Südufer des Kunene liegenden portugiesischen Fort Ischinga-Naulila ein, begleitet von Oberleutnant Lösch, dem Kriegsfreiwilligen Röder, zwei Reitern, Jensen und Kimmel, und drei Eingeborenen.  Der Fortkommandant lud die Deutschen ein, als seine Gäste ins Fort zu kommen; er bewirtete sie dort und klärte sie über ihren Weg zum Flußübergang bei Erikssonsdrift auf, wo sie die Wagen vorfinden würden.  Beim Abreiten jedoch wurden auf Befehl des Unterleutnants Sereno Dr. Schultze-Jena, Lösch und Röder und die beiden schwarzen Diener Andreas und Hugo hinterrücks erschossen.  Reiter Jensen geriet verwundet, Reiter Kimmel unversehrt in Gefangenschaft.  Der Polizeidiener August entkam durch Flucht ohne Schaden und traf zufällig den im südlichen Angola auf Forschungsreise befindlichen Dr. Vageler, dem er über die Morde berichten konnte.  Der Forscher ist ohne Belästigungen über die Grenze gekommen und in eiliger Ochsenkarrenfahrt am 24. Oktober 1914 in Outjo eingetroffen, von wo aus er den Gouverneur über das grausame Geschehen in Kenntnis setzen konnte.

Sofort nach Eintreffen der Nachrichten über die Ermordungen befahl der Truppenkommandeur die Zusammenstellung einer Strafexpedition und den baldigen Abmarsch zum Kunene unter Führung des Majors Franke.  Von Windhoek aus wurde diese Truppe mit der Bahn am 2. November 1914 nach Otjiwarongo befördert.  Die nur erst kurze Bahnstrecke nach Outjo konnte noch nicht benutzt werden, daher mußte der Weitermarsch zu Fuß erfolgen.

Am 30. Oktober überschritt die deutsche Abteilung Petter den Oranje und zerstörte die Bahnlinie Port Nolloth-Steinkopf durch Sprengungen.

Eine Patrouille des Rittmeisters der Reserve Lehmann (Farmer bei Grootfontein) erreichte am
30. Oktober 1914 den Okavango und erstürmte das gegenüber der deutschen Polizeistation Kuringkuru liegende portugiesische Fort Cuangar, ohne eigene Verluste zu erleiden.  Von der portugiesischen Besatzung wurden im Kampf getötet: 2 Offiziere, 4 Unteroffiziere, 3 Reiter und
18 schwarze Soldaten (Askaris).  Der andere Teil der Besatzung entkam mit 5 Portugiesen und
15 Schwarzen.  Die Beute betrug ein Geschütz und 150 Gewehre mit viel Munition.  Das Fort wurde vollständig zerstört.

Am 4. November erschien vor Walvis Bay und auch Swakopmund ein englisches Kriegsschiff, ohne zu schießen, der Zweck dieses Besuches war vermutlich das Auskundschaften von Landungsmöglichkeiten für kommende Truppentransporte.

Ein schweres Unglück ereignete sich am 9. November in Kalkfontein-Süd bei Versuchen mit neuen Gewehrgranaten, bei denen der Kommandeur mit seinem Stabe zugegen war.  Ein Reiter wurde durch Sprengstücke getötet.  Schwerste Verletzungen erlitt Oberstleutnant von Heydebreck; auch Generaloberarzt Dr. Berg sowie ein Oberfeuerwerker und zwei Unteroffiziere erhielten schwere Verwundungen.  Der am  schwersten getroffene Kommandeur war nicht transportfähig; er mußte unter der Hand des besten Operateurs im Lande mehrfache gefährliche Operationen erleiden, konnte jedoch nicht gerettet werden.  Er starb am 12. November in Kalkfontein.  Die Leiche wurde mit der Bahn nach Windhoek gebracht, wo unter kaum je gesehener Anteilnahme der Bevölkerung die Beisetzung an der Seite seiner Gemahlin auf dem Windhoeker Friedhof stattfand.

Grab der von Heydebrecks
Das gemeinsame Grab der von Heydebrecks in Windhoek.


Ein großer Teil der vom Führer des Freikorps gefangengenommenen Südafrikaner im kürzlich stattgefundenen Kampf mit den Engländern, trat zu Maritz über.  Auch General Kemp erreichte die Verbindung mit ihm.  Vom Erfolg dieses, unter der Führung des Kommandanten Schoemann stattgehabten Kampfes wurde berichtet, daß den Engländern 9 beladene Ochsenwagen mit
80 Zugochsen abgenommen waren.  Auch der Kommandant Stadler schlug die Feinde bei Kakamas und Mariaputz, wobei 5 Engländer fielen und 12 gefangengenommen wurden.

Der von Grootfontein aus erfolgreich patrouillierende Polizei-Wachtmeister Ostermann berichtete, daß er am 12. November mit seinem kleinen Trupp den Okavango erreicht und das vom Rittmeister Lehmann zerstörte portugiesische Fort Cuangar leer vorgefunden habe; von dort aus sei er stromabwärts marschiert und habe auf seinem Wege die Forts und Militärstationen Bunja und Sambio ebenfalls verlassen vorgefunden.  Diese und das etwas weiter gelegene Fort Diriko habe seine Patrouille zerstört.  Das von ihr am 16. November 1914 umzingelte und angegriffene Fort Mucusso hätte sich ohne Widerstand ergeben; die Besatzung wurde gefangengenommen und das Fort völlig zerstört.  Hier, in dem neben den wenigen Portugiesen noch mit 16 Askaris besetzten Fort, wurden erbeutet: 2 Geschütze und 33 Gewehre nebst dazugehöriger Munition.  Rindvieh und Proviant wurden weggeführt.  Die deutsche Mannschaft war bis jetzt überall ohne Verlust davongekommen.

Deutscher Doppeldecker
Eines der deutschen Flugzeuge, deren Erscheinen immer wieder notwendig war.


Die beiden Fliegeroffiziere Leutnant von Scheele und Leutnant Fiedler betätigten sich mit ihren Maschinen fortwährend im Süden, wo ihr Erscheinen notwendig war.  Der Erstgenannte warf auf einem über Lüderitzbucht ausgeführten Fluge außer mehreren Bomben einige hundert Flugblätter ab, in denen in afrikaanser Sprache die Burenbevölkerung aufgerufen wurde zum Kampf gegen England für Freiheit, Ehre und Recht; sie sollten mitkämpfen unter den alten bewährten Generalen Christian de Wet, Beyers, Maritz, Schoemann und anderen.

Anfang Dezember konnte die Sicherstellung der großen, noch auf den Diamantenfeldern lagernden Bestände an Lebensmitteln und Futter wieder aufgenommen werden von wagemutigen Soldaten unter der Führung des Mineningenieurs Leutnant der Reserve Prömpeler, ohne von den Feinden bemerkt zu werden.  Die damit erzielten schönen Erfolge kamen der Schutztruppe zustatten, deren Vorräte nicht reichlich waren.

Aus dem Süden wurde am 9. Dezember gemeldet: das südafrikanische Oranjeufer bei Ramansdrift und das östlich davon liegende Feld ist vom Feinde geräumt.  In den westlich davon liegenden Oranjebergen verlor die Truppe bei Patrouillen-Gefechten zwei Tote und zwei Vermißte und auf dem südlichen Ufer einen Gefallenen und 3 Vermißte.  Der stellvertretende Truppenkommandeur Major Ritter sagte in seiner Meldung, daß er die dortigen Gegner für Bastards gehalten habe.  Die ebenfalls noch südlich des Oranje kämpfende Abteilung des Burenführers General Maritz wies mehrere Angriffe der Feinde mit gutem Erfolge ab.

