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Das Marine-Expeditionskorps in
Deutsch-Südwestafrika |
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(Quelle: Broschüre "Das Marine-Denkmal in Swakopmund" zusammengestellt von Peter Haller) Die Tätigkeit des Landungskorps S.M.S. "Habicht" während des Herero-Aufstandes in Süd-West-Afrika Am 10. Januar 1904 traf S.M.S.
"Habicht" in Kapstadt ein,
um dort die jährigen Instandsetzungsarbeiten vorzunehmen.
Die Vereinbarungen mit dem Harbour-Board betreffs Eindockens sowie die Abmachungen mit den verschiedenen Firmen waren so gut wie abgeschlossen, als am 12. Januar von Swakopmund die telegraphische Nachricht einlief: "Okahandja belagert. Eisenbahn-Telegraphenunterbrechung. Erbitten gemäß militärischen Auftrages schleunigst Kriegsschiff "Habicht". Der sofort von Berlin erbetene Befehl zur Abfahrt nach Swakopmund traf am 14. vormittags gegen 11 Uhr ein, so daß das Schiff am Abend desselben Tages auslaufen konnte. Da die aus Swakopmund eingelaufene Nachricht vor weiterer Bestätigung nicht ruchbar werden sollte, hatten auch keine Vorbereitungen zum Inseegehen getroffen werden können. So drängten sich auf den Nachmittag des 14. die Übernahme von 65t Kohlen und von Proviant, das Zusammensetzen der bereits zerlegten Geschütze, das Instandsetzen der Takelage, Wasserübernahme, Dampfaufmachen, Geldholen und eine Fülle sonstiger kleinerer, notwendiger Vorbereitungen zusammen. Seitens der englischen Hafenbehörden ward dem Schiff die weitgehendste Unterstützung zuteil. Das Kohlennehmen an dem Liegeplatz war ausnahmsweise gestattet worden. Arbeiter wurden zur Verfügung gestellt, kurzum, mit allen Vorbereitungen fertig, konnte das Schiff um 6 Uhr nachmittags am 14. Januar 1904 auslaufen. Die draußen angetroffene hohe See und das stürmische Wetter gestatteten zwar ein volles Ausnutzen der Segel nicht, förderten die Fahrt jedoch so weit, daß das Schiff bereits am 18. Januar um 2 Uhr nachmittags vor Swakopmund eintreffen konnte. Somit war die 726 Seemeilen betragende Strecke trotz der schweren See in annähernd 89 Stunden mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 8 Seemeilen in der Stunde zurückgelegt worden, eine für das alte Schiff recht ansehnliche Leistung. Während der Fahrt waren alle für die Ausrüstung des Landungskorps notwendigen Vorbereitungen getroffen worden. Bei Ankunft des "Habicht" auf Swakopmund Reede stand es zur sofortigen Ausschiffung bereit. Die Ausrüstung jedes Mannes bestand aus: 1 Arbeitsanzug, 1 blauen Anzug, 1 Stell Unterzeug, 2 Paar Strümpfen, schwarzen Schuhen mit Gamaschen, Segeltuchschuhen, Tropenhelm, Feldflasche, Vorrattasche mit Waschutensilien, 2 wollenen Decken und Unterlage. Dazu kam noch eine eiserne Ration Hartbrot und Büchsenwurst, 1 Päckchen Verbandzeug zur ersten Hilfeleistung. An Munition trug der Mann bei sich: 120 Patronen. Ferner waren vorgesehen: 4000 Patronen für das Maschinengewehr in Gurten, 1170 Patronen für jede der beiden mitzunehmenden Revolverkanonen und als Reserve 6400 Gewehrpatronen sowie 3200 Patronen für Maschinengewehr. Die mitzunehmenden Arbeitsanzüge wurden in einer Lauge aus Kaffee und Tabak durchgekocht und erhielten dadurch eine hartende, schmutzigbraune Färbung. Proviant für einen Monat war bereitgestellt, die Seitengewehre geschärft. Als letztes wurden die Rucksäcke gepackt. ![]() Landung mit
Brandungsbooten am Strand von
Swakopmund
Unmittelbar nach dem Ankern kam
der zur Zeit am Platz
höchstkommandierende, Bezirksamtmann Dr. Fuchs, an Bord und
erstattete Bericht.
Danach waren am 12. Januar die gesamten Hererostämme - ausgenommen der der Otjimbinguer - aufgestanden und hatten die Farmer, deren sie habhaft werden konnten, unter Beraubung ihres sämtlichen Viehes ermordet. Windhuk, Okahandja, Omaruru hatten sie eingeschlossen, die Bahnlinie von Okahandja bedroht, Karibib und die Verbindung mit Swakopmund beunruhigt. Hieraufhin war Oberleutnant v. Zülow mit sämtlichen felddienstfähigen Mannschaften - Reserven und Landwehr beider Aufgebote, zusammen 60 Mann - von Swakopmund abgerückt, hatte seine Truppe in Karibib durch Einziehen der wehrfähigen Mannschaften auf 110 Mann gebracht und diesen Ort unter Mitnahme von Proviant für drei Tage zum Entsatz Okahandjas verlassen. Die letzte Nachricht von ihm war die Meldung von seinem Eintreffen in Okasise am 13. Januar. Seitdem fehlte jede Nachricht über seinen Verbleib. Zur Verstärkung Karibibs war dann noch ein Trupp Mannschaften - etwa 20 - unter Baumeister Laubschat hinaufgesandt worden. Die Verbindung mit Karibib war noch sichergestellt; doch wurde die Lage dort mit jedem Tage drohender. Mehrere Patrouillen waren bereits abgeschossen und die Besatzung - kaum imstande, den Ort für den Fall eines Angriffs zu halten - konnte nicht auch noch die Bahn- und Telegraphenverbindung mit Swakopmund beschützen. Aus dem Süden fehlte jede Nachricht, nur verlautete gerüchtweise, die 2. Feldkompagnie sei auf dem Rückmarsch nach Windhuk begriffen. Auch mit dem Norden, wo Hauptmann Kliefoth mit seiner Kompagnie noch bei Outjo stehen sollte, fehlte jegliche Verbindung. Aus der Heimat war als Unterstützung telegraphisch ein Marineinfanterie-Bataillon und eine Batterie erbeten worden. So lagen die Verhältnisse bei Eintreffen S.M.S. "Habicht" vor Swakopmund. Den Oberbefehl über das Schutzgebiet übernahm jetzt an Stelle des abwesenden Gouverneurs Korvettenkapitän Gudewill. Als erste Maßnahme wurde die sofortige Ausschiffung des Landungskorps in Stärke von 2 Offizieren, 1 Arzt, 52 Mann befohlen. Der Führer, Kapitänleutnant Gygas, 1. Offizier S.M.S. "Habicht" erhielt Befehl, nach Karibib zu gehen und diesen Ort zu sichern, die Verbindung mit Swakopmund unter allen Umständen aufrecht zu erhalten, weitere Unternehmungen jedoch, wenn nicht dringend geboten, in Anbetracht der geringen Stärke des Landungskorps zu unterlassen. ![]() Khan Staatsbahnstation
erbaut 1897-1902
Um 7 Uhr abends am 18. Januar
verließ das Korps auf der Bahn in
vier Wagen Swakopmund. Von der Station Kahn war die Meldung
eingetroffen, daß infolge einer Unterspülung durch
Regenwassermassen die Strecke dort für Maschinen -
möglicherweise auch für Wagen - nicht mehr benutzbar
sei. Die Station erhielt deshalb Anweisung, die dort jenseits der
unterspülten Strecke stehende Maschine mit dem vorhandenen
Wagenmaterial verwendungsbereit zu halten. In Rössing wurde
der zur Zeit benutzte Zug umrangiert und die Maschine hinter die Wagen
gekuppelt, um wenigstens diese, wenn noch möglich, allein
über die gefährdete Stelle schieben zu können. Im
Kahn war zwar das Gleis auf etwa 5 km vollkommen über- und
stellenweise unterspült, doch konnten die Wagen, dank der
angestrengten Arbeit des dortigen Stationspersonals, welches den
Schienenstrang durch unausgesetztes Aufschütten von Sand noch eben
hatte brauchbar halten können, von der stellenweise bis an die
Knie im Wasser watenden Mannschaften noch auf die andere Seite
geschoben werden. Die Bahn läuft auf diesen erwähnten 5
km vollkommen durch das bis zu 150 m breite Flußbett des Kahn und
ist mitten in dasselbe hineingebaut. In normalen Zeiten kommen
Störungen durch den Fluß nicht vor. Solchen
Wassermassen jedoch, wie sie seit langen Jahren in diesem Januar zum
ersten Male sich ergossen, waren die Einrichtungen der Bahn an dieser
Stelle nicht gewachsen. Wie alle diese Flüsse, für
gewöhnlich trocken, wurde der Kahn nach heftigen Regengüssen
der letzten Zeit zum reißenden Strom.
Erfahrungsgemäß versiegen die Ströme jedoch ebenso
schnell, wie sie entstehen.
