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Herr Troost und das Dampflokomobile "Martin Luther"



Dieser geschichtliche Bericht über Herrn Troost und seine Tätigkeiten soll als ein Beispiel für den deutschen Pioniergeist in Deutsch-Südwestafrika gelten.


(Quelle: Broschüre "Swakopmund - eine kleine Chronik")

Der "Martin Luther"
Diesem ungewöhnlichen Denkmal vor den Toren der Stadt Swakopmund (Südwestafrika) sei hier eine besondere Abhandlung gewidmet, da es dem Beschauer einige Rätsel aufgibt - vor allem mit Bezug auf den grossen deutschen Reformator - und dessen Funktion vielfach unrichtig dargestellt werden.  Die dort angebrachte Inschrift kann naturgemäss den historischen Hintergrund nur andeuten.

Der Frachtverkehr zwischen dem Hafen Swakopmund und dem Inland fand damals ausschließlich mittels Ochsenwagen statt, dessen Weg meist im Swakoptal landeinwärts führte.  Dennoch war dort oft, z.T. jahresbedingt, keine ausreichende Weide und Wasser vorhanden und viele Zugtiere überstanden diese Durststrecke nicht und verendeten kläglich.

Einem Oberleutnant der Kaiserlichen Schutztruppe, Edmund Troost, allem Anschein nach ein besonderer Tierfreund, war dies ein Dorn im Auge, und er sann auf Mittel und Wege, Abhilfe zu schaffen.  Das konnte nur durch mechanische Mittel erfolgen, z.B. eine Eisenbahn, an deren Erstellung aber 1896 noch nicht gedacht werden konnte, und so galt es, ein Provisorium zu schaffen.  Troost entdeckte in der Maschinenfabrik Fr. Dehne in Halberstadt eine bewegliche Dampflokomobile, die seinen Vorstellungen entsprach und er erwarb sie aus eigenen Mitteln.  Anfang 1896 schiffte er sich mit seiner "Strassenlokomotive" in Hamburg aus, konnte aber in Swakopmund wegen unzureichender Landungsmöglichkeiten seinen "mächtigen Apparat" von 280 Zentner Gewicht nicht löschen, sondern musste ihn in Walfischbai landen, wo er erst einmal über 4 Monate stehen blieb, da andere Pflichten Troost in Anspruch nahmen.

Der auf 5 Monate befristete Kontrakt des "Lokomotivführers" war inzwischen abgelaufen, er kehrte nach Hause zurück, ohne seine Aufgabe erfüllt zu haben und so musste sich Troost nach einem anderen Chauffeur seines neuartigen Vehikels für die Fahrt von Walfischbai nach Swakopmund umsehen.  Er engagierte für kurze Zeit einen amerikanischen Goldsucher, der vorgab, "schon einmal mit einer solchen Maschine zu tun gehabt zu haben", dem alsbald ein Boer folgte.  Ersterer brachte auch die Maschine über die schlechtesten Stellen hinweg, auch wenn sie fast alle 50 m im Sand versackte, wieder freigeschaufelt und das Loch mit Klötzen und Blöcken zugestopft werden musste, ehe es weitergehen konnte.  Sehr grosse Sorgen bereitete die Wasserversorgung dieser Dampflokomobile, für deren Betrieb grosse Mengen Süsswasser, zuletzt aus 30 km Entfernung, herbeigeschafft werden mussten.  1000 Liter dieses köstlichen Nass kosteten 30 Mark!
"Um am Sonnabend arbeiten zu können, musste man von Montag bis Freitag Wasser heranfahren.  Kein Wunder also, dass diese Promenade.... durch den Dünensand 1/4 Jahr (!) in Anspruch nahm", berichtet Troost.  Er gab trotzdem nicht auf.