Am 16. Dezember kamen die in der Namib stehenden Abteilungen der Majore Ritter, Bauszus und Rappard mit einem zahlreichen Trupp des Befehlshabers in Lüderitzbucht, General McKenzie, in Stärke von mindestens 5 Eskadrons bei Rotkuppe, Haris und Aus ins Gefecht.

In Südafrika wurde mit einer starken Macht der Aufstand der englandfeindlichen Buren niedergeschlagen; dabei kamen einige Führer ums Leben.  Fourie wurde im Kampfe gefangengenommen und standrechtlich erschossen, Beyers ertrank im Vaalfluß, und der alte Christian de Wet wurde ins Gefängnis geworfen.

Das zum Kunene marschierende Regiment Franke hatte am 11. November 1914 Okaukuejo erreicht, nachdem es die für eine größere Truppe unzureichenden Wasserverhältnisse zwischen Otjiwarongo und Otjivasandu überstanden hatte.  Auch die schönen Teiche in Otjivasandu und Ombika, sowie die wasserreiche Pfanne in Okaukuejo mußten für größeren Bedarf verbessert werden.  In Okaukuejo erhielt Major Franke die Trauerbotschaft vom Tode des verehrten Kommandeurs Oberstleutnant von Heydebreck, die den Freund zutiefst erschütterte.  Als nächstältester Offizier mußte Franke das Kommando übernehmen und reiste eiligst nach Windhoek, um die nötigen Besprechungen führen zu können.  Er kehrte am 24. November nach Okaukuejo zurück, um den Straffeldzug gegen die portugiesischen Mörder persönlich durchzuführen.

Die Abteilung Franke bestand aus der 2. Kompanie unter dem Hauptmann von Watter,
der 6. Kompanie unter Hauptmann Weiss, der 1. Gebirgsbatterie mit Hauptmann Trainer als Führer, der vom Oberleutnant a.D. von Weiher geführten Halbbatterie und einem Funkentelegraphentrupp, der von Leutnant Fricke geführt wurde.  Nördlich Okaukuejos wurden die Wasserschwierigkeiten von Tag zu Tag größer, so daß die Truppe nur in kleinen Staffeln vorwärts kommen konnte.  Zu jeder Wasserstelle wurde ein Arbeitstrupp vorausgeschickt, um sie brauchbar zu machen. 
Im südwestlichen Ovamboland mußte einmal eine 73 km lange Durststrecke überwunden werden.  Es geschah auch zweimal, daß Häuptlinge sich weigerten, der Truppe behilflich zu sein; einer wollte von seinen schönen Schlachtochsen nur abgeben, wenn ihm die Truppe einige ihrer Gewehre überlassen würde.  Ein anderer verweigerte glattweg die Abgabe seines Wassers; erst als der Kommandeur persönlich mit seinem Auto erschien, stimmte den Neger der Anblick eines Wagens, der nicht von Ochsen gezogen wurde, anders.  Wenn auch Regenfälle das Vorwärtskommen der Truppe wahrscheinlich sehr gehindert hätten, so rechnete die Führung doch mit den sonst gewohnten Niederschlägen, die der Wasserversorgung dienlich gewesen wären.

Von der 2. Kompanie wurden auf Befehl des Kommandeurs zwei Patrouillen am 13. Dezember vorausgeschickt zur Erkundung der Lage.  Leutnant Suling in Begleitung des landeskundigen du Plessis sollte in Richtung Erikssonsdrift aufklären.  Er stieß auf eine portugiesische Patrouille von
9 Weißen und 12 Eingeborenen; im Kampf fielen alle Portugiesen und 9 Eingeborene, drei Eingeborene wurden verwundet gefangengenommen.  Die zweite Patrouille des als außergewöhnlich landeskundig bekannten Unteroffiziers der Landwehr Mattenklodt, Farmer bei Grootfontein, ritt befehlsmäßig auf Naulila zu, wurde am 12. abends beim Tränken am Kunene aus 80 m Entfernung vom nördlichen Ufer aus von unsichtbaren Feinden beschossen, wobei einer seiner Reiter verwundet wurde, ein anderer wurde merkwürdigerweise seitdem vermißt und konnte nicht mehr aufgefunden werden.  Beim Näherreiten an das Fort sah sich die Patrouille plötzlich von einer Schar von
20 Portugiesen, 20 Askaris (aus Portugiesisch-Ostafrika) und 40 bewaffneten Eingeborenen umzingelt.  Es gelang aber dem Buschkenner, mit seinen Leuten herauszukommen und seine Kompanie wieder zu erreichen, der er wichtige Botschaft bringen konnte.

Auch Patrouillen unter den Offizieren von Bötticher, Gutjahr und Vahle konnten beste Aufklärungen mit ins Lager bringen, nachdem sie festgestellt hatten, daß vor dem Fort Schützengräben mit bewaffneten Eingeborenen angelegt seien.

Am 18. Dezember in der Frühe ging es zum Angriff vor, und zwar marschierte ein Teil der Truppe erst einige Kilometer südlich zurück, um den Feind zu täuschen, und dann in großem Bogen ostwärts um den dichten Busch herum auf das Fort zu, während ein anderer Teil im Bogen westlich heranmarschierte.

Nach dreistündigem Kampf brachte das deutsche Geschützfeuer das Fort zum Brennen.  Um 8 Uhr trat die 6. Kompanie unter Voranlauf ihres tapferen Hauptmanns Weiss zum Sturm an, unterstützt durch die Mannschaften der Halbbatterie von Weiher und 20 Gewehren der 1. Batterie unter Führung des Leutnants der Reserve Bieder.  Der Feind floh beim Heranstürmen der deutschen Soldaten mit aufgepflanztem Seitengewehr.  150 Tote und viele Verwundete ließ der fliehende Feind zurück, der nordwärts über den seichten Fluß lief.  Im Fort ergaben sich 1 Offizier und 37 Soldaten; sieben bewaffnete schwarze Soldaten wurden auf der Stelle standrechtlich behandelt.  Im ganzen wurden gefangen: 3 Offiziere und 63 Soldaten.  Nach Angaben der Gefangenen war der Fortkommandant Oberst Rocadas gleich bei Beginn der Gefechte geflohen.  Mehrere hundert Eingeborene ergaben sich.

Die Verluste unserer Truppe waren ebenfalls sehr schwer.  12 Unteroffiziere und Reiter hatten ihre Tapferkeit mit ihrem jungen Leben bezahlen müssen.  An Verwundeten wurden 6 Offiziere,
19 Unteroffiziere und Reiter gezählt. 
Das Schutztruppen- Kommando hat festgestellt, daß im Kampf um Naulila unseren rund 300 Soldaten 450 Portugiesen mit 4 Geschützen, 4 Maschinengewehren und 300 bewaffnete Eingeborene gegenüberstanden.  Die feigen Morde an deutschen Männern waren von der siegreichen Schutztruppe empfindlich gesühnt.  Der Rückmarsch der Truppe, welche von jetzt an den ehrenvollen Namen "Regiment Naulila" trug, erfolgte am 19. Dezember 1914.