An den Stellen nun, an welchen im Kahn die ablaufenden Wassermassen in gleicher Richtung mit den Schienen liefen, war der Schaden unbedeutend, dort aber, wo beide einander kreuzten, waren die Gleise unterwaschen und tiefe Einschnitte in dem Unterbau entstanden. Am schlimmsten war das letzte Stück, welches dicht vor der Station quer durch das Flußbett führte. Wie die Schienen hier mit ihrer Lagerung ausgesehen haben mögen, ließ sich bei der spärlichen Fackelbeleuchtung nicht erkennen. Jedenfalls gelangte das Korps mit den Wagen ohne Zwischenfall auf die andere Seite des Riviers, wodurch ein Umladen und damit stundenlanger Aufenthalt erspart geblieben war. ![]() Staatsbahnstation Kahn. Im
Hintergrund eine Zwillingslok zu
sehen.
Um 2.25 Uhr vormittags am 19.
konnte die Fahrt von Kahn fortgesetzt
werden. Die Steigung war hier auf etwa 3 km so bedeutend,
daß die Maschine nur zwei Wagen gleichzeitig zu befördern
imstande war; von Welwitsch wurde wieder mit dem ganzen Zuge
weitergefahren. Der halbstündige Aufenthalt - Auffüllen
von Kesselwasser - bei Jakalswater um 5 Uhr wurde zum Kaffeekochen
benutzt, dann ohne fernere Unterbrechnung um 10 Uhr Kubas erreicht.
Bis dahin war, abgesehen von der Stelle im Khan, die Strecke vollkommen in Ordnung. Zum Schutz der großen Holzbrücke, welche die Bahn dicht hinter der Station überschreitet, wurden als Besatzung in diese acht Mann unter einem Unteroffizier zu den dort stationierten vier Mann des Bahnpersonals gelegt. Um 10.30 Uhr wurde weitergefahren. Bis Kubas war die Fahrt, langsam ansteigend, durch die Ebene gegangen. Sand und Geröll, von Pforte ab spärliches Gras, in weiter Ferne bläuliche Felsengebirge bildeten die Landschaft. Hinter Kubas nahm die Gegend ein anderes Gepräge an. Zerklüftete Felsenpartien und steile Gebirgszüge wurden passiert, und vereinzelt zunächst, allmählich sich zu lichtem Busch verdichtend, traten die den hauptbaumbestand des Landes ausmachenden, fast blätterlosen Akazien mit ihren 5 cm langen, harten Dornen auf. Die Weiterfahrt geschah mit Aufklärung. Das Vorwärtskommen wurde jedoch hierdurch nicht verzögert, da die Beschädigung der Bahnlinie an sich schon ein nur sehr langsames Vorrücken gestattete. Alle 10 bis 20 Minuten mußte die Strecke - an einzelnen Stellen kilometerweise - wiederhergestellt werden, was jedoch nur so weit geschah, daß der Zug passieren konnte. Eine Grundreparatur hätte längere Zeit in Anspruch genommen, und Karibib sollte, wenn möglich, noch an diesem Tage erreicht werden. In der Voraussicht, die Bahnlinie verschiedentlich zerstört vorzufinden, war von Swakopmund genügend Handwerkszeug, Hacken, Stopfhacken, Hebebäume, Wasserwaage mitgenommen worden. Die beiden Stationen Ababis und Habis wurden völlig verwüstet vorgefunden, von einer Besetzung derselben jedoch ihrer militärischen Wertlosigkeit wegen und in Anbetracht der geringen Stärke des Korps Abstand genommen. Besetzt waren demnach jetzt nur die Stationen bis Kahn, Welwitsch und Kubas. Derselbe Grund, auf dem die Beschädigung der Bahnlinie im Kahn zurückzuführen ist, lag auch auf dieser ganzen Strecke vor, wenn auch nicht an jeder einzelnen Stelle in demselben erheblichen Maße wie beim Kahn. Dafür waren die Beschädigungen aber um so häufiger vorkommend. Dem natürlichen Weg des ablaufenden Wassers war bei dem Bau der Bahn nicht genügend Rechnung getragen worden. Die vorhandenen, allerdings nur niedrigen Brücken waren größtenteils mit Damm und Pfeilern fortgespült, da genügende Durchlaßöffnungen fehlten. An ein Wiederaufbauen der Brücken konnte naturgemäß zur Zeit nicht gedacht werden. Die Gleise wurden, so wie sie noch vorgefunden wurden, ohne Berücksichtigung von Steigung und Fall in die Riviere gelegt. Die Unterlage wurde durch festgestopften Sand ersetzt. Jeder Regenguß mußte diese Arbeit wieder zerstören; ihren augenblicklichen Zweck, dem Korps das Weiterkommen zu ermöglichen, hatte sie jedoch erfüllt. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit, nach unausgesetztem Arbeiten an den Gleisen, wobei ein Drittel der Mannschaft als Vorhut und Seitendeckung sich seinen Weg durch den Dornbusch bahnen mußte, wurde Karibib erreicht. Außer einigen Schwarzen, die sich auf große Entfernungen an den Bergabhängen bei Ababis für einen Moment gezeigt hatten, wurde vom Feinde nichts gesehen. Von einer Verfolgung derselben wurde Abstand genommen, da nichts zu der Annahme berechtigte, daß dort größere Massen Eingeborener säßen. Auch würde in dem unübersichtlichen, felsigen Gelände mit seinen zahlreichen Schlupfwinkel ein Erfolg sehr fraglich gewesen sein und nicht im Verhältnis zu dem entstehenden Zeitverlust gestanden haben. ![]() Sicht von Osten auf
Karibib
In Karibib hatte bis dahin der
Oberleutnant der bayerischen Landwehr,
Distriktchef Kuhn, den Befehl gehabt. Neues war über die
Lage im Lande nicht bekannt. Von den am Platze befindlichen
Männern waren höchstens 40 imstande, ein Gewehr zu
handhaben. Der durch das Bahnhofsgebäude, die
Rösemannsche Restauration und Wohnhäuser sowie durch das
Rubiensche Hotel nebst Kegelbahn eingeschlossene Platz war durch
Barrikaden in eine Art Feste umgewandelt worden, in welcher alles
Wertvolle untergebracht war.
Mit dem Eintreffen des Korps in Karibib war die Sicherheit dieses Platzes gewährleistet. Mit der Kommandoübernahme durch Korvettenkapitän Gudewill war eine wesentliche Beruhigung der verängstigen weißen Bevölkerung eingetreten. Der Kommandant des "Habicht" hatte die Wichtigkeit der Bahnverbindung Swakopmund - Karibib sofort richtig erkannt und deren Wiederherstellung und Sicherung als Hauptaufgabe aufgefaßt. Ohne Bahn wäre es später den bereits von Hause abgegangenen Hilfskräften nur nach Wochen und unter großen Anstrengungen gelungen, den 120 km breiten Wüstengürtel der Namib zu durchqueren. Erwartet wurde aus der Heimat außer dem bereits erbetenen Infanterie-Bataillon nebst Batterie die regelmäßige Schutztruppenablösung - 200 Mann -, welche die Ausreise vor Ausbruch des Aufstandes bereits angetreten hatte. Als die am schnellsten erreichbare Truppe wurde durch Korvettenkapitän Gudewill auch das Landungskorps S.M.S. "Wolf" requiriert und Unterstützung durch Mannschaften und Artillerie von der Kamerun-Schutztruppe erbeten. Das Landungskorps S.M.S. "Wolf" blieb gänzlich aus, da dem Schiff mangels telegraphischer Verbindung der Befehl nicht rechtzeitig zuging. Kamerun konnte nur 5 Unteroffiziere mit zwei Feldgeschützen C/73 ohne Protzen und ein Maschinengewehr als entbehrlich senden. Von dem Versuch, durch einen Vorstoß nach dem Osten mit dem Korps Zülow Verbindung zu erlangen, mußte nach Lage der Dinge zunächst Abstand genommen werden. Einmal hätte die abmarschierende Abteilung kaum die halbe Stärke des Korps Zülow erreicht; außerdem wäre dadurch Karibib und die Bahnlinie von allen Streitkräften wiederum entblößt und der ganze durch das Eintreffen S.M.S. "Habicht" errungene Vorteil wieder verloren worden. Durch den Aufstand waren die Arbeiten an der Otavibahn unterbrochen worden. Die infolgedessen frei und beschäftigungslos gewordenen 600 eingeborenen Arbeiter, die eine direkte Gefahr für Swakopmund bildeten, ließ Korvettenkapitän Gudewill sofort auf Dampfern unterbringen und 300 von ihnen nach Kapstadt in die Minen senden. Die Zurückgebliebenen wurden größtenteils nach dem Kahn gesandt, wo sie unter Leitung des Chefingenieurs Solioz - das ganze weiße Personal der Otavi-Gesellschaft war ebenfalls requiriert worden - die zerstörte Bahnlinie wiederherstellten. Am 20. abends konnte Herr Solioz melden, daß die Reparaturen beendet seien. Schon der 21. schwemmte aber mit seinen Regenmassen das ganze Werk der letzten Tage wieder fort. Die am 22. fallende Regenmenge war noch bedeutender wie die früheren und gestattete erst wieder am 23. die Inangriffnahme der Arbeiten. Es wurde jetzt das ganze Gleis aus dem Flußbett nach dem linken Ufer auf einen dort