Dampflokomobile mit Anhängern
(Bildquelle: Broschüre "Swakopmund in alten Ansichten")
Das Dampflokomobile kurz nach der Aufgabe


Als dann nach 3 Monaten die grossen Schaufelräder der Lokomobile in Swakomund auf hartem Grund landeten, schienen alle Widerstände behoben zu sein, doch stellten sich nun andere Schwierigkeiten ein, die die Aufgabe des neuen Transportmittels stark behinderten, wie z.B. unsachgemässe Wartung der Maschine, Mangel an wichtigen Ersatzteilen usw.-  Dennoch transportierte es mit seinen 3 Anhängern einige Frachten bis nach Nonidas (10 km von Swakopmund), der ersten Wasserstelle landeinwärts, sowie zwei Frachten nach Heigamchab, insgesamt 30,000 lbs.

Als die Eingeborenen der Frachtfahrer zum ersten Mal die Maschine sahen, die ihnen in der Namib wie ein grosses, schwarzes Gespenst entgegentrat, ergriffen sie laut schreiend die Flucht.  Nachdem ihnen ein Frachtfahrer aber erklärte, dass dies ein starker Dampfochse aus Deutschland sei, der ihm die Frachten entgegenbringen sollte, beruhigten sie sich wieder und bestaunten das Ungetüm in respektvoller Entfernung, und die Nachricht von dem neuen Dampfochsen verbreitete sich unter ihnen mit der üblichen Schnelligkeit.

Anfang 1897 kam der Swakop stark ab und konnte nicht überquert werden, ausserdem war inzwischen die Lokomobile durch unsachgemässe Behandlung derartig ruiniert worden, dass an einen geregelten Betrieb nicht mehr zu denken war und Troost musste schliesslich das Unternehmen aufgeben.

Bald danach verkündete Dr. Max Rhode in einer feuchtfröhlichen Runde im "Bismarck"-Hotel: "Wisst Ihr schon, dass der Dampfochse jetzt 'Martin Luther' heisst?" - "??" - "Weil er auch sagen kann: 'hier stehe ich, ich kann nicht anders!' " (nach dem Wort des Reformators im April 1521 vor dem Reichstag in Worms).  Dieser Name hat sich bis zum heutigen Tage erhalten.

Der Dampfochse nur noch ein Wrack
"Martin Luther" mit den Anhängern nur noch ein Wrack


Dazu noch eine nette kleine Geschichte: Als der langjährige, beliebte Pastor Schmidt der Evang.-Luth. Gemeinde Swakopmund 50 Jahre später einmal während eines Kindergottesdienstes die Frage stellte: "Habt ihr schon einmal etwas von dem berühmten Martin Luther gehört?", bekam er prompt zur Antwort: "Ja! Der steht da draussen vor Swakopmund."




(Quelle: Buch "Chronik von Deutsch-Südwestafrika -1883 bis 1915")

Hier über Leutnant Troost weitere interessante Informationen:

Der in der Mitte des Jahres 1894 nach Deutsch-Südwestafrika gereiste Kunstmaler Troost nahm als Leutnant der Reserve in der 2. Kompanie an der nördlichen Kampffront um die Naukluft teil.  Im Laufe der kurzen Zeit seines Aufenthaltes im Lande hatte er die unbeschreiblich großen Schwierigkeiten beobachtet, die dem Transport der über See in Swakopmund angekommenen Güter ins Innere des Landes entgegentraten.  Die aus dem Inneren weiter zur Küste fahrenden Ochsenwagen konnten die Transporte durch die weide-, holz-, und wasserarme Namib nur mit allerschwersten Kraftanstrengungen bewältigen.  Nach dem im September 1894 erfolgreichen Friedenschluß mit Witbooi reiste Troost nach Deutschland zurück.  Er erwarb in der Maschinenfabrik Dehne in Halberstadt eine starke Dampfmaschine, die als bewegliche Lokomobile mit Holzfeuerung mittels dreier großräumiger Anhänger die Beförderung der Frachtgüter von Swakopmund aus bis Jakalswater durchführen sollte.  Auf einem ebenfalls aus eigenen Mitteln gekauften kleinen Dampfer wurden diese Geräte nach Swakopmund verfrachtet und auf der offenen Reede (in Walfischbai) glücklich gelandet.  Diesen mit so anerkennenswerten guten Absichten begonnenen Frachtverkehr durch die sandige Namib traten jedoch auch Schwierigkeiten entgegen.  Obwohl dieser Betrieb kaum Verdienst bringen werde, mit welchem Troost als vermögender Mann keineswegs rechnete und es auch als Idealist nicht beabsichtigte, stellte sich als Grund jener Schwierigkeiten bald heraus, daß es der Maschine an Kraft mangelte und den Anhängern an Raum, um zugleich Frachtgut und Brennmaterial zu befördern, eines mußte fehlen oder zurückgestellt werden.  Darin lag also eine weitgehend unüberwindliche Unrentabilität; der Betrieb gestaltete sich als nicht annähernd kostenausgleichend.  Auf die Dauer bei jeder Fahrt Geld zuzusetzen, lag natürlich nicht in der Absicht des wohlmeinenden Unternehmers.  Recht bald wurde die so schön anmutende und besonders von den Frachtfahrern höchst freudig begrüßte Sache aufgegeben und die teure Maschine in der Namib "troostlos" liegen gelassen.  Sie war nach damaligen Begriffen in keiner Weise verwendbar und wurde durch Verrosten und Versanden ein regelrechtes Wrack.  Es wurde von den ab und zu dort hinauswandernden Swakopmundern eines Tages mit dem Spottnamen "Martin Luther" bedacht, nach dem bekannten Wort - "hier stehe ich, ich kann nicht anders".  Mit dem erwähnten kleinen Dampfer "Leutwein" richtete Troost einen regelmäßigen Pendelverkehr an der Küste zwischen Swakopmund, Port Nolloth und Kapstadt mit dem Zwischenhafen Lüderitzbucht ein.  Kapitän Parow erhielt die Führung dieses Schiffes, das monatlich vor Swakopmund erschien.

Heute steht "Martin Luther" unter Denkmalschutz
Ein Bild aus den 80iger Jahren des 20. Jahrhunderts von dem Dampfochsen "Martin Luther"
unter Denkmalschutz.

Da er in den letzten Jahren der Witterung ausgesetzt war und zunehmend verrostete, wird  "Martin Luther" nun endlich restauriert und bekommt ein "Dach über den Kopf".


Im Jahre 1897 - Eine Gemeinschaft privater Kapitalisten in Berlin, der u.a. auch der für die Verkehrsangelegenheiten in Südwest fördernd tätig gewesene Herr Troost und der Vater des Schutztruppen-Offiziers Kurd Schwabe angehörten, bearbeitete einen großzügigen Plan zum Bau einer Feldbahn von der Küste durch die wasser-, futter- und holzarme Namib bis vorläufig nach Otjimbingwe.

Trotz mancher kostspieliger Mißerfolge mit seinen Versuchen zur Erleichterung und Verbesserung der Verkehrsverhältnisse ließ der unternehmungsfreudige Herr Troost den Mut nicht sinken, sondern spendierte weitere Gelder für den guten Zweck.
Jetzt brachte er einen 30 PS Dieselmotor nach Deutsch-Südwestafrika (im Jahre 1902), der zwei Lastwagen ziehen sollte.
In der Tat wurden Schwierigkeiten derart bewältigt, daß er die Lastwagen an starken Drahtseilen durch die Kraft einer Winde durch trockene Flußbetten ziehen ließ.  Dieser stärkere Motor wurde "Durch" genannt.

Noch einmal versuchte der aus den Jahren 1894/95 durch seine gutgemeinten Bestrebungen, den Frachtverkehr durch Maschinen zu erleichtern, bekannte Herr Troost, ein neues Unternehmen mit neuartigen Maschinen in Gang zu bringen, auch diesmal uneigennützig so wie früher.  Zwei große Motorlastwagen ließ er nach Südwest kommen ( im Jahre 1904) und machte von Okahandja aus wiederum Versuche, bis ins Sandfeld hinein die notwendigen Frachtfahrten zur Feldtruppe zu bewältigen.