In Ombika, 20 km südlich Okaukuejos, erhielt Major Franke die telegraphische Nachricht von der während der Weihnachtstage geschehenen Landung englischer Truppen in Walvis Bay.  Das veranlaßte ihn, sich am 27. Dezember 1914 von seiner Truppe zu verabschieden, um sich schnellstens nach Windhoek zu begeben, wo er das Kommando über die gesamte Schutztruppe übernahm und seine Anordnungen für Widerstandskämpfe gegen die eindringenden Feinde traf.

Am 22. Dezember wurde eine 800 Mann starke englische Truppe bei Nous südlich Stolzenfels von den Abteilungen Maritz und Kemp, bei denen sich ein Teil des deutschen Freikorps unter Schoemann und die Batterie Hausding befanden, angegriffen.  Der Feind floh nach dreistündigem Gefecht und verlor 2 Tote, 96 Verwundete, 132 Gefangene, darunter 8 Offiziere, ferner ein Maschinengewehr,
100 000 Patronen, 27 bespannte Wagen, 60 Pferde und eine Herde Kleinvieh von 200 Stück.  Verluste beim deutschen Freikorps: 7 Verwundete und 3 Vermißte.

Unter dem Schutze von zwei englischen Linienschiffen und zwei Hilfskreuzern landeten am
26. Dezember 1914 in Walvis Bay vier Infanterie-Kompanien und ein Kavallerieregiment, zusammen
rund 1 000 Mann.

Im ganzen Lande wurde eine sehr erfolgreiche Sammlung des Roten Kreuzes zugunsten der Hinterbliebenen gefallener Soldaten veranstaltet.

Den mit den Engländern zusammen kämpfenden Südafrikanern wurde von der burischen Zeitung "Weekblad" vorgehalten, welche Verluste auf burischer Seite im englischen Kriege 1900 entstanden waren.  An Zahlen wurden genannt: in den 45 Konzentrationslagern waren 90 000 Burenfrauen, Kinder und Greise untergebracht.  Darin kamen um: 3 288 Ehefrauen, 825 Töchter über 16 Jahren, 209 Jungen über 16 Jahren, 22 057 Kinder unter 16 Jahren und 1 421 Greise - zusammen 27 800.
In den Kämpfen gefallen und an Wunden gestorben: 3 990. 
An Krankheiten im Felde gestorben: 1 081.  In den Kriegsgefangenenlagern umgekommen: 1 118.
Gestorben infolge der Verwüstung des Landes: 2 000 Menschen.



Das Jahr 1915 und Kriegsende in Deutsch-Südwestafrika

Nach der vor einer Woche erfolgten Landung englischer Truppen in Walvis Bay befahl der Kommandeur der Schutztruppe, Major Franke, die Verstärkung der Abwehrtruppen in der Namib. 
Mit der Organisation dieses erweiterten Küstenschutzes wurde der Generalstabshauptmann Weck beauftragt, der am 3. Januar 1915 meldete, daß bisher von Vorbereitungen und Absichten des Feindes noch nichts beobachtet worden sei.  Er empfahl dem Kommandeur eine Sammlung der zusätzlichen Küstenschutztruppen in Jakalswater, 100 km von der Küste entfernt.  Von dort aus würden sie dem Feinde, und außerhalb des Bereichs der weittragenden Schiffsgeschütze, wirksamer entgegentreten können.

Die vereinten Abteilungen des Oberleutnants von Hadeln und des Burenkommandanten Stadler schlugen am 6. Januar auf dem südlichen Ufer des Oranje bei Stolzenfels eine starke Abteilung unter dem Major Vermaak in mehrstündigem Gefecht erfolgreich zurück.

Die damals noch in Einigkeit zusammenarbeitenden Burenführer hatten einen Plan zu einem Angriff auf Upington (Südafrika) verabredet.  Mit dem Abmarsch einer Truppe von 1 000 Mann von Nakob und Ukamas am 13. Januar begann die Ausführung dieses Angriffes.  Bei dieser Truppe befanden sich zwei Maschinenkanonen, zwei Maschinengewehre und die 4 Geschütze der Batterie Hausding.

Am 14. und 15. Januar wurden von den feindlichen Truppen in Walvis Bay kleine Trupps nach Swakopmund in Marsch gesetzt.  Eine Abteilung dieser Eindringlinge geriet auf deutsche Minen, welche auf ihrem Marschwege unterhalb der bis an den Strand hinreichenden Dünen in den Boden gelegt worden waren.  Zwei verwegene Kriegsfreiwillige hatten sich am oberen Kamm der Düne sorgfältig versteckt und brachten die Minen zur rechten Zeit zur Explosion.  Der Erfolg war für die Feinde niederschmetternd.  Viele Reiter fielen tot vom Pferde, die Anzahl ist niemals bekannt geworden, vermutlich weil sie entsetzlich hoch war.  Die beiden "Übeltäter" konnten in der entstandenen Verwirrung 9 gesattelte Pferde einfangen und damit unversehrt zu ihrer Kompanie entkommen.

Um diese Zeit bewies der Oberhäuptling der Kwanjama-Ovambo, Mandume, dessen Stammesgebiet zu einem großen Teil auf Angolaland lag, seine Freude an der Niederlage der Portugiesen und die Befriedung aller Ovambo durch eine Meldung an den Bezirksamtmann in Outjo, daß er noch zwei weitere portugiesische Forts zerstört habe, wobei z.B. in Okafima ein portugiesischer und 22 eingeborene Soldaten getötet worden seien.  Er schickte mit seinen Boten drei portugiesische Gefangene, von deren Ermordung ihn ein deutscher Missionar abgehalten hatte, welche nun dem deutschen Gouverneur beweisen würden, daß er ein treuer Freund der Deutschen sei und auch etwas dafür getan habe.  Er erhielt als Belohnung drei Reitpferde.

Kurz vor ihrem Angriff auf Upington ließen die Führer der Burenabteilungen erkennen, daß ihnen die Überlassung der 4 Geschütze der Batterie Hausding sehr erwünscht sei.  Nach diesen Besprechungen mit dem Hauptmann Medding und seiner Anfrage beim Kommandeur, dessen Antwort bejahend ausfiel, übergab der Batterieführer Oberleutnant Hausding die genannten Waffen und setzte sich mit seinen deutschen Mannschaften und Reittieren auf den Marsch nach Windhoek, von wo aus er zur Küstenschutzabteilung Scultetus versetzt wurde.

Die bereits aufgefallene Uneinigkeit unter den Burenführern nahm stärkere Ausmaße an, so daß das deutsche Oberkommando von Tag zu Tag vorsichtiger wurde in seinen Maßnahmen der Hilfe für die bisherigen Freunde.  Die Uneinigkeit hatte auch zur Verzögerung des Angriffes auf Upington geführt.

Der in den letzten Januartagen endlich durchgeführte Angriff auf das sehr stark besetzte Upington endete nach fünfstündigem blutigem Kampf unglücklich für die Buren; sie führten den Mißerfolg auf Verrat einiger unsicherer Elemente aus ihren Reihen zurück.  Ihre Verluste waren sehr schwer und betrugen an Toten, Verwundeten und Gefangenen rund 250 Mann.  Ein Teil legte freiwillig die Waffen nieder und ergab sich dem Feinde.