aufgeworfenen Damm verlegt, eine technische Maßnahme, die sich denn auch für die Zukunft bewähren sollte. Fünf Tage hatte diese Arbeit in Anspruch genommen. Ein Verkehr konnte während dieser Zeit auf der Strecke nur in ganz beschränktem Maße stattfinden. Auch im Übelstand der zu großen Steigung hinter der Station Kahn suchte Korvettenkapitän Gudewill abzuhelfen. Zunächst ließ er das zu schwache Schienenmaterial durch solches der Otavibahn ersetzen, und ermöglichte so auch schweren Maschinen, welche von der genannten Bahn entnommen wurden, das Befahren der Strecke. Auch hier wurde für später ein Verlegen der Trace vorgesehen, doch konnte diese Arbeit, da es an Arbeitskräften fehlte, erst später in Angriff genommen werden. Durch die in diesen Tagen gefallenen enormen Regenmengen wurde selbst Swakopmund in Mitleidenschaft gezogen. Seinen ganzen Abfluß fand das Wasser im Swakop, der trotz seines breiten Bettes die Wassermassen nicht zu fassen imstande war. Wenig hätte gefehlt, so wäre das etwa 300 m vom Swakopufer abliegende Wasserwerk fortgerissen worden. Ein zweiter, weitaus größerer Mißstand sollte sich erst im Laufe der nächsten Monate fühlbar machen durch Bildung einer Barre vor der Mole, wodurch diese selbst schließlich fast wertlos wurde. Die von dem stark strömenden Fluß in das Meer geschwemmten großen Mengen Sand setzten sich, durch die dauernd laufende Brandung weitergewirbelt, vor und hinter der Mole nieder und bildeten eine Bank, die zunächst den Schleppdampfern, später aber auch den Leichtern das Passieren nur noch bei höchstem Wasserstande gestattete. Abhilfe ließ sich mit den vorhandenen Mitteln hiergegen nicht schaffen. Es blieb nichts weiter übrig, als auf die alte Methode des Löschens mit Brandungsbooten an der alten Landestelle zurückzugreifen. Das noch an Bord S.M.S. "Habicht" verbliebene Maschinenpersonal fand in der Maschinenwerkstätte der Eisenbahn in Swakopmund überreichlich Arbeit vor bei Wiederherstellung der unbrauchbaren Maschinen. Ein Teil der Heizer bemannte die Lokomotiven, da das vorhandene Eisenbahnpersonal nicht ausreichte. Inzwischen war in Karibib das Wiederherstellen der Bahn rüstig vorwärts geschritten. Dem dortigen Führer, Kapitänleutnant Gygas, standen zur Verfügung 52 Mann von S.M.S. "Habicht" und die in Karibib vorgefundenen Leute. Von diesen annähernd 100 Mann waren, wie bereits gesagt, höchstens 40 waffenfähig. Die übrigen wurden deshalb zu den nötigen Arbeiten am Orte selbst verwandt. Die für militärische Unternehmungen verfügbare kleine Schar war der dreifachen Aufgabe, vor welche sie sich gestellt sah, nicht gewachsen. Einmal und in erster Linie sollte die Bahnverbindung Swakopmund - Karibib wiederhergestellt und geschützt werden, ferner Karibib selbst gesichert und schließlich versucht werden, mit Zülow Verbindung zu erlangen. Es waren deshalb sofort nach dem Eintreffen in Karibib alle nur irgend noch entbehrlichen Mannschaften von S.M.S. "Habicht" erbeten worden, die denn auch, 28 an der Zahl, unter Leutnant zur See Eckolt am 21. abends eintrafen. Da die Eisenbahnarbeiten im Kahn Personal der Otavibahn übertragen waren, blieb es Aufgabe des Landungskorps, die 37 km lange Strecke Kubas - Karibib wiederherzustellen. Bis Kubas reichte die Namib, dieser Wüstengürtel, der seiner Unwegsamkeit wegen der wirksamste Schutz gegen Zerstörung der Bahn war. Die in Kubas stationierten 9 Mann wurden am 19. gegen 15 Mann aus Karibib ausgewechselt, ältere Afrikaner, die zur Arbeit an der Bahnlinie sich nicht sonderlich geeignet hätten. Ob dieser Wechsel der Grund war, oder ob die Absicht sowieso bereits bestanden hatte, bleibe dahingestellt, jedenfalls tauchten am 21. bei der Station Kubas plötzlich an 100 Hereros auf und trieben das dort stehende Vieh fort. Vier Pferde waren auf der Station nur vorhanden. Der Sanitätsunteroffizier Patriack und drei Mann schwangen sich unverzüglich auf diese und jagten den Räubern nach. Nach kurzem Feuergefecht wurde Patriack durch einen Schuß in die Schulter außer Gefecht gesetzt und dadurch gezwungen , sich mit seinen drei Mann zurückzuziehen. Das geraubte Vieh und wiedergenommene Vieh konnte er jedoch mit sich nehmen. Dieser Zwischenfall zwang zur Verstärkung der Besatzung auf Kubas um 10 Mann. Die noch in Karibib verbleibenden Mannschaften wurden so verteilt, daß 30 Mann westwärts die Bahnlinie wiederherstellen, 30 Mann ostwärts auf der Bahnlinie vorgehen sollten, um zu erkunden, wie weit diese noch benutzbar sei. Der Rest verblieb zur Sicherung Karibibs am Platz. Das technische Personal - die Pioniere des Landungskorps - ging an die Wiederherstellung des im Schuppen bei Karibib lagernden, außerordentlich reichlichen, jedoch stark verwahrlosten Eisenbahnmaterials, von dem innerhalb acht Tagen allein zwei Maschinen wieder in brauchbaren Zustand versetzt wurden. Das Vorgelände des Ortes wurde sturmfrei gemacht, Drahthindernisse gezogen und von den Revolverkanonen - zwei weitere waren noch erbeten worden - eine auf dem Wasserturm und je eine in der Vorder- und Rückenfront der Barrikaden aufgestellt. Erstere beherrschte das ganze Gelände rund um Karibib. Dir dort dauernd stationierte Geschützbesatzung bildete zugleich die Wache. In der Folgezeit blieb die Gegend zwischen Karibib und Kubas so gut wie vom Regen verschont; um so heftiger fiel er dafür im Osten und zwang schließlich durch die immer wieder von neuem hervorgerufenen Zerstörungen des Bahnkörpers zum gänzlichen Einstellen der dortigen Arbeiten. Dem dort arbeitenden Trupp war eine auf einem flachen Eisenbahnwagen montierte Revolverkanone - geschützt durch am Rande des Wagens aufgestellte Sandsäcke - mitgegeben worden. Die Arbeiten an der Bahnlinie wurden durch die Eingeborenen nie gestört. Die Schwarzen beschränkten sich darauf, gelegentlich einige Telegraphendrähte herunterzureißen oder einzelne Stangen umzuwerfen. Unter mühevollem Arbeiten in der Gluthitze war am 22. mittags um 2 Uhr km 228 erreicht worden. Die dortige Brücke von etwa 4 km Höhe und gleicher Länge war durch das Wasser mit Pfeilern und Damm fortgerissen worden. Mangels jeglichen Materials zur Beseitigung derart schwerer Schäden kehrte die Abteilung nach Karibib zurück, um zunächst Material heranzuschaffen. An diesem Tage war dort morgens 11 Uhr ein von Okahandja entkommener, mehrfach verwundeter Viehtreiber eingetroffen und hatte die Sicherung jenes Ortes durch Zülow, welcher mit seinen beiden Zügen bereits vor Tagen dort angelangt sei, gemeldet. Damit war die Sorge um dieses Korps beseitigt. Diese Nachricht beruhigte umsomehr, als der am nächsten Morgen, am 23., zur Wiederherstellung der vorerwähnten Brücke entsandte Zug bereits bei km 205 wegen gänzlicher Unbefahrbarkeit der Strecke umkehren mußte. Derart schwer hatte der nächtliche Regen den Bahnkörper beschädigt. Ein Weiterkommen war ausgeschlossen, die Wiederherstellung bei ferner anhaltenden Regengüssen schien unmöglich. Der Versuch dazu wäre lediglich ein nutzloser Aufbrauch der Kräfte der Mannschaft gewesen. Unter diesen Umständen wurden die Arbeiten ostwärts zunächst ausgesetzt. Dies konnte um so unbedenklicher geschehen, als aus der Heimat die Anweisung eingetroffen war, mit dem weiteren Vorgehen auf das Eintreffen der unterwegs befindlichen Verstärkungen zu warten. Mittlerweile war es Kapitänleutnant Gygas gelungen, von den übrigen eingeschlossenen Orten Nachrichten zu erlangen. Als Boten hatten Bergdamaras, als die hierfür geeignetsten Persönlichkeiten, Verwendung gefunden. Vor Besitznahme des Landes durch die Hereros Eigentümer des Grund und Bodens, waren sie durch dieses aus dem nördlichen Kaokofelde kommende Volk unterjocht und zu Sklaven gemacht worden. Somit die geborenen Feinde der Hereros, landeskundig und bedürfnislos, fanden sich trotz der ihnen angeborenen Feigheit genügend solcher Neger, welche die auf einen erfolgreichen Botengang ausgesetzt hohe Belohnung verdienen wollten. Um jeden Verdacht zu vermeiden, mußten sie in ihrer landesüblichen Bekleidung, einem Kartoffelsack, laufen. Als Nahrung diente ihnen Feldkost. Die zu übermittelnde Nachricht wurde, auf ein Stück Leinen geschrieben, in das eigenartige Gewand, mit der Schrift nach innen, eingenäht und außen durch aufgestrichenen Schmutz auf die Farbe der Bekleidung gebracht. Trotz dieser Vorsichtsmaßregeln ward von der Hälfte der entsandten Boten nie wieder etwas gehört. Durch die anderen wurde jedoch die Gewißheit erlangt, daß Omaruru sowohl wie Windhuk, wenn auch eingeschlossen, so doch auf Wochen noch sicher seien, und daß Befürchtungen für diese Orte nicht vorlägen. Nachricht über die zu erwartenden Verstärkungen und Zeit der Ankunft waren mit jedem Boten an die einzelnen Plätze mitgegeben worden. Otjimbingwe war zunächst noch frei; doch traute man den dortigen Eingeborenen, welche sich etwas entfernt von dem Orte zusammengezogen hatten, nicht. Und mit Recht, denn am 25. traf von dort die Botschaft ein, daß die Eingeborenen sich ebenfalls erhoben hatten. Die gesamte Einwohnerschaft hatte sich in das große Gehöft des Farmers Hälbig zusammengezogen, welches mit seinem festen, steinernem Turm sicheren Schutz gegen einen etwaigen Angriff bot. Eine direkte Gefahr für den Platz lag auch hier nicht vor, wenn auch nicht zu hindern gewesen war, daß in dem langgestreckten Ort die entfernter liegenden Gehöfte, darunter das Stationsgebäude, ausgeplündert und zerstört worden waren. So mußte sich denn das Landungskorps darauf beschränken, die Bahnlinie Karibib - Kubas auszubauen und zu bewachen. Daß dieselbe noch steter Bewachung bedurfte, ging schon daraus hervor, daß wiederholt, jedoch immer nur nachts, Zerstörungen an Schienen und Telegraphenleitung vorkamen. Am 26. wurde sogar bei Kubas aus dem Hinterhalt auf Dr. Velten geschossen, obwohl sich zur Zeit dort außer der Besatzung gerade der Arbeitszug - im ganzen also 55 Mann - befanden. In dem unübersichtlichen Gelände blieb bei der kurz darauf hereinbrechenden Dunkelheit die Verfolgung der Täter ergebnislos. Das nächtliche Zerstören der Bahnlinie wurde durch Offizierpatrouillen mit Erfolg zu hindern gesucht. Doch obwohl diese erst nach Dunkelheit abrückten, gelang es ihnen nie, auch nur eines Eingeborenen habhaft zu werden. Die Zerstörungen von Schienen und Draht hörten aber von da ab auf. In der Nacht vom 27. zum 28. setzte zum ersten Male der Regen aus. Am 28. wurde deshalb wieder, und zwar mit 40 Mann, an den Bahnbau ostwärts herangegangen. Ein Wiederaufbauen der Brücke bei km 228 erwies sich als mit dem vorhandenen Material nicht ausführbar. Es wurde deshalb ein Notgleis gelegt, dessen Fertigstellung drei Tage in Anspruch nahm. Am 1. März stand der Kolonne wieder ein längerer Aufenthalt bei Wilhelmstal bevor. Der Damm war hier auf etwa 40 m Länge fortgeschwemmt und die Schienen aufgerissen. Mit Beendigung dieser Reparatur sollte, wie sich gleich zeigen wird, am 2. abends die Verbindung mit Okahandja wiederhergestellt sein. Kehren wir nochmals zu dem Ausbruch des Aufstandes zurück. Die Meldung von demselben hatte Hauptmann v. Francois von Windhuk aus heliographisch an den im Süden befindlichen Gouverneur mit der Bitte um Truppen gemeldet. Die auf dem Marsch nach dem Süden zur Verstärkung dorthin beorderte, 137 Mann starke 2 Feldkompagnie erhielt am 15. Januar in Gibeon Befehl, sofort umzukehren. Unter enormen Gewaltmärschen legte die Kompagnie unter Hauptmann Franke die 300 km bis Windhuk in 4 1/2 Tagen zurück, traf am 27. in Okahandja ein und rückte nach Erstürmung des Kaiser Wilhelmberges und Verjagen der auf demselben sitzenden Hereros weiter nach Karibib. Hier traf sie am 2. Februar abends um 7 Uhr ein. Gleichzeitig mit der Kompagnie hatte ein bewaffneter Zug Okahandja verlassen und nach Wiederherstellung der Brücke bei km 280,6, die von den Hereros gesprengt worden war, Bahn- und Telegraphenverbindung mit Karibib vervollständigt. Durch diesen Siegeszug Frankes hatte sich die ganze Lage im Lande verändert. Die Hereros zogen sich von der Bahn zurück. Ihre Hauptmacht sammelte sich in den Onjatibergen bis hinauf zum Waterberg. Weiter östlich, Gobabis belagernd, saß der Tetjostamm, Omaruru schloß Michael mit seinen Leuten ein, und vor Otjimbingue lag Zacharias mit den nach dem Komashochland zu sitzenden Eingeborenen. Korvettenkapitän Gudewill ordnete nunmehr an: Die 2. Feldkompagnie unter Hauptmann Franke marschiert nach Omaruru zum Entsatz, die "Habicht" Mannschaft unter Kapitänleutnant Gygas übernimmt die Sicherung der gesamten Bahn. Am 3. abends rückte die 2. Kompagnie nach Omaruru, am 4. morgens das "Habicht" Detachement auf der Bahnlinie nach Osten ab. Von letzterem blieben in Karibib 10 Mann zur Bedienung der dort stationierten Geschütze, nämlich einer Revolverkanone auf dem Wasserturm, eine in der Vorder- und eine in der Rückenfront der Barrikaden. Zwei Revolverkanonen und zwei Maschinengewehre nahm das Korps mit zur eventuellen Verstärkung der einzelnen Stationen. Die Station Johann Albrechtshöhe wurde mit 1 Unteroffizier, 10 Mann besetzt. Hier wurde der von Okahandja unterwegs befindliche Zug gekreuzt. Um 3 Uhr nachmittags war am gleichen Tage in Swakopmund die normale Schutztruppenablösung, 200 Mann, unter Oberleutnant v. Winkler eingetroffen. Da dieser Transport, wie schon bekannt, vor Ausbruch des Aufstandes von Hause abgegangen war, hatte man bei seiner Ausrüstung und Verladung nicht damit gerechnet, daß er sofort nach seiner Ankunft in Aktion zu treten haben würde. Sein notdürftiges Gepäck hatte ja jeder Mann zur Hand. Das wichtigste aber, die Waffen - Gewehre M/98, die zur Neubewaffnung der Schutztruppe herausgesandt wurden -, befanden sich zuunterst im Laderaum. Drei Tage sollte das Löschen mindestens dauern. Da Eile geboten schien, ließ Korvettenkapitän Gudewill diese Mannschaften mit den in Swakopmund lagernden alten Beständen - Gewehren 71/84 - bewaffnen und unverzüglich auf der Bahn nach dem Inneren befördern. Ohne Unterbrechung konnte dieses Detachement die Bahnfahrt Swakopmund -Windhuk in 26 Stunden zurücklegen, eine Genugtuung für die Mannschaften des Landungskorps, und ein Beweis dafür, daß ihre Arbeit nicht vergeblich gewesen war. Das Landungskorps war an diesem Abend bis Okasise gekommen und hatte dort Biwak bezogen. Um 2.35 Uhr morgens am 5. Februar traf Winkler ebenfalls dort ein und setzte nach Empfang des für seine Truppe bereiteten Kaffee die Fahr fort, begleitet von dem Landungskorps. 9 3/4 Uhr wurde Okahandja erreicht. Dort wurde Leutnant zur See Eckolt mit 20 Mann und einem Maschinengewehr stationiert zur Überwachung der Strecke Karibib - Okahandja. Die Besetzung der Stationen war in der Weise geregelt worden, daß Johann Albrechtshöhe von den Mannschaften des Landungskorps, Wilhelmstal, Okasise und Waldau von der etwa 180 Köpfe starken Besatzung Okahandjas besetzt wurden. Die Besetzung der Stationen Teufelsbrück, Otjihavera, Okaputo und Brakwater fiel Windhuk, etwa 220 Mann stark, zu. Alle diese Stationen, mit 10 bis 15 Mann besetzt, waren mit Gewehren 88 ausgerüstet. Diese Gewehre tauschte Winkler gegen seine 71/84er mit Einverständnis von Kapitänleutnant Gygas aus, da die alten Gewehre zur Platzverteidigung ausreichten, für die nach dem Osten marschierende Truppe aber die modernere, leichte Waffe von großer Wichtigkeit war. In Windhuk konnte Winkler den Rest seiner 71er gegen 88er umtauschen. Die am 1. Februar aus Kamerun angelangten beiden Feldgeschütze C/73 (ohne Protze) und das Maschinengewehr hatte Korvettenkapitän Gudewill nach Karibib hinaufgesandt. Das eine davon nahm Winkler mit. Eine passende Protze fand sich in Windhuk vor. An Bedienungsmannschaften fehlte es ihm jedoch. Diese überwies ihm Kapitänleutnant Gygas, dazu eine Revolverkanone und das Maschinengewehr in der Landungslafette, ebenfalls mit Bedienung. Als Leiter der nunmehr aus 14 Mann des