Der deutsche Nachrichtenoffizier vom Stabe Maritz, Oberleutnant a.D. Kuntze, überbrachte die Nachricht nach Ukamas; sie enthielt auch die Gewißheit, daß die meisten Burenführer, außer Maritz, die Waffen gestreckt hatten.  Da er mit den Kapitulationsbedingungen nicht einverstanden war, trennte er sich mit seinem Freikorps von seinen früheren Kampfgenossen.  Er sorgte vor der Übergabe dafür, daß die Geschütze der früheren Batterie Hausding nicht in englische Hände fielen; auch war seine Absicht, den größten Teil der in Händen der Burenkämpfer befindlichen deutschen Waffen zurückzuhalten, damit sie mit den Geschützen an das Regiment Ritter abgeschickt würden.
Aber nur ein Teil der Gewehre war noch erreichbar, die getreulich den deutschen Eigentümern mit den leihweise zur Verfügung gestellten Geschützen zurückgegeben wurden.

Am 24. Januar wurde mit der letzten, ziemlich klar und verständlich nach Südwest gekommenen Funkspruchnachricht aus Deutschland eine Kaiserliche Kabinettsorder übermittelt, darin Major Franke unter Beförderung zum Oberleutnant zum Kommandeur der Schutztruppe ernannt wurde. 
Seit dem 20. Januar hatte er sein Quartier in Aus bezogen - im Süden des Landes.

Die den Feldwachposten Drei am Swakop besetzende Küstenschutzabteilung wurde in den Dünen von einer größeren feindlichen Schar angegriffen, die aber unter Verlust von 6 Toten und 5 Pferden siegreich zurückgeworfen wurde.

Nach Erledigung seiner Tätigkeit an der Küste war Generalstabshauptmann Weck nach dem Süden gereist, um Verhandlungen mit Maritz und den abtrünnigen Burenführern abzuhalten, um zu prüfen, ob dort nicht etwas zu retten sein werde, und um überhaupt die durch deren Uneinigkeit entstandene Unklarheit zu untersuchen und eine endgültige Entscheidung herbeizuführen.  Der mit ihm zusammengetroffene Maritzsche Nachrichtenoffizier Kuntze klärte den Generalstabsoffizier über das Geschehene auf, über den erfolglosen Kampf der Buren um Upington, die tiefe Entzweiung der Führer und den Zusammenbruch der burischen Streitkräfte, die Waffenstreckung des größten Teils und damit die Aufgabe des Kampfes.

Nach Bekanntwerden der vollzogenen Abtrünnigkeit der Buren erhielt Major Ritter vom Kommando den Befehl, noch einen Vorstoß gegen die vordringenden Feinde zu unternehmen.  Am 31. Januar brach er mit im Ganzen 250 Gewehren von Ukamas in Richtung Kakamas auf.  Ihm standen außer den jetzt in seine Abteilung eingegliederten vier Geschützen, die Maritz gerettet hatte, noch 4 Maschinengewehre zur Verfügung.  In dem am 4. Februar stattgefundenen ungleichen Kampf gegen
6 000 Feinde erlitt dieser zwar bei Kakamas sehr große Verluste, aber auch viele deutsche Männer opferten ihr junges Leben.  Daß die Verluste der Feinde sehr groß gewesen sein mußten, beobachteten unsere Soldaten an der außergewöhnlich eifrigen Tätigkeit der Sanitätsautos.  Die Aussichten in diesem ungleichen Kampfe waren so gering, daß sich der Führer entschloß, den Rückweg nach Ukamas anzutreten.

Am 1. Februar stürmte die Patrouille des Oberleutnants der Reserve Eichler das an der Südgrenze Angolas liegende portugiesische Fort Dom Louis de Braganca und nahm die Besatzung von einem Offizier und 3 Askaris gefangen, erbeutete ferner das Geschütz, 16 Gewehre und Kriegsmaterial.
Die anderen Angehörigen der Besatzung waren gleich bei der Ankunft der Deutschen geflohen.

Im Verfolg der Landung der Engländer in Walvis Bay und der Besetzung Swakopmunds nahm die Aufklärungstätigkeit der Feinde in der Namib nach und nach zu, so daß die auch schon früher sehr rege Küstenschutzabteilung Scultetus ihre bisher so oft erwiesene, unermüdliche Beweglichkeit und Wachsamkeit noch weiter verschärfen mußte.  Diese Abteilung war wegen der Ausdehnung ihres Wirkungsbereiches inzwischen auf 160 Gewehre verstärkt worden.  Der Feind hatte bald nach seiner Landung in Walvis Bay mit dem Bau einer Verbindungsbahn nach Swakopmund begonnen und war, wie es sich nachher erwiesen hatte, für den Umbau der Schmalspurbahn von Swakopmund aus in Kapspurweite mit reichlichen Vorräten an Materialien versehen.  Diese Kriegsarbeit wurde auch bald nach der Besetzung Swakopmunds in Angriff genommen.  Das Abreißen der Otavibahn wurde ihm erspart, da diese Arbeit von der weiter ins Innere abrückenden Truppe schon besorgt worden war, nachdem sie alle brauchbaren Vorräte aus amtlichen Lagern und geschäftliche Bestände nach den Magazinen in Karibib abgefahren hatte.

Als der Neubau der Kapspurbahn bis Kilometer 4 vorgedrungen war, unternahmen die englischen Bothatruppen mit mehreren Regimentern einen Vorstoß, teils auf der Bahn und der andere berittene Teil auf beiden Seiten des Swakopflusses.  Der die große Gefahr schnell erkennende Hauptmann Scultetus ritt den Eindringlingen  mit seiner ganzen Kompanie entgegen, sah aber bald, daß seine Umzingelung für seine fast nur ein Zehntel der feindlichen Übermacht zählende kleine Truppe drohte.
Der Führer selbst sowohl als auch seine einzeln und verstreut patrouillierenden Züge unter Führung der Reserveoffiziere Mansfeld, Müller, Hundsdörfer und von Milkau lösten sich mit gewohnter Geschicklichkeit aus der Umklammerung und zogen sich in ihr bisheriges Lager zurück.  Es waren anfänglich Verluste festgestellt worden, deren Zahl sich durch Rückkehr 14 Vermißter verringerte, aber doch einen Gefallenen, zwei Schwerverwundete und 8 Gefangene betrug.

Ende Februar wurde eine kleine Abteilung von Reservesoldaten auf Spitzkoppe in der Namib stationiert zur Beobachtung der von Swakopmund aus immer mehr patrouillierenden Bothatruppen.

Sprengung der Bahnlinie
Sprengung der Schmalspurbahn durch die deutsche Schutztruppe bei ihrem Rückzug.


Der Kriegszustand im Süden war wie folgt zu beschreiben.  Auch dort waren die Bothatruppen eifrig an der Arbeit, die von den deutschen Truppen zerstörte Bahnlinie wieder herzustellen; hierzu waren sie ebenfalls mit mitgebrachten Materialien aufs reichste ausgestattet.  Es waren auch Bohrmaschinen und sonstiges Gerät dabei, um die alten Wasserstellen wieder in brauchbaren Zustand zu versetzen und neue zu erschließen.  Brückenmaterial war auch vorhanden.  Der Feind war eben auf alles vorbereitet, um das zu erobernde deutsche Land baldigst für sich in Ordnung zu bringen.  An der Bahnlinie wurden in kurzen Abständen kleine Blockhäuser errichtet, um den Wachen eine Unterkunft zu verschaffen.  Alleine an der reichen Wasserstelle Garub waren 5 000 Mann stationiert, deren Patrouillenverkehr von Tag zu Tag reger wurde.  Die Aufklärungstätigkeit fand meist beiderseits der fertigen Bahnstrecke statt.