Landungskorps bestehenden Artillerie wurde Oberleutnant zur See Herrmann dem Korps Winkler angegliedert. Um 6.20 Uhr nachmittags erreichte dasselbe Windhuk, begleitet von dem Rest der "Habicht"-Mannschaft, die bei der Ausrüstung zum Vormarsch behilflich sein sollte. In Windhuk erwartete die Abteilung bereits ein Befehl von Korvettenkapitän Gudewill folgenden Wortlautes: "Landungskorps und Korps Winkler mit allen verfügbaren Mannschaften und Geschützen sofort nach Karibib zurückkehren, und von dort zum Entsatz Omarurus abmarschieren." Dieser Befehl war eine Folge des von Hauptmann Franke gesandten Heliogramms, wonach: "Am 4. Februar Omaruru gegen 600 Hereros mit Sturm genommen. Verzweifelter Widerstand des Feindes (es folgen dann Angaben über eigene und feindliche Verluste). Fein schließt Kaserne ein, Feste zerstört, Kompagnie zu schwach zum Vorgehen, da Feind große Mengen Munition 88 besitzt, Verstärkungen so schnell wie möglich senden, 400 Mann mit Geschützen; werde Omaruru zu halten suchen." Karibib hatte Anweisung erhalten, alles zum Vormarsch Notwendige vorzubereiten. Die sofortige Umkehr war wegen der bereits überanstrengten Maschinen nicht angängig, auch tat den Mannschaften Winklers eine kurze Ruhe nach der anstrengenden Bahnfahrt not. Am 6., um 6 Uhr morgens, trat Kapitänleutnant Gygas mit den gesamten Mannschaften die Rückfahrt an. In Okahandja ging ihm der Befehl zu, nach Windhuk zurückzukehren zur Aufnahme des alten Planes, d.h. Winkler sollte nach dem Osten marschieren. Die Hereros hatten sich nämlich inzwischen von Omaruru zurückgezogen und die Umgebung des Platzes geräumt. Nach Windhuk zurückgekehrt, wurde alles zum Abmarsch Winklers Notwendige vorbereitet. Abends 5 Uhr am 7. rückte er ab, verstärkt durch die 14 Mann des Landungskorps unter Oberleutnant zur See Herrmann. Außerdem war ihm noch der Arzt S.M.S. "Habicht", Marineoberassistenzarzt Dr. Velten, zugeteilt worden, da ein Arzt für seine 220 Mann nicht ausreichend war, dem Landungskorps dagegen an jedem größeren Platze ein solcher zur Verfügung stand. Auf dem Heliographenberg bei Windhuk wurde eine Revolverkanone montiert und zwei Mann zur Bedienung der Garnison überwiesen. Die Verteilung des Landungskorps war demnach jetzt die folgende: In Karibib: 10 Mann, 3 Revolverkanonen; in Johann Albrechtshöhe: 1 Unteroffizier, 10 Mann; in Okahandja: 1 Offizier, 2 Unteroffiziere, 18 Mann, 1 Maschinengewehr; in Windhuk: 2 Mann, 1 Revolverkanone; bei Winkler: 1 Offizier, 1 Arzt, 2 Unteroffiziere, 12 Mann, 1 Revolverkanone, 1 Maschinengewehr. Zur Verfügung blieben also noch 23 Mann, welche Kapitänleutnant Gygas bei sich behielt zum Abpatrouillieren der Bahnlinie. Einen regelmäßigen Bahnverkehr einzuführen, wäre zwecklos und undurchführbar gewesen. Entsprechend dem Bedarf, der zunächst in Verproviantierung der Bahnstationen bestand, fuhren die Züge stets begleitet von einer Bedeckung, die der Abgangsort stellte. Da der Bahndirektor Hennig - zuerst in Okahandja eingeschlossen - mit dem ersten Zuge nach Swakopmund zurückgekehrt war, ging die Betriebsleitung wieder an diesen über. Die militärische Überwachung verblieb der Truppe. Außerordentliche Vorsicht bei dem Verkehr war immer noch geboten, da noch wiederholt Beschädigungen an den Gleisen vorkamen. So waren beispielsweise von einem am 6. aus Okahandja abgefahrenen Zuge infolge eines nicht bemerkten oder nicht genügend gewürdigten Dammrutsches zwischen Teufelsbrück und Otjihavera die mittleren Wagen abgerutscht, nachdem Maschine und Tender die Stelle passiert hatten, ohne umgefallen zu sein. Die nach Okahandja zurückkehrenden Truppen unter Kapitänleutnant Gygas langten 10 Uhr vormittags an der Stelle an und besserten den Schaden in 10 Minuten wieder aus. Die umgefallenen Wagen blieben liegen und wurden als Unterlage für den neu aufzuwerfenden Damm benutzt. Am 8. Februar kehrte Kapitänleutnant Gygas mit dem Rest seiner Leute nach Karibib zurück, welcher Ort in der Mitte der Bahnlinie gelegen, zu deren Überwachung der geeignetste war. Für das am 10. erwartete Seebataillon wurden alle Vorbereitungen getroffen, die im wesentlichen im Beladen und Bereitstellen der für den Vormarsch notwendigen Wagen bestanden. Treiberpersonal und Gespanne wurden zusammengestellt und für das in Karibib noch stehende Kameruner 73er Feldgeschütz aus einer Ochsenkarre eine Protze gebaut. Am 9. Februar, 12.40 mittags, traf die "Darmstadt" mit dem Seebataillon in Swakopmund ein. Bei demselben befanden sich: eine Maschinenkanonenabteilung: 5 Offiziere, 56 Mann mit 8 Maschinenkanonen; eine Eisenbahnbauabteilung: 2 Offiziere, 55 Mann; Ersatzmannschaften für S.M.S. "Habicht": 3 Offiziere, 1 Arzt, 60 Mann mit einem Maschinengewehr. Letzere wurden sofort an S.M.S. "Habicht" überwiesen. Die Landung der Truppen ging bei dem herrschenden guten Wetter glatt vonstatten, und, dank den 1900 in China gewonnenen Erfahrungen, die beim Verladen der Truppen berücksichtigt waren, konnten die Mannschaften ohne jede Verzögerung nach der Landung voll ausgerüstet nach Karibib befördert werden. Auch jetzt wieder, wie auch im ganzen ferneren Verlauf des Krieges, trat die enorme Wichtigkeit der Bahn deutlich zutage. In Erkenntnis ihrer strategischen Bedeutung hatten die Hereros sich an ihre Zerstörung gemacht und waren nur durch das rechtzeitige Eintreffen des Landungskorps S.M.S. "Habicht" an der Vollendung ihres Zerstörungswerkes verhindert worden. Mit Eintreffen des Seebataillons ging Allerhöchsten Befehls gemäß der Oberbefehl in der Heimat vom Admiralstab auf den Generalstab über. Gleichzeitig übernahm in Südwestafrika der Führer der neu angekommenen Truppen, Major v. Glasenapp, den Oberbefehl, den bis dahin Korvettenkapitän Gudewill innegehabt hatte. Leider warf diesen letzteren wenige Tage später ein ihm bereits innewohnendes schweres Leiden, das infolge der Überanstrengung und der schlechten Verpflegung in Swakopmund erneut und beschleunigt zum Ausbruch kam, auf das Krankenlager nieder, von dem er sich nicht wieder erheben sollte. Major v. Glasenapp, erteilte seine Anordnungen für den Vormarsch auf Grund folgender Gesichtspunkte: Der Osten war durch das Korps Winkler, etwa 220 Mann, welches eine abwartende Stellung einnehmen sollte, genügend geschützt. Pferdematerial war so gut wie gar nicht vorhanden, und Fußtruppen hätten bei ihrer Unbeweglichkeit den Hereros den Abzug nach dem Osten, wenn diese Absicht tatsächlich vorliegen sollte, nicht unterbinden können. Gegen den Norden, als am stärksten vom Feinde besetzten Teil des Landes, sollten drei Kompagnien nach Vereinigung mit den in Omaruru stehenden Streitkräften vorrücken. Für den Süden blieb dann noch eine Kompagnie verfügbar, verstärkt durch das Landungskorps und die an der Bahn zunächst entbehrlichen 55 Mann der Eisenbahnabteilung. Karibib selbst war hinreichend befestigt, und für den Ort selbst wie für die Bahnlinie lag in dem gleichzeitigen Vormarsch nach dem Norden wie nach dem Süden der wirksamste Schutz. Am 11., um 6.40 vormittags, traf das Seebataillon in Karibib ein, von wo in Ausführung der getroffenen Anordnungen um 4 Uhr nachmittags bereits die 3. Kompagnie mit Major v. Estorff nach dem Norden abrückte. Das Landungskorps hatte Kapitänleutnant Gygas nach Möglichkeit in Karibib zusammengezogen. Johann Albrechtshöhe wurde mit Reservisten aus Karibib besetzt. Von dem am 11. nachmittags in Swakopmund eingetroffenen Gouverneur, Oberst Leutwein, wurde Major v. Glasenapps Plan im allgemeinen genehmigt, mit der Abänderung jedoch, daß die beiden noch für den Norden vorgesehenen Kompagnien mit je zwei Maschinenkanonen in Okahandja zur Verfügung des Gouverneurs bleiben, die nach dem Süden bestimmte Kompagnie mit zwei Maschinenkanonen mit Winkler im Osten sich vereinigen sollte. Auf Requisition von Korvettenkapitän Gudewill, welcher mit S.M.S. "Habicht" zur Kohlenergänzung nach der Walvisbai gehen mußte, wurde von dem in Karibib zusammengezogenen Landungskorps das technische Personal, 5 Mann zurücküberwiesen. Belassen waren in Windhuk 2 Mann, ebensoviel in Okahandja zur Bedienung der dort postierten Geschütze, und zu dem gleichen Zweck erhielt die Besatzung von Karibib 4 Mann. 14 Mann befanden sich bei Winkler. Demnach setzte sich das unter Kapitänleutnant Gygas nach dem Süden bestimmte Detachement zusammen aus: 51 Mann S.M.S. "Habicht", 55 Mann Eisenbahnschutztruppen, 17 alten Schutztruppenreitern, 1 Kriegsfreiwilligen, 34 schwarzen Polizeisoldaten und Treibern. Als Arzt wurde dem Detachement der nach Karibib zwecks Assistenz bei einer Amputation gesandte Schiffsarzt des Dampfers "Ernst", Dr. Willutzki, zugeteilt. Die Artillerie des Detachements bestand aus dem Kameruner 73er Feldgeschütz mit 44 Feldgranaten 88, 24 Kartätschen, 24 8,7 cm Schrapnells, einer 3,7 cm Revolverkanone mit 2160 Granatpatronen, dem Maschinengewehr mit 20 000 8 mm Patronen. Das Feldgeschütz war mit 8 Maultieren bespannt, die auf einer Ochsenkarre montierte Revolverkanone mit 10 Ochsen. Das Maschinengewehr wurde auf 3 Maultieren transportiert. Der Führer der Abteilung erhielt den Befehl, sich in Besitz von Otjimbingue zu setzen und nach Verproviantierung des Ortes auf dem direkten Wege nach Okahandja zu marschieren, wo seinem Eintreffen am 17. zum 18. Februar entgegengesehen würde. Von Okahandja aus sollte eine Reiterabteilung ihm entgegengesandt werden, mit welcher eine Vereinigung bei oder vor Groß-Barmen erfolgen sollte. Am 12. Februar, 5 Uhr nachmittags, rückte das Detachement von Karibib ab. Marschordnung war: Reiterei als Spitze, ein Zug, Artillerie, ein halber Zug, Wagenpark, ein halber Zug. Die Reiterei befehligte Oberleutnant Ritter, Zugführer waren Oberleutnant Kuhn, Leutnant Schwengberg, Feldwebel Sellnow, die Artillerie leitete Leutnant zur See Eckolt und der Wagenpark war Wachtmeister Schade übertragen. Die Reiterei bestand aus nur 12 Mann, da mehr Pferde in Karibib nicht aufzutreiben gewesen waren. Der Wagenpark setzte sich aus 4 Wagen mit je 18 Ochsen und einer Sanitätskarre mit 12 Ochsen als Bespannung zusammen. ![]() Die Reiterei der
Schutztruppe
Einmarschiert, mit erfahrenem
Treiberpersonal und eingefahrenen Ochsen,
hätte die Kolonne eine Länge von etwa 700 m
eingenommen. So zog sie auch bald auf 3 km auseinander. Die
Nachhut gelangte infolgedessen an diesem Tage
1 1/2 Stunden später als die Spitze am Lagerplatz an. Dieser war 8,5 km hinter Karibib auf übersichtlichem Terrain gewählt worden nach Passieren der sogenannten Karibiber Pforte, einem 6 km von Karibib abliegenden Paß durch die Felsengebirge. Kurz vor diesem Paß stürzte Leutnant zur See Eckolt so unglücklich mit dem Pferde, daß er sich den linken Unterschenkel brach und in das Karibiber Lazarett zurückgesandt werden mußte. Es war dieses ein empfindlicher Verlust für das Korps, da sich außer dem Führer kein mit der Leitung von Artillerie vertrauter Offizier bei demselben befand. Die Biwakordnung war so gewählt worden, daß ein Zug vor ein Zug hinter dem eigentlichen Lager lag, der dritte Zug die Viehposten stellte. Links und rechts von dem Lager stand das Vieh. Die Artillerie wurde den jeweiligen Verhältnissen entsprechend gebrauchsfertig aufgestellt und meist angelehnt an den Flügel eines Zuges. Die notwendigen Doppelposten oder selbstständigen Unteroffizierposten stellte der entsprechende Zug von seiner Front aus. Den alten Doppelposten stehenden Viehposten waren Schwarze vom Treiberpersonal beigegeben. An dieser Einteilung wurde im allgemeinen auf dem ganzen Zuge festgehalten. Als dauernder Nachterkennungsruf war "Habicht" ausgegeben worden. Ein Anrufen mit: "Halt, wer da!" war untersagt, ebenso auch jegliches Schießen aufs Geratewohl oder Ungewisse. Die Posten, mit dem Rücken gegen einen Busch und dadurch für den sich Nahenden schwer erkennbar aufgestellt, sollten den oder die herankommenden sich ruhig nähern lassen, bis die Identität mit absoluter Sicherheit festgestellt wäre. Ein Sichzurückziehen auf das Lager im Falle eines Angriffs war den Posten absolut untersagt; liegend sollten sie abwarten, bis die Lagertruppe in ihrer Höhe angelangt sei. ![]() Der Wagenpark mit
Treiberpersonal
Der für den Morgen des 13.
auf 3 Uhr angesetzte Weitermarsch
konnte erst 5 1/2 Uhr stattfinden. Einmal wollte das Einschirren
der Ochsen dem Treiberpersonal nicht recht gelingen aus Mangel an der
nötigen Übung und Erfahrung, und dann ließen sich die
Pferde nicht einfangen, die trotz Spannfesseln vor den sich ihnen
nähernden Reitern im Galopp im Busch verschwanden. Erst nach
Umstellen und langsamem Zusammentreiben der Tiere gelang es, dieselben
zu satteln.
Der Weg führte durch tiefen Sand über ein spärlich mit Dornbusch bestandenes Plateau. Die 24 km bis zur nächsten Wasserstelle wurden in 4 1/2 Stunden zurückgelegt, doch waren die Eisenbahner der Anstrengung eines solchen Marsches nicht gewachsen. Mitgenommen durch die Seefahrt und ermüdet durch die Bahnfahrt, trat jetzt teilweise gänzliche Ermattung ein, die, da auch einige Fälle von Hitzschlag auftraten, zwang, hier bei Okongawa 24 Stunden liegen zu bleiben. Der dichte, Schatten spendende Baumbestand und das reichliche Wasser ließen die Mannschaften wieder vollkommen zu Kräften kommen und, ausgeruht, am 14. um 4 Uhr nachmittags weitermarschieren. Die etwa 20 km vor Otjimbingue liegenden Höhenzüge, kahle, zerklüftete Felsengebirge, wurden noch bei Tageslicht passiert, hinter denselben jedoch, nach Zurücklegen von 24,5 km, biwakiert, um bei Tagesgrauen am nächsten Morgen mit ausgeruhter Mannschaft vor den Witboiklippen, steil ansteigenden und Otjimbingue beherrschenden Felsengruppen, anzulegen. Dieselben sollten von Hereros besetzt sein. 5 Uhr früh am 15. wurde aufgebrochen, vom Feinde jedoch nirgends etwas entdeckt. 7 1/2 Uhr langte das Korps in Otjimbingue an. Hier kommandierte der Leutnant v. D. Landmesser v. Frankenberg. 49 Gewehre hatte er am Ort, welche zur Verteidigung des gut verschanzten Hälbigschen Gehöftes genügten. Über den Aufenthaltsort des abgezogenen Feindes war Genaues niemandem am Platze bekannt. Kapitänleutnant Gygas erkannte die Notwendigkeit, denselben aufzusuchen; denn, unbelästigt gelassen, hätten die Schwarzen in dem Weiterrücken des Korps nur eine Schwäche der Weißen erblickt, und wäre damit für Otjimbingue die Lage nur verschlimmert worden. Die größte Wahrscheinlichkeit hatte das Gerücht für sich, daß Zacharias, der Häuptling der dortigen Hereros, am Swakop, etwa 28 km östlich Otjimbingues, lagere. Dort war reichlich Wasser und Weide vorhanden; es standen ihm nötigenfalls Wege nach allen Himmelsrichtungen offen, und schließlich war er von Otjimbingue nicht so weit entfernt, daß er nicht über die Vorgänge dort dauernd unterrichtet gewesen wäre, um bei sich bietender günstiger Gelegenheit einen Handstreich gegen den Ort zu unternehmen. Dorthin rückte also das Korps am 15. nachmittags 5 Uhr, nachdem der für Otjimbingue mitgebrachte Proviant abgeladen war. Am Abend wurde noch so weit marschiert, um für den nächsten Morgen ein überraschendes Auftreten an dem vermuteten Lagerplatz des Feindes zu ermöglichen. Eine vom Landmesser v. Frankenberg das Gebiet bis zum Swakop nach Süden, bis Okahandja nach Osten umfassende, sehr sorgfältig gezeichnete Karte ermöglichte ein sicheres Orientieren; außerdem war sowohl dem Oberleutnant Kuhn wie Ritter, letzterem von der Zeit des Eisenbahnbaues her, das zu durchziehende Gebiet stellenweise bekannt. Der Wagenpark hatte sich um zwei Wagen vergrößert, welche von Otjimbingue mitgenommen wurden, um sie in Okahandja im Truppendienst verwerten zu können. Mangel an Wagen und Ochsen hatte sich jetzt bereits fühlbar gemacht. Für den Vormarsch der noch zu erwartenden Verstärkungen mußte demnach jedes Stück Transportmittel von großem Wert sein. Die Reiterei war um 4 Pferde verstärkt, somit jetzt auf 16 