Am 22. Februar 1915 stieß eine deutsche Patrouille auf eine meist aus bewaffneten Nama bestehende feindliche Abteilung, die sich im Anmarsch auf Garub befand.  Im Gefecht fielen zwei der Eingeborenen und der Führer der Patrouille, der Kapitän De Meillon, der früher in Lüderitzbucht als Photograph und unter dem Deckmantel eines Diamanten-Prospektors ansässig gewesen war.

Das zum Regiment Ritter zurückgekehrte Freikorps wurde am 19. Februar aufgelöst und auf verschiedene Truppen verteilt, u.a. auch auf die Patrouillenabteilung des Kapitänleutnants a.D. Matthiessen, der im Osten tätig war.

Das Regiment Ritter stellte nun den linken Flügel der deutschen Truppen dar, dessen Tätigkeit sich bis zur Ostgrenze erstreckte.  Im befehlsgemäßen langsamen Zurückgehen vor dem in Unmassen auftretenden, jetzt stark nachdrängenden, aber meist zurückgeschlagenen Feinde, legten sie ihm überall, wo es nur angängig war, Schwierigkeiten in den Weg, und wo es zu Gefechten kam, brachten sie ihm empfindliche Verluste bei.  So wurde die den Oranje überquerende englische Truppe, die über Stolzenfels und Nakob nach Ukamas marschieren wollte, um es mit einer starken Besatzung zu belegen, bei Springputz von einer deutschen Grenzabteilung in weitaus geringerer Mannschaftsstärke angegriffen und in die Flucht geschlagen. 

Das den rechten Flügel bildende Regiment Bauszus stand noch mit seiner Front gegen die aus der Lüderitzbuchter Namib vordringenden Bothatruppen.  Dem Kommando war die unerhört große Menge der feindlichen Truppen gemeldet worden seitens des die Stärke richtig erkennenden Majors Bauszus.  In vorsorglicher Erwägung, daß der direkte Widerstand gegen solche Massen nur unnützes Blutvergießen bedeute, erhielt diese Abteilung vom Kommando den Befehl, das langsame Zurückziehen der Truppen unter weiterhin durchzuführenden Sprengungen von Wasserstellen, Brücken und sonstiger, dem Feinde nützlicher Anlagen zu beginnen.

Die Unionstruppen drangen von drei Seiten vor und konnten Keetmanshoop, in dessen Nähe sich die deutschen Truppen zusammengefunden hatten, um den Marsch nach Norden anzutreten, fast einschließen.  Es mußte sehr darauf geachtet werden, daß diese Truppen rechtzeitig den Rückzug nach dem Norden antraten, damit die Gefahr des Abschneidens durch den von Swakopmund aus vorgehenden Feind ausgeschaltet wurde.  Immer aber wurden ihm Hindernisse gesetzt, durch die ihn schädigende und aufhaltende Gefechte.

Die am Anfang des Krieges zusammengestellte Kameruner Kompanie unter der Führung des früheren Leutnants der Kameruner Schutztruppe Kund hatte als Hilfstruppe in Südwest keinen rechten Zweck und wurde am 24. Februar 1915 wieder aufgelöst.  Die Angehörigen dieser Abteilung waren frühere Soldaten, die wegen Unzuverlässigkeit nach Deutsch-Südwestafrika deportiert worden waren.

Während im südlichen Teil des Landes noch gegen die Eindringlinge gekämpft wurde, die Hauptabteilungen der Truppe aber bereits den befohlenen Marsch nach Norden angetreten hatten, wurde zum Kommandeur der Nachhuttruppen der Hauptmann a.D. von Kleist ernannt.

Über die letzten Vorgänge ist noch zu erwähnen: Fast die ganzen Restbestände an Proviant und Futtermitteln von den Diamantenfeldern konnten noch von wagemutigen Kolonnen in Sicherheit gebracht werden.  Ebenso wurde das große Lager in Aus weggeschafft.  Eine von Nakob abmarschierende Patrouille der Abteilung von Hadeln unter der Führung des schon mehrfach lobend erwähnten Vizefeldwebels der Reserve Klaenfoth wurde an einem Tage zweimal von stark überlegenen Feinden angegriffen und mußte sich befehlsmäßig zurückziehen.  Leutnant der Reserve Gaedtke von derselben Abteilung war in der Lage, viele Brunnen und sonstige Anlagen zu zerstören.

Abteilung von Hadeln erreichte die Verbindung mit der bei Kais stehenden Abteilung des Kapitänleutnants der Seewehr Matthiessen.  Diese Abteilung war im Osten erfolgreich tätig gewesen, bekam durch einige Buren vom aufgelösten Freikorps Verstärkung, hatte aber auch die Sorge für den mit 220 Tieren besetzten Burenpferdeposten übertragen bekommen.  Eine feindliche Abteilung von
300 Mann griff die 35 Mann der Abteilung Matthiessen an; im heftigen Gewehrfeuer rissen sich die zum Satteln bereiten Pferde erschreckt los und entliefen, so daß die Truppe in ihrer Bewegung gehindert wurde.  Nach heißem Kampf erhielt der Führer die Aufforderung des Feindes zur Übergabe, die jedoch abgelehnt wurde.  In der Nacht konnte der Führer mit restlichen 16 Mann zu Fuß durch die Karasberge entkommen, geriet aber am nächsten Tage wieder in starkes feindliches Feuer und mußte nach der Überwältigung in die Gefangenschaft gehen. 

Die Patrouille Leutnant Heilingbrunner der Abteilung von Hadeln geriet mit 300 Feinden ins Gefecht, konnte sie aber durch starkes Abwehrfeuer vertreiben.  Das gleiche erlebte die Patrouille Klaenfoth mit einer kleineren Feindabteilung.
Bei Kirris-West kämpfte die vereinigte 3. und 4. Kompanie.  Die Leutnante der Reserve Jaspersen und Egersdorf ritten erfolgreiche Aufklärungspatrouillen.  Der auch zu dieser Abteilung gehörende Leutnant der Reserve Prömpeler geriet auf seiner Patrouille in ein Handgemenge mit den Feinden, wehrte sich mit seinem Revolver gegen die Gefangennahme, bis er durch einen Gewehrkolbenschlag ins Gesicht kampfunfähig wurde.
Der zur Abteilung von Hadeln gehörende Feldkornett Denk ritt eine Aufklärungspatrouille in Richtung auf Ukamas und beobachtete vom Sturzbachberg, daß der Vormarsch auf Kalkfontein-Süd im Gange und Wasserfall bereits stark besetzt war, ferner, daß der Bahnbau anscheinend bald Ukamas erreichen werde.

Anfang März fand ein ausführlicher brieflicher Meinungsaustausch zwischen dem deutschen Truppenkommandeur und dem General Botha statt, in welchem beiderseitig Angelegenheiten wie die Behandlung der jetzt Rebellen genannten Angehörigen des früheren Freikorps, deren Unterstützung des deutschen Kommandos ihnen zum Vorwurf gemacht wurde, behandelt wurden, ferner die Verwendung Eingeborener im Kampf gegen Weiße, der nachgewiesene Gebrauch angefeilter Jagdpatronen, von Dumdum-Geschossen als dienstlich ausgegebener Frontmunition, die gegen Völkerrecht mehrfach vorgenommene Beschießung der unbefestigten Stadt Swakopmund und andere Punkte.  Der Feindbefehlshaber Botha erhielt auf ungerechtfertigte Vorwürfe seinerseits die gebührende scharfe Antwort vom Oberstleutnant Franke.

Am 20. März 1915 rückten Bothatruppen in außergewöhnlich großer Menge an beiden Seiten des Swakopflusses bis Jakalswater vor.  Dort waren seit kurzem deutsche Truppen in Stärke von rund
700 Mann zusammengezogen, die dem Befehl des Majors a.D. Wehle unterstellt waren.  In den sich entspinnenden heißen Kämpfen zur Verteidigung der Stellungen in Jakalswater selbst, der für die Versorgung aller Truppen wichtigen Wasserstelle Riet am Swakop und der Gebirgszüge der Umgebung gerieten die sich tapfer zur Abwehr setzende 6. Kompanie des bekannten Hauptmanns Weiss, die neben ihr ebenfalls in heißem Kampf fast gänzlich vernichtete Halbbatterie von Weiher und die in der Nacht aus ihrem bisherigen Standort Karibib auf dem Kampfplatz eingetroffene Ersatzkompanie des Oberleutnants der Reserve Steffen mit 40 Mann in eine eng geschlossene Umzingelung durch die Unmassen der Feinde und konnten nicht der Gefangennahme entgehen. 
Die ebenfalls von weit überlegenen feindlichen Abteilungen angegriffenen deutschen Nachbarabteilungen konnten sich selber zwar halten, hatten jedoch wegen der Übermacht der Feinde nicht die Möglichkeit, ihren umzingelten Kameraden zu helfen.  Der 35 Mann zählende Stab des Kommandeurs Wehle wurde in Jakalswater selbst von einer 450 Mann zählenden feindlichen Abteilung angegriffen und konnte sich unter hartem Kampf herausschlagen.  Im nahe gelegenen Riet standen die 2. Kompanie unter Hauptmann von Watter und die 2. Reservekompanie des Hauptmanns der Landwehr Ohlenschlager.  Nach schweren Rückzugskämpfen konnten sich die so geringzählenden deutschen Truppen langsam vom übermächtigen und besser ausgerüsteten Feinde lösen.  Unsere Verluste waren sehr schwer, 18 Gefallene.  In Gefangenschaft gerieten die Kompanie Weiss, Reste der Halbbatterie von Weiher und die Abteilung Steffen mit ihrem Führer, zusammen 209 Mann, davon 2 Offiziere und 24 Mann verwundet.  Der Feind verlor sehr viele Soldaten.

In diesen schweren Kämpfen standen unseren 700 Soldaten rund zehnmal so viel englische Bothatruppen gegenüber, die alle bestens ausgerüstet waren mit Fahrzeugen und Kriegsmaterial, ebenso mit gut gefütterten Pferden.

Das Soldatenschicksal der Gefangennahme mußte eine Patrouille der Kompanie Schonert unter Führung des Leutnants der Reserve Hermann erleben, da sie am 1. April 1915 bei Vogelstruiskluft von einer sehr starken englischen Abteilung nach heißem Kampf überwältigt wurde.  Der dabei gefallene Reservereiter Wulfers wurde auf Veranlassung eines mit soldatischem Ehr- und Anstandsgefühl selten schön begnadeten englischen Offiziers mit militärischen Ehren beerdigt, wobei der Offizier den deutschen Gefangenen anerkennende Worte über ihr tapferes Verhalten im Kampf sagte und dem Toten als Zeichen der Ehrung sein Gewehr und den Patronengurt ins Grab legen ließ.
Die Patrouille Hermann hatte dem Vortrupp einer 8 000 Mann zählenden berittenen Kolonne des Generals van Deventer gegenübergestanden.  Diese Truppe vereinigte sich bei Seeheim mit den
6 000 Soldaten der bisherigen Lüderitzbuchter Besatzung.  Am 11. April 1915 genossen sie alle den Vorzug des Besuches von General Smuts, der sich die Freude machte, für drei Wochen den Oberbefehl über alle Südtruppen führen zu können.

Schmalspurbahn
Truppenverlegung durch die deutsche Schmalspurbahn im Jahre 1915.


Am 19. April verließen mit dem letzten Eisenbahnzug die restlichen deutschen Truppen Keetmanshoop, wo der katholische Präfekt von Krolikowski die Sorge und den Schutz für die zurückbleibende Bevölkerung übernahm.  Kurz vorher war auf Vorschlag des Eingeborenenkommissars Leutnant der Reserve Ferse die Auflösung der vor einem halben Jahr errichteten Bersebaner-Abteilung vorgenommen worden, da bereits Nachrichten über Unruhen bei den Bastards vorlagen.

Mit sämtlichen Nachhuten marschierte Hauptmann a.D. von Kleist in breiter Front nach Norden ab.
Die beiden Kompanien Schoepffer und von Hepke und die starke Patrouille von Hadeln wurden am 20. April 1915 bei Kabus von acht feindlichen Eskadrons umstellt, schlugen jedoch im Gegenangriff den an Zahl stark überlegenen Feind unter empfindlichen Verlusten und Hinterlassung von
30 Gefangenen hart zurück.  Unsere Truppe verlor 2 Gefallene.  Ein weiterer Überfall auf die Abteilung von Kleist geschah am 26. und 27. April zwischen Gibeon und Kranzplatz durch eine ungewöhnlich starke Feindabteilung, die die Deutschen völlig umzingelte.  Nachdem jener sehr schwere Verluste beigebracht worden waren, schlug sich Kleist mit seinen 600 Mann tapfer durch den Umzingelungskreis hinaus.  Eine anfänglich gefangengenommene Eskadron von 185 Mann mußte wieder freigegeben werden, da das Anrücken einer sehr großen Entsatzabteilung wahrgenommen wurde.  Unsere Verluste betrugen 9 Tote und 3 Schwerverwundete, sowie 40 Leichtverwundete, von denen 21 in feindliche Hände fielen.  Der Weitermarsch der Abteilung von Kleist ging östlich an Windhoek vorbei in Richtung auf Waterberg-Grootfontein.

Nach der nun folgenden Abschneidung des Verkehrs, überhaupt jeglicher Verbindung mit der Hauptstadt Windhoek, konnten die in Ferien befindlichen Schulkinder nicht mehr nach Windhoek gelangen.  Mit der baldigen Besetzung der Landeshauptstadt wurden alle Schulen geschlossen, da auch die meisten Lehrer nach Kimberley (Südafrika) in die Gefangenschaft wanderten.

Am 1. Mai 1915 räumten die letzten deutschen Truppen die Landeshauptstadt wegen der im Eilmarsch anrückenden feindlichen Macht.

Nach Erreichung der Linie nördlich Windhoeks marschierte die Abteilung des Majors Bauszus von Okahandja und Johann-Albrechtshöhe aus nach Norden, um im Felde zwischen Bahnlinie und dem Waterberg den ins Auge gefaßten Sammelpunkt der ganzen Truppe im Bezirk Tsumeb-Grootfontein zu erreichen.