Mann gekommen. Bis zu einer Stelle, etwa 4 km von dem Ziel ab, wurde marschiert und dort mit Gewehr im Arm, ohne Feuer, gegen 1 Uhr nachts gelagert. Vor Tagesanbruch am 16. wurde nach dem Swakoptal hinuntergerückt. Ritter mit den Reitern wurde zur Aufklärung vorausgeschickt. Falls Zacharias dort säße, sollte er versuchen, seine Stellung zu umgehen, und ihm den Rückzug nach Süden verlegen. Wie sich bald zeigte, war eine Überrumplung der Schwarzen ausgeschlossen. Im Swakoptal angelangt, erhielt die Reiterei von der Höhe jenseits des Flusses starkes Feuer. Es war dies kurz nach 5 Uhr. Ritter ließ sofort absitzen und ausschwärmen nach Entsendung der Meldung und führte erhaltener Weisung gemäß ein hinhaltendes Feuergefecht auf etwa 600m. Bei Eintreffen des Gros am Swakop, eine halbe Stunde später, hatte sich an der Situation nichts geändert. Dem Feldgeschütz war bei dem beschleunigten Vormarsch die Protzendeichsel gebrochen. Kapitänleutnant Gygas ließ einen Halbzug gegen die Hauptstellung der Schwarzen Front einnehmen lassen. Nach etwa halbstündigem Feuergefecht wurde die Höhe von den beiden Zügen gestürmt. Steil bergan, ohne nennenswerte Deckung vorgehend gegen einen Gegner, der, wohl verborgen hinter Felsblöcken, als Ziel nur beim Schuß seinen Kopf zeigte, kann es nur der außerordentlichen, moralischen Überlegenheit der rücksichtslos Anstürmenden zugeschrieben werden, daß der Gegner diese vorzügliche Stellung nicht zu halten imstande war. Das Maschinengewehr hatte bei dem steilen Anstieg nicht zu folgen vermocht und infolgedessen nicht wesentlich zu dem Erfolg beigetragen. Ohne Aufenthalt wurde in breiter Front über den Bergrücken nach dem Swakop zu geschwenkt und gegen die Hauptstellung der Hereros vorgegangen. Die Mannschaften waren jedoch durch dieses Bergan- und Bergabklettern so außer Atem gekommen, daß von einem gezielten Feuer keine Rede sein konnte. Der zu passierende lichte Busch bot in dem langsam ansteigenden Gelände keinerlei Deckung, so daß Kapitänleutnant Gygas zur Vermeidung unnötiger Verluste die Linie in gedeckte Stellung auf 500 m zurückzog, um das Eintreffen der Artillerie zu erwarten. Der zu Anfang nach links herausgeschobene Halbzug hatte, weit auseinandergezogen, eine Front gegen Süden eingenommen und sich auf 400 m an die feindliche Stellung herangeschoben. Mittlerweile hatte Oberfeuerwerksmaat Grabow mit Hilfe gefällter Bäume die Deichsel gelascht, und Oberleutnant Kuhn brachte das Feldgeschütz wie auch die inzwischen herangekommene Revolverkanone in Stellung. Kapitänleutnant Gygas übernahm nun die Leitung der Artillerie, Kuhn den Befehl in der Mitte der Linie übertragend. Das Korps stand in einem Halbkreis in dünner Schützenlinie konzentrisch vor der feindlichen Stellung und rückte, unterstützt durch das Artilleriefeuer, langsam bis auf etwa 100 m an dieselbe heran. Der Wagenpark, der unter Bedeckung eines Halbzuges hatte folgen sollen, traf gegen 10 1/2 Uhr ein und fand hinter der Artillerie in einer Terrainfalte geschützte Aufstellung. Die somit freigewordene Bedeckungsmannschaft wurde zur Verlängerung der Linie nach links vorgeschickt, um so die feindliche Stellung zu überflügeln. Erst gegen 12.20 Uhr war die diese Bewegung ausgeführt, und nach Vorbereitung durch Artillerie und Schnellfeuer wurde der mit zähem Widerstande in seinen Verschanzungen sitzende Feind aus diesen geworfen. Der eigene Verlust betrug: ein Mann gefallen (Matrose Karle), ein Unteroffizier (Bootsmannsmaat Jurjahn), ein Mann (Gemeiner Hesse) verwundet. Der feindliche Verlust blieb unbekannt. Vier Tote hatte er in seiner Hauptstellung liegen lassen, ebenso eine Menge Gewehre, Munition und Hausrat. Nach den in den Pontoks vorgefundenen, sehr reichlichen Beständen zu schließen, müssen die Schwarzen mit Sicherheit damit gerechnet haben, Herren des Platzes zu bleiben. Die beiden Felsengruppen hatten sie außerordentlich geschickter Weise zu einer fast uneinnehmbaren Verteidigungsstellung ausgebaut. Durch aufeinandergetürmte Felsblöcke, die dem Schützen bei vollkommener Deckung durch die Spalten genügenden Umblick gestatteten, war sogar gegen Artilleriefeuer hinlänglich Schutz geboten, wodurch es sich erklärte, daß die Hereros er nach Umgehung ihres rechten Flügels zur Aufgabe ihrer Stellung gezwungen werden konnten. Eine Verfolgung des in die Berge flüchtenden Feindes war nicht angängig wegen Ermattung der Truppen, die seit 24 Stunden sich mit einer Feldflasche voll Wasser und Hartbrot hatten begnügen müssen und 7 1/2 Stunden im Gefecht gelegen hatten. Auf dem Gefechtsfelde wurde gelagert und abgekocht. Der wenigstens 150 Gewehre starke Feind war nach Südosten in die unwegsamen Berge abgezogen. ![]() Station Otjimbingue
Die Aufgabe des Entsatzes
Otjimbingue konnte hiermit als gelöst
betrachtet werden, da nicht anzunehmen war, daß Zacharias nach
der heute erhaltenen Niederlage nach Otjimbingue zurückkehren
würde. Vielmehr mußte das ihm beigebrachte Gefühl
der eigenen Schwäche ihm die Notwendigkeit seiner Vereinigung mit
der Hauptmacht der Aufständischen vor Augen geführt
haben. Ein längeres Verweilen des Landungskorps am Platze
war somit zwecklos. Der Weg der Schwarzen in die Berge war
für die Wagen unpassierbar und ihre weitere Verfolgung einmal der
erhaltenen Weisung nicht entsprechend, andererseits auch für eine
Fußtruppe aussichtslos. Deshalb entschloß sich
Kapitänleutnant Gygas, Okahandja baldmöglichst zu erreichen,
um die dortige Garnison bei Sperrung der Wege nach dem Norden
unterstützen zu können. So wurde denn nach
dreistündiger Ruhe die ganze Umgebung nochmals abpatrouilliert,
ohne noch etwas vom Feinde zu bemerken, und um 5.20 Uhr der
Weitermarsch angetreten. 5 km wurden noch zurückgelegt und
um
8 Uhr gelagert. Um 6 Uhr am 17. wurde aufgebrochen. Kurz nach 8 Uhr langte das Korps bei der Drunabank, einer mäßig großen Aushöhlung im Felsen, in der sich das Regenwasser angesammelt hatte, an. Bei den Mannschaften machten sich jetzt die Anstrengungen des letzten Tages geltend. Erholung bot das Lagern an dieser Bank nicht. Baumlos, mit massigem Felsgeröll in dem blendend weißen Sand, wirkte das Liegen hier nur ermattend auf Menschen und Vieh. Das in der Bank vorgefundene Wasser hatte zum Kochen und Tränken knapp gereicht. Es mußte also trotz Sonnenglut um Mittag nach der nächsten Wasserstelle weitergerückt werden. Über drei Stunden waren zur Überwindung dieser nur 8 km langen Strecke erforderlich. Die Kräfte der Leute waren aber auch am Ende; ein Ruhetag geboten. Quaipütz, in einem Tal mit wundervollen Baumbestand und prächtiger Weide, bot Wasser in Menge. Der Brunnen wurde unbeschädigt vorgefunden. Schon bei dem Bahnbau, dann auch auf dem Marsche, wie auch hier wieder fiel es auf, daß an den Brunnen und Wasseranlagen von den Eingeborenen nicht die geringsten Beschädigungen vorgenommen waren, während sie sonst alles Übrige mit wildem Vandalismus zerstört hatten. Es mag sie das Bewußtsein der Notwendigkeit des zur Existenz in dem Lande unentbehrlichen Wassers hiervon abgehalten haben; auch glaubten sie wohl, daß alle diese Anlagen nach dem Verjagen der Weißen ihnen zugute kommen würden. Die 24 stündige Ruhe ließ Menschen und Vieh wieder voll zu Kräften kommen, so daß die Truppe am 18., frisch und ausgeruht, um 3 Uhr nachmittags bereits weitermarschieren konnte. Das jetzt zurücklegende Stück Weges war schlechter als je zuvor. Immer bergauf und bergab, im Tal durch den tiefen Sand der trocken liegenden Riviere, in welcher die Wagen stellenweise bis an die Achse einsanken, auf den Höhen über Felsblöcke und abschüssige Flächen, war das Vorwärtskommen ein nur sehr langsames. Erst nach 4 1/2 stündigem Marsch wurde Snyrivier, 11,5 km von Quaipütz ab, erreicht. Vor Aufbruch des Korps, am Morgen des 19. um 6 Uhr, wurde die Reiterei vorgesandt, um mit den von Okahandja erwarteten Reitern Fühlung zu gewinnen. Das Gros erreichte Klein-Barmen