Den von Keetmanshoop aus an beiden Seiten der Bahn nördlich marschierenden Truppenteilen war schon in der Rehobother Gegend die Frechheit und Aufsässigkeit der Bastards aufgefallen, so daß allen Truppen größte Wachsamkeit empfohlen werden mußte.  Die bei der Truppe als Hilfskräfte eingestellten Bastards ließen offen erkennen, daß sie bei den nächsten Zusammenstößen mit den Engländern die Gefolgschaft verweigern würden.  An gewissen Beobachtungen wurde es der deutschen Truppe klar, welches die Gründe für die Abtrünnigkeit der von den deutschen Gouverneuren stets schonend und entgegenkommend behandelten Bastards waren.  Von Windhoek aus waren seitens des Polizei-Oberstleutnant Bethe, des Oberrichters Bach und einer Abteilung unter dem Hauptmann Hensel Versuche zur Umstimmung der verhetzten Bastards unternommen worden.  Es konnte nur die Beeinflussung durch die eindringenden Feinde vorliegen, denn den Bastards, die erst seit 47 Jahren ihr schönes Land bewohnten, war größtes Entgegenkommen seitens der deutschen Behörden zuteil geworden.

Es stellte sich dann auch bald heraus, daß ein sehr einflußreicher, wohlhabender Bastardvormann, Nels van Wyk, auf dem geheimnisvollen Wege des Kuisebgeländes nach Walvis Bay geritten war und dort vom General Botha empfangen wurde.  Der Erfolg dieses Besuches beim Oberkommandierenden war reiche Ausrüstung mit erwünschten Geschenken, die van Wyk zwei voll beladenen Ochsenwagen auf seinem Rückwege mitnehmen durfte.  Die dazu gehörende Beeinflussung nach bekanntem Muster gegen alle Deutsche wird auch bestens geholfen haben, daß die Mischlinge in den Tagen zwischen dem 19. April und 22. April in einen offenen Aufstand eintraten und zur selben Zeit nach dem Vorbilde der Herero und Nama die Ermordung der in ihre Hände geratenden Deutschen ausführten.

Der mit seiner 3. Kompanie auf der Bahn nach Norden marschierende Hauptmann der Reserve Seydel sah bei Kilometer 108 der Strecke Mariental-Rehoboth einen von Osten nach Westen ziehenden Trupp mit viel Vieh, der von etwa 50 Bastards gedeckt wurde.  Kurz entschlossen stoppte der Offizier den Zug und ließ seine Soldaten gegen die Räuber vorgehen.  Bei der Eröffnung des Feuers flohen sämtliche Männer der neuen Feinde.  Die Truppe erbeutete 12 beladene Ochsenwagen, 800 Rinder und tausende Stück Kleinvieh.  Am 23. April hob die Kompanie Remanowski den Bastardposten Neuras aus, wo ebenfalls große und schöne Beute an Vieh und Materialien gemacht wurde; im Gefecht fielen 8 der Feinde.  Auf den Wegen nahm die Truppe viele überlebende Angehörige der ermordeten Männer an sich und brachte diese verwaisten Frauen und Kinder auf Ochsenwagen zur nächsten Station.  Dasselbe ereignete sich bei Jakalswater südlich Rehoboth, von wo die Angehörigen der deutschen Männer nach Kub geflüchtet waren.
Am 26.April wurde die durch Flüchtlinge auf zehn Gewehre verstärkte Besatzung von Hatsamas von einer Bande von 20 Bewaffneten und einer zahlreichen Gruppe ohne Waffen stark bedrängt.  Die angreifenden Bastards verloren auch hier im Kampf mindestens 6 Tote und viele Verwundete.  Fast alle Farmen waren von den Aufständischen zerstört und ausgeplündert, Farmer und auch Polizisten ermordet worden.  (Eine Bestrafung der Mörder hat nach Einsetzen der neuen englischen Verwaltung der deutschen Kolonie nicht stattgefunden.)  Am 4. Mai 1915 verjagte der inzwischen mit dem Gesamtbefehl über die gegen die Bastards kämpfenden Truppen beauftragte Hauptmann Graf Saurma-Jeltzsch die Bastards aus ihrem Posten Garis, verlor dabei einen Gefallenen; am 7. Mai geschah dasselbe durch die 5. Kompanie bei Kobus.

Major Ritter hatte in der Swakopmunder Namib den Befehl über den rechten Flügel der deutschen Abwehrtruppen übernommen.  Am 26. April war der Feind, nur vorübergehend aufgehalten und behindert durch die mehrfachen Sprengungen der Bahnlinie durch die Sprengkolonnen der Reserveoffiziere Hundsdörfer und Venuleth, mit wiederum sehr starken Streitkräften vormarschiert und wurde in der Frühe bei Trekkopje an der Otavibahn von der Abteilung Ritter angegriffen.  Der abermals so ungleiche Kampf mußte, auch wegen der hohen Verluste, gegen Mittag abgebrochen werden.  Die Abteilung zog sich langsam an der Bahn entlang nördlich zurück.  Außer dem Führer der 2. Kompanie, Freiherr von Watter, fielen Leutnant der Reserve Müller (Lehrer in Karibib) und
8 Unteroffiziere und Reiter, ein Offizier und 14 Reiter waren verwundet; 1 Arzt und 12 Mann wurden verwundet, 1 Offizier und 9 Reiter unverwundet gefangengenommen.  Auch der Feind hatte schwere Verluste erlitten.

Am Swakop aufwärts, in der Gegend von Otjimbingwe, hatten Truppenteile Gefechte zu bestehen mit dort vorgedrungenen Engländern sowie auch an der alten Staatsbahnstrecke bei Kubas.

Die Verfolgung durch den Feind blieb in schnellstem Tempo bis Omaruru im Gange.  Kurz vor Omaruru wurde die nur wenige Soldaten starke frühere Küstenschutzabteilung Scultetus von 8 Eskadrons angegriffen, mußte sich sehr stark verteidigen und konnte der sich entwickelnden Umgehung  geschickt ausweichen, um sich der auf der Manasse-Höhe südlich Omarurus gefechtsbereit wartenden Abteilung Ritter wieder anzuschließen.  Der Feind ging zurück, besetzte aber am 19. Juni 1915 die unbefestigte Stadt Omaruru.

Rathaus Windhoek
Windhoek nach der Besetzung durch die englischen Truppen.


In und bei Kalkfeld sammelten sich die einzelnen Truppenteile Ritter und Bauszus und konnten dort in Ruhe fast einen vollen Monat liegen, in ständiger Folge aber Kundschafterpatrouillen aussenden.  Hier traf die Meldung von der am 12. Mai 1915 erfolgten Besetzung unserer Landeshauptstadt Windhoek durch den Einmarsch des siegreichen Generals Botha ein.

Nach Vereinbarungen trafen die beiderseitigen Befehlshaber und höchsten Beamten an der südlich Omaruru gelegenen Giftkuppe zu dem Versuch zusammen, endlich Frieden zu schaffen.  Am 21. Mai verhandelten Gouverneur Dr. Seitz mit Oberstleutnant Franke zusammen mit dem General Botha.  Die vom Engländer gestellten Bedingungen machten aber weitere Verhandlungsversuche aussichtslos.
Botha sagte im Verlaufe der Besprechungen, daß es schon bei Beginn dieses Krieges zu spät gewesen sei, überhaupt über Frieden zu verhandeln, denn er habe sich bereits vor neun Jahren England gegenüber verpflichtet, Deutsch-Südwest auf jeden Fall für es zu erobern.

Am 22. Juni 1915 traten die Feinde wieder zum Vormarsch an und erreichten Kalkfeld in der Frühe dieses Tages, nachdem der letzte deutsche Soldat kurz vorher den Ort verlassen hatte.  Den aktiven Truppen hatte sich die hier eingetroffene Namib-Abteilung von Spitzkuppe angeschlossen; deren aktiver Sergeant Holtzendorf hatte unterwegs alle Wasserstellen durch fachkundige Sprengungen für den Feind unbrauchbar gemacht.

Sie Abteilungen Ritter und Bauszus marschierten in möglichst langsamem Tempo nach Norden, was nicht nur durch die geringen Leistungen der ungenügend verpflegten Pferde bedingt war.
Bei Otavifontein wurde die Abteilung Ritter von den eilig vorgehenden Feinden in großer Anzahl eingeholt und hart beschossen (1.Juli 1915).  Dabei verloren sie zwei Reiter und einige Schwerverwundete.

Mit dem Ziel Khorab zogen sich die Abteilungen auf verschiedenen Marschwegen zurück.  In Gaus wurde die Abteilung von Kleist von größerer Übermacht überfallen während der Nachtruhe und erlitt einige Verluste.  In Khorab verschanzten sich die deutschen Truppen, um den Schlußangriff der so zahlreich überlegenden Feinde abzuwarten.  Mehrere kleine Patrouillen waren noch, abgelöst vom großen Verband, in den Bezirken Okahandja, Omaruru, Grootfontein und Outjo eifrig tätig, dem Feinde Schaden zuzufügen.  Angesichts der von ihnen vorgenommenen Bahnsprengungen griff der Feind zur beliebten Methode, damit zu drohen, daß die Zivilbevölkerung darunter bald zu leiden haben werde.  Allein an der Bahnlinie Okahandja-Onguati standen rund 30 000 Mann englische Feldtruppen.  Die Eingeborenen ließen sich nur zu gern zu Spiondiensten kaufen gegen uns, auch für die Beeinflussung gegen Deutsche waren sie empfänglich.

Der Kommandant von Outjo, von Szczytnicki, meldete, daß der Feind seit dem 28. Juni den Ort besetzte und im Begriff stand, mit 30 großen Lastwagen über Okaukuejo-Namutoni auf Tsumeb zuzumarschieren, um die bei Otavi, Grootfontein und Tsumeb stehenden Deutschen zu überflügeln.
Das durch eine kleine Besatzung unter Hauptmann Wasserfall verteidigte Namutoni wurde am
6. Juli genommen.  Der Gouverneur und alle Behörden hatten sich in Grootfontein niedergelassen.
Der ganze Norden war übervölkert von Flüchtlingen aus den Küstenorten, die nicht viel an Lebensmitteln mitgebracht hatten.  Die Truppe mit ihren sehr knappen Beständen konnte daher nicht auf Abgabe von Proviant rechnen. 

In einem für den 3. Juli 1915 nach Khorab zusammengerufenen Kriegsrat, an dem außer dem Gouverneur und dem Truppenkommandeur noch einige höhere Offiziere teilnahmen, kam man zu dem Beschluß, einen von jüngeren Offizieren ausgedachten Plan mit Rücksicht auf das gefährdete Deutschtum abzulehnen.  Die jungen Herren glaubten, empfehlen zu müssen, daß der noch felddienstfähige kleine Teil der aktiven Truppe, bestehend aus nur jungen, gesunden Männern, auf dem noch brauchbaren kleinen Teil der Pferde und Kamele weitermarschieren solle, entweder nach Angola oder über den Okavango hinaus bis nach Ostafrika, um sich der dort kämpfenden Truppe von Lettow-Vorbeck anzuschließen.  Es wurde glücklicherweise von den älteren Offizieren vorausgesehen, daß die großen Gefahren für Mensch und Tier durch Malaria, Tsetsefliegen und Hunger keinen Erfolg bieten würden.  Die führenden Herren waren der Ansicht, daß es ihre selbstverständliche Pflicht sei, weiteres nutzloses Blutvergießen zu vermeiden, so die Deutschen dem Lande zu retten und das Deutschtum zu erhalten. 
Sonst würde bald die Überflutung durch englische Ansiedler vor sich gehen.  Durch Kampf sei nicht das geringste mehr zu erreichen, nur die weitere Vernichtung an Männern dieser Altersklassen.  Man beschloß, daß der Gouverneur um eine neue Zusammenkunft zu Verhandlungen bei General Botha nachsuchen möge.  Botha sagte zu, gab aber in seiner Antwort zu verstehen, daß die bekannten Bedingungen von der Giftkuppe noch dieselben seien.  Er ordnete für den 6. Juli 1915 einen Waffenstillstand an, der jedoch nicht jeder Kampfabteilung bekanntgegeben wurde, denn der von Westen her Tsumeb angreifende General Myburgh besetzte den Ort.  Tsumeb, Grootfontein und Khorab waren von den Massen der Feinde eng umschlossen.  Botha sagte selbst, daß er an mobilen Feldtruppen 60 000 Mann habe, dazu kamen als Etappentruppen wohl noch ungefähr 30 000 Mann.

In der Zusammenkunft am 6. Juli 1915 versuchten die verantwortlichen deutschen Männer wiederholt, mildere Bedingungen vom feindlichen Befehlshaber zu erlangen, doch es war vergebliche Mühe.  Der Gegner lehnte alle Vorschläge und Wünsche ab und erklärte schließlich, daß die Feindseligkeiten weitergehen würden, wenn bis zum 9. Juli 1915, 2 Uhr nachts, keine Zustimmung in seinen Händen sei.

Blutenden Herzens mußten Gouverneur Dr. Seitz und Oberstleutnant Franke den Übergabevertrag unterschreiben.  Er enthielt hauptsächlich folgende Bedingungen: Die aktiven Offiziere behalten ihre Waffen und Pferde und können ihren Wohnort selbst wählen: alle anderen Angehörigen der Schutztruppe werden unter Bewachung in Aus interniert; die Soldaten dürfen ihre Gewehre behalten, aber ohne Munition; Reservisten dürfen nach Abgabe ihrer Waffen in ihre früheren Wohnsitze zurückkehren und ihrem Berufe nachgehen; Beamte dürfen auch an ihrem Wohnort bleiben, aber keine amtliche Tätigkeit ausüben; alles Eigentum des Gouvernements wird den südafrikanischen Truppen übergeben.

287 Offiziere und 3 166 Unteroffiziere und Reiter (einschließlich Polizei, Bahnpersonal usw.) wurden übergeben, ferner 37 Geschütze und 22 Maschinengewehre mit Munition.  An den Kampffronten hatten zuletzt nur noch 1 900 Gewehre gestanden.  Die Verluste der Schutztruppe betrugen an Toten 171, Verwundeten 316 und 860 Gefangenen, insgesamt 1 347 Soldaten.

Mit dem Abschluß dieses Feldzuges gegen das friedliche Land, dem Ausgang des Weltkrieges in Europa und dem folgenden Versailler Diktat wurde Deutschlands aufbauende, wirklich kultivierende und zivilisierende Kolonialtätigkeit des kurzen Zeitraumes von 33 Jahren gewaltsam beendet.  Deutsch-Südwestafrika, durch Landkaufsverträge ehrlich erworben, vorbildlich in fleißiger, kostspieliger und schwerer Arbeit entwickelt, gedüngt mit dem Blut derer, die den Einsatz für Frieden, Recht und Ordnung mit dem Leben bezahlten, dies schon so musterhaft angelegte Kulturland, fiel nun dem Eroberer als reife Frucht in den Schoß.  Welch trauriges Zeugnis für den Geist der damaligen Zeit, in der hier in Afrika der eine Weiße dem anderen etwas wegnehmen zu dürfen glaubte!