gegen 8 Uhr, beerdigte die dort aufgefundene Leiche des erschlagenen Farmers Lange und füllte an der Quelle die Feldflaschen auf. Ungefähr 5 km vor Groß-Barmen wurde eine große, im Swakoptal gelegene, verlassene Werft niedergebrannt. Hierbei fielen von dem eben passierten Höhenzuge vereinzelte Schüsse. Da das Schießen sofort wieder verstummte, in den unzugänglichen Felsen auch von Schwarzen nichts zu erkennen war, wurde weitermarschiert; nur wurde die Marschordnung dahin abgeändert, daß ein ganzer Zug die Nachhut bildete und je ein Halbzug seitlich der Wagen marschierend, die Seitendeckung übernahm. Zu dieser Änderung hatte sich Kapitänleutnant Gygas veranlaßt gesehen durch die Unübersichtlichkeit des jetzt zu passierenden Geländes unter Berücksichtigung der Möglichkeit einer Belästigung der Nachhut durch die Schwarzen, falls dieselben unbemerkt in größerer Anzahl in den Felsen sitzen sollten. Rechts sowohl wie links von steil anstrebenden Felsengebirgen beherrscht, führte der Weg aus dem Swakoptal durch dichten Busch über zwei flache Kuppen. Die mit dem Glas abgesuchten Höhen wiesen keinerlei Anzeichen eines vorhandenen Feindes auf. Dicht aufmarschiert, wie stets bei derartigen Passagen, bewegte sich die Kolonne durch das Defilee. Sie hatte mit ihrer Spitze eine steile, gegen Sicht vor den rechts gelegenen Höhen Schutz bietende Böschung noch nicht erreicht, als sie von sämtlichen umliegenden Höhen mit heftigen Feuer überschüttet wurde. Dem Kommando "Schwärmen" wurde unverzüglich und sinngemäß Folge geleistet, indem jeder Zug in der durch die Lage gebotenen Front ausschwärmte. Die Artillerie protzte an Ort und Stelle ab und eröffnete das Feuer auf die am stärksten besetzten Höhen zur Rechten auf 500 m. Sämtliches Treiberpersonal war bei den ersten Schüssen verschwunden, die Wagen standen unbeweglich und mit ihren Ochsen dem feindlichen Feuer ausgesetzt. Die etwas vorn links nach Groß-Barmen zu liegende Höhe hatte Kapitänleutnant Gygas sofort besetzen lassen und übertrug Oberleutnant Kuhn mit einem Halbzug das Vorziehen der Wagen hinter die deckende Böschung. Mit einiger Schwierigkeit gelang es diesem, die ausgeschwärmten Leute aus der Schützenlinie zurückzuziehen. Dann aber hatte er binnen kurzem die Wagen in Deckung gebracht. Die verfügbaren Mannschaften wurden sofort wieder zur Front zurückbeordert. Als einziges Fahrzeug war die den Schluß bildende Sanitätskarre, die außer der Sanitätsausrüstung 20 000 Patronen barg, stehen geblieben. Vier ihrer Ochsen waren gefallen, für den Rest der Tiere war das Fuhrwerk zu schwer. Der Zug Schwengberg, die Nachhut, war auf die Höhe der Kuppe zurückgezogen worden, um ihn auf dem langsam abfallenden Hügel, auf welchen sich, wie auch auf die Artillerie hatten das Feld bereits geräumt, ehe noch unsere Leute die Höhen erklommen hatten. Gleichzeitig verschwand der Gegner auch von sämtlichen übrigen Höhen. Einen Toten und sieben Verwundete hatte das Gefecht gekostet. Der Verlust des wenigstens 200 Gewehre starken Feindes blieb unbekannt. Neun Tote und eine Anzahl Gewehre ließ er auf den genommenen Höhen liegen. Das ganze Gefechtsfeld wurde nicht abgesucht. Zu einer Ausnutzung des errungenen Erfolges fehlte es an genügenden Kräften. Zunächst war das Korps derart auseinandergezogen, daß eine einheitliche Leitung nicht mehr möglich war. Dann fehlte von der Reiterei, der eigenen wie der von Okahandja erwarteten jede Spur. Der Führer ließ deshalb sammeln und rückte nach Groß-Barmen weiter, um zunächst seine Reiterei wieder an sich zu ziehen. Diese war, wie gesagt, in der Frühe unter Oberleutnant Ritter nach Groß-Barmen vorgeritten. Dort hatte sie, um 7.50 Uhr angelangt, mit der Reiterschar aus Okahandja, 20 Mann unter Veterinärarzt Rickmann, sich vereinigt. An den beiden vorhergehenden Tagen hatte Rickmann versucht, nach Klein-Barmen zu gelangen, war jedoch an dem Engweg jedesmal durch heftiges Feuer des bedeutend überlegenen Gegners zur Umkehr gezwungen worden. Ein Durchkommen hielt Rickmann auch jetzt für die schwache Reiterabteilung für ausgeschlossen, wie er auch von dem Entsenden von Meldereitern an Kapitänleutnant Gygas Abstand nahm, in der sicheren Annahme, daß dieselben doch nur abgeschossen werden würden. Er beschloß deshalb, dem anmarschierenden Korps dadurch zu helfen, daß er die Hereros im Rücken faßte. Nach Süden ausholend, war er gerade im Begriff, gegen die am stärksten von den Schwarzen besetzte Höhe vorzugehen, als von der Artillerie das Feuer, und zwar gerade auf die von ihm für den Angriff in Aussicht genommene Kuppe eröffnet wurde. Dieses zwang die Reiter, von ihrem Vorhaben abzusehen und einige Kilometer Südwärts die Beendigung des Gefechts zu erwarten. Gegen 3 Uhr trafen sie kurz hinter dem Korps in Groß-Barmen ein. Dem dort vorgefundenen Befehl des Gouverneurs, persönlich in Okahandja Meldung zu erstatten, Folge leistend, ritt Kapitänleutnant Gygas um 4 Uhr nachmittags, die neuen Verwundeten unter Bedeckung der Reiter mitnehmend, nach Okahandja. Oberleutnant Kuhn sollte mit dem Korps am nächsten Tage folgen. Am 20. gegen Abend traf das Detachement in Okahandja ein. Inzwischen hatte sich die Notwendigkeit der Verwendung der Eisenbahnbauabteilung an der Bahnlinie herausgestellt. Diese wurde daher nach Karibib beordert, das "Habicht"-Korps in seiner bisherigen Zusammensetzung damit aufgelöst. Das Landungskorps blieb in Okahandja und marschierte am 24. mit der Kompagnie Schering vom Seebataillon nach Okamitta, 8,5 km nördlich von Okahandja. In den dort gelegenen Werften sollten sich Hereroabteilungen aufhalten. Der Platz erwies sich jedoch als verlassen, weshalb am 25. nach Einäscherung der Pontoks nach Okahandja zurückgekehrt wurde. Nach Vereinbarung des Kommandanten S.M.S. "Habicht", Korvettenkapitäns Gudewill, mit dem Gouverneur sollte das Landungskorps gegen die mit dem Marine-Expeditionskorps hinausgesandten Ersatzmannschaften ausgetauscht werden. Letzere traten, am 26. Februar und 1. März nach Okahandja gesandt, zu dem Marine-Expeditionskorps und gingen bald, teils als Reiter, teils auf der Etappe oder beim Landedienst, im großen ganzen in den dortigen Truppen auf. Das Landungskorps unter Kapitänleutnant Gygas traf am 27. Februar wieder in Swakopmund ein und kehrte an Bord zurück. An Land blieben Oberleutnant zur See Hermann und Dr. Velten mit 14 Mann bei der Kompagnie Winkler und 6 Mann auf den verschiedenen Stationen. Leutnant zur See Eckolt lag mit gebrochenem Unterschenkel in Karibib, gefallen war ein Mann. Eine Beteiligung der Mannschaften S.M.S. "Habicht" fand im April nochmals insofern statt, als am 24. auf Ersuchen des Gouverneurs 2 Unteroffiziere, 28 Mann zum Bahnschutz ausgeschifft wurden. Auf die Stationen zwischen Kubas und Okahandja verteilt, ermöglichten sie eine Verstärkung der Hauptabteilung durch die so frei gewordenen Reiter. Mit Rücksicht auf den für den 1. April angesetzten Vormarsch war diese Verstärkung für den Gouverneur von Bedeutung. In Aktion traten diese Mannschaften nicht mehr; sie wurden nach Rückkehr der Truppen nach Okahandja am 2. Mai wieder zurückgezogen. Als erste Truppen in dem vom Aufstande verwüsteten, von ausreichenden Streitkräften entblößten Lande eingetroffen, hatte sich das Landungskorps mit Energie der ihm nach Lage der Dinge zufallenden Aufgabe gewidmet. Statt, wie erhofft, sofort dem Feind entgegenrücken zu können, war es, weil zum selbständigen Vorgehen zu schwach, gezwungen, den folgenden Verstärkungen die Wege zu ebnen durch Wiederherstellung der Bahn. Diese Aufgabe wurde gelöst. Auf dem Zuge nach Otjimbingue - auf dem Marsche wie im Gefecht - zeigten sich die Mannschaften der Marine jeder Situation voll gewachsen und erbrachten erneut den Beweis dafür, daß sie auch Aufgaben, die außerhalb des eigentlichen Bereiches ihrer Tätigkeit liegen, voll gerecht zu werden vermochten. |
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